Rezension Ferdinand von Schirach – Verbrechen

Ferdinand von Schirach kann sich rühmen, einen eigenen Eintrag in der Wikipedia zu haben – und nicht mal einen so kurzen. Das ist aber nicht der Grund, warum wir, die #bbfliest Runde, uns nach dem letzten Buch für etwas ganz anderes entschieden haben.

Schirach ist Strafverteidiger und als solcher hat er schon viele Menschen, Schicksale und Geschichten kennengelernt. “Verbrechen” ist sein erstes Buch aus dem Jahr 2009, aber nicht sein letztes.

Der Klappentext:

Ein angesehener, freundlicher Herr, Doktor der Medizin, erschlägt nach 40 Ehejahren seine Frau mit einer Axt. Er zerlegt sie förmlich, bevor er schließlich die Polizei informiert. Sein Geständnis ist ebenso außergewöhnlich wie seine Strafe.

Ein Mann raubt eine Bank aus, und so unglaublich das klingt: Er hat seine Gründe. Gegen jede Wahrscheinlichkeit wird er von der deutschen Justiz an Leib und Seele gerettet. Eine junge Frau tötet ihren Bruder. Aus Liebe. Lauter unglaubliche Geschichten, doch sie sind wahr.

Meine Meinung:

In meinen Augen gibt der Klappentext nur unzureichend wieder, was den Leser in diesem Buch erwartet. Denn die elf Geschichten sind so unterschiedlich wie das Leben selbst. Bereits die erste Geschichte stellt eine interessante Frage, denn beurteilt man ausschließlich nach der Tat, ist der freundliche Herr so schuldig wie nur irgendetwas.

Folgt man allerdings der Lebensgeschichte des Herrn, beginnt man, die Tat mit anderen Augen zu sehen, sogar etwas wie Sympathie zu empfinden. Die Frage nach Schuld und Unschuld ist nicht immer so eindeutig, wie man annehmen möchte, das führt dieses Buch sehr eindrücklich vor Augen.

Die Verbrechen, die Schirach schildert, umfassen ebenfalls die gesamte Bandbreite des menschlichen Lebens, denn ein Verbrechen muss nicht zwangsläufig mit einem Toten enden genauso wenig wie mit einem Schuldigen, der bestraft werden kann.

Das wahre Leben schreibt Geschichten, die sich oft nicht einmal der ausgebuffteste Krimi- oder Thriller-Autor ausdenken kann, und ist gerade deswegen umso grausamer, wenn man weiß, dass die beschriebenen Gräueltaten so wirklich passiert sind. Das Wissen darum, was Menschen einander antun können, führt uns Schirach an einigen Stellen sehr ausdrucksvoll vor Augen – was mich beim Lesen einige Mal schlucken ließ.

Dabei hat der Autor einen eher sachlichen Schreibstil, umreißt kurz und bündig den Werdegang der Menschen, der sie zu dem werden ließ, was sie zu dem Zeitpunkt sind, wo der Autor sie in seiner Funktion als Strafverteidiger kennenlernt. Die einfache und eher knapp gehaltene Sprache entspricht dem, was ich mir von einem Menschen in diesem Beruf vorstelle, trotzdem hätte ich mir an der einen oder anderen Stelle gewünscht, noch mehr Details zu erfahren. Viele Dingen blieben – bewusst oder unbewusst – an der Oberfläche.

Trotzdem halte ich dieses Buch für eine interessante Möglichkeit, über den Tellerrand des eigenen Lebens zu blicken. Was Menschen bewegt, Dinge zu tun, wird meist von den Medien verschwiegen, Schirach dagegen widmet sich meiner Meinung nach genau diesen Dingen, um zu zeigen, dass die Frage nach Schuld, Schuldfähigkeit und entsprechender Strafe nicht immer ein Schwarzweiß ist.

Mein Fazit:

Ferdinand von Schirach geht in “Verbrechen” mit seinen Geschichten sehr schön darauf ein, dass das Leben nicht immer so leicht in Schablonen zu pressen ist, wie wir das gern tun. Auch wenn ich an manchen Stellen gern mehr erfahren hätte, wird dieses Buch sich ganz bestimmt in mein Gedächtnis einbrennen, da es viele spannende Fragen über das Menschsein stellt.

  • ★★★★
  • Hardcover
  • 208 Seiten
  • Piper
  • 978-3492053624
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Rezension Infographics Group – Sprache in Bildern

“Sprache in Bildern” aus dem Dudenverlag präsentiert laut Cover Zahlen, Fakten & Kurioses aus der Welt der Wörter. Für jemanden wie mich, der sich sehr viel mit unserer Sprache beschäftigt, war dieses Büchlein daher sofort etwas, worauf ich neugierig wurde.

Klappentext:

Welche Sprachen haben die meisten Sprecher? Wie buchstabiert man vorschriftsmäßig? Welche Wörter wurden wann in den Duden aufgenommen und welche wurden rausgeworfen? Wie nennen die Deutschen am häufigsten ihre Kindern, Hunde und Katzen? Was sagen die Wörter des Jahres über unsere Gesellschaft?

Überraschende, lustige und skurrile Fakten über die deutsche und andere Sprachen hat das Team von Golden Section Graphics in Grafiken übersetzt. So ist ein ungewöhnliches Buch entstanden, das eine ganz neue Perspektive eröffnet. Sprache ohne Sprache – das geht!

Meine Meinung:

Der Klappentext verspricht bei diesem Buch “Sprache ohne Sprache”. Gut, das stimmt natürlich nicht ganz, aber die Infografiken helfen natürlich dabei, die Inhalte möglichst einfach und gut verständlich zu präsentieren. Es gibt dabei zu fünf verschiedenen Themenbereichen Bilder und Texte, die meistens über eine Doppelseite gestaltet sind:

  1. Buchstaben
  2. Wörter
  3. Namen
  4. Die deutsche Sprache
  5. Sprachen der Welt

Den Anfang macht die Information, woher sich überhaupt das Wort “Buchstabe” ableitet. Die Buche und der Buchstabe haben doch mehr gemeinsam, als es den Anschein hat. Danach geht es bereits los: Der Leser darf herausfinden, welche die häufigsten Buchstaben im Deutschen, Französischen, Englischen, Spanischen und Italienischen sind. Welcher der häufigste ist, ist keine große Überraschung, aber es gibt durchaus Unterschiede!

Und so geht es Themenbereich für Themenbereich weiter. Die Gestaltung lässt selbstverständlich zu, dass man nach Lust und Laune hin und her blättern kann, zwischen den einzelnen Themen springen kann. Nebenher lernt man ganz einfach, was Anagramme, Pangramme, Homonyme, Homografe, Palindrome oder Eponyme sind.

Wer schon immer wissen wollte, woher die meisten Fremdwörter in unser Sprache kommen, wird ebenso eine Antwort erhalten wie derjenige, der den Unterschied zwischen Anglizismen und Scheinanglizismen kennenlernen wollte. Gespickt mit einfach verständlichen Beispielen fällt es nicht schwer, auf Forschungsreise durch die Eigenheiten von Sprache zu gehen. Wer an so etwas Spaß hat, dem kann ich dieses Buch nur empfehlen!

Einen kleinen Wermutstropfen sehe ich persönlich nur bei der Gestaltung der Infografiken. Einige sind meiner Meinung nach nicht so intuitiv gestaltet, dass man ohne Erklärung versteht, welche Information weitergegeben wird. Trotzdem wird man nicht im Regen stehengelassen, Farben und Icons werden ausnahmslos am unteren Rand der Grafiken erläutert.

Übrigens: Wenn ich eine Lieblingsgrafik aus den 50 Stück herauspicken sollte, ist es wohl die letzte: “Ich liebe dich” auf Europäisch! Im Ungarischen ist das nämlich nur ein Wort, daher werde wohl sogar ich mir das merken können :).

Mein Fazit:

“Sprache in Bildern” ist ein kleines, aber feines Buch für alle, die Spaß daran haben, sich mit Sprache zu beschäftigen. Perfekt geeignet als kleine Aufmerksamkeit oder als Weihnachtsgeschenk!

  • ★★★★
  • Gebunden
  • 112 Seiten
  • Duden
  • 978-3411748877
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Rezension George R.R. Martin – Das Lied von Eis und Feuer “Das offizielle Malbuch”

Schon als ich es das erste Mal gesehen habe, war ich sofort Feuer und Flamme für dieses Malbuch :). Ich bin zwar erst seit kurzem unter die Ausmaler gegangen, aber es macht wirklich großen Spaß – und ich habe in der Zwischenzeit auch schon ein bisschen Geld in mehr Farben bzw. Buntstifte gesteckt … Daher konnte ich auch nicht anders, als dieses Buch beim Bloggerportal anzufordern, als ich es dort endeckt habe. Auf diesem Weg vielen Dank für die prompte Zusendung!

Der Klappentext:

Ein Königreich für mehr Farbe!
Die spannendsten Charaktere und die faszinierendsten Szenen aus Das Lied von Eis und Feuer warten in diesem Buch darauf, durch Farbe zum Leben erweckt zu werden. Dabei sind der eigenen Kreativität keine Grenzen gesetzt. Die detailreichen Zeichnungen ermöglichen einen ganz neuen Zugang zur Welt von Eis und Feuer und bieten für jeden etwas – opulente Festmahle, prächtige Gewänder, weite Landschaften und vieles mehr. Ein außergewöhnliches und beeindruckendes Malbuch für die Fans des erfolgreichsten Epos unserer Zeit.

Meine Meinung:

Dieses Malbuch ist wirklich sehr, sehr hochwertig, das kann ich nicht anders sagen! Insgesamt fünf Illustratoren haben mit ihren Motiven dazubeigetragen, dass es sehr viele unterschiedliche Schwarzweißzeichnungen zum Ausmalen gibt. Manche gefallen mir sogar schon im nicht-ausgemalten Zustand, da bin ich stark am Überlegen, ob ich diese Bilder überhaupt kolorieren möchte :D.

Die Motive selbst reichen von den Wappen der Häuser, über einzelne Hauptcharaktere und Bewohner von Martins Welt bis hin zu einzelnen Szenen, die in den Romanen vorkommen. Alle Zeichnungen sind jeweils auf der rechten Seite des Buches, während links kurze Texte bzw. Zitate aus den dazupassenden Romanen abgedruckt sind.

Das nachfolgende Motiv ist übrigens eines, wo ich mir noch nicht sicher bin, ob ich es wirklich ausmalen will – sieht es nicht toll aus in Schwarzweiß?

Da ich bereits am Anfang Probleme hatte, mich zu entscheiden, mit welchem Motiv ich anfangen sollte, habe ich am Ende einfach das erste genommen – das Wappen der Starks:

Da ich mich gerne beim Malen an die Vorlagen halte, so es welche gibt, habe ich mich bewusst dafür entschieden, den Hintergrund des Schilds weiß zu lassen. Das Originalwappen zeigt nämlich einen grauen Schattenwolf auf weißem Grund :). Hier natürlich noch das fertige Bild, das wollte ich euch nicht unterschlagen:

In der Zwischenzeit habe ich übrigens schon mit dem nächsten Wappen weitergemacht, dem der Baratheons … Man kann irgendwie ganz schön süchtig werden danach, kommt mir vor :). Trotzdem muss ich mich jetzt wohl oder übel ein wenig einbremsen, da ich auch noch andere Bücher bei mir liegen habe, die gelesen werden wollen.

Einen kleinen Kritikpunkt muss ich bei aller Begeisterung aber doch anbringen: Gerade die Motive der Personen und der Szenen (siehe Fotos oberhalb) reichen bis an den Rand. Dort schön auszumalen, stelle ich mir schon etwas schwierig vor – da kommt man doch mit den Stiften nur gut hin, wenn man das Buch mit aller Gewalt aufdrückt … Und ob das für den Rücken auf Dauer gut ist, wage ich ehrlich gestanden zu bezweifeln.

Mein Fazit:

Dieses Malbuch ist einfach top! Und ich empfehle es allen, die “Game of Thrones” mögen UND gerne malen :). Das einzige, was ich nicht so gut gelöst finde, ist die Art der Herstellung des Buches. Hier wäre es sinnvoller gewesen, zu einer anderen Bindung zu greifen, damit man an den Rand der Motive besser herankommt.

  • ★★★★★
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