(Kurz)Rezension Rob Hart – Der Store

Der Store Cover“Der Store” war für mich wieder einmal ein sehr gutes Beispiel dafür, wie schwer ich mich manchmal damit tue, mich für oder gegen ein Buch zu entscheiden. Letztlich hat der Austausch beim Bookopoly dazu geführt, dass ich mich doch an das Buch herangetraut habe – und ich habe es nicht bereut!

Der Klappentext:

Du bekommst alles im Store. Aber das hat seinen Preis …

Der Store liefert alles. Überallhin. Zu besten Preisen. Der Store ist Familie. Der Store schafft Arbeit und weiß, was wir zum Leben brauchen. Bis in den Tod.

Paxton und Zinnia lernen sich als Angestellte bei “Cloud” kennen, dem weltgrößten Onlinestore. Das Leben im Cloud-System ist perfekt geregelt, aber unter der Oberfläche brodelt es. Denn im Geheimen formiert sich der Widerstand gegen den übermächtigen Konzern. Auch Paxton muss sich bald die Frage stellen: Ist Zinnia die, die sie zu sein vorgibt? Kann er ihr trauen?

Packende Lesung mit vier hochkarätigen Stimmen: Simon Jäger als Paxton, Anna Carlsson als Zinnia, Frank Arnold als Patriarch, Gibson Wells, und Janine Stenzel als Stimme aus dem Off.

Meine Meinung:

Ganz ehrlich? Diese Geschichte gewinnt meiner Meinung nach als Hörbuch noch dazu, weil verschiedene Sprecher den unterschiedlichen Figuren Leben einhauchen. Paxton beispielsweise wird von dem unvergleichen Simon Jäger gesprochen, daber auch Anna Carlsson als Zinnia hat mir gut gefallen. Sie schaffen es vor allem, die Längen beim Plot, die sich langsam nach dem ersten Drittel einschleichen, zu überbrücken, da sie besonders die Dialoge viel lebendiger werden lassen.

Ich kenne zwar von dem Buch nur die Leseprobe, hatte aber schon bei den einleitenden Worten des Cloud-Gründers Gibson Wells das Gefühl, dass mich hier die Geschichte über die Ohren viel besser abholen konnte als der im Vergleich irgendwie kühl wirkende Text (zumindest, was die Leseprobe betrifft) …

An die “großen” Dystopien der Gegenwart kommt “Der Store” zwar nicht heran (Zeitweise wirkt die Kritik am nicht existierenden amerikanischen Sozialsystem meiner Meinung nach etwas plump), aber der Autor erlaubt sich ein interessantes Gedankenspiel mit der Tatsache, was wäre, wenn Konzerne wie Amazon unser Leben gänzlich bestimmen würden. Was wäre, wenn Menschen sich in die Sicherheit der Cloud flüchten würden, ihre Privatsphäre zugunsten eines geregelten und sauberen Lebens aufgeben würden? Das ist etwas, dessen erste Auswüchse wir heute schon in Form des Versand-Wahnsinns zu spüren bekommen.

Gibson Wells erscheint hier anfangs als der große Wohltäter, aber zwangsläufig ist nicht alles Gold, was glänzt – und das bekommen sowohl Zinnia als auch Paxton gerade in der zweiten Hälfte des Buches immer mehr zu spüren. Ins Detail möchte ich hier absichtlich nicht gehen, aber am Ende gab es dann schon eine gewisse Szene, wo es mir fast den Magen umgedreht hätte …

Das Ende ist relativ offen, lässt den Leser aber zumindest ein wenig Hoffnung. Das finde ich gut, denn Dystopien, die ein gutes, positives Ende haben, bedienen das Bedürfnis nach einem Happy-End doch ein wenig zu offensichtlich und sind für mich deswegen eher unglaubwürdig.

Mein Fazit:

“Der Store” ist in meinen Augen ein durchaus interessantes Gedankenspiel, das meiner Meinung nach als Hörbuch ein zusätzlicher Gewinn ist! Die Dialoge wirken dadurch deutlich lebendiger und lassen den Hörer die vorhandenen Längen bei der Handlung leichter überbrücken …

  • ★★★★
  • Hörbuch
  • 811 Minuten
  • Random House Audio
  • B07WGG5SFC
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Rezension Margaret Atwood – Die Zeuginnen

Margaret Atwood: Die ZeuginnenIch gebe zu, ich habe den Hype und die Geheimhaltung, der rund um “Die Zeuginnen”, das “langerwartete Sequel” zu “Der Report der Magd” erst mitbekommen, als das Buch erschienen ist.

Erst dann habe ich das erste Mal mir die Mühe gemacht, mir einen Überblick darüber zu verschaffen, was alles in den Medien zu diesem Buch geschrieben worden ist. Und das war eine ganze Menge, die letztlich wie immer nur einem einzigen Zweck gedient hat – nämlich die Erwartungen in die Höhe zu schrauben.

Die Entstehung der Serie habe ich zugegebenermaßen mit einer gewissen Skepsis verfolgt, ich bin mittlerweile kein großer Fan mehr davon, wenn erfolgreiche Bücher um jeden Preis verfilmt werden müssen, weil die Verfilmungen fast immer hinter den Büchern zurückbleiben.

Trotzdem habe ich mir die erste Staffel vor einer Weile angesehen und musste am Ende einräumen, dass die Serie das Buch bzw. dessen Botschaft hervorragend ergänzt, wenn nicht sogar erweitert. Allerdings verspürte ich zu dem damaligen Zeitpunkt nicht das Bedürfnis, nach der ersten Staffel weiterzuschauen, da ich das offene Ende vom “Report” eigentlich nicht ruinieren wollte …

Der Klappentext:

“Und so steige ich hinauf, in die Dunkelheit dort drinnen oder ins Licht.” – Als am Ende vom Report der Magd die Tür des Lieferwagens und damit auch die Tür von Desfreds “Report” zuschlug, blieb ihr Schicksal für die Leser und Hörer ungewiss. Was erwartete sie: Freiheit? Gefängnis? Der Tod? Das Warten hat ein Ende! Mit “Die Zeuginnen” nimmt Margaret Atwood den Faden der Erzählung fünfzehn Jahre später wieder auf, in Form dreier explosiver Zeugenaussagen von drei Erzählerinnen aus dem totalitären Schreckensstaat Gilead.

Meine Meinung:

Der deutsche Klappentext beginnt tatsächlich mit dem letzten Satz aus dem Report, dem Satz, der offenließ, wie es um das Schicksal der Magd bestellt war. Dieser Satz suggeriert allerdings auch, dass man in der Lage ist, dem neuen Buch problemlos zu folgen, auch wenn man nur den “Report der Magd” als Buch kennt. Was – wie ich erst nach dem Hören festgestellt habe – eigentlich nicht den Tatsachen entspricht.

Denn um das unmissverständlich klarzusellen: In “Die Zeuginnen” geht es um einiges, das man als Fan der Serie kennt, als reiner Buchleser jedoch nicht, da das neue Buch auf vieles eingeht, was erst in der zweiten Staffel der Serie erzählt wird.

Aus diesem Grund ist man als reiner Leser bzw. Hörer gezwungen, sich vor allem am Anfang einiges zusammen zu reimen. Auch wird nicht sofort klar, wer die drei unterschiedlichen Personen sind, die in diesem Buch mehr oder weniger ihre Lebensgeschichte aus der Ich-Perspektive schildern.

Die Sprecherinnen für das Hörbuch wurden übrigens meiner Meinung nach in diesem Kontext nicht gut gewählt, da vor allem die beiden Sprecherinnen für die jungen Erzählerinnen fast zu ähnlich klingen. Da beim Wechsel der Perspektive außerdem nie der Name der Person fällt, der nun erzählt, habe ich mir mit der Zeit eine kleine Eselsbrücke gebaut, da das A aus dem einen Zeugenbericht auch gleichzeitig dem Anfangsbuchstaben des Names einer der Erzählerinnen entspricht. Damit wurde es leichter, der Geschichte zu folgen.

Der bereits erwähnte Perspektivenwechsel führt allerdings nach und nach doch zu einer gewissen Neugier, wie es weiter geht. Denn die Autorin versteht es recht geschickt, gerade bei interessanten Passagen zum nächsten Zeugenbericht überzugehen: Da ist einmal das Mädchen, das in Gilead aufwächst, kaum mehr Erinnerungen an seine (leibliche) Mutter hat, stattdessen mit einem Märchen groß wird, wie seine aktuelle Mutter es den bösen Hexen entrissen hat.

Dann gibt es ein weiteres Mädchen, das Gilead nur aus der Schule kennt, weil es in Kanada bei Pflegeeltern aufwächst. Und quasi dazwischengestreut den wohl interessantesten Anteil der Geschichte, nämlich den einer älteren Frau, die das grauenerregende System in Gilead bewusst mitträgt und damit am Leben erhält. Die Namen möchte ich jetzt bewusst nicht nennen, aber wer die Serie kennt, kann sich vermutlich sowieso zusammenreimen, um wen es geht.

Die erste Hälfte des Buchs baut damit gezielt eine gewisse Spannung auf, die allerdings in der zweiten Hälfte für meinen Geschmack recht lieblos aufgelöst wurde. Da geht auf einmal vieles zu glatt und zu einfach, gerade unter dem Gesichtspunkt, dass sich eine der drei Protagonistinnen wirklich sehr, sehr dumm verhält. In einem Gilead, das wir in “Der Report” erlebt haben, hätte sie vermutlich nicht mal einen Tag in Freiheit überlebt.

Was mir gegen Ende außerdem auch ein wenig sauer aufgestoßen ist, ist die Tatsache, dass eigentlich zu viele Fragen beantwortet wurden. Offene Fragen, offene Beziehungen, fast alles löst sich am Schluss in gewisses Happy End-Wohlgefallen auf, das vor allem der Original-Geschichte irgendwie unwürdig ist.

War “Der Report” in der Tradition der großen dystopischen Romane noch gesellschaftskritisch wie kaum ein anderes Buch in den 1980er Jahren, ist “Die Zeuginnen” in meinen Augen eher ein nett gemeinter Versuch, die angefangenen Geschichten (sowohl im Buch als auch in der Serie) zu einem lieben, netten und freundlichen Ende zusammenzuführen.

Aus diesem Grund ist “Die Zeuginnen” zwar nett zu lesen (bzw. zu hören), reicht aber lange nicht heran an das, was die Autorin seinerzeit mit “Der Report” geschaffen hat. Ich persönlich sehe es eher als eine Verbeugung der Autorin vor den vielen Fans der Geschichte, die vor allem durch die Serie entstanden sind. Daher: Man kann das Buch lesen, muss aber nicht.

Mein Fazit:

“Die Zeuginnen” ist ein nettes (Hör)Buch, das durchaus einige interessante Perspektiven zu Gilead ergänzt, die bisher in dieser Form nicht so bekannt waren. In Summe reicht es allerdings nicht an das Original aus den 1980ern heran, da vor allem das Ende für meinen Geschmack zu sehr eine Verbeugung vor den Fans darstellt.

  • ★★★★★
  • Hörbuch
  • 788 Minuten
  • HörbucHHamburg
  • 978-3869524337
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Rezension Nadine Erdmann – CyberWorld 7.0 “Bunker 7”

Da ist er nun, der letzte und abschließende Band der “CyberWorld”-Reihe von Nadine Erdmann. Lange haben wir geduldig gewartet, bis die Autorin uns man Ende doch mit der Information überrascht hat, dass das Buch Anfang August erscheinen würde.

Nun ist mir fast ein bisschen weh ums Herz, denn diese Reihe durfte ich von Anfang begleiten, habe mit den Kids mitgefühlt, gelitten und mich mit ihnen gefreut. Unvergessen ist hier für mich Band 5, denn da hat uns die Autorin wirklich einiges zugemutet …

Gerade diese lange Geschichte machte mich natürlich ganz besonders neugierig, was sich die Autorin für “Bunker 7” ausgedacht hat.

Der Klappentext:

Sommerferien!
Was könnte da mehr Spaß machen als ein paar Tage Spannung und Action in einem neuen CyberPark? “Bunker 7” verspricht Endzeit-Nervenkitzel vom Feinsten beim Kampf ums nackte Überleben. Doch schon bald müssen Jemma, Jamie, Zack und ihre Freunde feststellen, dass sie sich diesem Kampf nicht nur im Spiel stellen müssen …

Meine Meinung:

Der Klappentext ist ja für meinen Geschmack dieses Mal recht kurz gehalten, aber ich denke, wer bisher sich durch alle Abenteuer von Jemma, Jamie, Zack und ihren Freunden erfolgreich “gearbeitet” hat, wird auch zu diesem Band greifen – ganz gleich, was die Autorin als Teaser veröffentlicht.

Ich hatte zwar anfangs ein paar kleine Probleme, alle Namen wieder richtig zuzuordnen (Ich habe einfach kein Gedächtnis für so etwas), aber dann kam ich sehr schnell wieder in die Geschichte hinein, nachdem es erst einmal Klick gemacht hatte, wer wer war.

Sehr, sehr genial fand ich in diesem Band das Setting. Dieser CyberPark kann sich ja nun wirklich sehen lassen, eine Mischung aus Dystopie, Endzeit und Steampunk. Hier hat es wirklich Spaß gemacht, unsere Helden auf ihren Missionen zu begleiten, auch wenn es dieses Mal nicht primär darumgeht, möglichst viele Gegner zu besiegen (obwohl das durchaus vorkommt), sondern eher Erkundungsmissionen durchzuführen. Besonders die erste Hälfte der Geschichte hat mir deswegen sehr viel Freude beim Lesen bereitet.

Interessanterweise kam für mich der erste Knick genau an dem Punkt, an dem es wirklich so richtig fesselnd hätte werden können. Denn diesen Thriller-Teil der Geschichte hat die Autorin in gerade mal sechs (von 34) Kapiteln abgearbeitet, was in meinen Augen einfach zu schnell vonstatten gegangen ist. Kaum ist die Spannung nämlich da, reagieren unsere Helden schon ziemlich professionell und die Bedrohung ist schon wieder vorbei, ehe für mich überhaupt ein gewisses Gefühl für die Gefahr beim Lesen entstanden ist.

Denn eines habe ich hier schmerzlich vermisst: Wo waren die Gefühle, die Ängste, erneut in eine solche Situation zu geraten? Wie gehen die Eltern damit um, dass ihre Kinder sich schon wieder in dieser Situation befinden, die der aus Band 5 doch irgendwie ähnelt? Es tut mir eigentlich leid, das sagen zu müssen, aber das entspricht nicht dem hohen Niveau, das ich mittlerweile von der Autorin gewohnt bin.

Das Ende schlussendlich ließ mich mit etwas gemischten Gefühlen zurück. Einerseits war es ein passendes Ende, andererseits habe ich die ganze Zeit noch auf einen Twist gewartet, der nicht kam. Mag auch sein, dass ich mir vom Finale einfach etwas anderes erwartet habe. Dass ich möglicherweise zu hohe Erwartungen hatte. Denn “Bunker 7” ist durchaus eine tolle Geschichte, sie führt nur alle offenen Enden meiner Meinung nach zu schnell zu einem Ende. Es ist wirklich selten, dass ich das sage, aber diese Geschichte hätte durchaus noch länger sein dürfen …

Eine Kleinigkeit möchte ich noch gesamt zu der Reihe sagen: Sie ist mit Abstand eine der besten, die mir in den letzten Jahren im Jugendbuch-Bereich begegnet ist. Eigentlich gehöre ich ja nicht mehr unbedingt in diese Zielgruppe, aber ich fand es einfach schön, mich auch mal abseits der ziemlich breit gewalzten Romantasy-Wege zu bewegen. Manche Kleinigkeit mochte in der langen Zeit vielleicht für mich nicht immer stimmig sein, aber in Summe hat es sehr viel Spaß gemacht, in den letzten drei Jahren diese Buchreihe verschlingen zu dürfen.

Mein Fazit:

CyberWorld 7.0 bringt in meinen Augen aus ganz unterschiedlichen Gründen ein etwas durchwachsenes Ende für diese wirklich großartige Reihe. Trotzdem hat es Spaß gemacht, “unsere” Kids ein letztes Mal auf ihren Cyber-Abenteuern zu begleiten.

  • ★★★★★
  • E-Book
  • 340 Seiten
  • Greenlight Press
  • 978-3958343689
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Rezension Ivar Leon Menger – Ghostbox. Staffel 1

Ivar Leon Menger hat sich offensichtlich mit Hörspielen wie der “Monster 1983”-Serie bereits erfolgreich eine treue Fangemeinde geschaffen, das beweisen die vielen begeisterten Rezensionen, die ich auf verschiedenen Plattformen im Internet gefunden habe.

“Ghostbox” war allerdings jetzt das erste Hörspiel aus seiner Feder, dessen Klappentext mich so richtig neugierig machen konnte. Der Phantastik-Fan in mir konnte gar nicht anders, als da mal hineinzuhören 🙂 …

Der Klappentext:

Schon seit Wochen ist Lena Gruenwald auf der Suche nach der perfekten Story, um endlich als Redakteurin beim Berliner Tagesspiegel übernommen zu werden. Dabei wird die junge Journalismus-Praktikantin von einem Thema ganz besonders angezogen: dem Jenseits. Auch auf Lenas privatem Youtube-Kanal dreht sich alles nur um Geister, Ouija-Boards oder Tarotkarten. Doch eines Tages kommt die Dreiundzwanzigjährige dem Tod näher, als sie geahnt hätte – beginnend mit einer unerwarteten Nachricht aus Heidelberg: Ihr Bruder, zu dem sie seit Jahren keinen Kontakt mehr hat, hat sich aus unerklärlichen Gründen das Leben genommen.

Widerwillig reist Lena in die romantische Touristenstadt am Neckar, um seinen Nachlass zu regeln. Dabei stößt sie auf ein dunkles Geheimnis – eine revolutionäre, hochgeheime Forschung an der Uniklinik Heidelberg, an der auch ihr Bruder mitgearbeitet hat. Um die Hintergründe seines Selbstmords besser zu verstehen, begibt sich Lena auf eine gefährliche Recherche-Reise, bei der sie nicht nur ihren Verstand zu verlieren droht, sondern auch ihr Leben …

Meine Meinung:

“Ghostbox. Staffel 1” stellte für mich das erste Hörspiel von Ivar Leon Menger dar – aber es wird sicher nicht das letzte sein! Selten habe ich so ein hochwertiges Hörspiel wie dieses gehört. Hier stimmt eigentlich alles: Der Plot, die Besetzung mit vielen bekannten Sprechern der deutschen Hörbuchszene und die Qualität selbst.

Es dauert zwar ein wenig, bis die Handlung in Gang kommt (eine gute Stunde sollte man dem Hörspiel schon Zeit geben), aber danach ist es nicht schwierig, sich in dieser Mischung aus Science, Science Fiction, Mystery, Thriller und Horror zu verlieren, wenn man diese Genres liebt. Zu viel möchte ich eigentlich gar nicht verraten, weil es sonst massiv den Spaß verdirbt.

Es spricht aber wohl für das Hörspiel, wenn ich sage, dass ich die gut 10,5 Stunden in knapp zwei Tagen, sprich einem Wochenende mehr oder weniger “erledigt” habe. Ich kann nur sagen: Absolute Sogwirkung, wenn man erst einmal angefixt ist! Da fiel es manchmal echt schwer, zwischendurch für gewisse menschliche Bedürfnisse auf die Pausetaste zu drücken 🙂 . Perfektes Kino für die Ohren!

Auch der Humor kommt nicht zu kurz, denn – okay, kleiner Spoiler – Sebastian Fitzek hat eine Gastrolle als Radiosprecher. Zwar nicht sehr groß, aber er nimmt sich dabei gleich einmal selbst auf die Schippe, sehr genial! Habe jedenfalls sehr schmunzeln müssen, als ich diese Stelle erreicht hatte.

Einen einzigen Wermutstropfen habe ich für mich persönlich entdeckt, denn für meinen Geschmack hätte die Auflösung, wer in diesem Verwirrspiel die Fäden zieht, ruhig erst etwas später kommen dürfen. Dadurch verliert das Hörspiel in meinen Augen etwa 2,5 Stunden vor Ende etwas, aber das Finale lässt einen dafür noch einmal richtig mitzittern …

Das Ende ist für meinen Geschmack gelungen: Auch wenn das Hörspiel den Untertitel “Staffel o1” trägt, ist es rund und stimmig, auch wenn es ganz klein wenig offen ausfällt. Ergo: Es ist schon eine Fortsetzung drin, aber man beendet das Hörspiel nicht mit dem nagenden Gefühl, dass da noch was kommen muss.

Mein Fazit:

Wer gut gemachte Hörspiele liebt und sich gern mit Genres wie Phantastik, Science Fiction oder Horror beschäftigt, kann hier mit gutem Gewissen zugreifen!

  • ★★★★★
  • Hörspiel
  • 630 Minuten
  • Audible Studios
  • B07M5M2KCR
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Rezension Neal Shusterman – Scythe “Der Zorn der Gerechten”

Auch wenn ich “Die Hüter des Todes” an vielen Stellen als etwas langatmig empfunden habe, hat mich das nicht davon abgehalten, Teil 2 eine weitere Chance zu geben. Und was soll ich sagen: Einiges von dem, was ich an Teil 1 nicht so toll fand, hat sich in “Der Zorn der Gerechten” deutlich zum Besseren gewandelt :).

Der Klappentext:

Citra und Rowan leben in einer perfekten Welt, in der Armut, Kriege, Krankheit und Tod besiegt sind. Die Entscheidung über Leben und Tod treffen nicht mehr Schicksal oder Zufall, sondern die Scythe, die diejenigen auswählen, die zum Wohle aller geopfert werden müssen.

Gemeinsam haben Citra und Rowan die Ausbildung zum Scythe überstanden, doch nur Citra wurde auserwählt, die Robe, den Ring und die fast übermenschliche Verantwortung zu tragen.

Bei ihrer ersten Aufgabe jedoch, Rowan zu töten, versagt Citra. Stattdessen verhilft sie ihrer heimlichen großen Liebe zur Flucht. Und so kämpft Rowan jetzt aus dem Untergrund gegen die einzige Gefahr, auf die die perfekte Welt nicht vorbereitet ist: korrupte und gewissenlose Mörder in den Reihen der Scythe.

Meine Meinung:

Wir begegnen Citra und Rowan einige Zeit nach den Ereignissen von Teil 1 wieder. Citra, jetzt als Scythe Anastasia unterwegs, ist nun eine Junior Scythe, die nach wie vor bei ihrer Mentorin Scythe Curie lebt. Rowan dagegen ist untergetaucht – und macht auf einige Faust als Scythe Lucifer Jagd auf korrupte Scythe, die die ethischen und moralischen Grundsätze des Scythetums missachten.

Der heimliche Held dieser Geschichte ist jedoch der Thunderhead, die künstliche Intelligenz, die im Hintergrund die Geschicke der Menschen lenkt, über die wir in diesem Teil durch die tagebuch-ähnlichen Einschübe sehr viel erfahren. Der Thunderhead ist es auch, der eine neue Figur ins Spiel bringt, die ich von Anfang an sehr interessant fand: Greyson. Hier bin ich wirklich gespannt, was der Autor mit ihm noch vorhat.

Was mir dieses Mal auch deutlich besser gefallen hat, ist die Handlung. Während Teil 1 recht oft auf mich wirkte, als ob der Autor (noch) nicht recht gewusst hätte, welche Geschichte er eigentlich erzählen möchte, wirkte Teil 2 atmosphärisch deutlich dichter auf mich, was sich auch in der deutlich kürzeren Zeit widerspiegelte, die ich fürs Hören gebraucht habe. Man kann sich das in etwa wie George Lucas und Star Wars Episode IV bzw. V vorstellen – es ist, als ob der Autor hier in “Der Zorn der Gerechten” sich endlich gefunden hat.

Und um bei den Vergleichen zu bleiben: Das Finale hat mich mehrmals an einen ganz bestimmten Film mit Leonardo die Caprio und Kate Winslet denken lassen … Die Parallelen waren einfach nicht zu übersehen :). Trotzdem habe ich natürlich mitgefiebert, was sich Shusterman letztendlich für seine “Version” ausgedacht hat, da mir durch andere Rezensionen bekannt war, dass dieses Ende ganz anders als das ersten Teils ausfallen würde. Und was soll ich sagen, ich wurde nicht enttäuscht.

Zur Lesung von Torsten Michaelis kann ich auch dieses Mal nur sagen: Sie ist solide. Ein klein mehr Dynamik hätte vor allem beim Finale der Lesung gutgetan, da wäre meiner Meinung nach deutlich mehr drin gewesen. Trotzdem hat die Geschichte es dieses Mal verstanden, mich so an das Hörbuch zu fesseln, dass ich Michaelis’ Art zu lesen irgendwann komplett ignorieren konnte.

Mein Fazit:

“Der Zorn der Gerechten” stellt in meinen Augen eine deutliche Verbesserung zu “Der Hüter des Todes” dar. Was zur Folge hat, dass ich jetzt schon neugierig bin, wie Shusterman diese Geschichte nächstes Jahr zu Ende bringen wird.

  • ★★★★
  • Hörbuch
  • 872 Minuten
  • Argon Verlag
  • 978-3732451890
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Rezension Neal Shusterman – Scythe “Die Hüter des Todes”

Auch wenn die letzten Wochen mit ziemlich viel neuem Wissen gepflastert waren, habe ich meinen Bücherkonsum doch nicht gänzlich gegen Null gehen lassen.

Denn: Gott sei Dank gibt es Hörbücher! Das hat nach einem langen Tag doch noch geklappt, abends wenigstens eine halbe Stunde Hören dranzuhängen, um von einem anstrengenden Tag wieder runterzukommen.

Der Klappentext:

Unsterblichkeit, Wohlstand, unendliches Wissen.
Die Menschheit hat die perfekte Welt erschaffen – aber diese Welt hat einen Preis.

Citra und Rowan leben in einer Welt, in der Armut, Kriege, Krankheit und Tod besiegt sind. Aber auch in dieser perfekten Welt müssen Menschen sterben, und die Entscheidung über Leben und Tod treffen die Scythe. Sie sind auserwählt, um zu töten. Sie entscheiden, wer lebt und wer stirbt. Sie sind die Hüter des Todes. Aber die Welt muss wissen, dass dieser Dienst sie nicht kalt lässt, dass sie Mitleid empfinden. Reue. Unerträglich großes Leid. Denn wenn sie diese Gefühle nicht hätten, wären sie Monster.

Als Citra und Rowan gegen ihren Willen für die Ausbildung zum Scythe berufen werden und die Kunst des Tötens erlernen, wächst zwischen den beiden eine tiefe Verbindung. Doch am Ende wird nur einer von ihnen auserwählt. Und dessen erste Aufgabe wird es sein, den jeweils anderen hinzurichten …

Meine Meinung:

Eines muss man Neal Shusterman lassen: Er hat wirklich viele tolle Ideen! Gerade in Bezug auf eine Gesellschaft, in der die Menschen unsterblich geworden sind. Was ist gut daran? Was weniger? Und ist es wirklich erstrebenswert, unsterblich zu sein? Viele Fragen, wo der Leser bzw. Hörer dazu aufgerufen wird, sich darüber Gedanken zu machen, ob der Traum vom ewigen Leben wirklich so erstrebenswert ist …

Sehr gut gefallen haben mir auch die vielen kleinen Anspielungen auf die sogenannte “Sterblichkeitsära”, sprich auf unsere Gesellschaft von heute, der Shusterman in gewisser Weise einen Spiegel vorhält. Manchmal ernsthaft, manchmal humorvoll, aber immer fein dosiert. Manchmal sogar so fein, dass ich mich kurz gefragt habe, ob ein jugendlicher Leser diese Anspielungen wirklich immer erfassen kann, aber egal. Es macht die Geschichte zu etwas, was man wie die Asterix-Comics sowohl als junger als Mensch als auch als Erwachsener konsumieren kann.

Den Schwachpunkt dieses ersten Teils sehe ich allerdings in der Geschichte und in Folge in den Figuren. Die Geschichte selbst jedoch konnte mich nämlich erst gegen Ende so richtig einfangen, vor allem die erste Hälfte plätscherte in meinen Augen relativ lange dahin. Die Rückblicke der ehrenwerten Scythe Curie waren zwar interessant, in Summe beim Hören aber auch anstrengend, da sie nicht wirklich etwas zur Handlung beitrugen.

Bei den Figuren hat der Autor in meinen Augen eigentlich nur einer Figur etwas mehr Tiefe gegeben, nämlich Citra. Rowan (der mir von den beiden Protagonisten besser gefallen hat) kam vor allem in der zweiten Hälfte des Buchs für meinen Geschmack viel zu kurz. Seine charakterliche Wandlung war für mich daher nicht so gut nachvollziehbar wie Citras.

Trotzdem ist das Buch schon deswegen bemerkenswert, weil es aus der Menge der derzeit so populären (aber immer nach denselben Mustern gestrickten) Jugend-Dystopien ausbricht. Auch das Ende kommt ohne nennenswerten Cliffhanger aus, obwohl man natürlich wissen möchte, wie es mit Citra und Rowan weitergeht.

Noch ein paar Worte zum Hörbuch: Torsten Michaelis trägt diese Geschichte fast allein, die übrigen Sprecher kommen nur dann zu Wort, wenn die Auszüge aus den Tagebüchern der Scythe vorgelesen werden. Für meinen Geschmack hätte der Lesung ein bisschen mehr Feuer nicht geschadet, aber Michaelis macht seine Sache gut und man kann ihm ohne Probleme folgen.

Mein Fazit:

Der erste Teil der “Scythe”-Trilogie stellt für mich eine Geschichte mit Stärken, aber auch Schwächen dar, daher vergebe ich gut gemeinte drei Sterne. Potenzial nach oben ist für die Fortsetzungen definitiv vorhanden!

  • ★★★★★
  • Hörbuch
  • 731 Minuten
  • Argon
  • 978-3839815649
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Rezension Nadine Erdmann – CyberWorld 6.0 “Anonymous”

Kaum zu glauben, aber wahr: Die phantastische Reihe rund um unsere jugendlichen Helden Jemma, Jamie, Zack, Will, Ned, Charlie steuert langsam, aber unerbittlich auf ihr Finale zu. Denn laut Autorin wird mit dem siebten Band das Ende erreicht sein.

Wie jedes Mal versteht es schon das Cover neugierig zu machen, denn zwangsläufig fragt man sich gleich einmal, was es mit diesem Haus und dem in Großbuchstaben geschriebenen “Help us” an der Wand auf sich hat.

Der Klappentext:

Eigentlich läuft gerade alles sehr gut im Leben von Zack, Ned und dem Rest der Clique. Nach den schrecklichen Erlebnissen in CyberLondon ist der Alltag wieder eingekehrt und die Freunde testen ihr eigenes CyberGame, um es für die Veröffentlichung fertigzustellen.

Doch dann tauchen Zacks Eltern überraschend in London auf und in der CyberWorld sucht ein Unbekannter die Aufmerksamkeit der Freunde – mit äußerst drastischen Mitteln. Wer verbirgt sich hinter Anonymous und was will er von Ned, Will und ihren Freunden?

Meine Meinung:

Nach dem letzten Band, der mir trotz der längeren Pause noch sehr gut in Erinnerung ist, geht die Autorin es dieses Mal wieder etwas ruhiger an. Sehr gut so, denn ich bin mir nicht sicher, ob ich nach dieser Achterbahnfahrt im fünften Teil (Rezi dazu hier) weitere Aufregungen vertragen hätte. Wobei das aber nun nicht heißen soll, dass absolut gar nichts passiert, ganz im Gegenteil.

Nadine Erdmann konzentriert sich in diesem Band erstmals auf eine Figur, die bisher eher als ruhiger Gegenpol zu Jamie in Erscheinung getreten ist: Zack. Zack, der von Anfang damit zu kämpfen hatte, dass er seinen Eltern so gar nichts bedeutet. Als diese nach London kommen und Zack nach New York mitnehmen wollen, zwingen sie ihn damit nun endgültig dazu, sich mit seinem Verhältnis zu ihnen auseinanderzusetzen. Auf diese Weise lernen wir Leser auch eine Seite von Zack kennen, eine, die bisher eher im Hintergrund geblieben ist.

Dies mag auf den ersten Blick erschrecken, hat mir aber sehr gut gefallen, denn jeder Mensch hat mit seinen Dämonen zu kämpfen, man sieht es ihnen in der Regel nur nicht an. Diese Entwicklung verleiht der Figur nun deutlich mehr Tiefe als bisher, wo der Schwerpunkt eher auf Jamie gelegen hat, der mit den Folgen seines Unfalls leben muss.

Der zweite Teil widmet sich dem Rätsel in der Geschichte, denn wer ist Anonymous und was will er? Offensichtlich ist er ein echtes As am Computer, weil es ihm mühelos gelingt, die Sicherheitsmaßnahmen von Will und Ned für ihr neues Cybergame zu umgehen. Nachdem lange Zeit nicht klar ist, ob er in Verbindung zu den Terroristen R.A.T.s (die wir in Teil 5 kennenlernen durften) steht, müssen unsere Helden sehr vorsichtig zu Werke gehen.

Im Vergleich zu Zacks Geschichte fand ich diesen Teil jedoch den schwächeren, weil die Idee zur Auflösung (die für mich eigentlich früh auf der Hand lag) für unsere Helden erst recht spät auftaucht – und im Verhältnis dann ziemlich zügig erzählt wird. Das ging mir persönlich einfach ein klein bisschen zu schnell, auch wenn hier einige sehr, sehr herzige Szenen auftauchen, die vor allem das jüngere Lesepublikum sicher mögen wird.

Trotzdem bin ich selbstverständlich gespannt auf den letzten Teil, der hoffentlich die verbliebenen, noch offenen Handlungsstränge zu einem zufrieden stellenden Ende führen wird. Die Autorin gibt netterweise im Nachwort einen kleinen Hinweis, was uns erwarten wird (weshalb ich jetzt erst recht neugierig bin, logisch).

Mein Fazit:

“CyberWorld 6.0” habe ich im Vergleich zu den beiden vorigen Bänden als etwas schwächer empfunden, was aber nicht heißt, dass der Autorin nicht trotzdem eine sehr lesenswerte Geschichte gelungen ist. Vor allem Fans von Zack werden dieses Mal auf ihre Kosten kommen, diese sehr persönlichen Szenen waren für mich in diesem Band das absolute Highlight!

  • ★★★★
  • E-Book
  • 284 Seiten
  • Greenlight Press
  • 978-3958343108
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