Rezension Jennifer Wellen – Wenn der Winter dich küsst

Eine zauberhafte Geschichte, so herzerwärmend wie eine Tasse heiße Schokolade mit Schuss – so wirbt dp Digital Publishers für die neueste Geschichte aus der Feder von Jennifer Wellen. Ich weiß zwar nicht, ob ich diesen Vergleich so in der Form gezogen hätte, aber herzerwärmend war die Geschichte wirklich :).

Der Klappentext:

Alessa könnte ihr Leben verfluchen: Es gibt wirklich Schöneres, als bei Minusgraden in Minirock und High Heels an einer Bushaltestelle zu sitzen und zu frieren. Frisch verlassen, ohne Kreditkarte und ohne Plan, wie es weitergehen soll. Und das ausgerechnet an Heiligabend! Deshalb erscheint ihr der attraktive Soldat, der sie in seinem Auto mitnehmen will, wie ein Geschenk des Himmels.

Während der Fahrt stellen beide schnell fest, dass ihnen nicht nur die Sympathie gemein ist, sondern auch eine seelische Last, die beide seit Längerem mit sich herumtragen. Doch dann geschieht auf der langen Fahrt etwas, das die beiden unverhofft zusammenschweißt …

Meine Meinung:

Jennifer Wellen stellt uns in dieser Weihnachtsgeschichte Alessa und Sandro vor, zwei Menschen, die eigentlich nur durch Zufall aufeinandertreffen und die beide ihr Päckchen zu tragen haben, weswegen sie dem Fest der Liebe eher mit gemischten Gefühlen entgegenblicken.

Welche Päckchen das sind, erfährt der Leser allerdings erst so nach und nach, obwohl zwischen den Beiden von Anfang Funken sprühen. Doch gerade wegen dem, was ihnen widerfahren ist, sind sowohl Alessa als auch Sandro erst einmal zurückhaltend, was den anderen betrifft.

Da die Geschichte allerdings wechselweise mal aus der Perspektive von Alessa, dann wieder von Sandro erzählt, erfährt man Stück für Stück, was passiert ist. Dinge, die einen Menschen schon mal aus der Bahn werfen können, Dinge, wo man nicht weiß, wie man damit umgehen geschweige denn sie wieder gerade biegen kann. Aber auch Dinge, wie sie jedem Menschen dort draußen irgendwann einmal passieren können.

Aus diesem Grund fiel es mir nicht schwer, sowohl für Alessa als auch für Sandro Sympathien zu entwickeln und mit ihnen mitzufühlen. Ja, mitfühlen, denn ich habe doch beim Lesen das eine oder andere Tränchen verdrückt, vor allem dann, wenn wieder ein Geheimnis mehr gelüftet wurde, warum beide so sind, wie sie sind. Vor allem Sandro tat mir hier wirklich sehr, sehr leid …

Natürlich wäre es aber keine Weihnachtsgeschichte, wenn nicht auch ein klein bisschen der winterliche Kitsch regieren würde. Trotzdem versteht es Jennifer Wellen hier sehr gut, den “Zucker” nicht überquellen zu lassen. Ganz im Gegenteil: Irgendwann wünscht man als Leser Alessa und Sandro einfach nur das bisschen Glück und die Romantik, wonach sie sich beide sehnen.

Und auch wenn das Ende einen gewissen Teil der Handlung betreffend eher traurig ausfiel, hatte ich trotzdem das Gefühl, dass es so sein muss, so und nicht anders. Es wirkte damit einfach realistischer und nicht überfrachtet, auch wenn mir eine gewisse Szene auch einen großen Lacher entlockte (Ich sage nur “Rentier”, für die, die die Geschichte vielleicht schon kennen).

Einen kleinen Wermutstropfen hat die Geschichte, aber er ist zu vernachlässigen: Der Länge des Buchs ist es wohl geschuldet, dass sich einige Dinge bei der Handlung recht rasch entwickeln, dies störte mich allerdings nach dem ersten Drittel nicht mehr so wirklich.

Mein Fazit:

Wer auf der Suche nach einer schönen weihnachtlichen (und doch ein klein bisschen realistischen) Liebesgeschichte ist, kann mit diesem Buch nicht viel falsch machen!

  • ★★★★
  • E-Book
  • 143 Seiten
  • dp DIGITAL PUBLISHERS
  • 978-3960875840
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Rezension Heather Morris – Der Tätowierer von Auschwitz

Ich erinnere mich, dass ich schon zu Beginn dieses Jahres das erste Mal auf dieses Buch aufmerksam wurde, als es auf Englisch auf einem Blog (glaube ich) vorgestellt wurde. Das Thema fesselte mich sofort, denn Auschwitz ist nun mal nicht unbedingt ein Ort, den man mit dem Kennen und Lieben Lernen zweier Menschen verbindet.

Aus diesem Grund wanderte es einmal auf meine Merkliste, mit dem Hintergedanken es zu lesen, wenn es als Taschenbuch erscheinen würde … Umso überraschter war ich ehrlich gestanden, als ich es im August bereits auf Deutsch – und auch als Hörbuch –  entdeckte.

Der Klappentext:

1942 wurde Lale Sokolov nach Auschwitz deportiert. Seine Aufgabe war es, Häftlingsnummern auf die Unterarme seiner Mitgefangenen zu tätowieren, jene Nummern, die später zu den eindringlichsten Mahnungen gegen das Vergessen gehören würden. Er nutzte seine besondere Rolle und kämpfte gegen die Unmenschlichkeit des Lagers, vielen rettete er das Leben. Dann eines Tages tätowierte er den Arm eines jungen Mädchens – und verliebte sich auf den ersten Blick in Gita. Eine Liebesgeschichte begann, an deren Ende das Unglaubliche wahr werden sollte: Sie überlebten beide.

Eindringlich erzählt Heather Morris die bewegende, wahre Geschichte von Lale und Gita, die den Glauben an Mut, Liebe und Menschlichkeit nie verloren.

Meine Meinung:

Die Geschichte von Lale und Gita ist bemerkenswert, gar keine Frage – und ich sehe das Buch auch als einen wichtigen Beitrag gegen das Vergessen. Es gibt wohl nur ganz wenige Bücher, die von jemandem inspiriert sind, der das Grauen an diesem Ort erlebt und – vor allem – überlebt hat.

Trotzdem hatte ich beim Hören so meine Probleme: Das Eindringliche, das im Klappentext erwähnt wird, habe ich sehr oft einfach nicht spüren können. Der Erzählstil des Buches ist in meinen Augen fast zu sachlich gehalten, trotz der vielen Dialoge, die die Autorin eingefügt hat.

Aus diesem Grund habe ich mich immer wieder gefragt, was ich hier vor mir habe, ein Sachbuch, das Sequenzen eines Romans enthält, oder einen belletristischen Roman, der sich sehr strikt an die Erinnerungen Lales hält. Für mich ist hier irgendwie eine Mischung aus beidem herausgekommen …

Diese Sachlichkeit ist es auch, die mir den Zugang zeitweise sehr schwierig gemacht hat. Irgendwie hatte ich erwartet, mehr Gefühle zu durchleben, stattdessen gingen viele Szenen einfach an mir vorbei, obwohl sie eigentlich etwas in mir hätten auslösen müssen. Nicht einmal die aufkeimende Liebe zu Gita wurde auf diese Weise für mich transparent, irgendwie lernt Lale Gita kennen (soweit man in Auschwitz überhaupt von “Kennenlernen” sprechen kann) und ist dann ruckzuck in sie verliebt, obwohl er recht lange nur sehr wenig von ihr weiß.

Ich möchte aber nicht nur kritisieren, denn wenn Lales Erinnerungen korrekt sind, gab es auch kleine Funken von Menschlichkeit in Auschwitz. Menschen, die im Geheimen versucht haben, den Lagerinsassen zu helfen, und sie vielleicht nicht retten, aber ihnen zumindest das Leben in Form von geschmuggelten Lebensmitteln und Medikamenten leichter machen konnten.

Gerade diese kleinen Momente ließen mich dran bleiben, die Neugier, wer von den Nebenfiguren es denn schaffen würde. Ein Gefühl, das mich leider weniger mit den Hauptfiguren verbunden hat, da ich ja schon vor dem Lesen wusste, dass sie Auschwitz, seine Krankheiten und Foltern überleben würden …

Gut gefallen hat mir auch das Nachwort der Autorin, wo sie das Kennenlernen von Lale als altem Mann schildert. Hier merkt man ihr an, dass ihr Lales Leben wohl doch sehr nah gegangen sein muss, denn sie spricht von einer Lektion in Menschlichkeit … Wenige Worte nur, aber sie konnten mich mehr berühren als das Buch selbst (Obwohl die Geschichte natürlich notwendig ist, um zu verstehen, was die Autorin mit dem Nachwort sagen möchte).

Abgerundet wird das Hörbuch von einigen Anmerkungen, die das weitere Schicksal der beiden Liebenden schildern. Ein sehr passender Abschluss, den es hat mich durchaus interessiert, wie es Gita und Lale nach der Nazi-Zeit ergangen ist. Und damit einher geht auch ein Kompliment an den HörbucHHamburg Verlag, denn oft werden solche Dinge dem Hörbuch-Fan ja leider unterschlagen.

Mein Fazit:

Ich vergebe 4 Sterne aufgerundet, denn summa summarum hat “Der Tätowierer von Auschwitz” bei mir sehr gemischte Gefühle erzeugt. Ich maße mir nicht an zu urteilen, ob die Autorin diesen sachlichen Schreibstil absichtlich gewählt hat (woraus zumindest aus dem Nachwort zu schließen ist), aber so richtig nah ging mir das Buch tatsächlich erst durch das Nachwort …

  • ★★★★
  • Hörbuch
  • 439 Minuten
  • HörbucHHamburg
  • 978-3869524092
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(Kurz)Rezension Petra Hartlieb – Ein Winter in Wien

Petra Hartlieb ist mir schon seit ihrem Buch “Meine wundervolle Buchhandlung” ein Begriff. Dass sie allerdings nun auch angefangen hat, Romane mit historischem Setting zu schreiben, ist irgendwie bis jetzt an mir vorbeigegangen. “Ein Winter in Wien” dürfte nämlich der Auftakt zu einer mehrbändigen Geschichte werden, die Fortsetzung “Wenn es Frühling wird in Wien” ist dieses Jahr im Februar erschienen.

Der Klappentext:

Um 1910. Marie arbeitet als Kindermädchen bei einer angesehen Familie im Wiener Cottage-Viertel. Eines Tages wird sie vom Herrn des Hauses zur nahegelegenen Buchhandlung geschickt, um ein Buch abzuholen. Doch sie kommt mit leeren Händen, völlig durchnässt vom Schnee, zurück. Der Band sei noch nicht eingetroffen, Buchhändler Oskar bringe ihn so bald wie möglich persönlich vorbei. Als Oskar am gleichen Nachmittag am Haus in der Sternwartestraße klingelt, hat er gleich zwei Bücher dabei: eines für den Herrn Schnitzler und das andere für Marie, mitsamt einer persönlichen Notiz an das Fräulein. Er möchte sie gerne wiedersehen…

Meine Meinung:

Petra Hartlieb hat einen einfachen und recht schnörkelosen Schreibstil, der es einem aber nicht schwer macht, sich in die Haut des jungen Mädchens Marie zu versetzen, das die freiwerdende Stelle als Kindermädchen bei den Schnitzlers ergattert.

Marie selbst ist auf einem Bauernhof großgeworden, daher erscheint ihr die neue Arbeit in Wien als echter Glücksgriff. Die zweijährige Lili und der neunjährige Heini freunden sich schnell mit ihr an und zusammen mit der Familie erlebt Marie, dass das Leben auch aus anderen Dingen als harter Arbeit, Schlägen und Schweigen besteht.

Maries Leben nimmt eine erneute Wendung, als sie den jungen Buchhändler Oskar kennenlernt, der sich von ihr sofort angezogen fühlt. Marie dagegen ist zurückhaltend, hat sie doch sehr wohl verstanden, dass es für sie nicht von Vorteil ist, in ihrer Situation sich auf eine Liebelei einzulassen …

Für sich gesehen gibt der Inhalt eigentlich nicht viel her, trotzdem ertappte ich mich irgendwann beim Lesen, dass sich die Geschichte langsam, aber sicher in mein Herz schlich, auch wenn ich mehrmals das Gefühl hatte, dass aufgrund der Kürze des Romans vieles auf der Strecke blieb. Hartlieb gelingt es trotzdem wunderbar, das Leben der Menschen jener Zeit einzufangen und darin das zarte Pflänzchen der Gefühle einzubetten, die sich hier langsam, aber sicher zwischen Marie und Oskar entwickeln.

Es kommt aber auch das Leben der Familie Schnitzler auf den 176 Seiten nicht zu kurz. Wir erfahren, dass Schnitzler vor seiner Ehe kaum etwas anbrennen hat lassen, Sohn Heinrich wurde sogar noch unehelich geboren. Die kleine Lili dagegen ist Schnitzlers Augenstern, der Vater kümmert sich trotz seiner Arbeit und seinen gesellschaftlichen Aktivitäten rührend um beide Kinder.

Warum ich keine vier Sterne vergebe, hängt aber leider mit dem Ende zusammen. Denn das Buch hat eigentlich keines, die Geschichte friert mehr oder weniger in der letzten Szene einfach ein. Und das ist etwas, was ich absolut nicht leiden kann und was ich für sehr ungeschickt halte, da ich mit einem ziemlich unzufriedenen Gefühl den Deckel vom Reader zuklappen musste.

Mein Fazit:

“Ein Winter in Wien” ist eine zarte und sehr zurückhaltende Liebesgeschichte, eingebettet in das Wien des beginnenden 20. Jahrhunderts. Den Wermutstropfen stellt für mich leider das ungeschickte Ende dar, das mir doch ein wenig die Freude an dem Buch verdorben hat …

  • ★★★★★
  • E-Book
  • 176 Seiten
  • Rowohlt Digitalbuch
  • 978-3-644-31551-8
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Rezension Kristina Günak – Wer weiß schon, wie man Liebe schreibt

Wer mich kennt, weiß, dass ich mit vielen Liebesgeschichten oft auf Kriegsfuß stehe, weil ich sie oft für übertrieben und unrealistisch halte.

Die liebe Nise von Kitsunebooks hat diesen Roman allerdings schon vor einer Weile empfohlen, weswegen ich jetzt beschlossen habe, dieser Geschichte eine Chance zu geben, mich von sich zu überzeugen.

Der Klappentext:

Bea Weidemann kann es nicht fassen: schlimm genug, dass ihr kleiner Verlag in finanziellen Schwierigkeiten steckt. Aber dass sie nun als Tim Bergmanns persönliche Anstandsdame abgestellt wird und mit ihm den Verlag retten soll, ist einfach zu viel für die junge PR-Referentin.

Denn der schwierige Bestseller-Autor lässt sich von nichts und niemandem etwas vorschreiben – und ist genau die Sorte Mann, um die Bea sonst einen weiten Bogen macht. Herzklopfen hin oder her. Doch während sie versucht, das Chaos von Tim – und sich – abzuwenden, merkt sie bald, dass auch die Liebe absolut nichts von ihren Plänen hält.

Meine Meinung:

Der Klappentext gibt in meinen Augen eigentlich nur unzulänglich wieder, was den Leser (oder in meinem Fall den Hörer) bei diesem Roman erwartet. Denn er lässt darauf schließen, doch nur einen der vielen Chicklit-Romane zu bekommen, die den Markt schon so lange dominieren. Die Wirklichkeit sieht Gott sei Dank ganz anders aus.

“Wer weiß schon, wie man Liebe schreibt” ist meiner Meinung nach endlich mal eine Liebesgeschichte, die so in dieser Form wirklich passieren könnte. Eine Geschichte, die nicht schon nach den ersten Seiten in Instalove und Gefühlsschmalz ertrinkt.

Eine Geschichte von zwei Menschen, die beide aufgrund ihrer Erfahrungen ihr Päckchen zu tragen haben, die auf ihre Weise aber das Beste aus der Situation gemacht haben. Zwei Menschen, die sich unter normalen Umständen nie und nimmer begegnet wären und die sich anfangs auch nicht leiden können, sich dann aber aneinander gewöhnen und schließlich lieben lernen.

Wer hier die ganz großen Gefühle erwartet, wird enttäuscht werden. Wer aber auf die leisen Töne der Liebe steht und gerne verfolgt, wie die Liebe zwischen zwei Menschen langsam entsteht, wird hier seine Freude haben. Gewürzt wird das Ganze durch eine wunderbare Prise Humor, ein ganz klein bisschen Chicklit (Ganz ohne Klischees kommt der Roman nicht aus, aber es hält sich in meinen Augen in Grenzen) und die zum Teil etwas schrulligen, aber sympathischen Nebenfiguren.

Einzig und allein ein bisschen mehr Länge hätte ich mir bei der einen oder anderen Szene gewünscht. So manches kam dabei etwas kurz, was mehr Tiefe verdient hätte. Gerade über Beas Familie hätte ich gerne ein bisschen mehr erfahren, genauso kam mir auch Tims Hintergrund ein bisschen zu kurz. Aber die Chemie zwischen den beiden Protagonisten machte das durchaus wett und es war mir wirklich eine Freude, Beas und Tims Dialoge zu verfolgen (vor allem am Anfang musste ich sehr, sehr viel grinsen :D).

Das Hörbuch ist bei Audible als ungekürzte Fassung erhältlich. Die Sprecherin macht eine gute Arbeit und ihre Stimme passt zur Hauptfigur, aus deren Perspektive die Geschichte erzählt wird. Beas Art unterstützt sie dabei sehr gekonnt, besonders die Gefühle in den Dialogen fand ich überzeugend vorgetragen.

Mein Fazit:

“Wer weiß schon, wie man Liebe schreibt” ist meiner Meinung nach eine wohltuende Abwechslung in dem unendlichen Meer der Liebesromane. Wer sich wie ich einen Roman wünscht, in dem das Entstehen der Liebe realistisch beschrieben wird, kann mit diesem Buch nichts falsch machen.

  • ★★★★
  • Hörbuch
  • 439 Minuten
  • Audible Studios
  • B0783Q89RZ
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Rezension Dieter David Seuthe – Frankfurt verboten

Das erste Mal wurde ich auf dieses Buch bereits letztes Jahr im Herbst aufmerksam, als Verlegerin Anya Schutzbach die Geschichte auf der Frankfurter Buchmesse vorstellte. Bereits damals dachte ich mir, das ist eine Geschichte, die ich lesen muss. Das Thema hörte ich zwar nicht unbedingt nach leichter Unterhaltung an, aber ich bin der Meinung, dass wir solche Geschichten brauchen, um nicht zu vergessen, was Hass und Rassismus anrichten können.

Zum Inhalt:

Elise Herrmann ist ein junges Mädchen, das schon in jungen Jahren als aufstrebende Pianistin auf sich aufmerksam macht. Mit Hilfe eines Stipendiums gelingt es ihr, einen Ausbildungsplatz am Hoch’schen Konservatorium in Frankfurt zu bekommen. Gleichzeitig erlebt sie mit Max von Hochem das erste Mal, was es bedeutet, verliebt zu sein. Das Leben könnte so schön sein, wenn es nicht 1929 wäre – und Elise nicht Jüdin …

Meine Meinung:

Wie findet man für etwas Worte, was man sich heute nur noch schwer vorstellen kann, wenn man nicht im Deutschland der 30er und 40er gelebt hat? Dieter David Seuthe ist es mit seinem Buch “Frankfurt verboten” jedenfalls gelungen. Seine schlichte Sprache zieht einen sehr schnell in das Buch, in das Leben der jungen Leute in Frankfurt.

Die Geschichte startet 1929 in Bad Ems, einem Ort in der Nähe von Frankfurt: Elise ist jung und unerfahren, aber leidenschaftliche Pianistin, mit einem Talent, mit dem sie die Gefühle ihrer Mitmenschen erreichen kann. Gleichzeitig ist sie Jüdin, lebt allerdings nicht wirklich nach jüdischen Traditionen …

Ihr Jugendfreund Arno hilft ihr, ein Konzert für ihre erblindende Großmutter Louise zu organisieren. Alles läuft gut, wären da nicht die Nationalsozialisten, die sich nicht zu schade sind, das Konzert zu mit Pfiffen und Buhrufen zu stören. Elise ist verstört, denn sie kann nicht verstehen, was sie diesen Leuten getan hat. Dieses Unverständnis stellt Seuthe meiner Meinung nach sehr gut dar, Elise ist nicht unbedingt ein politischer Mensch, ist bis jetzt sehr behütet aufgewachsen.

Dies ändert sich mit ihrem Umzug nach Frankfurt, wo sie auch ihre erste Liebe Max kennenlernt. Der junge Mann ist Arier, hat glänzende Aussichten, als Jurist Karriere zu machen. Es ist mehr oder weniger Liebe auf den ersten Blick. Gleichzeitig gewinnt Elise neue Freunde, die von überall her gekommen sind, um in Frankfurt Musik zu studieren. Das Frankfurt dieser Zeit ist liberal, Homosexuelle müssen sich nicht mehr verstecken, Jazz und Swing werden in eigenen Musikkellern gespielt, auch wenn Elise eher eine klassische Karriere anstrebt.

Aber die Schatten werden länger, denn Hitler ergreift die Macht – und Elise muss auf einmal feststellen, dass ihresgleichen nicht mehr in Deutschland, ihrem Deutschland, das sie als Heimat betrachtet, erwünscht ist. Max versucht alles, sie zu schützen, aber kurz bevor Elise ihr Debüt geben kann, wird es jüdischen Künstlern verboten, in Frankfurt aufzutreten. Frankfurt verboten, diese zwei Worte begleiten Elise von nun an – und die Maschen werden immer enger.

Seuthe beschreibt abwechselnd als auktorialer Erzähler als auch in Form von Briefen, wie Elise diese Zeit erlebt. Gerade diese Briefe sind es auch, die mich zeitweise zu Tränen gerührt haben. Eigentlich möchte sie ja nichts anderes machen, als Klavier zu spielen (und auch Schüler zu unterrichten), aber die Nazis boykottieren sie, wo sie nur können, bedrohen sie sowohl mit psychisch als auch physisch. Max versucht dabei alles, ihr zu helfen, tritt dafür sogar in die NSDAP ein, aber die Angst ist vor allem nach 1933 allgegenwärtig.

Gleichzeitig wird das Frankfurt der Vorkriegszeit wieder lebendig, Straßen, Plätze und Orte werden anschaulich beschrieben, wo Elise wohnt und arbeitet. Gerade wenn man die Stadt ein bisschen kennt, kann man gar nicht anders, als das Gefühl zu haben, Frankfurt von einer anderen – längst vergangenen – Seite kennenzulernen. Der Autor weist beispielsweise im Nachwort daraufhin, dass es das Hoch’sche Konservatorium in der von ihm beschriebenen Straße wirklich gegeben hat …

Ab einem gewissen Punkt wird zwar das Ende vorhersehbar, aber trotzdem ist es nicht weniger traurig. Daher kann ich nur sagen: Taschentücher bereitlegen, wer dieses Buch lesen will! Und vielleicht nebenher Grönemeyers “Mensch” hören – dieses Lied ging mir jedenfalls die ganze Zeit beim Lesen im Kopf herum …

Mein Fazit:

“Frankfurt verboten” ist in meinen Augen ein sehr schönes, trauriges, aber auch wichtiges Buch. Mit einfachen Worten gelingt es dem Autor eindringlich darzustellen, wie das Leben im Frankfurt der 30er Jahre für die Juden unter den Nazis gewesen sein muss … Taschentücheralarm!

  • ★★★★★
  • E-Book
  • 370 Seiten
  • Weissbooks
  • 978-3863370237
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Rezension Alia Cruz – Art Hunter “Gestohlenes Herz”

Die bibliophile Befreiungsfront alias BBF hat wieder zugeschlagen! Unter diesem Namen hat sich eine kleine, aber feine Gruppe von Leuten auf Twitter zusammengetan, um gemeinsam Bücher zu lesen und zu besprechen. Unter dem Hashtag #bbfliest fassen wir gewöhnlich unsere Eindrücke zu den Büchern zusammen … In diesem Zusammenhang landete Art Hunter “Gestohlenes Herz” auf unserem Radar, der erste Teil einer Reihe.

Der Klappentext:

Sie sind Kunstdiebe und nennen sich die ‘Art Hunter’.
Doch sie stehen auf der Seite des Gesetzes und stehlen im Auftrag von Museen, um Sicherheitslücken aufzudecken. Das Besondere daran? Jeder von ihnen ist mit einer ganz speziellen Fähigkeit ausgestattet.

Kunstdiebe planen die Mona Lisa zu stehlen. Art Hunter Christophe Ledoux wird daher als Wachmann in den Louvre eingeschleust. Dort trifft er auf die Touristenführerin Claire und die Funken sprühen auf Anhieb. Doch ihre Liebe steht unter keinem guten Stern, denn Christophe muss seine wahre Identität vor ihr verbergen und Claire hütet ein tödliches Geheimnis. Als die Mona Lisa gestohlen wird, glaubt Claire, dass Christophe der Dieb sei und ist tief enttäuscht von ihm. Als sie jedoch in tödliche Gefahr geraten muss sie sich entscheiden ob sie ihrem Herzen, oder ihrem Verstand folgen soll.

Meine Meinung:

Schon der Klappentext ließ darauf schließen, ein ganz besonderes Schmankerl der Unterhaltungsliteratur vorzufinden. Kunstdiebe, Louvre, Liebesgeschichte, Tod und Gefahr – und spezielle Fähigkeiten? Ein bunter Mix, auf den wir uns dieses Mal einlassen wollten. Ich sage absichtlich “wollten”, denn bereits nach den ersten Seiten war klar, was uns hier erwarten würde.

Um es gleich mal vorab zu sagen: Wer sich etwas Neues erwartet, ist fehl am Platz. Das geht so weit, dass ich gerade bei den erotischen Szenen das Gefühl hatte, die eine oder andere Formulierung doch schon in anderen Büchern gelesen zu haben. Hervorschnellende Zungen, Blitze im Unterleib und Penisse, die jeden Uterus sprengen würden – schon bei Audrey Carlan fand ich diese Wendungen nicht erotisch, beim besten Willen nicht.

[SPOILER Anfang]
Nachdem es aber hier nicht nur um Liebe und Sex geht, bedient sich die Autorin noch munter weiter bei anderen Genres, ein klein bisschen X-Men (Die Art Hunter haben zwar alle Fähigkeiten, dürfen sie aber nicht wirklich einsetzen?), ein bisschen Thriller im Stil von Hannibal Lecter (ja, auch der Serienkiller darf nicht fehlen!) und ein im Geheimen agierenden Gegner, der geistig ein bisschen gaga ist und natürlich die Art Hunter alle komplett vernichten will (Blofeld aus James Bond lässt grüßen).
[SPOILER Ende]

Dieser bunte Mix kann aber nicht verhindern, dass man bereits nach den ersten Seiten erahnen kann, wie die Geschichte enden wird. Der eher platte Schreibstil trägt außerdem sein Scherflein dazu bei, dass man schon bald Lust bekommt, zu blättern, zu blättern und noch mehr zu blättern … Hölzerne Dialoge, Protagonisten, die blaß und farblos bleiben, keinerlei Tiefe bekommen, und Nebenfiguren, die zu reinen Stichwortgebern degradiert werden – so in etwa kann man meiner Meinung nach zusammenfassen, was einen hier erwartet.

Dies alles trägt nicht dazu bei, dass man sich in diesem Buch wirklich wohlfühlen kann. Schade eigentlich, denn ich finde, man hätte aus der Geschichte schon etwas machen können. Die fragwürdigen Fakten, die uninspirierten Sexszenen und dieser wilde, unausgegorene Genre-Mix sorgen allerdings dafür, dass ich kein weiteres Buch dieser Reihe lesen werde.

Mein Fazit:

Aus der Idee zu “Art Hunter” hätte man sicherlich etwas machen können, so aber wirkt der Roman eher lieblos aus anderen Genres zusammenkopiert und hat mich nicht wirklich ansprechen können.

  • ★★★★
  • E-Book
  • 300 Seiten
  • Sieben Verlag
  • 978-3864436253
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Rezension Shana Gray – Diamond Men “Mr. Monday”

“Diamond Men – Versuchung pur” von Shana Gray ist im Original unter dem Titel “Working Girl” erschienen. Die Geschichte erscheint bei uns auf zwei Arten, entweder als Taschenbuch Anfang Dezember oder als siebenteilige Reihe als E-Book.

Die E-Book Ausgaben sind sehr kurz, jede enthält etwa 50 Seiten und beschreibt jeweils einen Wochentag bzw. einen der “Diamond Men”.

Klappentext laut Verlag:

Sieben Tage – sieben Prüfungen – sieben unwiderstehliche Männer! Für wen wird Tess sich entscheiden?

Tess‘ einziger Wunsch? Rache! Diamond Enterprises hat ihren Vater ruiniert und sie will es dem Konzern heimzahlen. Deshalb bewirbt sie sich als Assistentin des Firmenbosses. Eine Woche soll sie nun täglich bei einem anderen Chef vorstellen.

Teil 1:
Das erste Bewerbungsgespräch mit dem faszinierenden Mr. Monday, der sie in einem Helikopter entführt, lenkt Tess gefährlich von ihren Vergeltungsplänen ab …

Meine Meinung:

Nachdem diese Reihe für Fans von “Calendar Girl” beworben wird, ist eigentlich ziemlich klar, worauf man sich hier beim Lesen einlässt. Wer meine Rezensionen verfolgt hat, weiß, dass “Calendar Girl” für mich in gewisser Weise ein rotes Tuch darstellt, aber so ganz so weltfremd liest sich der Auftakt zu “Diamond Men” im Vergleich Gott sei Dank doch nicht. Ich wurde in gewisser Weise sogar positiv überrascht, aber dazu später mehr.

Dass die Protagonistin Tess heißt, erfahren wir eigentlich nur aus dem Klappentext, da die Geschichte komplett in der Ich-Person erzählt wird. Recht ausführlich wird beschrieben, welche Absichten Tess verfolgt, sich bei Diamond Enterprises zu verfolgen (Für meinen Geschmack für die Kürze dieses E-Books fast ein bisschen zu oft). Darüber hinaus gibt es die üblichen Beschreibungen ihrer Kleidung, ihres Taschen-Ticks und so weiter (lediglich die ultrahohen High Heels habe ich vermisst).

Der Schreibstil ist einfach, die knapp über 50 Seiten lassen sich daher sehr rasch lesen. Wer sich in Sachen Erotik vom Stil her etwas Neues erwartet, wird bestimmt aber herb enttäuscht werden, denn Shana Gray verwendet die mittlerweile schon fast üblichen Beschreibungen dafür, wie heiß “Mr. Umwerfend” doch ist (Wie er wirklich heißt, erfahren wir in diesem ersten Teil nicht).

“Ich schnappte nach Luft, als ich den Mann dort erblickte. Mein Herz begann heftig zu klopfen, und meine Nerven flatterten”.
8%

Ich schätze, ihr könnt euch vorstellen, was ich meine.

[SPOILER ANFANG]
Überrascht hat mich allerdings doch etwas: Obwohl sich Tess – wie anscheinend alle Erotik-Protagonistinnen – bei seinem Anblick in einen sabbernden Teenager verwandelt, kommt es doch nicht zum Äußersten – vielleicht weil das E-Book einfach zu kurz ist?
[SPOILER ENDE]

Dem Ende merkt man deutlich an, dass dieses E-Book nur ein Siebtel einer Geschichte ist, es hört eigentlich mitten in einer Szene auf, um den Leser dazuzubringen, sich den nächsten Teil zu holen. Die knapp über 50 Seiten sind daher eher als Auftakt zu einer Handlung zu verstehen, die erst noch in Fahrt kommen muss.

Mein Fazit:

Diamond Men “Mr. Monday” ist erste Teil einer Reihe, die vom Aufbau her an “Calendar Girl” angelehnt ist. Wer gerne Erotik liest und für zwischendurch ein bisschen was Prickelndes zum Abschalten sucht, kann mit der Reihe vermutlich nicht viel falsch machen.

  • ★★★★★
  • E-Book
  • 52 Seiten
  • MIRA Taschenbuch
  • 978-3955767655
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