Rezension Nadine Erdmann – CyberWorld 6.0 “Anonymous”

Kaum zu glauben, aber wahr: Die phantastische Reihe rund um unsere jugendlichen Helden Jemma, Jamie, Zack, Will, Ned, Charlie steuert langsam, aber unerbittlich auf ihr Finale zu. Denn laut Autorin wird mit dem siebten Band das Ende erreicht sein.

Wie jedes Mal versteht es schon das Cover neugierig zu machen, denn zwangsläufig fragt man sich gleich einmal, was es mit diesem Haus und dem in Großbuchstaben geschriebenen “Help us” an der Wand auf sich hat.

Der Klappentext:

Eigentlich läuft gerade alles sehr gut im Leben von Zack, Ned und dem Rest der Clique. Nach den schrecklichen Erlebnissen in CyberLondon ist der Alltag wieder eingekehrt und die Freunde testen ihr eigenes CyberGame, um es für die Veröffentlichung fertigzustellen.

Doch dann tauchen Zacks Eltern überraschend in London auf und in der CyberWorld sucht ein Unbekannter die Aufmerksamkeit der Freunde – mit äußerst drastischen Mitteln. Wer verbirgt sich hinter Anonymous und was will er von Ned, Will und ihren Freunden?

Meine Meinung:

Nach dem letzten Band, der mir trotz der längeren Pause noch sehr gut in Erinnerung ist, geht die Autorin es dieses Mal wieder etwas ruhiger an. Sehr gut so, denn ich bin mir nicht sicher, ob ich nach dieser Achterbahnfahrt im fünften Teil (Rezi dazu hier) weitere Aufregungen vertragen hätte. Wobei das aber nun nicht heißen soll, dass absolut gar nichts passiert, ganz im Gegenteil.

Nadine Erdmann konzentriert sich in diesem Band erstmals auf eine Figur, die bisher eher als ruhiger Gegenpol zu Jamie in Erscheinung getreten ist: Zack. Zack, der von Anfang damit zu kämpfen hatte, dass er seinen Eltern so gar nichts bedeutet. Als diese nach London kommen und Zack nach New York mitnehmen wollen, zwingen sie ihn damit nun endgültig dazu, sich mit seinem Verhältnis zu ihnen auseinanderzusetzen. Auf diese Weise lernen wir Leser auch eine Seite von Zack kennen, eine, die bisher eher im Hintergrund geblieben ist.

Dies mag auf den ersten Blick erschrecken, hat mir aber sehr gut gefallen, denn jeder Mensch hat mit seinen Dämonen zu kämpfen, man sieht es ihnen in der Regel nur nicht an. Diese Entwicklung verleiht der Figur nun deutlich mehr Tiefe als bisher, wo der Schwerpunkt eher auf Jamie gelegen hat, der mit den Folgen seines Unfalls leben muss.

Der zweite Teil widmet sich dem Rätsel in der Geschichte, denn wer ist Anonymous und was will er? Offensichtlich ist er ein echtes As am Computer, weil es ihm mühelos gelingt, die Sicherheitsmaßnahmen von Will und Ned für ihr neues Cybergame zu umgehen. Nachdem lange Zeit nicht klar ist, ob er in Verbindung zu den Terroristen R.A.T.s (die wir in Teil 5 kennenlernen durften) steht, müssen unsere Helden sehr vorsichtig zu Werke gehen.

Im Vergleich zu Zacks Geschichte fand ich diesen Teil jedoch den schwächeren, weil die Idee zur Auflösung (die für mich eigentlich früh auf der Hand lag) für unsere Helden erst recht spät auftaucht – und im Verhältnis dann ziemlich zügig erzählt wird. Das ging mir persönlich einfach ein klein bisschen zu schnell, auch wenn hier einige sehr, sehr herzige Szenen auftauchen, die vor allem das jüngere Lesepublikum sicher mögen wird.

Trotzdem bin ich selbstverständlich gespannt auf den letzten Teil, der hoffentlich die verbliebenen, noch offenen Handlungsstränge zu einem zufrieden stellenden Ende führen wird. Die Autorin gibt netterweise im Nachwort einen kleinen Hinweis, was uns erwarten wird (weshalb ich jetzt erst recht neugierig bin, logisch).

Mein Fazit:

“CyberWorld 6.0” habe ich im Vergleich zu den beiden vorigen Bänden als etwas schwächer empfunden, was aber nicht heißt, dass der Autorin nicht trotzdem eine sehr lesenswerte Geschichte gelungen ist. Vor allem Fans von Zack werden dieses Mal auf ihre Kosten kommen, diese sehr persönlichen Szenen waren für mich in diesem Band das absolute Highlight!

  • ★★★★
  • E-Book
  • 284 Seiten
  • Greenlight Press
  • 978-3958343108
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Rezension Christina Dalcher – Vox

Ich weiß gar nicht mehr, wann genau ich das erste Mal auf das Buch aufmerksam wurde, aber es liegt schon eine Weile zurück … Was ich aber noch genau weiß, ist, dass ich nach dem Lesen des Klappentexts auf der Stelle Feuer und Flamme für diese Geschichte war. Was für eine großartige Idee!

Deswegen beschloss ich auch, eine Leserunde zu “Vox” auf meinem Blog zu veranstalten, um es gemeinsam zu lesen und unsere Eindrücke zu diskutieren.

Der Klappentext:

In einer Welt, in der Frauen nur hundert Wörter am Tag sprechen dürfen, bricht eine das Gesetz. Das provozierende Überraschungsdebüt aus den USA, über das niemand schweigen wird!
Als die neue Regierung anordnet, dass Frauen ab sofort nicht mehr als hundert Wörter am Tag sprechen dürfen, will Jean McClellan diese wahnwitzige Nachricht nicht wahrhaben – das kann nicht passieren. Nicht im 21. Jahrhundert. Nicht in Amerika. Nicht ihr.
Das ist der Anfang.
Schon bald kann Jean ihren Beruf als Wissenschaftlerin nicht länger ausüben. Schon bald wird ihrer Tochter Sonia in der Schule nicht länger Lesen und Schreiben beigebracht. Sie und alle Mädchen und Frauen werden ihres Stimmrechts, ihres Lebensmuts, ihrer Träume beraubt.
Aber das ist nicht das Ende.
Für Sonia und alle entmündigten Frauen will Jean sich ihre Stimme zurückerkämpfen.

Meine Meinung:

“Der Roman, den jede Frau lesen muss” – das sagt zumindest der S.Fischer-Verlag, der das Buch bei uns auf dem Markt gebracht hat. Nun, ich sage: Nein! Warum, erkläre ich noch. Schauen wir erst einmal auf die Zutaten zu diesem dystopischen Roman, bei dem leider in der Endversion der Brief an die Leser und das Interview mit der Autorin weggefallen sind …

Beides fand ich durchaus interessant, denn die Autorin verrät darin auch, dass sie den Roman nicht unbedingt als feministischen Roman sieht, sondern eher als Gedankenspiel, was mit einer Gesellschaft passiert, wo auf einmal die Hälfte der Menschen nicht mehr sprechen darf. Als Linguistin ist die Autorin schließlich vom Fach, weiß, wovon sie schreibt.

Die Geschichte beginnt für meinen Geschmack durchaus spannend, wir lernen die Protagonistin Jean, 43, verheiratet, Mutter von vier Kindern, ehemals renommierte Neurolinguistin, kennen. Das Verhältnis zu ihrem Mann Patrick ist aber nach siebzehn Jahren Ehe nicht mehr das, was es mal war. Besonderes Sorgenkind ist die jüngste Tochter Sonia, die genau wie ihre Mutter dank des Wortzählers an ihrem Handgelenk kaum sprechen darf.

In Rückblenden wird erzählt, wie es zur Entstehung dieses Systems kam, Jean macht sich dabei mehr als einmal Vorwürfe, dass sie selbst im Gegensatz zu ihrer Freundin und Aktivistin Jackie nicht aktiv geworden ist. Der Alltag ist zu einem großen Schweigen geworden, der Frauen zurück an den Herd zwingt und der den Ehemännern, Vätern und Brüdern die Entscheidungsgewalt über ihre Frauen gibt.

Dies zeigt sich vor allem in den vielen kleinen Szenen, die die erste Hälfte des Romans dominieren, denn Jean darf im Grunde nichts mehr tun außer den Haushalt führen und (schweigend!) für ihre Familie da sein … Eine Begebenheit nach der anderen reiht sich aneinander, wo man sich als Leserin am liebsten übergeben würde, so viel Ungerechtigkeit ist entstanden – und niemand ist (zunächst) da, an den Jean sich wenden kann. Selbst ihr ältester Sohn Steven wendet sich von ihr ab, beeinflusst von der umfassenden Gehirnwäsche des Systems.

Wie in jeder guten Geschichte passiert allerdings etwas, was dafür sorgt, dass Jean sich einige Freiheiten zurück erkämpfen kann: Der Bruder des Präsidenten ist auf Jeans Fähigkeiten als Wissenschaftlerin angewiesen. Jean nutzt die Chance, um wieder in Kontakt mit ihrem alten Forscher-Team zu kommen, begegnet dabei auch ihrem italienischen Kollegen Lorenzo wieder, mit dem sie etwas mehr als nur die Arbeit verbindet.

Ab hier etwa setzte allerdings auch das Gefühl ein, mich immer mehr in der Handlung zu verlieren, nicht mehr mitzukommen … Viel zu viel blieb an der Oberfläche, ließ die Gefühle und das Grauen des Anfangs vermissen. Das Verständnis für die Motivation der Figuren, bestimmte Dinge zu tun, entglitt mir zunehmend. Stattdessen immer mehr Geheimnisse, immer mehr Fragen – und immer mehr Ungereimtheiten.

Wüsste man es nicht besser, könnte man meinen, zwei verschiedene Autoren haben an dieser Geschichte geschrieben. Einer, der sich Zeit genommen hat, einen wirklich beklemmenden, angsteinflößenden Anfang zu schaffen, aber auch einer, der anscheinend unter Zeitdruck gestanden hat, den Roman möglichst rasch zu einem Ende zu bringen.

Apropos Ende: Das Ende wurde von meinen Mitlesern in der Leserunde recht unterschiedlich wahrgenommen. Mir gefiel es grundsätzlich schon, wenn da allerdings nicht das große Aber wäre: Es wird viiiiel zu rasch erzählt! Dadurch wirkt es wie fast die gesamte zweite Hälfte des Romans eher lieblos und nur runtergeschrieben.

Dies ließ mich nach dem Beenden des Buches tatsächlich erst einmal ratlos zurück. Denn wie bewertet man ein Buch, dass man zu Beginn absolut fesselnd, spannend, grausam und traurig fand, das also jede Menge Gefühle ausgelöst hat, dann aber so absolut abstürzt, dass man am liebsten das Ende einfach vergessen und verdrängen möchte? Der Anfang verdient meiner Meinung nach problemlos vier Sterne, das Ende allerdings eher zwei …

Mein Fazit:

“Starker Anfang, schwaches Ende” – so könnte man “Vox” wohl am besten beschreiben, wenn man sich auf die vielbeschworenen 100 Wörter pro Tag für Frauen beschränken muss. Die Idee finde ich auch jetzt immer noch großartig, das letzte Drittel des Buchs möchte ich jedoch am liebsten aus meinem Gedächtnis streichen …

  • ★★★★★
  • E-Book
  • 400 Seiten
  • S. Fischer
  • 978-3103974072
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Rezension Naomi Alderman – Die Gabe

“Die Gabe” ist in gewisser Weise das Buch, das ich immer schreiben wollte, hätte ich die Geduld und den Ehrgeiz, selbst einen Roman zu verfassen. Die Idee, wie unsere Gesellschaft wäre, wenn die Frauen die Macht hätten … Diese Vorstellung hat mich irgendwie schon immer fasziniert. Deswegen war ich auch schon sehr gespannt darauf, was Naomi Alderman daraus gemacht hatte.

Dr Klappentext:

Es sind scheinbar gewöhnliche Alltagsszenen: ein nigerianisches Mädchen am Pool. Die Tochter einer Londoner Gangsterfamilie. Eine US-amerikanische Politikerin. Doch sie alle verbindet ein Geheimnis: Von heute auf morgen haben Frauen weltweit die Gabe – sie können mit ihren Händen starke elektrische Stromstöße aussenden. Ein Ereignis, das die Machtverhältnisse und das Zusammenleben aller Menschen unaufhaltsam, unwiederbringlich und auf schmerzvolle Weise verändern wird.

Meine Meinung:

Naomi Alderman erzählt ihre Geschichte in – sagen wir – Episoden. Dies wird gerade dadurch deutlich, dass das Buch in verschiedene zeitliche Abschnitte (beispielsweise “Noch zehn Jahre”) unterteilt ist und dass die Geschichte aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt wird.

Das bedeutet, dass vieles eigentlich nur angerissen und nicht im Detail auserzählt wird – etwas, was mich doch an der einen oder anderen Stelle ein wenig gestört hat. Die einzelnen Figuren beispielsweise bekommen dadurch verhältnismäßig wenig Tiefe, wirken eher wie ein Mittel zum Zweck, die Entwicklung der Geschichte voranzutreiben.

Trotzdem gelingt es der Autorin sehr gut, ihr Gedankenspiel darzustellen. Was wäre, wenn Männer von heute auf morgen das schwächere Geschlecht sind? Was wäre, wenn Männer Sexismus, Vergewaltigung und Gewalt von Frauen ausgesetzt wären? Sind Frauen die besseren Mächtigen? Diese und noch mehr Fragen beantwortet die Autorin in meinen Augen durchaus zufriedenstellend, auch wenn mich manche ihrer Ideen nicht so ganz überzeugen konnten.

Dabei beschönigt die Autorin nichts, gerade bei den Vergewaltigungsszenen musste ich schon ein- oder zweimal schlucken. Wer hier empfindlich reagiert, sollte die entsprechenden Abschnitte vielleicht lieber überblättern oder gleich ganz einen Bogen um das Buch machen. Besonders die zweite Hälfte des Buch (Ja, ich weiß, es ist ein leichter Spoiler) wirkte auf mich aus diesem Grund eher deprimierend.

Hat man anfangs noch Sympathien für die Frauen, die sich gegen männliche Vorherrschaft, Frauenhandel und Missbrauch zur Wehr setzen, kippt die Stimmung zusehends. Das Ende und die Botschaft, die dieses Ende aussendet, fand ich persönlich recht zwiespältig. Natürlich verstehe ich, dass die Geschichte nur ein Bild, eine Idee sein soll, aber ein Teil von mir weigert sich einfach, die dargestellten Dinge als gegeben hinzunehmen. Und zwar egal, ob nun Männer oder Frauen an der Macht sind.

Was mir jedoch durchaus gefallen hat, sind die Rahmenhandlung bzw. die Einschübe: Zwischen den Abschnitten beispielsweise finden sich Zeichnungen, Auszüge aus alten Dokumenten, E-Mails, die darauf schließen lassen, dass es sich bei dem Roman um eine Art geschichtlichen Erlebnisbericht handelt, der auf wissenschaftlichen Forschungsergebnissen beruht. Das macht den Roman ein ganzes Stück realistischer, auch wenn man natürlich weiß, dass man eine fiktive Geschichte vor sich hat.

Ich gebe zu, dass ich an “Die Gabe” doch recht hohe Erwartungen hatte, die sich für mich aber nur teilweise erfüllt haben. Zu viele Dinge fand ich an diesem Buch einfach … befremdlich. Dinge, wo ich nicht weiß, zu welchem Zweck die Autorin sie in die Geschichte eingearbeitet hat.

Wer meine Tweets verfolgt hat, die ich im Rahmen der #bbfliest Leserunde auf Twitter gepostet habe, wird wissen, was ich meine (Die anderen können sie nachlesen, einfach in der Suche den Hashtag eingeben). Dies lässt mich nun leider doch nur drei Sterne vergeben, obwohl ich mich wirklich auf dieses Buch gefreut habe.

Mein Fazit:

“Die Gabe” war für mich in Summe ein recht zwiespältiges Buch, einiges fand ich sehr gut umgesetzt, einiges dagegen gefiel mir so ganz und gar nicht. Auch mit dem Ende konnte ich mich nicht so wirklich anfreunden … Trotzdem fand (und finde) ich die Idee zu diesem Buch einfach großartig.

  • ★★★★★
  • Klappenbroschur
  • 480 Seiten
  • Heyne
  • 978-3453319110
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(Kurz)Rezension Andreas Gruber – Ghost Writer

“Ghost Writer” ist mittlerweile schon der fünfte Band aus dem Luzifer Verlag, in dem die Kurzgeschichten von dem Andreas Gruber aus dem Phantastik-Bereich neu aufgelegt bzw. neu herausgegeben werden (Ja, es sind auch jedes Mal neue Geschichten dabei!).

Der Klappentext:

Diesmal entführt Andreas Gruber Sie mit seinen Horror-geschichten in das Leipzig des Jahres 1840, nach New Orleans um 1908 und in das Wien des Jahres 1945. Wir treffen auf elektronische Spinnen, einen krimineller Zahnarzt, einen verrückten Erfinder in einem Kellerlabor und ein ungewöhn-liches Brüderpaar, das an einer seltenen Krankheit leidet.

Erfahren Sie mehr über einen erschreckenden archäologischen Fund bei Athen, eine Lovecraft-Hommage über die Miskatonic-Universität in Arkham, sowie eine teuflische Weihnachtsgeschichte direkt aus der Hölle.

Und freuen Sie sich nicht zuletzt auf ein Wiedersehen mit Edgar Allan Poe und Jack the Ripper.

Meine Meinung:

Die schriftstellerischen Wurzeln von Andreas Gruber liegen in der Phantastik. Dies merkt man auch diesem Band ein weiteres Mal sehr deutlich an. Denn der Autor wartet mit einem ziemlich bunten Potpourri an Geschichten auf: Historischer Gruselroman im Stil von Edgar Allan Poe trifft auf Urban Fantasy trifft auf Horror / Gruselgeschichte – und das ist nur ein. kleiner Anteil dessen, was auf den Leser zukommt.

Einiges davon hätte in meinen Augen auch das Potenzial, als längerer Roman zu unterhalten (“Medusa” zum Beispiel oder “Mesmeristische Experimente”). Meine absolute Lieblingsgeschichte war allerdings dieses Mal “Ghost Writer”, gerade weil das Ende doch ein bisschen anders ist, als man vom Autor gewohnt ist. Aber ich will nicht zu viel verraten, macht euch am besten selbst ein Bild.

Auch wenn mich nicht jede Geschichte fesseln konnte, überzeugte der Band auf der ganzen Linie. Einmal mehr zeigt der Autor, wie wandelbar er ist, was Schreibstil, Ideen und Umsetzung angeht: Auch wenn der Schwerpunkt auf den Schauergeschichten liegt, kommen auch jede Menge historische und futuristische Elemente zum Tragen.

Mein Fazit:

Wer in der Phantastik zuhause ist, sollte sich die gesamte Reihe nicht entgehen lassen. Andreas Gruber-Fans dagegen werden den Autor von einer neuen Seite kennenlernen, denn der Autor hat noch viel mehr drauf, als “nur” Thriller zu schreiben!

  • ★★★★
  • Klappenbroschur
  • 372 Seiten
  • Luzifer Verlag
  • 978-3958353091
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Rezension Dan Vyleta – Smoke

Aufmerksam wurde ich auf dieses Buch bereits durch eine Leserunde bei Lovelybooks, so richtig erwischte mich die Neugier allerdings, als ich vom Verlag ein Mail erhielt mit einigen Presseinformationen …

Zum Inhalt:

“Smoke” spielt im viktorianischen England – mit einem großen Unterschied: Die Menschen beginnen zu rauchen, wenn sie aus irgendeinem Grund schlechte Dinge tun oder denken. Für Charlie und Thomas, die zu jener Zeit in einem englischen Internat unterrichtet werden, ist es ganz normal, jederzeit darauf zu achten, möglichst wenig Rauch zu produzieren. Eines Tages entdeckt Charlie bei einem Schulausflug jedoch einen Mann, der nicht raucht. Diese Erkenntnis stellt für die Freunde alles bisher Gelernte auf den Kopf und sie wollen diesen Geheimnissen auf den Grund gehen …

Meine Meinung:

Der Klappentext machte ich mich ehrlich gestanden sofort neugierig – und das, obwohl auch im englischsprachigen Raum die Bewertungen für dieses Buch recht unterschiedlich ausgefallen sind. Diese Mischung aus Phantastischem und alternativer Geschichte war einfach zu verführerisch, als dass ich zu diesem Angebot Nein sagen konnte.

Der Anfang war für mich auch noch total faszinierend. Das Leben mit dem Rauch ist für die Menschen ganz normal, auch wenn niemand eigentlich so genau weiß, warum der Rauch da ist und warum er immer wieder andere Formen und Farben annimmt. Angefangen bei hellgrauem, dampfähnlichen Rauch bis zu pechschwarzem, öligem Ruß ist alles dabei. Die Menschen geben diesen Rauch über ihre Körperöffnungen ab und können dies nicht unterdrücken, es sei denn, es gelingt ihnen, ihre negativen Emotionen zu kontrollieren.

Dieses Setting bot gleich am Anfang Platz für mehrere spannende Fragen: Woher kommt der Rauch? Gab es ihn schon immer? Und warum gibt es Menschen, die nicht rauchen? Charlie und Thomas stellen diese Dinge anfangs nicht in Frage, bis Charlie zum ersten Mal jemanden sieht, der nicht raucht. Verständlich, dass hier auch der Leser neugierig wird und sich nur allzu bereitwillig mit den beiden auf eine Reise begibt, um herauszufinden, was hier abläuft.

Der Autor macht es einem dabei einfach, in diese bekannte und zugleich unbekannte Welt einzutauchen, da er sich Zeit nimmt, die Geschichte zu entwickeln. Der Rauch steht fast sinnbildlich für eine Gesellschaft, die lügt, betrügt, mordet und stiehlt. Menschen sind bereits nach der Geburt erst einmal schuldig und müssen danach streben, sich zu verbessern. Nicht zuletzt dank der Protagonisten bleibt die Hoffnung auf eine bessere Welt, da die Dinge offensichtlich nicht so zu sein scheinen, wie man es bisher gedacht bzw. geglaubt hat.

Auch den Schreibstil und den Wechsel von der dritten Person in die erste für einzelne Figuren fand ich durchaus interessant. Der Autor versteht es, seine Welt sehr bildhaft in Szene zu setzen, die Zeitreise in diese Welt fiel mir daher wirklich einfach. London als düsterer Ort, wo mehr Unheil als sonstwo auf der Welt geschieht – das hat der Autor wirklich phantastisch rübergebracht.

Umso bedauerlicher, dass mich das Buch am Ende doch noch “verloren” hat. Denn ab dem letzten Drittel etwa konnte ich nicht mehr nachvollziehen, warum die Figuren bestimmte Dinge getan haben. Auch wenn die Perspektive immer wieder wechselt, fehlte mir der Zugang, das Verständnis. Einzelne Personen waren auf einmal unvorstellbar grausam, fielen sogar dem Wahnsinn anheim. Warum, hat sich mir einfach nicht erschlossen.

Aus demselben Grund wurde ich auch mit dem Schluss nicht so wirklich warm, denn obwohl ich den Plottwist an dieser Stelle durchaus mochte, erschloss er sich mir nicht, ich habe ihn schlicht und einfach nicht verstanden. Daher blieb ich nach dem Zuklappen des Buches zum Teil ratlos, zum Teil unbefriedigt zurück. Warum? Ich hatte das Gefühl, im Regen stehen gelassen worden zu sein, was die Antwort auf einige Fragen anging. Nicht jede Frage braucht für mich eine Antwort, aber wenn ich das Gefühl habe, dass die wichtigste von allen offen geblieben ist, dann gefällt mir das nicht.

Mein Fazit:

“Smoke” startet unheimlich stark, driftete aber im letzten Drittel für meinen Geschmack zu weit ab, um mich wirklich bis zum Schluss bei der Stange zu halten. Das tolle Setting und der bildhafte Schreibstil konnten dies leider nur zum Teil kompensieren.

  • ★★★★★
  • Klappenbroschur
  • 624 Seiten
  • carl’s books
  • 978-3570585689
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Rezension Andreas Suchanek – Das Erbe der Macht “Aurafeuer”

Im Bereich der Phantastik ist Andreas Suchanek mittlerweile ja beileibe kein Unbekannter mehr. Sein Verlag Greenlight Press vertreibt mittlerweile mehrere Serien, die im Bereich SF, Fantasy, Steampunk, NearFuture und Krimi zuhause sind. Seit bald zwei Jahren lese ich die meisten davon, daher war ich natürlich neugierig, was Andreas uns mit “Das Erbe der Macht” bringen wird.

Zum Inhalt:

Alex’ Welt gerät von einem Moment auf den anderen komplett aus den Fugen. Er erfährt, dass er ein sogenannter Lichtkämpfer ist und magische Fähigkeiten verliehen bekommen hat. Zusammen mit anderen Magiern kämpft er gegen die Dunkelheit, die alles daran setzt, die magische Barriere, die die Aktivitäten der Magier vor den Blicken der normalen Menschen verbirgt, zu zerstören …

Meine Meinung:

Andreas versteht es wie immer blendend, den Leser sofort in die Geschichte hineinzuziehen. Man stolpert quasi an der Seite von Alex in eine komplett neue Welt hinein, die erst einmal total fremd ist. Lichtkämpfer, Schattenkämpfer, geheimnisvolle Unsterbliche, ein Wall, der die Magie vor den Blicken der Menschen verbirgt. und eine dritte Partie, wo man im Dunkeln gelassen wird, auf wessen Seite sie eigentlich steht – das alles erwartet einen in der neuen Urban-Fantasy-Serie.

Es ist damit eigentlich auch alles da, um eine tolle, spannende Geschichte mit interessanten Charakteren zu schaffen. Irgendwie hatte ich beim Lesen aber immer wieder das Problem, dass mich das Tempo überforderte. Neue Figuren, neue Geheimnisse, sehr, sehr viel Information – darauf sollte man sich auf jeden Fall einstellen, wenn man diesen Band in die Hand nimmt. Jetzt im Nachhinein habe ich allerdings das Problem, das alles geistig zu “sortieren”. Mehr als einmal dachte ich mir, wow, toll, genial – nur um dann wieder das Gefühl zu haben, das geht mir jetzt zu schnell.

Wäre hier vielleicht doch ein Doppelband besser gewesen, um die neue Welt etwas langsamer vorzustellen? Ich habe jedenfalls im Vorfeld absichtlich vermieden, auf Facebook genauere Details nachzulesen (Ich habe nicht einmal die Leseprobe weit gelesen, weil ich mir die Spannung erhalten wollte), um die Spoiler-Gefahr weitestgehend zu reduzieren. Vielleicht hätte ich es aber doch tun sollen, denn – wie bereits gesagt – ich habe mich an manchen Stellen etwas “überfahren” gefühlt.

Ich weiß, ein Einstiegsband in eine neue Serie ist nie leicht. Einerseits sollen die Figuren vorgestellt, die Welt eingeführt, erste Geheimnisse erwähnt und noch der Leser mit einer spannenden Handlung bei der Stange gehalten werden. Geheimnisse und spannende Handlung bekommt von mir 5 Sterne, die Charaktere kamen mir aber ingesamt etwas zu kurz. Manche werden überhaupt nur kurz erwähnt, tauchen noch gar nicht auf …

Als verkappte Germanistin sind mir hier auch ungewohnt viele Tippfehler und holprige Wendungen aufgefallen, die ich sonst so von Andreas eigentlich gar nicht kenne. Dies hat bei mir den Eindruck verstärkt, dass dieser erste Band ein wenig unter Zeitdruck entstanden ist.

Ich möchte jetzt allerdings nicht nur kritisieren, denn das Setting beispielsweise gefällt mir sehr gut. Da bin ich mir sicher, dass sich da noch einige interessante (Teil)Geschichten ergeben werden, während gleichzeitig das große Ganze Stück für Stück weitererzählt wird. Dies hat Andreas schon eindrucksvoll bei “Heliosphere 2265” und bei “Ein M.O.R.D.s-Team” unter Beweis gestellt, daher bin ich mir sicher, dass wir hier noch eine Steigerung, ach was sage ich, Steigerungen erwarten dürfen :).

Mein Fazit:

“Aurafeuer” ist der Auftaktband zur neuen Urban-Fantasy-Serie von Andreas Suchanek, der in meinen Augen zwar einige Schwächen aufweist, wo ich mir aber sicher bin, dass wir insgesamt eine interessante und spannende Geschichte erwarten dürfen.

  • ★★★★★
  • E-Book
  • 120 Seiten
  • Greenlight Press
  • B01K5J6LEE
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Rezension Amie Kaufman & Meagan Spooner – These broken Stars

Ich weiß gar nicht mehr, wann mir “These broken Stars” das erste Mal in der Bloggerwelt begegnet ist … Das blaugrüne Originalcover mit den beiden schwebenden Helden ist mir jedenfalls im Gedächtnis geblieben, weil es definitiv herausragt. Als ich daher entdeckt habe, dass es das Buch bei Netgalley als E-Book gibt, musste ich sofort anfragen – die Neugier war einfach zu groß :). Vielen Dank daher sowohl an das Portal als auch an Carlsen, dass ich das Buch auf meinem Reader bzw. Tablet lesen durfte!

Zum Inhalt:

Major Tarver Merendsen und Lilac LaRoux verbindet eigentlich nicht viel. Sie ist das einzige Kind eines mächtigen und einflussreichen Mannes, während er sich im Krieg ausgezeichnet hat. Was sie allerdings zusammenschweißt, ist der Flug bzw. der Absturz des Raumschiffs Icarus. Auf einem unbekannten Planeten sind sie auf einmal aufeinander angewiesen und müssen sich helfen, um zu überleben …

Meine Meinung:

Ich gebe zu, dass ich mir anfangs nicht sicher war, ob ich das Buch wirklich lesen wollte. Es klang mir ein wenig zu vorhersehbar – Junge und Mädchen müssen wie Robinson Crusoe sich zusammentun und was passiert bei so einem Szenario in einem Jugendbuch? Na klar, sie verlieben sich :). Warum ich das Buch jetzt doch gelesen habe, ist allerdings leicht erklärt: Ich habe mich (wieder einmal) vom Hype anstecken lassen :D. Und da ich SciFi ja nicht ablehnend gegenüberstehe, ganz im Gegenteil, war es an der Zeit, dem Buch eine Chance zu geben :).

Die Geschichte wird immer abwechselnd aus der Sicht von Lilac und Tarver erzählt, angefangen bei ihrem ersten Treffen auf der Icarus. Dazwischen gestreut sind kurze Dialoge, wo man schon recht bald erkennt, dass Tarver zu den Ereignissen auf dem Planeten befragt wird. Mit wem er spricht, wurde er mir allerdings erst im Lauf der Handlung wirklich klar, daher sage ich jetzt einmal dazu auch nichts weiter 😉 …

Dass zwei Autorinnen an dem Buch geschrieben haben, merkt man als Leser eigentlich nicht wirklich. Zumindest mir ist es nicht aufgefallen, der Schreibstil ist einfach und klar und das Buch lässt sich sehr rasch und flüssig lesen – ich hatte es mehr oder weniger innerhalb von zwei Tagen durch :).

Was mir auch sehr gut gefallen hat, sind die Bilder, die die beiden in meinem Kopf entstehen haben lassen: Die Beschreibungen der Landschaft, der Stimmungen und der Gefühle waren für mich zum Teil sogar fast ein bisschen poetisch, ich hatte mehrmals beim Lesen das Gefühl, mich in einem Gedicht zu bewegen. Action und Dramatik gibt es in diesem Buch zwar schon auch, aber eigentlich nur am Anfang und ein wenig am Ende, das Buch lebt viel mehr von dem, was zwischen den Zeilen zwischen den beiden Figuren passiert.

Wobei es mir vor allem Lilac am Anfang nicht leicht gemacht hat: Reich, verwöhnt und zickig ist noch harmlos … Gott sei Dank bleibt das allerdings nicht so – und man bekommt relativ bald einen Blick auf ihr wahres Wesen, das deutlich freundlicher ist. An manchen Stellen tat sie mir dann sogar fast ein bisschen leid, es muss schon schwer sein, wenn man immer im Hinterkopf überlegen muss, ob es das Gegenüber nur auf dein Geld abgesehen hat oder nicht.

Tarver war von Anfang an der freundliche Junge von nebenan, das kann man nicht anders sagen. Geduldig, hilfsbereit und liebenswert – so könnte man ihn mit ein paar Worten beschreiben. Ob er im echten Leben das Mädel bekommen würde? 😀

Kritisieren muss ich allerdings ein wenig den Schluss: Der kam mir nämlich fast ein bisschen zu schnell und auch dies SF-Komponente schob sich wieder in den Vordergrund. Hier habe ich – muss ich gestehen – einiges nicht verstanden und habe daher auch nicht nachvollziehen können, warum schlussendlich die Ereignisse so passieren. Da dieser Teil aber nur der Auftakt zu einer Trilogie ist und ich gesehen habe, dass im dritten Teil die beiden Helden wieder vorkommen, gehe ich davon aus, dass wir in den beiden anderen Teilen weitere Details und Erklärungen bekommen :).

Mein Fazit:

“These broken Stars” ist ein wunderschöne, zum Teil fast poetisch erzählte Geschichte, die man auch als Nicht-Science Fiction-Fan lesen kann, weil das Setting im All keine große Rolle spielt. Das Ende lässt einige Fragen offen, aber das ist nachvollziehbar, da dies nur der Auftakt zu einer Trilogie ist …

  • ★★★★
  • Gebunden
  • 496 Seiten
  • Carlsen
  • 978-3551583574
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