Rezension Renée Ahdieh – Rache und Rosenblüte

“Rache und Rosenblüte” ist der zweite Teil einer Dilogie, die in etwas modernisierter Form die Geschichte von Scheherazade erzählt. Der erste Teil “Zorn und Morgenröte” erschien bereits letztes Jahr, den ich auch hier rezensiert habe. “Rache und Rosenblüte” setzt direkt dort fort, wo der erste Teil aufgehört hat. Wer den ersten Teil also nicht kennt: Spoilergefahr ist gegeben!

Zum Inhalt:

Sharzad und Chalid sind getrennt. Während Shahrzad nun bei ihrer Schwester und ihrem Vater in einem Chalid feindlich gesinnten Lager in der Wüste lebt, versucht Chalid, seine Stadt nach der Zerstörung wieder aufzubauen. Während sich Chalids Feinde zusammentun, um den Kalifen zu vernichten, versucht Shahrzad einen Weg zu finden, wie man den Fluch von Chalid nehmen kann …

Meine Meinung:

Ohne große Rückblenden knüpft die Autorin dort an, wo der erste Teil endete. Das ist wahrscheinlich von Vorteil, wenn man Teil eins und zwei kurz hintereinander liest. Bei mir führte es aber anfangs zu einigen Verwirrungen, weil ich das Ende von Teil eins im Detail nach einem Jahr nicht mehr im Kopf hatte.

Ein klein wenig dauerte es auch, bis ich die Nebencharaktere wieder zuordnen konnte. Nachdem einige von ihnen dieses Mal allerdings einen größeren Anteil an der Handlung bekommen, ging diese Verwirrung irgendwann Gott sei Dank vorüber. Besonders Shahrzads Schwester Irsa rückt in den Vordergrund und zeitweise mochte ich ihren Handlungsstrang fast lieber als den von Shahrzad.

Shazi (wie sie von Chalid auch genannt wird) macht im Vergleich nämlich deutlich weniger Entwicklung durch als viele andere Charaktere. Fand ich ihre temperamentvolle und hitzige Art im ersten Teil zeitweise durchaus passend, wirkte sie hier an vielen Stellen einfach nur merkwürdig, fast aufgesetzt. Durch ihre selbstgestellte Aufgabe hatte ich eigentlich erwartet, dass sie im Verlauf der Handlung charakterlich wachsen würde, aber gerade gegen Ende überzeugte mich ihr Handeln und Reden nicht besonders.

Was die Autorin jedoch in meinen Augen auch in diesem zweiten Band sehr gut geschafft hat, ist die Beschreibung der Atmosphäre. Die Wüste, die Magie, das Geheimnisvolle, die Menschen, die Shazi begegnen, verwebt Ahdieh zu einem großen Ganzen, mit dem es mir nicht schwer gefallen ist, beim Lesen durch Raum und Zeit zu reisen. Auch wenn sich die Handlung hier weniger an den klassischen Märchen orientiert als im ersten Teil, gefiel es mir trotzdem, neue Orte in diesem Buch kennenzulernen.

Den Verlauf der Handlung sehe ich im Vergleich zum ersten Teil allerdings als einen der Schwachpunkte des Romans, denn die Autorin nimmt sich vor allem am Anfang sehr viel Zeit, Shahrzads neues Leben im Lager zu erzählen. So richtig in Schwung kommt die Geschichte erst, als Shazi beschließt, mit ihren neuen Fähigkeiten auf die Suche nach einer Lösung für Chalids Problem zu gehen. Der Fluch, um den sich vor allem im ersten Teil fast die gesamte Handlung gedreht hat, spielt hier nur noch eine untergeordnete Rolle. Die Beseitigung ist dementsprechend unspektakulär, da hatte ich mir doch etwas mehr erhofft.

Richtig spannend wird die Geschichte leider erst im letzten Drittel, da fiel es mir wirklich schwer, den Reader zur Seite zu legen. Hier entfesselt die Autorin wirklich alles, was sie von Beginn an eingeführt hat, und es war ein Ende, wie man es gerne in einem Jugendbuch lesen möchte. Vielleicht ein klein wenig voraussehbar, aber das hat mir nichts ausgemacht.

Mein Fazit:

“Rache und Rosenblüte” knüpft unmittelbar an die Ereignisse aus “Zorn und Morgenröte” an, schwächelt aber an einigen Stellen für meinen Geschmack etwas. Das Setting in der Wüste ist auch hier wieder wunderbar beschrieben, wiegt aber nicht auf, dass die Handlung manchmal vor sich hinstolpert …

  • ★★★★★
  • E-Book
  • 432 Seiten
  • One by Bastei Entertainment
  • 978-3732540013
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Rezension Mary E. Pearson – Der Kuss der Lüge

Auch wenn ich von dem Hype um die Buchreihe der “Remnant Chronicles” wieder mal nur wenig mitbekommen habe, war ich doch neugierig genug, dieses Buch lesen zu wollen. “Die Chroniken der Verbliebenen” bestehen aktuell aus drei Büchern und einer Novelle, die die Vorgeschichte erzählt. Im englischsprachigen Raum ist die Trilogie bereits vollständig erschienen.

Zum Inhalt:

Prinzession Arabella, die am liebsten nur Lia gerufen werden möchte, flieht am Tag ihrer Hochzeit aus dem Königspalast ihrer Eltern, weil die Ehe arrangiert wurde und sie ihren zukünftigen Mann nie kennengelernt hat. In einem weit entfernten Küstenstädtchen findet sie mit ihrer Freundin Pauline Unterschlupf und beginnt, als Schankmädchen zu arbeiten. Ihr auf den Fersen sind gleich zwei Männer, der Prinz, den sie eigentlich heiraten sollte, und ein Attentäter aus einem verfeindeten Königreich …

Meine Meinung:

Die Inhaltsangabe hört sich jetzt nicht besonders spektakulär an. Und das ist auch das, was die meisten kritischen Rezensionen diesem Buch ankreiden: Dass einmal nach dem recht actionreichen Anfang relativ lang eher wenig passiert. Dem kann ich nicht einmal widersprechen, verstehe daher auch recht gut, warum manche das Buch noch vor der Hälfte abgebrochen haben.

Weshalb ich persönlich trotzdem recht gut über die erste Hälfte des Buches kam, ist dem Schreibstil der Autorin geschuldet: Er ist nicht besonders anspruchsvoll, aber er hat etwas an sich, was mich wirklich durch die Seiten fliegen hat lassen. Und etwa ab der Hälfte wird man für die Geduld belohnt, die Handlung kommt wieder in Schwung – nicht zuletzt durch die Entscheidungen, die Lia zu treffen gezwungen ist.

Lia selbst macht im Verlauf des Buches die meiste Wandlung durch: Erschien sie mir am Anfang eher wie ein rebellischer Teenager, der sich von seinen Eltern keine Ehe aufzwingen lassen will, beginnt sie sich doch noch ihrer Verantwortung als Prinzessin und den daraus resultierenden Aufgaben bewusst zu werden.

Die beiden Jungs dagegen, die ihr zur Seite gestellt werden, empfand ich allerdings eher als farblos. Ich konnte sie am Anfang nicht einmal auseinander halten, tat mich daher mit dem Rätselspiel, wer von ihnen der Attentäter und wer der Prinz ist, eher schwer – und habe es dann irgendwann aufgegeben. Und nach der ersten Hälfte erschloss es sich mir dann eh von selbst :).

Während ich die Gefühle des Prinzen zumindest nachvollziehen konnte (Er zollt ihr Respekt dafür, dass sie den Mut hatte, sich der ungewollten Heirat zu widersetzen), fand ich den Attentäter absolut nicht glaubhaft. Dafür handelt er viel zu irrational, denn welcher gedungende Mörder nimmt schon die Strapatzen auf sich, die flüchtige Prinzessin zu finden und quartiert sich dann erst mal gemütlich in dem Gasthaus ein, wo sie arbeitet? Aber das musste wohl so eingebaut werden, damit das fast schon obligatorische Love Triangle aufgebaut werden kann …

Dies hat mir beim Lesen vor allem am Anfang einige zwiespältige Gefühle bereitet, die erst in der zweiten Hälfte etwas besänftigt wurden, als klar wird, dass es um weitaus mehr geht als um die persönlichen Gefühle unserer drei Hauptfiguren. Hier gelingt es der Autorin in meinen Augen durchaus, noch einmal das Ruder herumzureißen und eine Geschichte zu konstruieren, die neugierig macht, wie es weitergeht.

Zu viel möchte ich hier gar nicht mehr sagen, da das wahrscheinlich alles als Spoiler auszulegen ist. Ich kann mich jedenfalls nur wiederholen: Lia mausert sich langsam, aber sicher und beginnt eigene Entscheidungen zu treffen – gleichzeitig erfahren wir etwas mehr über die Welt, in der Lia lebt und wie es mit der Magie darin bestellt ist. Gleichzeitig kommt auch die Geschichte um einen bestimmten Gegenstand in Schwung, der weitere Fragen und Rätsel aufwirft. Was es damit auf sich hat, werden wir wohl erst in einem der Nachfolgebände erfahren …

Das Ende ist natürlich wie meist üblich in einer Trilogie relativ offen, kam aber für mich nicht so sehr als Schocker rüber wie in anderen Trilogien. Einen echten Cliffhanger hat die Autorin hier nicht geschaffen, die Neugier auf die Fortsetzungen entsteht für mich eher dadurch, was generell in der zweiten Hälfte des Buches an Themen aufgebracht wurde. Da der zweite Teil aber eh schon recht bald auf Deutsch erscheint, ist die Qual der Wartezeit jedenfalls nicht ganz so lang wie bei anderen Mehrteilern.

Mein Fazit:

Um dieses Buch zu mögen, muss man schon erfolgreich die Hürde der ersten Hälfte nehmen, anders kann ich es tatsächlich nicht ausdrücken. Erst danach nimmt die Geschichte Fahrt auf und vermag zu fesseln. Trotzdem hat das Buch Potenzial, das die Autorin hoffentlich in den weiteren Bänden noch erfolgreicher ausschöpfen kann.

  • ★★★★★
  • Hardcover
  • 559 Seiten
  • One
  • 978-3846600368
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Rezension Lisa McAbbey – Der Spion mit dem Strumpfband

Ich gebe zu, in letzter Zeit treibe ich mich gern bei Netgalley herum. Die Auswahl der E-Books wird mittlerweile immer größer und es ist wirklich für jeden Geschmack etwas dabei. Daher fand auch Lisa McAbbeys “Der Spion mit dem Strumpfband” über diese Plattform zu mir. Wer das Buch noch lesen möchte: Meine Rezension enthält einige Spoiler, daher aufpassen!

Zum Inhalt:

Clarissa Greenly, Tochter eines englischen Baronets, ist gezwungen, selbst Geld zu verdienen, um die Schulden ihres Vaters abzuzahlen. Aus diesem Grund arbeitet sie als Spionin für die sogenannte “Spinne”. Ihr nächster Auftrag: Ein Notizbuch zu beschaffen, das Beweise für den Verrat des Earls von Hawkhurst enthalten soll. Eigentlich ein Kinderspiel, wären da nicht die ungewohnten Gefühle, die der Earl in ihr auslöst …

Meine Meinung:

Ich mag historische Romane eigentlich sehr gern. Aber die richtig “großen” Geschichten sind für mich selten geworden, weil das Genre für meinen Geschmack viel zu sehr auf Liebesgeschichten in historischem Setting fixiert ist. Der “Spion mit dem Strumpfband” hörte sich für mich ebenfalls nach einer solchen Geschichte an, versprach allerdings neben der Liebe auch einen Abenteuer- bzw. Spionageroman.

Um es gleich mal vorab zu sagen: Ich hatte mir ein bisschen mehr erwartet, als ich bekommen habe. Die Autorin hat einen guten und flüssigen Schreibstil, der es mir leicht gemacht hat, durch die Seiten zu fliegen. Er wirkt zwar an manchen Stellen etwas altmodisch (“Sapperment” beispielsweise habe ich auch schon sehr lange nicht mehr in einem Buch gelesen), passte aber sehr gut zu der Geschichte, die ja Mitte des 18. Jahrhunderts angesiedelt ist. Auch die einzelnen Begegnungen der Protagonisten bzw. die Liebesszenen waren durchaus anregend und nicht zu detailliert beschrieben.

Was mir weniger gefallen hat, ist die Art, wie sich die Handlung entwickelt: Die Vorgeschichte, warum Clarissa Spionin geworden ist, wird auf den ersten Seiten sehr rasch abgehandelt, dann hat auch schon der Earl seinen ersten Auftritt, mit dem er Clarissa gleich mal gewaltig durcheinander bringt. Dann wechselt die Perspektive und man bekommt einen Einblick in die Gedankenwelt des Earls, der sich von den etwas unzüchtig gezeigten Beinen der Dame verwirren lässt … In weiterer Folge wird immer wieder abwechselnd aus seiner und ihrer Sicht erzählt, wobei seine Gedanken im Verhältnis aber eher zu kurz kommen – außer es geht um Clarissa.

Da der erste Versuch scheitert, an das Notizbuch zu kommen, unternimmt Clarissa zwangsläufig weitere Anläufe, das Buch zu finden. Das führt dazu, dass sie immer wieder auf den Earl trifft und wieder scheitert, weil ihre stärker werdenden Gefühle ihr einen Strich durch die Rechnung machen. Anfangs konnte ich diese emotionalen Verwirrungen noch nachvollziehen, aber mit jeder Wiederholung wurde es für meinen Geschmack unglaubwürdiger.

Clarissa wurde anfangs als gut ausgebildete Spionin beschrieben, die bisher alle Aufträge erfolgreich erledigt hat – und dann passiert ihr ein Schnitzer nach dem anderen? An manchen Stellen erschien mir ihre Art auch arg naiv. Ein gutes Beispiel dafür ist, dass ihr kein einziges Mal der Gedanke kommt, dass man sie trotz ihrer verschiedenen Verkleidungen an ihrer auffälligen Augenfarbe (Sie sind veilchenblau!) erkennen kann. Im Gegensatz zum Earl natürlich, der dadurch sofort alle ihre Verkleidungen durchschaut.

In die Geschichte eingebettet finden sich auch einzelne Hinweise auf die englische Politik zu jener Zeit, mit denen ich mich allerdings schwergetan habe, da mir entsprechende Vorinformationen beim Lesen gefehlt haben. Erst das Nachwort erklärt hier einige Zusammenhänge … Hier hätte ich mir tatsächlich noch ein paar Seiten mehr gewünscht, um dem Roman mehr Tiefe zu geben und den Leser noch besser in die Zeit damals zu versetzen. So blieb die Geschichte für mich leider an vielen Stellen viel zu sehr an der Oberfläche, um mich richtig packen zu können.

Mein Fazit:

Wer auf historische Romane im Stil der “Historicals” aus dem Cora-Verlag steht, ist mit diesem Roman bestimmt bestens bedient. Für mich war das Buch aber ein wenig zu oberflächlich, um mich wirklich richtig begeistern zu können. Ein bisschen mehr historische Tiefe und weniger Liebestaumel hätten der Geschichte nicht geschadet.

  • ★★★★★
  • E-Book
  • 259 Seiten
  • beHEARTBEAT by Bastei Entertainment
  • 978-3732535958
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Der Leseratz nagt an: Trinity “Verzehrende Leidenschaft”

Eigentlich hätte ich es besser wissen müssen. Schon “Calendar Girl” aus der Feder derselben Autorin war für mich nicht gerade ein Highlight. Es passiert aber auch mir äußerst selten, dass ich keine Erwartungen habe – und die Wirklichkeit noch schlimmer ist …

Jetzt im Nachhinein weiß ich eigentlich auch nicht mehr so genau, was mich geritten hat, dieses Buch für eine Leserunde vorzuschlagen. Es kann eigentlich nur unser Gespräch zu Erotik-Büchern gewesen und der Gedanke, vielleicht kann die Autorin auch anders … Ob ich es beendet hätte, wenn es nicht ein Rezi-Ex gewesen wäre? Ich weiß es nicht. Aber kommen wir zum Buch, das ich anfangs als E-Book, am Ende dank unserer Bücherei als Print gelesen habe :).


 

Das Buch

Autorin: Audrey Carlan
Titel: Trinity “Verzehrende Leidenschaft”

Klappentext:
Ich liebe dich. Ich will dich. Ich werde dich nie verlassen. Beim Gedanken an diese Worte bekommt Gillian Callahan Panik. Jahrelang wurde sie von ihrem gewalttätigen Ex-Freund misshandelt. Jetzt ist sie frei und arbeitet für Safe Haven, die Hilfsorganisation, der sie ihre Rettung verdankt. Das Thema Männer hat sie abgehakt. Bis sie bei einer Konferenz den Vorsitzenden von Safe Haven, Chase Davis, kennenlernt. Der attraktive Milliardär ist so sexy, dass Gillian schwindelig wird. Außerdem bekommt er immer, was er will – und er will Gillian. In ihr kämpfen Lust und Angst gegeneinander. Wird sie Chase vertrauen können? Ist sie bei ihm wirklich sicher? Und wie gefährlich ist ihre dunkle Vergangenheit?

Die “Trinity”-Reihe ist ursprünglich eigentlich eine Trilogie gewesen, aber wie es in dem Genre anscheinend immer üblicher wird, erscheinen dieses Jahr noch zwei (wer weiß das schon so genau) weitere Bände, die das Schicksal von Gillians Freundinnen beleuchten werden.


An dieser Stelle folgt meine übliche Spoiler-Warnung (Lesen auf eigene Gefahr!), wer das Buch selbst noch lesen möchte, sollte vielleicht an dieser Stelle lieber aufhören.


 

Eines noch vorab

Da wir dieses Buch in einer größeren Runde gelesen haben, haben wir uns auch rege auf Twitter darüber ausgetauscht. Mit den Hashtags #bbfliest bzw. #trinity sollte eigentlich das meiste zu finden sein, was uns beim Lesen aufgefallen ist. Weitere Rezensionen zum Buch findet ihr bei Crumb, Kasin, Kitsune, Laberladen, Jürgen und AberRush.

 

Das Kennenlernen

Gillian lernt Chase in der Bar eines Hotels kennen, in dem sie für Safe Haven absteigt, die Stiftung, für die sie arbeitet. Er fällt ihr sofort auf, weil gutaussehend, tolle Figur, tolle Augenfarbe – eh schon wissen.

“Er bräuchte nur ein Streichholz, und ich würde in Flammen aufgehen wie ein Haufen vertrocknetes Laub”.
ca. 5%

Dann das erste Gespräch inklusive einem unmoralischen Angebot, das sie zu diesem Zeitpunkt aber noch ablehnt.

Ach, Milliardär ist er?

Genauso wie Mia aus “Calendar Girl” ist auch unsere gute Gillian, genannt Gigi, nicht die hellste, ansonsten würde sie nicht gar so belämmert aus der Wäsche schauen, als Mr. Superman (ihre Worte) sich auf einmal als Chef der ganzen Stiftung, Besitzer des Hotels und Besitzer von was weiß ich noch alles herausstellt. Also auch nichts Neues, außer dass man natürlich durch ein auf der Toilette belauschtes Gespräch ein weiteres Mal erfährt, wie attraktiv der “Chef” doch ist. Aber: Mit dem eigenen Chef in die Kiste springen? Nee, nee, das geht nicht …

“Hinter mir höre ich zwei Frauen kichernd zur Sitzecke gehen.
‘Hast du gesehen, wie perfekt die Hose an seinem knackigen Hintern sitzt?’, fragt eine von ihnen.
‘Wie könnte man das übersehen? Da will man sich doch direkt auf den Cowboy setzen und ihn die ganze Nacht reiten!’, sagt die andere mit Südstaatenakzent.”
ca. 11%

 

Hiebe für die Triebe

Wie es sich für einen “guten” Erotikroman gehört, kann sie natürlich trotzdem nicht anders, als sich ihren Chase zu krallen und bei jeder sich bietenden Gelegenheit Sex mit ihm zu haben. So weit, so gut – wenn da nicht dieser klitzekleine Punkt mit der üblen Vergangenheit in Form eines gewalttätigen Ex-Freundes wäre, der sie geschlagen und vergewaltigt hat.

Aber kaum taucht Mr. Superman auf, ist natürlich alles vergessen und sie erlebt offensichtlich eine Persönlichkeitsspaltung. Wie sonst lässt sich so ein absolut haarsträubendes Verhalten sinnvoll erklären? Denn wenn Chevy, äh, Chase loslegt, fühlt sie sich geborgen und in Sicherheit … Ah, und er ist ja überhaupt der beste und schönste, sowieso.

Till I lose control

Ja, wo die eine permanent die Kontrolle über sich abgibt (wo sich ja geschworen hat, dass ihr das nie mehr mit einem Mann passieren soll), ist natürlich auch der andere, der diese Kontrolle permanent ausübt. Er schlägt sie zwar nicht, taucht aber uneingeladen in ihrem Hotelzimmer auf, liest ihre SMS am Handy, überwacht, wo sie hingeht und ist auch sonst krankhaft eifersüchtig.

Das geht so weit, dass er ihr auch immer wieder seine Lust auf Sex aufzwingt – egal ob sie will oder nicht. Da sie ihm allerdings zu diesem Zeitpunkt schon hörig ist, macht ihr das alles nichts aus. Und hinterher darüber reden? Pfff, wer braucht denn reden? Einmal schön Sex haben oder shoppen gehen, und erledigt ist die Angelegenheit.

Der Sex

Chase ist natürlich der Sexgott schlechthin (Habt ihr was anderes erwartet?). Und ganz gleich, was er mit seinen “magischen” Fingern anstellt, Gillian ist immer mit Begeisterung dabei. Da reicht es auch, wenn er vorher ein paar mal ihre Brustwarzen zupft und kneift. Totaaaal glaubwürdig, nicht?

“Mein Körper reagiert wie der Pawlowsche Hund auf die Glocke. In Sekundenschnelle bin ich lüstern und willig und schmiege mich an ihn.”
ca. 44%

Selbstverständlich beschert er ihr mit seinem Schwert einen Orgasmus nach dem anderen, wenn er sie aufspießt und mit seiner Leidenschaft ihre Klitoris zerquetscht (auch hier: Nicht meine Wortwahl!).

“Chase packt besitzergreifend meine Hüften und spießt mich mit einem schnellen Stoß auf.”
ca. 42%

Die E-Book-Suche ist in diesem Zusammenhang übrigens gnadenlos und fördert alle Wiederholungen zutage, derer sich die Autorin bei der Beschreibung der Sexszenen bedient:

“[…] da tippt auch schon die breite Spitze seines Schwanzes gegen meinen Eingang und spießt mich mit einem harten Stoß auf.”
ca. 90%

Ganz ehrlich? Bei so einem Sexpartner landet man am Ende einfach nur im Krankenhaus – und ganz sicher nicht vorm Traualtar 🙈. Nicht zuletzt deswegen, weil er – obwohl in der Vergangenheit äußerst umtriebig – sie natürlich nur fragt, ob sie die Pille nimmt. Geschlechtskrankheiten? Banal, sowas kann doch einem Sexgott nicht passieren.

Und bevor wir es vergessen: Die “blumigen” Metaphern für den Orgasmus findet man auch hier. Chase beschert Gillian dadurch sowohl einen Ausflug in den Weltraum als auch den Sturz über eine Klippe …

“Das war’s. Ich fliege ins All. Die Lust schießt durch meine Mitte, hinter meinen Augen explodieren Lichter, und in meinen Ohren donnert es.”
ca. 22%

Ein unfreiwilliger Running Gag hat sich hier übrigens auch eingestellt: Die dauerfeuchten Höschen. Er braucht sie nur anzuschauen und sie wird schon feucht und muss die Beine zusammenkneifen. Da wundert es mich auch nicht, dass er ihr immer wieder neue Sachen kaufen (muss?), weil die alten Sachen kann sie ja nicht mehr tragen 😜.

Die Freundinnen

Jetzt könnte man als wohlmeinender Leser ja noch vermuten, dass es das war. Pustekuchen! Da haben wir noch Gillians Freundinnen, die alle samt und sonders einem Hochglanzmagazin entstiegen sein könnten. Da ist einmal die rassige Latina, die sich mit Tanzen ihr Geld verdient (Flashdance?), das blonde California-Girl mit Haaren bis zum Hintern, die Yoga unterrichtet, und die Kostüm- und Modedesignerin, die natürlich total talentiert ist, von der ich aber das Aussehen vergessen habe.

Im Verlauf der Geschichte verkuppelt Gillian außerdem noch eine der Freundinnen mit einem Cousin von Chase, die zweite mit ihrem besten Kumpel aus früheren Tagen, die dritte kommt mit dem Schrecken davon, weil sie schon einen Freund hat … Und logisch, dass die natürlich auch nichts besseres zu tun haben, als sofort mit ihren neuen Bekanntschaften ins Bett zu hüpfen und sich permanent über Sex zu unterhalten.

Die Handlung

Ähhhh? Handlung? Wozu braucht man in einem Erotikroman denn sowas? Reicht es nicht, dass Gillian und Chase eigentlich nur zwei Dinge können? Irgendwas in der Öffentlichkeit tun (wo man nicht in die Kiste miteinander springen kann) und dann gleich wieder Sex haben. Mann, Mann, Mann, solche Ansprüche …

Ach ja, ganz zum Schluss passiert tatsächlich doch noch etwas: Gillian erhält SMS und Blumen von einem Stalker, der sie offensichtlich ganz für sich haben will. Was unseren krankhaft eifersüchtigen Mr. Superman soweit auf die Palme bringt, dass er den Geheimdienst einschalten möchte.

Die Sprache

Ich weiß gar nicht, wie oft aus Chase’ Mund Sätze mit Besitzen, Eigentum oder “mein sein” kamen … Irgendwann habe ich nur noch den Augenrollnerv bemüht. Liebe Autorin, das ist nicht erotisch, beim besten Willen nicht! Man kann von mir aus zu jemandem gehören, aber man gehört niemandem! Und in einer Zeit, wo Frauen als Sexsklavinnen gehalten und misshandelt werden, drehen mir solche Formulierungen einfach nur den Magen um:

“‘Ich muss dich jetzt vögeln’, sagt er. ‘Dich markieren, als mein Eigentum.’ Ich nicke und verstehe dieses Verhalten völlig. Wir können beide wahnsinnig besitzergreifend sein […].”
ca. 90%

Von ihrer besitzergreifenden Art hab ich übrigens den ganzen Roman über nichts gemerkt, nur um das klarzustellen!

Die Charaktere

Hätte die Autorin bei Gillian auf den Hintergrund mit der Misshandlung verzichtet, hätte ich vielleicht manches ja noch verstanden, aber so war es irgendwann einfach nur schizophren, wenn Carlan Gillian beispielsweise folgendes denken lässt:

“Vor Jahren habe ich mir bei der Gruppentherapie hoch und heilig geschworen, dass ich mich nie wieder von einem Mann kontrollieren lassen werde. Bei Chase steht das gar nicht zur Debatte. Er nutzt seine Macht nicht, um mir zu schaden. […] Benutzt er mich? Ja, das tut er. Oft und auf extrem angenehme Weise. Er benutzt meinen Körper und meine Liebe, um Trost und Freude zu finden, und nicht als Sandsack, um sich abzureagieren oder sich männlicher zu fühlen.”
ca. 85%

Tja, da liegt dann wohl der Hase im Pfeffer, denn auch wenn Chase selbst ein Trauma mit sich herumschleppt, dass seine Kontrollsucht zumindest ein wenig erklärt, ist es absolut inakzeptabel, wie er sie mit Sex permanent manipuliert. Das geht so weit, dass er sie am Ende mehr oder weniger zu Sex nötigt, wo sie gerade vorher von einem Mann angegriffen wurde. So ein Mistkerl! Und das war nicht die einzige Stelle, wo ich ihm am liebsten für dieses egoistische Verhalten eine gescheuert hätte …

Erst ihm und dann ihr, dass sie so dumm ist, sich derart herumschubsen zu lassen, wo sie doch am Anfang als starke Frau beschrieben wird, die sich ihre Unabhängigkeit hart erkämpft hat. Wie war das nochmal mit der Persönlichkeitsspaltung? Und egal, was Chase tut, sie ist natürlich total begeistert:

“[…] ich mag seine eifersüchtige und besitzergreifende Art. Ein bisschen davon braucht jede frau, damit sie sich begehrenswert fühlt. Solange er es auf ein Minimum beschränkt, sollte er das kein Problem sein”.
ca. 54%

Ansonsten wird Chase eigentlich nur als Sexgott charakterisiert mit einem Penis, den sie weder umfassen kann und der bei Bedarf immer länger und härter wird, damit er damit auf jeden Fall ihren Muttermund erreicht.

“Mein Gott, er ist riesig. Noch härter und länger, als ich ihn in Erinnerung hatte. Ich lecke mir voller Vorfreude die Lippen”.
ca. 48%

Davon träumt ja schließlich jede Frau, oder nicht?

Das Korrektorat

Ich gebe zu, dass es mir beim Lesen nicht aufgefallen ist, dafür aber AberRush. Aber auch hier deckt die Suchfunktion im E-Book tadellos auf, wie häufig die Schreibung von Gigis Arbeitgeber, Safe Haven, wechselt. Steht beim Klappentext noch die richtige Fassung, wechselt die Schreibung im Text munter zwischen “Save Haven”, “Safe Hafen”, “Save Hafen” und “Safe Haven” – so nach dem Motto: Probieren wir mal alles durch? Dass so etwas einem bekannten Verlag wie Ullstein passiert, ist schon eher peinlich und wirft kein gutes Licht auf die Leute, die die Korrektur zu verantworten haben …

Das Wort zum Schluss

Wer mit “Trinity” auf einen Erotikroman hofft, der zumindest ein klein wenig plausibel ist, sollte lieber zu einem anderen Buch greifen. Sowohl Gillian als auch Chase verhalten sich zeitweise so hirnrissig, dass man a) am liebsten Buch oder Reader genervt ins Eck pfeffern oder b) nur noch lachen möchte.

Welche Variante man wählt, hängt wohl von den Voraussetzungen ab, unter denen man dieses Buch liest. Wie bereits erwähnt, hatte ich nach “Calendar Girl” keine großen Erwartungen, aber dass ich ab der Hälfte des Buches so dermaßen genervt war von den beiden, ist mir auch schon lang nicht mehr passiert. Mein Augenrollnerv war am Ende jedenfalls perfekt trainiert 😋.

Natürlich ist mir klar, dass auch Erotikromane im Grunde nur Märchen in modernem Gewand sind, aber ich möchte beim Lesen das Gefühl haben, dass es wenigstens so passieren könnte. Dass es zumindest möglich wäre, dass der Märchenprinz auf sein Aschenputtel so abfährt, dass er nichts anderes im Sinn hat, als sie zu seiner Prinzessin zu machen.

Was ich aber nicht möchte, ist dieses total verzerrte Frauenbild, dass aus einer anfangs als intelligent und stark beschriebenen Frau ein willenloses Weibchen macht, das nicht mehr klar denken kann, kaum dass der Märchenprinz seinen Penis aus der Hose zieht. Und das sich deswegen auch seine krankhafte Kontrollsucht gefallen lässt, weil der Sexgott persönlich zu ihr ins Bett steigt.

Abschließend kann ich daher nur sagen: Lesen auf eigene Gefahr! Erste Agressionsschübe hatte ich nämlich bereits nach den ersten zwei Kapiteln – und es wurde im Verlauf der Geschichte auch nicht besser … Besorgt euch daher im Zweifelsfall lieber die Papierausgabe (so ihr nach diesem Rant nicht aufs Lesen verzichten wollt), die hält es besser aus, wenn ihr sie mal frustriert irgendwohin werfen wollt 😉.

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Rezension Mona Kasten – Begin again

Obwohl ich mit Booktube nicht viel am Hut habe, ist Mona Kasten sogar mir in diesem Zusammenhang ein Begriff. Was ich aber nicht wusste, war, dass sie mittlerweile auf die Seite der Autoren gewechselt hat. “Begin again” ist ihr erstes Buch aus dem Bereich New Adult, das bei LYX erschienen ist.

Zum Inhalt:

Allie möchte ihre Vergangenheit hinter sich lassen und beim Studium in Woodshill neu anfangen. Zu Beginn des Semesters sind allerdings alle Wohnungen vergeben, so landet sie bei dem mürrischen Kaden, der ihr widerstrebend ein Zimmer untervermietet und Regeln aufstellt, wie sich ihr Zusammenleben abspielen soll. Relativ bald merkt Allie aber, dass es nicht so leicht ist, sich daran zu halten, weil Gefühle ins Spiel kommen …

Meine Meinung:

Ich gebe zu, ich bin mir nicht sicher, ob ich dieses Buch gelesen hätte, wenn es eine Zeit lang nicht so sehr auf den verschiedenen Buchblogs präsent gewesen wäre. Nach “After” und anderen Geschichten dieser Art habe ich mich eigentlich zumindest für eine bestimmte Zeit als kuriert betrachtet – tja, wenn da nicht die Neugier gewesen wäre. Und die Tatsache, dass man das Buch als Rezensionsexemplar bei Netgalley beziehen konnte :).

“Begin again” erzählt in diesem Zusammenhang Gott sei Dank eine ganz andere Geschichte, als ich sie mir erwartet hatte – und auch wieder nicht. Die beiden Hauptfiguren Allie und Kaden haben beide schlechte Erfahrungen im Leben gemacht, die sie in ihrem noch jungen Leben und in den Beziehungen zu ihren Mitmenschen belasten. Welche das sind, ahnt der Leser vor allem bei Allie schon bald, da die Geschichte aus ihrer Perspektive leicht und flüssig erzählt wird.

Obwohl sich Kaden vor allem am Anfang als ausgemachter Widerling gebärdet, wird relativ bald klar, dass sich unter seinen rauen Schale ein freundlicher und fürsorglicher Typ verbirgt. Im Lauf der Geschichte entwickelt sich die Beziehung der beiden weiter und obwohl sie Rückschläge hinnehmen müssen, ist zu spüren, dass beide Figuren reifer werden, da sie voneinander lernen können. Das (Beziehungs)Zünglein an der Waage stellt natürlich der gemeinsame Freundeskreis dar, da Allie recht schnell von Kadens Freunden akzeptiert wird.

Positiv empfand ich auch, dass beide Figuren nicht sofort innerhalb kurzer Zeit miteinander im Bett landen, im Gegenteil. Mona Kasten lässt sich sehr viel Zeit, bis die beiden das erste Mal Sex haben. Das Kribbeln im Bauch hat Allie zwar schon fast von Anfang an, konzentriert sich aber erst einmal auf wichtigere Dinge wie den Beginn ihres Studiums …

Weniger gefallen hat mir, dass sich die anfangs relativ besonnen wirkende Allie nach und nach zu einer kleinen Drama-Queen mausert. Manche Reaktionen auf bestimmte Situationen erschienen mir sehr übertrieben, dafür dass sie eigentlich als die Vernünftigere und Erwachsenere der beiden dargestellt wurde. Auch den Schluss fand ich nicht so ganz so gut gelungen, da wäre mir eine andere, etwas normalere Auflösung lieber gewesen …

Manche Plottwists waren für meinen Geschmack außerdem etwas zu vorhersehbar, was den Roman insgesamt zu einem leicht zu lesenden Buch für zwischendurch machte, ihn aber nicht aus dem aktuellen Angebot an Liebesromanen herausragen lassen kann.

Mein Fazit:

“Begin again” stellt einen angenehm und flüssig zu lesenden New Adult-Roman dar, der Gott sei Dank vom Inhalt her von Büchern wie “After” abweicht. Trotzdem ist hier meiner Meinung nach noch Potenzial nach oben vorhanden. Ein bisschen weniger Drama und ein wenig mehr Unberechenbarkeit – aber das kann ja mit den Nachfolgebänden der Reihe noch kommen :).

  • ★★★★★
  • Taschenbuch
  • 496 Seiten
  • LYX
  • 978-3736302471
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Der Leseratz nagt an: Calendar Girl “Verführt”

Ihr Lieben, es hilft nichts, es musste eine neue Rubrik hier im Blog her, sonst platze ich! Eine normale Rezension wird “Calendar Girl” einfach nicht gerecht, daher habe ich mir für euch “Der Leseratz nagt an” ausgedacht.

Es ist ja nicht so, dass ich nicht gewarnt worden wäre, aber eine gewisse Restneugier bleibt bei mir immer, wenn ein Buch sich längere Zeit bei uns in den Taschenbuch-Bestsellerlisten hält … Da will ein Teil von mir offensichtlich einfach zu hartnäckig wissen, was die Leute daran gut finden. Mein Freund grinst sich mittlerweile schon immer eins, wenn ich wieder mit einem Erotik-Buch aus der Bib komme – ich schätze, das sagt eh schon alles :).


Das Buch

Autorin: Audrey Carlan
Titel: Calendar Girl “Verführt”

Klappentext:
Mia Saunders braucht Geld. Viel Geld. Eine Million Dollar, um ihren Vater zu retten. Er liegt im Krankenhaus, weil er seine Spielschulden nicht begleichen konnte. Um die Summe aufzutreiben, heuert Mia bei einer Agentur an und lässt sich als Begleitung buchen. Ihre Gesellschaft kostet 100.000 Dollar pro Monat. Sex ist ausdrücklich nicht Teil des Deals – leicht verdientes Geld! Und der Liebe hat Mia sowieso abgeschworen. Als sie ihrem ersten Kunden, dem Hollywood-Autor Wes Channing, gegenübersteht, ist schnell klar: Zwischen den beiden knistert es gewaltig. Vor ihnen liegt ein Monat voll heißer Leidenschaft. Doch Mia darf sich nicht verlieben. Denn Wes ist nur Mr Januar…

“Calendar Girl” ist eigentlich eine zwölfteilige Reihe, die in den USA ursprünglich monatlich erschien. Im Deutschen sind für die Veröffentlichung als Print-Ausgabe vier Bücher vorgesehen (die jeweils drei Monate enthalten), während die Monate in der E-Book-Ausgabe auch einzeln zu haben sind (genauso wie die Hörbuch-Fassungen).


Bevor wir anfangen: Hier noch die übliche Spoiler-Warnung (Und das ist eine wirklich eine Warnung, denn ich nehme mir kein Blatt vor den Mund!), ich werde sowohl über die Charaktere als auch die Handlung und einzelne Szenen des Buches schreiben – lesen also auf eigene Gefahr!


Eines noch vorab

Da ich mir nicht viel von dem Buch erwartet habe, dachte ich mir, das wird lustig, du markierst ein paar Stellen mit Post-its und schreibst ein paar beißende Bemerkungen auf Twitter … Tja, der Plan ging leider nicht auf. Denn am Ende hatte ich so viele Post-its in dem Buch kleben, dass ich mir gedacht habe, das wird nix, da werd ich ja zum Spammer, wenn ich das alles raushaue :D.

Wahre Liebe gibt es nicht

Das ging schon gleich auf der ersten Seite mit der Figur von Mia selbst los. Wer vier Mal die große Liebe (angeblich) gefunden hat und noch immer nicht dazugelernt hat – tja, dem ist nicht zu helfen. Wie hat das jemand so treffend in einer Rezension formuliert? Ach ja: Sie ist nicht “die hellste Kerze auf der Torte” … Und Mias Freundin Ginelle (Beste Grüße aus einem Porno-Film bei dem Namen) scheint nach ähnlichem Muster gestrickt zu sein:

“Wenn du den Escort-Job annimmst, musst du doch einfach nur hübsch aussehen und viel Sex haben, oder?”
Seite 11

Klar, Mia, den Job schaffst du! Einfach nur locker bleiben! Dann klappt das schon, dass du mal eben dich für Sex mit fremden Männern verkaufst …

Bei der Familie …

Wie praktisch, dass gleich die eigene Tante, die Augen wie grüne Amethyste hat (Amethyste sind übrigens lila, das nur am Rande!), eine Agentur hat, wo man mir nichts, dir nichts anheuern kann, um quasi nebenbei 100.000 Dollar zu verdienen – Sex nicht inklusive. Denn den müssen die Herrschaften nämlich extra bezahlen. Besten Dank auch, liebe Tante, dass du nix Besseres zu tun hast, als deine eigenen Familienmitglieder zu prostituieren … Bei so einer Familie braucht man tatsächlich keine Feinde mehr.

Der Job

Mia nimmt den Job also an, mit dem Vorsatz, den Job zu erledigen – und fällt dann gleich mal aus allen Wolken, als sie erfährt, dass ihr altes Leben vorbei ist:

“Mir dämmerte jetzt, dass mein bisheriges Leben vorbei war. Keine normalen Dates mehr.”
Seite 21

Ja, Mädel, was hast du denn erwartet? Wenn du quasi rund um die Uhr bei deinen Kunden klebst, dass du daneben noch ein Privatleben hast?

Die Regeln

Nächster Punkt: Die Escort-Regeln. Kurz zusammengefasst: Alles machen, was der Kunde will, schön aussehen, keine Dinge aus dem Privatleben erzählen (Das klang sogar relativ realistisch für mich) – so weit, so gut. Dass Mia natürlich nix besseres zu tun hat, als gleich im ersten Monat ihrem Kunden quasi ihre Lebensgeschichte auf die Nase zu binden, tja … Die Regeln gelten halt anscheinend für alle andern, nur für sie nicht (Kunststück, wenn die Tante die Agentur-Besitzerin ist).

Die Kunden

Die Kunden sind natürlich – O-Ton – Sahneschnittchen. Auch klar. Einer wie der andere, angefangen beim surfenden Filmemacher über den Künstler bis zu den beiden schwulen Jungs, zu denen sie im März geschickt wird. Mia fängt schon bei ihrem Anblick regelrecht zu sabbern an … Und natürlich reicht ein Blick, eine kleine Berührung aus, um ihr eine gewisse Hitze zwischen den Beinen zu bescheren.

“[…] Seine nackte Brust schimmerte goldbraun im Schein des Kaminfeuers. Gott, er war das reinste Kunstwerk. Der Feuerschein flackerte über die Berge und Täler seines Waschbrettbauchs, und die wohlgeformten, festen Brustmuskeln ließen mir das Wasser im Mund zusammenlaufen.”
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Der Sex

Wobei wir endlich bei dem Punkt wären, wo ich mir gedacht habe, das gibt’s nicht, das glaub ich nicht: die Sex-Szenen. Jeden, der mir erzählt, er möchte beim Orgasmus in den Orbit kommen oder wie ein Flugzeug abheben, werde ich mal eben schief anschauen. Absolute Highlights waren auch die Vergleiche mit dem Efeu (Der Orgasmus hat sie wie Efeu überzogen) oder – mein absoluter Liebling – der Vergleich mit Häcksler:

“Mit einem Grinsen biss er mich in die Brustwarze. Das war’s. Mehr brauchte es nicht. Der Orgasmus zerfetzte mich wie ein Häcksler einen Baum.”
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Ernsthaft: Welche normale Frau will denn solche Orgasmen? Mal abgesehen, dass sie irgendwie lebensgefährlich klingen … Daneben waren die unzähligen Wiederholungen, wie ihr jeweiliger Sexpartner sie rammte / nahm / sich steinhart gegen sie presste, eigentlich noch harmlos. Glaubt ihr mir, dass ich irgendwann nicht mehr anders konnte, als laut zu lachen?

Was ist Botanik?

Dass Mia nicht die Schlaueste ist, stellt sie meiner Meinung nach während des Buchs mehr als einmal unter Beweis. Ich meine, gut, manche Fremdwörter sind schwierig, aber wenn sie mit dem Begriff “forensische Pathologie” etwas anfangen kann, dann aber einen Moment später nicht weiß, was Botanik ist, kommt das schon etwas meeeeerkwürdig rüber.

Limo fahren

Genauso befremdlich fand ich die Szene, als sie im Begriff ist, bei der falschen Tür in die Limousine einzusteigen. Ich bin auch noch nie mit einer gefahren, würde aber trotzdem nicht auf der Beifahrerseite bei der Front-Tür einsteigen (Noch nie im TV gesehen, wie das geht, liebe Mia?) … Schräg war das übrigens schon deswegen, weil eigentlich ein Chauffeur hier parat steht, der ihr die Tür zum Einsteigen öffnet, aber gut, was weiß ich denn schon :D.

Alles Schizo oder was?

An einer Stelle flippt sie so richtig aus, als sie erfährt, dass ihr Mr. Januar und Mr. Februar den Bonus bezahlt haben. Ach nein, die Typen waren so toll, da hat sie gern mit ihnen geschlafen – und nein, sie ist doch keine Hure! Sie doch nicht.

“Du hast mich für Sex bezahlt, das ist das Problem! […] Ich bin nicht deine Hure! Das ist heute schon das zweite Mal, dass mich ein Mann behandelt, als wäre ich sein verdammtes Callgirl. Ich hatte doch nicht wegen des Geldes mit dir Sex! Himmel, warum sind Männer nur so blöd?!”
Seite 228

Die Szene war schon deswegen besonders spaßig, weil sie noch am Anfang des Buches sich genau als das bezeichnet. Ja, ist sie nun eine Hure oder nicht? Vielleicht hätte sie sich doch mal informieren sollen, was ein Escort-Girl so macht, ehe sie bei ihrer Tante den Vertrag unterschrieben hat … Es gibt da so Dinge, die nennt man Internet und Suchmaschine, schon mal gehört davon, liebe Mia?

Die Beziehung zur BFF

Der schizophrene Charakter von Mia kommt auch bei anderen Dingen noch deutlich heraus. Sie und ihre Freundin bezeichnen sich beispielsweise gegenseitig als Miststücke (Weil das ja eine ganz besondere Freundschaft ist, die alles verträgt), ääääh, jaaaa? Ich weiß ja nicht, wie ihr das macht, aber …

Die Beziehung zu Vater und Schwester

Nach und nach wird auch Mias Familie vorgestellt, wobei der Vater als Säufer und Opfer ihres Kredithai-Exfreundes eigentlich nicht gut wegkommt – aber eh klar, es ist ja ihr “Pops”, da geht sie doch gern als Escort-Girl, um die Schulden für ihn abzuarbeiten. Genauso zum Kopfschütteln ist aber auch das Verhältnis zu ihrer 19jährigen Schwester:

“Auf keinen Fall würde meine süße, unschuldige Schwester einen Typen um ein Date bitten. Ich war stolz auf sie. Und mit noch viel größerem Stolz erfüllte mich, dass sie mit neunzehn immer noch Jungfrau war.”
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Tja, nur weil du, liebe Mia, nicht den Richtigen fürs erste Mal gefunden hast, muss das nicht heißen, dass alle in deinem Umfeld für immer und ewig enthaltsam bleiben sollen bzw. wollen (Als Escort-Girl solltest du da den Mund lieber nicht zu weit aufreißen – oder doch? >:)).

Hure oder nicht Hure?

Damit die Geschichte nicht schon gleich nach dem Januar zu Ende ist, sagt Mia Nein, als Mr. Januar (dem sie ja haarklein ihren “Werdegang” als Escort erzählt hat) ihr anbietet, ihr das Geld für ihren Vater zu geben … Da möchte sie lieber noch weitere 11 Monate als Escort arbeiten und unabhängig bleiben.

Tja, Mia, du bist vielleicht keine Hure, hast aber offensichlich Spaß dran, dich wie eine zu verhalten und dich für deine Gesellschaft – oder was auch immer – bezahlen zu lassen. Oder wie soll man dieses Nein sonst verstehen? Du hättest dir das Geld nämlich auch vorstrecken lassen können und als Schauspielerin / Kellnerin / Was-du-sonst-noch-gemacht-hast abarbeiten können, wenn du den Job wirklich sooooo schrecklich gefunden hättest, wie du getan hast.

Das Wort zum Schluss

Ich glaube, ich habe mich schon lang nicht mehr so schwer getan wie hier, ein Buch zu bewerten. Oft genug dachte ich, das gibt’s nicht, das les ich da jetzt nicht, das ist nicht wahr … Klar, natürlich, das Buch ist kein Ernest Hemingway oder ähnlich Literarisches, das hab ich mir nicht erwartet, Groschenroman trifft es wohl eher, aber dieses Buch hier war schon wirklich ne Liga für sich! Von der Anhäufung der Klischees will ich jetzt gar nicht reden …

Kennt ihr das, dass ein Buch so schlecht ist, dass es schon wieder witzig wird? Wobei ich so den Verdacht habe, dass Frau Carlan keine Parodie schreiben wollte – nur kann man es mit einigermaßen Verstand im Kopf nur noch so lesen! Charakterentwicklung? Tiefe? Fehlanzeige. Dafür viele unfreiwillig komische Sexszenen und eine Protagonistin, deren Verhalten für mich am Ende nur noch schizophren war … Das Thema Prostitution wird außerdem bis zum Umfallen verherrlicht bzw. verharmlost – schade, dass ich die Autorin nicht fragen kann, was sie sich DABEI gedacht hat.

Ergo: Am besten aufs Klo mitnehmen, dort ablachen und dann am besten für immer aus dem Gedächtnis löschen – für alles andere ist das Buch nicht wirklich zu gebrauchen!

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Rezension Kristin Hannah – Die Nachtigall

Ich hatte dieses Buch schon auf dem Radar, als die ersten Fotos der Lovelybooks-Special Edition auf Instagram auftauchten. Selten habe ich so ein stilvoll gestaltetes Päckchen gesehen, daher habe ich mich umso mehr gefreut, als diese Box für die Leserunde auf LB verlost wurde und ich eine der glücklichen Gewinnerinnen sein durfte!

Zum Inhalt:

Vianne und Isabelle sind Schwestern, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Als der Zweite Weltkrieg ausbricht, ist Vianne bereits verheiratet und hat eine Tochter, während Isabelle wieder einmal aus einer Schule für wohlerzogene Mädchen geworfen wird. Während Vianne darauf hinarbeitet, ihre kleine Familie am Leben zu erhalten, schließt sich Isabelle dem Widerstand an, um für ein freies Frankreich zu kämpfen …

Meine Meinung:

Ich weiß nicht, wie es euch geht, wenn ihr schon wirklich lange Bücher lest. Ich habe jedenfalls sehr häufig das Problem, dass ich mir immer wieder denke, dass bestimmte Stoffe einfach schon mal da waren … Dieses Gefühl, quasi eine Nacherzählung eines Stoffes zu lesen, begleitet mich mittlerweile schon sehr lange in meinem (Leser)Leben. Umso wertvoller und teurer werden mir diese wenigen Bücher, die mich trotzdem immer noch abholen können. Die Bücher, Die mich mitreißen, die in mir emotionale Achterbahnfahrten auslösen, weil sie etwas ganz Besonderes sind. Bücher, über die ich noch nach dem Lesen nachdenke, auch wenn ich die letzte Seite schon vor einer ganzen Weile umgeblättert habe.

Ich gebe zu, dass ich nicht mitbekommen habe, dass “The Nightingale” (So heißt das Buch im englischsprachigen Raum) bereits 2015 einen wahren Begeisterungssturm ausgelöst hat, aber in der Zwischenzeit kann ich es nachvollziehen. Die Autorin versteht es, die Geschichte des Zweiten Weltkriegs in Frankreich anhand der Schicksale dieser beiden Frauen zu erzählen, ohne den moralischen Finger zu erheben. Sowohl Vianne als auch Isabelle versuchen auf ihre Art und Weise, etwas für ihr Land, ihre Freunde und Familien zu tun – und haben damit mal mehr, mal weniger Erfolg. Aber auch die Deutschen werden nicht über den Kamm geschoren, wie überall gab es auch hier gute und schlechte Menschen, wie die Nebenfiguren Beck und von Richter sehr schön zeigen.

Nichtsdestotrotz stellt jeder Krieg ein unverstellbares Grauen dar, ich musste schon zu Beginn mehrmals schlucken, als um das Schicksal der Flüchtlinge ging. Parallelen zur Gegenwart sind hier wohl durchaus beabsichtigt – und wir dürfen wirklich froh sein, dass wir in einem friedlichen Land leben, in dem es uns gut geht und wir nicht Hunger leiden müssen …

Dieses Buch hat mich beim Lesen zum Teil sehr aufgewühlt, hat mich nicht schlafen lassen, und trotzdem sage ich: Es ist eines der besten, das in den letzten Jahren bei uns auf den Markt gekommen ist! Wenn ihr nur ein Buch im Jahr lest (Was ich natürlich nicht hoffe), dann nehmt dieses und lasst euch mitnehmen in eine Zeit, die gleichzeitig wohl eine der dunkelsten, aber auch eine der hellsten der Menschheitsgeschichte ist …

Ob Vianne und Isabelle wirklich gelebt haben, weiß ich übrigens bis heute nicht. Aber das Nachwort lässt darauf schließen, dass sich die Autorin zumindest von echten Personen inspirieren hat lassen. Beide Figuren hätten also auf jeden Fall existieren können – und das ist das einzige, was zählt, denn es bedeutet, dass wir Menschen auch heute noch dieses Potenzial haben, über uns hinauszuwachsen und Gutes unter Einsatz des eigenen Lebens zu tun.

Also, ganz gleich, was ihr sonst noch in diesem Jahr auf eurem SuB habt: LEST DIESES BUCH!

Mein Fazit:

Ich lasse mich selten wirklich so sehr mitreißen, aber dieses Buch hat auch bei uns das Zeug zu einem echten Bestseller – fünf Sterne sind noch zu wenig!

  • ★★★★★
  • Gebunden
  • 608 Seiten
  • Rütten & Loening
  • 978-3352008856
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