Rezension Mona Kasten – Begin again

Obwohl ich mit Booktube nicht viel am Hut habe, ist Mona Kasten sogar mir in diesem Zusammenhang ein Begriff. Was ich aber nicht wusste, war, dass sie mittlerweile auf die Seite der Autoren gewechselt hat. “Begin again” ist ihr erstes Buch aus dem Bereich New Adult, das bei LYX erschienen ist.

Zum Inhalt:

Allie möchte ihre Vergangenheit hinter sich lassen und beim Studium in Woodshill neu anfangen. Zu Beginn des Semesters sind allerdings alle Wohnungen vergeben, so landet sie bei dem mürrischen Kaden, der ihr widerstrebend ein Zimmer untervermietet und Regeln aufstellt, wie sich ihr Zusammenleben abspielen soll. Relativ bald merkt Allie aber, dass es nicht so leicht ist, sich daran zu halten, weil Gefühle ins Spiel kommen …

Meine Meinung:

Ich gebe zu, ich bin mir nicht sicher, ob ich dieses Buch gelesen hätte, wenn es eine Zeit lang nicht so sehr auf den verschiedenen Buchblogs präsent gewesen wäre. Nach “After” und anderen Geschichten dieser Art habe ich mich eigentlich zumindest für eine bestimmte Zeit als kuriert betrachtet – tja, wenn da nicht die Neugier gewesen wäre. Und die Tatsache, dass man das Buch als Rezensionsexemplar bei Netgalley beziehen konnte :).

“Begin again” erzählt in diesem Zusammenhang Gott sei Dank eine ganz andere Geschichte, als ich sie mir erwartet hatte – und auch wieder nicht. Die beiden Hauptfiguren Allie und Kaden haben beide schlechte Erfahrungen im Leben gemacht, die sie in ihrem noch jungen Leben und in den Beziehungen zu ihren Mitmenschen belasten. Welche das sind, ahnt der Leser vor allem bei Allie schon bald, da die Geschichte aus ihrer Perspektive leicht und flüssig erzählt wird.

Obwohl sich Kaden vor allem am Anfang als ausgemachter Widerling gebärdet, wird relativ bald klar, dass sich unter seinen rauen Schale ein freundlicher und fürsorglicher Typ verbirgt. Im Lauf der Geschichte entwickelt sich die Beziehung der beiden weiter und obwohl sie Rückschläge hinnehmen müssen, ist zu spüren, dass beide Figuren reifer werden, da sie voneinander lernen können. Das (Beziehungs)Zünglein an der Waage stellt natürlich der gemeinsame Freundeskreis dar, da Allie recht schnell von Kadens Freunden akzeptiert wird.

Positiv empfand ich auch, dass beide Figuren nicht sofort innerhalb kurzer Zeit miteinander im Bett landen, im Gegenteil. Mona Kasten lässt sich sehr viel Zeit, bis die beiden das erste Mal Sex haben. Das Kribbeln im Bauch hat Allie zwar schon fast von Anfang an, konzentriert sich aber erst einmal auf wichtigere Dinge wie den Beginn ihres Studiums …

Weniger gefallen hat mir, dass sich die anfangs relativ besonnen wirkende Allie nach und nach zu einer kleinen Drama-Queen mausert. Manche Reaktionen auf bestimmte Situationen erschienen mir sehr übertrieben, dafür dass sie eigentlich als die Vernünftigere und Erwachsenere der beiden dargestellt wurde. Auch den Schluss fand ich nicht so ganz so gut gelungen, da wäre mir eine andere, etwas normalere Auflösung lieber gewesen …

Manche Plottwists waren für meinen Geschmack außerdem etwas zu vorhersehbar, was den Roman insgesamt zu einem leicht zu lesenden Buch für zwischendurch machte, ihn aber nicht aus dem aktuellen Angebot an Liebesromanen herausragen lassen kann.

Mein Fazit:

“Begin again” stellt einen angenehm und flüssig zu lesenden New Adult-Roman dar, der Gott sei Dank vom Inhalt her von Büchern wie “After” abweicht. Trotzdem ist hier meiner Meinung nach noch Potenzial nach oben vorhanden. Ein bisschen weniger Drama und ein wenig mehr Unberechenbarkeit – aber das kann ja mit den Nachfolgebänden der Reihe noch kommen :).

  • ★★★★★
  • Taschenbuch
  • 496 Seiten
  • LYX
  • 978-3736302471
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Der Leseratz nagt an: Calendar Girl “Verführt”

Ihr Lieben, es hilft nichts, es musste eine neue Rubrik hier im Blog her, sonst platze ich! Eine normale Rezension wird “Calendar Girl” einfach nicht gerecht, daher habe ich mir für euch “Der Leseratz nagt an” ausgedacht.

Es ist ja nicht so, dass ich nicht gewarnt worden wäre, aber eine gewisse Restneugier bleibt bei mir immer, wenn ein Buch sich längere Zeit bei uns in den Taschenbuch-Bestsellerlisten hält … Da will ein Teil von mir offensichtlich einfach zu hartnäckig wissen, was die Leute daran gut finden. Mein Freund grinst sich mittlerweile schon immer eins, wenn ich wieder mit einem Erotik-Buch aus der Bib komme – ich schätze, das sagt eh schon alles :).


Das Buch

Autorin: Audrey Carlan
Titel: Calendar Girl “Verführt”

Klappentext:
Mia Saunders braucht Geld. Viel Geld. Eine Million Dollar, um ihren Vater zu retten. Er liegt im Krankenhaus, weil er seine Spielschulden nicht begleichen konnte. Um die Summe aufzutreiben, heuert Mia bei einer Agentur an und lässt sich als Begleitung buchen. Ihre Gesellschaft kostet 100.000 Dollar pro Monat. Sex ist ausdrücklich nicht Teil des Deals – leicht verdientes Geld! Und der Liebe hat Mia sowieso abgeschworen. Als sie ihrem ersten Kunden, dem Hollywood-Autor Wes Channing, gegenübersteht, ist schnell klar: Zwischen den beiden knistert es gewaltig. Vor ihnen liegt ein Monat voll heißer Leidenschaft. Doch Mia darf sich nicht verlieben. Denn Wes ist nur Mr Januar…

“Calendar Girl” ist eigentlich eine zwölfteilige Reihe, die in den USA ursprünglich monatlich erschien. Im Deutschen sind für die Veröffentlichung als Print-Ausgabe vier Bücher vorgesehen (die jeweils drei Monate enthalten), während die Monate in der E-Book-Ausgabe auch einzeln zu haben sind (genauso wie die Hörbuch-Fassungen).


Bevor wir anfangen: Hier noch die übliche Spoiler-Warnung (Und das ist eine wirklich eine Warnung, denn ich nehme mir kein Blatt vor den Mund!), ich werde sowohl über die Charaktere als auch die Handlung und einzelne Szenen des Buches schreiben – lesen also auf eigene Gefahr!


Eines noch vorab

Da ich mir nicht viel von dem Buch erwartet habe, dachte ich mir, das wird lustig, du markierst ein paar Stellen mit Post-its und schreibst ein paar beißende Bemerkungen auf Twitter … Tja, der Plan ging leider nicht auf. Denn am Ende hatte ich so viele Post-its in dem Buch kleben, dass ich mir gedacht habe, das wird nix, da werd ich ja zum Spammer, wenn ich das alles raushaue :D.

Wahre Liebe gibt es nicht

Das ging schon gleich auf der ersten Seite mit der Figur von Mia selbst los. Wer vier Mal die große Liebe (angeblich) gefunden hat und noch immer nicht dazugelernt hat – tja, dem ist nicht zu helfen. Wie hat das jemand so treffend in einer Rezension formuliert? Ach ja: Sie ist nicht “die hellste Kerze auf der Torte” … Und Mias Freundin Ginelle (Beste Grüße aus einem Porno-Film bei dem Namen) scheint nach ähnlichem Muster gestrickt zu sein:

“Wenn du den Escort-Job annimmst, musst du doch einfach nur hübsch aussehen und viel Sex haben, oder?”
Seite 11

Klar, Mia, den Job schaffst du! Einfach nur locker bleiben! Dann klappt das schon, dass du mal eben dich für Sex mit fremden Männern verkaufst …

Bei der Familie …

Wie praktisch, dass gleich die eigene Tante, die Augen wie grüne Amethyste hat (Amethyste sind übrigens lila, das nur am Rande!), eine Agentur hat, wo man mir nichts, dir nichts anheuern kann, um quasi nebenbei 100.000 Dollar zu verdienen – Sex nicht inklusive. Denn den müssen die Herrschaften nämlich extra bezahlen. Besten Dank auch, liebe Tante, dass du nix Besseres zu tun hast, als deine eigenen Familienmitglieder zu prostituieren … Bei so einer Familie braucht man tatsächlich keine Feinde mehr.

Der Job

Mia nimmt den Job also an, mit dem Vorsatz, den Job zu erledigen – und fällt dann gleich mal aus allen Wolken, als sie erfährt, dass ihr altes Leben vorbei ist:

“Mir dämmerte jetzt, dass mein bisheriges Leben vorbei war. Keine normalen Dates mehr.”
Seite 21

Ja, Mädel, was hast du denn erwartet? Wenn du quasi rund um die Uhr bei deinen Kunden klebst, dass du daneben noch ein Privatleben hast?

Die Regeln

Nächster Punkt: Die Escort-Regeln. Kurz zusammengefasst: Alles machen, was der Kunde will, schön aussehen, keine Dinge aus dem Privatleben erzählen (Das klang sogar relativ realistisch für mich) – so weit, so gut. Dass Mia natürlich nix besseres zu tun hat, als gleich im ersten Monat ihrem Kunden quasi ihre Lebensgeschichte auf die Nase zu binden, tja … Die Regeln gelten halt anscheinend für alle andern, nur für sie nicht (Kunststück, wenn die Tante die Agentur-Besitzerin ist).

Die Kunden

Die Kunden sind natürlich – O-Ton – Sahneschnittchen. Auch klar. Einer wie der andere, angefangen beim surfenden Filmemacher über den Künstler bis zu den beiden schwulen Jungs, zu denen sie im März geschickt wird. Mia fängt schon bei ihrem Anblick regelrecht zu sabbern an … Und natürlich reicht ein Blick, eine kleine Berührung aus, um ihr eine gewisse Hitze zwischen den Beinen zu bescheren.

“[…] Seine nackte Brust schimmerte goldbraun im Schein des Kaminfeuers. Gott, er war das reinste Kunstwerk. Der Feuerschein flackerte über die Berge und Täler seines Waschbrettbauchs, und die wohlgeformten, festen Brustmuskeln ließen mir das Wasser im Mund zusammenlaufen.”
Seite 52

Der Sex

Wobei wir endlich bei dem Punkt wären, wo ich mir gedacht habe, das gibt’s nicht, das glaub ich nicht: die Sex-Szenen. Jeden, der mir erzählt, er möchte beim Orgasmus in den Orbit kommen oder wie ein Flugzeug abheben, werde ich mal eben schief anschauen. Absolute Highlights waren auch die Vergleiche mit dem Efeu (Der Orgasmus hat sie wie Efeu überzogen) oder – mein absoluter Liebling – der Vergleich mit Häcksler:

“Mit einem Grinsen biss er mich in die Brustwarze. Das war’s. Mehr brauchte es nicht. Der Orgasmus zerfetzte mich wie ein Häcksler einen Baum.”
Seite 238

Ernsthaft: Welche normale Frau will denn solche Orgasmen? Mal abgesehen, dass sie irgendwie lebensgefährlich klingen … Daneben waren die unzähligen Wiederholungen, wie ihr jeweiliger Sexpartner sie rammte / nahm / sich steinhart gegen sie presste, eigentlich noch harmlos. Glaubt ihr mir, dass ich irgendwann nicht mehr anders konnte, als laut zu lachen?

Was ist Botanik?

Dass Mia nicht die Schlaueste ist, stellt sie meiner Meinung nach während des Buchs mehr als einmal unter Beweis. Ich meine, gut, manche Fremdwörter sind schwierig, aber wenn sie mit dem Begriff “forensische Pathologie” etwas anfangen kann, dann aber einen Moment später nicht weiß, was Botanik ist, kommt das schon etwas meeeeerkwürdig rüber.

Limo fahren

Genauso befremdlich fand ich die Szene, als sie im Begriff ist, bei der falschen Tür in die Limousine einzusteigen. Ich bin auch noch nie mit einer gefahren, würde aber trotzdem nicht auf der Beifahrerseite bei der Front-Tür einsteigen (Noch nie im TV gesehen, wie das geht, liebe Mia?) … Schräg war das übrigens schon deswegen, weil eigentlich ein Chauffeur hier parat steht, der ihr die Tür zum Einsteigen öffnet, aber gut, was weiß ich denn schon :D.

Alles Schizo oder was?

An einer Stelle flippt sie so richtig aus, als sie erfährt, dass ihr Mr. Januar und Mr. Februar den Bonus bezahlt haben. Ach nein, die Typen waren so toll, da hat sie gern mit ihnen geschlafen – und nein, sie ist doch keine Hure! Sie doch nicht.

“Du hast mich für Sex bezahlt, das ist das Problem! […] Ich bin nicht deine Hure! Das ist heute schon das zweite Mal, dass mich ein Mann behandelt, als wäre ich sein verdammtes Callgirl. Ich hatte doch nicht wegen des Geldes mit dir Sex! Himmel, warum sind Männer nur so blöd?!”
Seite 228

Die Szene war schon deswegen besonders spaßig, weil sie noch am Anfang des Buches sich genau als das bezeichnet. Ja, ist sie nun eine Hure oder nicht? Vielleicht hätte sie sich doch mal informieren sollen, was ein Escort-Girl so macht, ehe sie bei ihrer Tante den Vertrag unterschrieben hat … Es gibt da so Dinge, die nennt man Internet und Suchmaschine, schon mal gehört davon, liebe Mia?

Die Beziehung zur BFF

Der schizophrene Charakter von Mia kommt auch bei anderen Dingen noch deutlich heraus. Sie und ihre Freundin bezeichnen sich beispielsweise gegenseitig als Miststücke (Weil das ja eine ganz besondere Freundschaft ist, die alles verträgt), ääääh, jaaaa? Ich weiß ja nicht, wie ihr das macht, aber …

Die Beziehung zu Vater und Schwester

Nach und nach wird auch Mias Familie vorgestellt, wobei der Vater als Säufer und Opfer ihres Kredithai-Exfreundes eigentlich nicht gut wegkommt – aber eh klar, es ist ja ihr “Pops”, da geht sie doch gern als Escort-Girl, um die Schulden für ihn abzuarbeiten. Genauso zum Kopfschütteln ist aber auch das Verhältnis zu ihrer 19jährigen Schwester:

“Auf keinen Fall würde meine süße, unschuldige Schwester einen Typen um ein Date bitten. Ich war stolz auf sie. Und mit noch viel größerem Stolz erfüllte mich, dass sie mit neunzehn immer noch Jungfrau war.”
Seite 197

Tja, nur weil du, liebe Mia, nicht den Richtigen fürs erste Mal gefunden hast, muss das nicht heißen, dass alle in deinem Umfeld für immer und ewig enthaltsam bleiben sollen bzw. wollen (Als Escort-Girl solltest du da den Mund lieber nicht zu weit aufreißen – oder doch? >:)).

Hure oder nicht Hure?

Damit die Geschichte nicht schon gleich nach dem Januar zu Ende ist, sagt Mia Nein, als Mr. Januar (dem sie ja haarklein ihren “Werdegang” als Escort erzählt hat) ihr anbietet, ihr das Geld für ihren Vater zu geben … Da möchte sie lieber noch weitere 11 Monate als Escort arbeiten und unabhängig bleiben.

Tja, Mia, du bist vielleicht keine Hure, hast aber offensichlich Spaß dran, dich wie eine zu verhalten und dich für deine Gesellschaft – oder was auch immer – bezahlen zu lassen. Oder wie soll man dieses Nein sonst verstehen? Du hättest dir das Geld nämlich auch vorstrecken lassen können und als Schauspielerin / Kellnerin / Was-du-sonst-noch-gemacht-hast abarbeiten können, wenn du den Job wirklich sooooo schrecklich gefunden hättest, wie du getan hast.

Das Wort zum Schluss

Ich glaube, ich habe mich schon lang nicht mehr so schwer getan wie hier, ein Buch zu bewerten. Oft genug dachte ich, das gibt’s nicht, das les ich da jetzt nicht, das ist nicht wahr … Klar, natürlich, das Buch ist kein Ernest Hemingway oder ähnlich Literarisches, das hab ich mir nicht erwartet, Groschenroman trifft es wohl eher, aber dieses Buch hier war schon wirklich ne Liga für sich! Von der Anhäufung der Klischees will ich jetzt gar nicht reden …

Kennt ihr das, dass ein Buch so schlecht ist, dass es schon wieder witzig wird? Wobei ich so den Verdacht habe, dass Frau Carlan keine Parodie schreiben wollte – nur kann man es mit einigermaßen Verstand im Kopf nur noch so lesen! Charakterentwicklung? Tiefe? Fehlanzeige. Dafür viele unfreiwillig komische Sexszenen und eine Protagonistin, deren Verhalten für mich am Ende nur noch schizophren war … Das Thema Prostitution wird außerdem bis zum Umfallen verherrlicht bzw. verharmlost – schade, dass ich die Autorin nicht fragen kann, was sie sich DABEI gedacht hat.

Ergo: Am besten aufs Klo mitnehmen, dort ablachen und dann am besten für immer aus dem Gedächtnis löschen – für alles andere ist das Buch nicht wirklich zu gebrauchen!

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Rezension Kristin Hannah – Die Nachtigall

Ich hatte dieses Buch schon auf dem Radar, als die ersten Fotos der Lovelybooks-Special Edition auf Instagram auftauchten. Selten habe ich so ein stilvoll gestaltetes Päckchen gesehen, daher habe ich mich umso mehr gefreut, als diese Box für die Leserunde auf LB verlost wurde und ich eine der glücklichen Gewinnerinnen sein durfte!

Zum Inhalt:

Vianne und Isabelle sind Schwestern, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Als der Zweite Weltkrieg ausbricht, ist Vianne bereits verheiratet und hat eine Tochter, während Isabelle wieder einmal aus einer Schule für wohlerzogene Mädchen geworfen wird. Während Vianne darauf hinarbeitet, ihre kleine Familie am Leben zu erhalten, schließt sich Isabelle dem Widerstand an, um für ein freies Frankreich zu kämpfen …

Meine Meinung:

Ich weiß nicht, wie es euch geht, wenn ihr schon wirklich lange Bücher lest. Ich habe jedenfalls sehr häufig das Problem, dass ich mir immer wieder denke, dass bestimmte Stoffe einfach schon mal da waren … Dieses Gefühl, quasi eine Nacherzählung eines Stoffes zu lesen, begleitet mich mittlerweile schon sehr lange in meinem (Leser)Leben. Umso wertvoller und teurer werden mir diese wenigen Bücher, die mich trotzdem immer noch abholen können. Die Bücher, Die mich mitreißen, die in mir emotionale Achterbahnfahrten auslösen, weil sie etwas ganz Besonderes sind. Bücher, über die ich noch nach dem Lesen nachdenke, auch wenn ich die letzte Seite schon vor einer ganzen Weile umgeblättert habe.

Ich gebe zu, dass ich nicht mitbekommen habe, dass “The Nightingale” (So heißt das Buch im englischsprachigen Raum) bereits 2015 einen wahren Begeisterungssturm ausgelöst hat, aber in der Zwischenzeit kann ich es nachvollziehen. Die Autorin versteht es, die Geschichte des Zweiten Weltkriegs in Frankreich anhand der Schicksale dieser beiden Frauen zu erzählen, ohne den moralischen Finger zu erheben. Sowohl Vianne als auch Isabelle versuchen auf ihre Art und Weise, etwas für ihr Land, ihre Freunde und Familien zu tun – und haben damit mal mehr, mal weniger Erfolg. Aber auch die Deutschen werden nicht über den Kamm geschoren, wie überall gab es auch hier gute und schlechte Menschen, wie die Nebenfiguren Beck und von Richter sehr schön zeigen.

Nichtsdestotrotz stellt jeder Krieg ein unverstellbares Grauen dar, ich musste schon zu Beginn mehrmals schlucken, als um das Schicksal der Flüchtlinge ging. Parallelen zur Gegenwart sind hier wohl durchaus beabsichtigt – und wir dürfen wirklich froh sein, dass wir in einem friedlichen Land leben, in dem es uns gut geht und wir nicht Hunger leiden müssen …

Dieses Buch hat mich beim Lesen zum Teil sehr aufgewühlt, hat mich nicht schlafen lassen, und trotzdem sage ich: Es ist eines der besten, das in den letzten Jahren bei uns auf den Markt gekommen ist! Wenn ihr nur ein Buch im Jahr lest (Was ich natürlich nicht hoffe), dann nehmt dieses und lasst euch mitnehmen in eine Zeit, die gleichzeitig wohl eine der dunkelsten, aber auch eine der hellsten der Menschheitsgeschichte ist …

Ob Vianne und Isabelle wirklich gelebt haben, weiß ich übrigens bis heute nicht. Aber das Nachwort lässt darauf schließen, dass sich die Autorin zumindest von echten Personen inspirieren hat lassen. Beide Figuren hätten also auf jeden Fall existieren können – und das ist das einzige, was zählt, denn es bedeutet, dass wir Menschen auch heute noch dieses Potenzial haben, über uns hinauszuwachsen und Gutes unter Einsatz des eigenen Lebens zu tun.

Also, ganz gleich, was ihr sonst noch in diesem Jahr auf eurem SuB habt: LEST DIESES BUCH!

Mein Fazit:

Ich lasse mich selten wirklich so sehr mitreißen, aber dieses Buch hat auch bei uns das Zeug zu einem echten Bestseller – fünf Sterne sind noch zu wenig!

  • ★★★★★
  • Gebunden
  • 608 Seiten
  • Rütten & Loening
  • 978-3352008856
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Rezension Amie Kaufman & Meagan Spooner – These broken Stars

Ich weiß gar nicht mehr, wann mir “These broken Stars” das erste Mal in der Bloggerwelt begegnet ist … Das blaugrüne Originalcover mit den beiden schwebenden Helden ist mir jedenfalls im Gedächtnis geblieben, weil es definitiv herausragt. Als ich daher entdeckt habe, dass es das Buch bei Netgalley als E-Book gibt, musste ich sofort anfragen – die Neugier war einfach zu groß :). Vielen Dank daher sowohl an das Portal als auch an Carlsen, dass ich das Buch auf meinem Reader bzw. Tablet lesen durfte!

Zum Inhalt:

Major Tarver Merendsen und Lilac LaRoux verbindet eigentlich nicht viel. Sie ist das einzige Kind eines mächtigen und einflussreichen Mannes, während er sich im Krieg ausgezeichnet hat. Was sie allerdings zusammenschweißt, ist der Flug bzw. der Absturz des Raumschiffs Icarus. Auf einem unbekannten Planeten sind sie auf einmal aufeinander angewiesen und müssen sich helfen, um zu überleben …

Meine Meinung:

Ich gebe zu, dass ich mir anfangs nicht sicher war, ob ich das Buch wirklich lesen wollte. Es klang mir ein wenig zu vorhersehbar – Junge und Mädchen müssen wie Robinson Crusoe sich zusammentun und was passiert bei so einem Szenario in einem Jugendbuch? Na klar, sie verlieben sich :). Warum ich das Buch jetzt doch gelesen habe, ist allerdings leicht erklärt: Ich habe mich (wieder einmal) vom Hype anstecken lassen :D. Und da ich SciFi ja nicht ablehnend gegenüberstehe, ganz im Gegenteil, war es an der Zeit, dem Buch eine Chance zu geben :).

Die Geschichte wird immer abwechselnd aus der Sicht von Lilac und Tarver erzählt, angefangen bei ihrem ersten Treffen auf der Icarus. Dazwischen gestreut sind kurze Dialoge, wo man schon recht bald erkennt, dass Tarver zu den Ereignissen auf dem Planeten befragt wird. Mit wem er spricht, wurde er mir allerdings erst im Lauf der Handlung wirklich klar, daher sage ich jetzt einmal dazu auch nichts weiter 😉 …

Dass zwei Autorinnen an dem Buch geschrieben haben, merkt man als Leser eigentlich nicht wirklich. Zumindest mir ist es nicht aufgefallen, der Schreibstil ist einfach und klar und das Buch lässt sich sehr rasch und flüssig lesen – ich hatte es mehr oder weniger innerhalb von zwei Tagen durch :).

Was mir auch sehr gut gefallen hat, sind die Bilder, die die beiden in meinem Kopf entstehen haben lassen: Die Beschreibungen der Landschaft, der Stimmungen und der Gefühle waren für mich zum Teil sogar fast ein bisschen poetisch, ich hatte mehrmals beim Lesen das Gefühl, mich in einem Gedicht zu bewegen. Action und Dramatik gibt es in diesem Buch zwar schon auch, aber eigentlich nur am Anfang und ein wenig am Ende, das Buch lebt viel mehr von dem, was zwischen den Zeilen zwischen den beiden Figuren passiert.

Wobei es mir vor allem Lilac am Anfang nicht leicht gemacht hat: Reich, verwöhnt und zickig ist noch harmlos … Gott sei Dank bleibt das allerdings nicht so – und man bekommt relativ bald einen Blick auf ihr wahres Wesen, das deutlich freundlicher ist. An manchen Stellen tat sie mir dann sogar fast ein bisschen leid, es muss schon schwer sein, wenn man immer im Hinterkopf überlegen muss, ob es das Gegenüber nur auf dein Geld abgesehen hat oder nicht.

Tarver war von Anfang an der freundliche Junge von nebenan, das kann man nicht anders sagen. Geduldig, hilfsbereit und liebenswert – so könnte man ihn mit ein paar Worten beschreiben. Ob er im echten Leben das Mädel bekommen würde? 😀

Kritisieren muss ich allerdings ein wenig den Schluss: Der kam mir nämlich fast ein bisschen zu schnell und auch dies SF-Komponente schob sich wieder in den Vordergrund. Hier habe ich – muss ich gestehen – einiges nicht verstanden und habe daher auch nicht nachvollziehen können, warum schlussendlich die Ereignisse so passieren. Da dieser Teil aber nur der Auftakt zu einer Trilogie ist und ich gesehen habe, dass im dritten Teil die beiden Helden wieder vorkommen, gehe ich davon aus, dass wir in den beiden anderen Teilen weitere Details und Erklärungen bekommen :).

Mein Fazit:

“These broken Stars” ist ein wunderschöne, zum Teil fast poetisch erzählte Geschichte, die man auch als Nicht-Science Fiction-Fan lesen kann, weil das Setting im All keine große Rolle spielt. Das Ende lässt einige Fragen offen, aber das ist nachvollziehbar, da dies nur der Auftakt zu einer Trilogie ist …

  • ★★★★
  • Gebunden
  • 496 Seiten
  • Carlsen
  • 978-3551583574
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Rezension Jennifer Wellen – Liebe ist wie eine Goodie Bag

“Liebe ist wie eine Goodie Bag” ist bereits das zweite Buch, das ich von der Autorin Jennifer Wellen lesen durfte :). “Kennengelernt” haben wir uns durch ihr erstes Buch “Katerfrühstück mit Aussicht” (Rezension hier), das ich voriges Jahr zusammen mit ein paar anderen Leuten hier auf meinem Blog vorstellen durfte.

Zum Inhalt:

Zara ist Anfang 30, Single, bringt ein paar Kilo zu viel auf die Waage und ist arbeitslos. Zumindest zu Beginn des Romans, denn dann gelingt es ihr, auf Probe einen Job als Sekretärin in einer Modelagentur an Land zu ziehen … Der Übergangsjob sorgt allerdings schon rasch dafür, dass in Zaras Leben kein Stein auf dem anderen bleibt :).

Meine Meinung:

Ich liebe Jennifers Geschichten! Locker, fröhlich und lustig – da fällt es nicht schwer, sich in ihren neuen Roman rasch hinein zu finden :). Die Protagonistin Zara hat zwar anfangs noch einige Probleme, sich aufzurappeln, aber mit ihrem neuen Job bei “Stars & Styles” geht es spürbar bergauf. Obwohl sie eigentlich aus einem anderen Bereich kommt, lernt sie schnell. Der Job beschert ihr unter anderem einen neuen besten Freund namens Pippa (eigentlich Philipp), der als Make-Up-Artist gelegentlich für die Modelagentur arbeitet.

Pippa ist es auch, der mir ziemlich schnell der liebste Nebencharakter wurde. Seine Art, Zaras Berufs- und Liebesentwicklung zu kommentieren, ist einfach genial und sorgte für mehr als einen Schmunzler bei mir :D. Auch wenn hier einige Klischees auftauchten (Zara nennt Pippa für sich beispielsweise Paradiesvogel, weil er sich etwas extravagant kleidet), tat dies der Liebenswürdigkeit der Figur keinen Abbruch!

Pippa hat die Autorin übrigens den Spruch in den Mund gelegt, der für den Titel des Romans gesorgt hat:

“Liebe ist wie eine Goodie Bag, du weißt nie, was drin ist. Aber wenn du den Menschen wirklich liebst, ist es wurscht, wie lange du ihn kennst. Ob du deine Goodie Bag liebst, wirst du spüren, von der ersten Sekunde an.”

Während sich die Haupthandlung relativ bald auf die neuen bzw. alten Männer in Zaras Leben konzentriert, geht es in der Nebenhandlung um die Beziehung von Eva, Zaras bester Freundin und Nachbarin, deren Mann ebenfalls ein Geheimnis hütet, das für einige Turbulenzen sorgt. Und da sind auch noch Julian, Zaras Ex, der sie während ihrer Depressionen alleine gelassen hat und der geheimnisvolle Marc mit den Bernsteinaugen, bei dessen Anblick Zara Schmetterlinge im Bauch bekommt :).

Wer relativ oft Frauen- bzw. Liebesromane liest, ahnt zwar relativ bald, wohin das steuern wird, es macht aber trotzdem viel Spaß, die unterschiedlichen Figuren bei ihrer Entwicklung zu begleiten. Nebenbei bekommt man einen Einblick in die Modelwelt, die sich durchaus von dem unterscheidet, was die meisten von uns durch diverse Casting-Sendungen wissen (Wobei diese natürlich ebenfalls im Roman erwähnt werden, logisch!).

Das Ende des Romans – und damit die Auflösung – kommt leider für meinen Geschmack ein kleines bisschen zu rasch, ich hätte mir hier durchaus etwas mehr Platz für ein Happy-End für die Nebenfiguren gewünscht, aber im Großen und Ganzen war ich trotzdem zufrieden.

Mein Fazit:

“Liebe ist wie eine Goodie Bag” ist ein lustiger, unterhaltsamer Frauenroman, der gerade jetzt im Sommer am Strand die perfekte Lektüre darstellen dürfte. Ich habe mich jedenfalls großartig unterhalten gefühlt und das Buch mehr oder weniger in einem Rutsch ausgelesen! Da verzeihe ich auch das eine oder andere Klischee, das sich in das Buch geschlichen hat und das nicht unbedingt hätte sein müssen :).

  • ★★★★
  • E-Book
  • 370 Seiten
  • dotbooks
  • 978-3958246157
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Rezension Jessica Winter – Bis du wieder atmen kannst

Manchmal geht das Leseleben eigenartige Wege – mehr oder weniger der Zufall hat mich zu diesem Buch geführt, da ich normalerweise eigentlich fast nie an Gewinnspielen auf anderen Blogs teilnehme 😀 …Trotzdem habe ich mich sehr gefreut, als “Bis du wieder atmen kannst” schlussendlich mit persönlicher Widmung, einigen Leckerlis und Autogrammkarte der sympathischen Autorin bei mir eintrudelte!

Ich war zwar anfangs aufgrund des Covers relativ skeptisch, was mich erwarten würde, da ich gewöhnlich Liebesromane eher selten lese (Die meisten Bücher dieses Genres sind ja irgendwie vorhersehbar), habe mich aber schon bald ganz und gar von der Geschichte einfangen lassen :).

Zum Inhalt:

Julia und Jeremy stehen kurz dem Schulabschluss. Während Jeremy als Quarterback zu den beliebten Jungs an der Highschool zählt, ist Julia eher zurückhaltend und unscheinbar. Eines Tages jedoch entdeckt Jeremy zufällig ein Geheimnis von Julia, was ihn dazubringt, sie näher kennenzulernen und ihr helfen zu wollen. Aus anfänglicher Neckerei wird von seiner Seite her bald mehr, während Julia damit kämpft, ob sie gerade Jeremy wirklich vertrauen soll …

Meine Meinung:

Die Autorin hat einen einfachen, aber berührenden Schreibstil, der es mir leicht machte, den Erlebnissen der beiden Protagonisten zu folgen. Sie erzählt in der Ich-Form, abwechselnd aus Julias und aus Jeremys Perspektive, wir lernen also beide im Lauf der Geschichte sehr gut kennen. Auch wenn der Roman an einigen Stellen für meinen Geschmack zu sehr ins Detail ging (Vor allem mit den Football-Beschreibungen konnte ich nicht so viel anfangen), lasen sich die Zeilen im Nu und ich konnte fast nicht mehr aufhören …

Obwohl das Buch eigentlich im Stil eines Tagebuchs geschrieben ist, okay, eigentlich zweier Tagebücher, gab es sehr viele Szenen, die für mich sehr berührend waren, ich konnte ohne Probleme nachempfinden, wie sich beide Protagonisten in den entsprechenden Situationen gefühlt haben. Litt ich mit Julia vor allem dann mit, wenn sie über ihren toten Bruder nachdachte oder mit ihrer Mutter sprach, konnte ich mich auch mit Jeremy immer wieder identifizieren, wenn er sich um Julia bemühte.

Manche Dinge waren in diesem Buch sehr, sehr schön, manche auch wieder unheimlich hässlich, vor allem die sehr ernsten Themen, die im Hintergrund standen. Auf diese möchte ich jetzt bewusst nicht weiter eingehen, da man als Leser selbst am Anfang nicht weiß, worauf man sich beim Lesen einlässt und vieles mit Jeremy erst nach und nach herausfindet. Trotzdem konnte ich oft nicht an mich halten und habe mir mehrmals gedacht, wie Menschen bloß so lieblos sein können …

Das Prädikat “Liebesroman” ist in meinen Augen eigentlich viel zu einseitig für diese Geschichte, natürlich geht es um Liebe, aber nicht ausschließlich. Man blickt hinter die Fassade von seinen Mitmenschen, sieht und lernt, dass Liebe auch aus Respekt, Vertrauen und Hilfe füreinander besteht. Darüber hinaus finden auch Familie, Freundschaft und der Glaube einen Platz in diesem Buch, und auch wenn ich nicht besonders gläubig bin, war für mich nachvollziehbar, warum Julia praktizierende Christin ist.

Ich habe dieses Buch in knapp zwei Tagen ausgelesen – und musste dann zumindest noch die ersten Seiten des zweiten Bandes “Solange du bleibst” lesen, um in Ruhe schlafen gehen zu können (Vorsicht: Ganz böser Cliffhanger am Ende des ersten Teils!). Das alleine sagt schon einiges aus, denn das passiert mir nicht sehr oft, dass mich ein Buch so sehr bei der Stange hält :D.

Trotzdem muss ich auch hier ein klein wenig Kritik anbringen: Ich finde das Cover nicht gut gewählt. Das Paar, das sich so innig hält, vermittelte mir anfangs leider ein ganz anderes Bild als das, worum es in diesem Buch tatsächlich geht. Anfangs dachte ich tatsächlich an einen 0815 Kitsch-Roman, das ist das Buch aber ganz und gar nicht! Viele ernste, fast schon erwachsene Themen werden hier angesprochen, die durch dieses Cover meiner Meinung nach nur unzureichnend vermittelt werden – gut, ich bin kein Coverdesigner, aber das Motiv steckt dieses Buch in eine Ecke, die es eigentlich nicht verdient hat …

Was ich auch nicht ganz plausibel fand, war, wie ernst vor allem Jeremy in dieser Geschichte rüberkam, eigentlich schon deutlich reifer als die 17 Jahre, mit denen er vorgestellt wird. Ich meine, ein Junge, der Football spielt, bei dem die Mädchen Schlange stehen und er hat nur Interesse an einer ernsthaften Beziehung? Das kann ich mir eigentlich so überhaupt nicht vorstellen :).

Mein Fazit:

Ein wunderbarer sensibler Roman, der deutlich mehr als einen einfachen Liebesroman darstellt. Und auch wenn ich mit einigen Details nicht so zufrieden war, hält mich das nicht davon ab, das erste Mal in diesem Jahr einem Buch 5 Sterne zu vergeben :).

  • ★★★★★
  • Taschenbuch
  • 416 Seiten
  • CreateSpace
  • 978-1515340225
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Rezension Renee Ahdieh – Zorn und Morgenröte

Ich erinnere mich noch sehr genau, dass das geheimnisvolle Cover dieses Buches sofort meine Aufmerksamkeit fesselte. Die kupferfarbenen Ornamente, der azurblaue Hintergrund und das Mädchen, das quasi durch den Buchdeckel blickt – wer sollte da nicht aufmerksam werden?

Zum Inhalt:

Shahrzad möchte den Tod ihrer Freundin Shiva rächen, die durch die grausamen Taten des jungen Kalifen Chalid zu Tode gekommen ist. Kein Mensch weiß warum, aber Chalid heiratet jeden Tag ein Mädchen, nur um es am darauffolgenden Morgen hinrichten zu lassen. Shahrzad meldet sich freiwillig als Braut, wild entschlossen, Chalid dafür büßen zu lassen. Doch es kommt anders, als sie denkt und bald geht es um deutlich mehr als Rache …

Meine Meinung:

Beginnen wir einmal mit dem Setting, denn das ist einfach wunderschön, man fühlt sich bereits nach wenigen Seiten wirklich und wahrhaftig in die Welt von orientalischen Märchen versetzt. Geheimnisvoll, exotisch und fremd – und gleichzeitig anziehend! Paläste, Wüsten, Kleidung und Speisen, alles ist fremd und faszinierend zugleich. Wenn ich das alleine bewerten sollte, bekäme der Roman ohne zu zögern fünf Sterne von mir :).

“In meinem Leben habe ich vor allem eines gelernt: dass kein Wesen den Gipfel seiner Möglichkeiten ohne die Liebe anderer erreichen kann. Uns ist es nicht bestimmt, allein zu sein, Sharzad. Je mehr ein Mensch andere von sich stößt, desto klarer wird es, dass er am meisten von allem Liebe braucht”.
S.142

Als Leser steigen wir unmittelbar in die Geschichte ein, nachdem die Hochzeit bereits vorbei ist und Shahrzad die Hochzeitsnacht mit dem unbekannten Mann bevorsteht. Obwohl gerade einmal 16 Jahre alt, weiß Shahrzad sehr genau, was sie will – zumindest am Anfang. Und damit wären wir schon bei einem Punkt, den ich persönlich nicht ganz nachvollziehen konnte: Die Entwicklung der Charaktere.

Shahrzad beispielsweise beginnt bereits ziemlich bald, sich in Chalid zu verlieben, obwohl sie eigentlich nichts von ihm weiß und er sich ihr nicht wirklich öffnet. Im Gegenteil, er geht ihr aus dem Weg, spricht wenig mit ihr und tut auch sonst wenig, um Gefühle zu erwecken … Diese Frage nach dem “Warum” begleitete mich durch das ganze Buch und wurde zumindest hier für mich nicht wirklich zufriedenstellend beantwortet.

Genauso wenig fand ich Shahrzads Dienerin Despina überzeugend. Zuerst ist sie eine Sklavin, dann Shahrzads Bedienstete – aber dafür gibt sie ihrer Herrin erstaunlich oft Widerworte. Das war zwar durchaus amüsant zu lesen, aber plausibel fand ich es nicht. Genauso wenig wie das Hin und Her, ob Shahrzad ihr nun vertrauen konnte oder nicht …

Sieht man darüber aber hinweg und lässt sich auf die Handlung ein, hat man aber trotzdem ein schön und flüssig zu lesende Geschichte, die hauptsächlich von der beginnenden Liebe zwischen Chalid und Shahrzad getragen wird. Viel Gefühl, aber auch viele Geheimnisse – und mit der Zeit möchte man immer mehr wissen, warum Chalid, der zunehmend tragische und melancholische Züge bekommt, so furchtbare Dinge tut.

“Es ist ein großes Geschenk, andauernde Liebe zu finden – eine Liebe, die für alles, was sie nimmt, etwas gibt”.
S.287

Eine weitere, wenn auch kleine Rolle, spielt Tarik, Shahrzads Jugendfreund. Befürchtete ich anfangs noch, dass hier wieder einmal eine Dreiecksgeschichte auf mich zukommen würde, konnte ich bald zufrieden aufatmen … Shahrzad braucht Gott sei Dank nicht so lange wie andere Heldinnen, um herauszufinden, wem ihr Herz wirklich gehört :).

Das Ende bringt uns fast zwangsläufig einen Cliffhanger, jedoch fand ich diesen nicht ganz so schlimm wie bei anderen Reihen. Hier kann ich mit gutem Gewissen das Buch zuklappen und auf die Fortsetzung warten :).

Mein Fazit:

Das Setting des Romans hätte locker fünf Sterne und mehr verdient, das ist wirklich ein echter Genuss. Die Entwicklung der Charaktere konnte ich allerdings an einigen Stellen nicht wirklich nachvollziehen … Wenn man aber bereit ist, sich auf die Liebesgeschichte einzulassen, bekommt man einen gefühlvollen und flüssig zu lesenden Roman, der einen gut unterhält und der vor allem am Ende durchaus neugierig auf die Fortsetzung macht.

  • ★★★★
  • E-Book
  • 400 Seiten
  • Bastei Entertainment
  • 978-3732522675
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