Rezension Andreas Gruber – Todesmal

Mit “Todesmal” legt Andreas Gruber nun bereits den fünften Band der Reihe vor, mit der er bestimmt die meisten Fans unter den Thriller-Lesern gewonnen hat. Nicht zuletzt hat er das den meiner Meinung nach wirklich genialen Hauptfiguren zu verdanken: Maarten S. Sneijder und Sabine Nemez, die sich in der Vergangenheit in Grubers Büchern zu einem sehr interessanten Ermittlerduo zusammengerauft haben.

Wer die Vorgeschichte der beiden nicht kennt, wird mit diesem Band aber weniger Probleme haben, in die Geschichte einzusteigen, als wie beispielsweise beim Vorgänger “Todesreigen”. Trotzdem empfehle ich, die Bücher der Reihe nach zu lesen. Es macht nämlich definitiv mehr Spaß zu wissen, wie sich die Beziehung der beiden entwickelt hat.

Der Klappentext:

Eine geheimnisvolle Nonne betritt das BKA-Gebäude in Wiesbaden und kündigt an, in den nächsten 7 Tagen 7 Morde zu begehen. Über alles Weitere will sie nur mit dem Profiler Maarten S. Sneijder sprechen. Doch der hat gerade gekündigt, und so befragt Sneijders Kollegin Sabine Nemez die Nonne. Aber die schweigt beharrlich – und der erste Mord passiert. Jetzt hat sie auch Sneijders Aufmerksamkeit. Und während die Nonne in U-Haft sitzt, werden Sneijder und Nemez Opfer eines raffinierten Plans, der gnadenlos ein Menschleben nach dem anderen fordert und dessen Ursprung in einer grausamen, dunklen Vergangenheit liegt …

Meine Meinung:

Auch wenn ich hier am Blog nicht alle Bücher von Andreas Gruber rezensiert habe, kann ich mittlerweile doch behaupten, zumindest die meisten von ihm gelesen zu haben. “Rachewinter” letztes Jahr und “Todesreigen” davor konnten mich allerdings nicht ganz so begeistern wie Grubers frühere Bücher. Deswegen habe ich bei “Todesmal” meine Erwartungen ziemlich zurückgeschraubt, war aber trotzdem neugierig, was sich Andreas für unseren Lieblingsgrantscherm (Meint im Österreichischen einen grantigen Menschen, einen Griesgram) ausgedacht hat.

Und was soll ich sagen? Dieses Mal stimmt es einfach wieder. Es ist fast wie ein Puzzle mit seinen Tausenden von Teilen, wo man das Gefühl hat, es sitzt alles am richtigen Platz. Angefangen gleich beim Auftakt, bei dem wir Zeuge einer verbalen Auseinandersetzung zwischen Sneijder und seinem neuen BKA-Chef Dirk van Nistelrooy werden, an dessen Ende Sneijder genervt den Dienst quittiert.

Diese erste Szene nimmt gleich mal vorweg, worauf sich der Leser in dem gesamten Buch freuen kann: auf den für Thriller eigentlich ungewohnten, sarkastischen und teilweise schwarzen Humor, der einen das ganze Buch hindurch begleiten wird. Und auch wenn die Morde (denn bei dem ersten bleibt es selbstverständlich nicht) grubertypisch sehr grausam, aber auch phantasievoll umgesetzt werden, ist es genau dieser Humor, der der ganzen Geschichte ein wenig die Düsternis nimmt.

Um dem beginnenden Wettlauf gegen die Zeit zu begegnen, stellt Sneijder – wohl zum ersten Mal überhaupt – ein Team aus sehr unterschiedlichen Ermittlerkollegen und Helfern zusammen, mit denen er versucht, den mutmaßlichen Opfern das Leben zu retten. Aus dieser Situation heraus ergeben sich jede Menge gut geschriebener Dialoge, bei denen ich schon mal lachen musste, obwohl die Ergebnisse der Ermittlungen von Tag zu Tag zu scheußlicher werden.

Wie man es bereits von Gruber kennt, gibt es auch dieses Mal kurze Schwenks in die Vergangenheit, anhand derer man sich nach und nach zusammenreimen kann, was der Hintergrund der Mordserie ist und weshalb die Nonne beim BKA erscheint und gezielt nach Maarten S. Snejder verlangt. Das ist für meinen Geschmack auch ein klitzekleines Kritikpünktchen, ich wäre eigentlich gerne noch eine Weile länger im Dunkeln herumgetappt, aber dem insgesamt positiven Eindruck tut das keinen Abbruch.

Für alle Sneijder-Fans habe ich außerdem eine gute Nachricht: Ihr werdet in “Todesmal” wieder voll auf eure Kosten kommen! Seine Arroganz, seine Schrullen, seine “umgängliche” Art, mit der auf alle gesellschaftlichen Konventionen pfeift, all das beschreibt Gruber einfach perfekt, ohne dass es übertrieben und unglaubwürdig wirkt. Dazwischen blinzeln aber auch immer wieder seine menschlichen Seiten durch, meist dann, wenn man es nicht unbedingt von ihm erwartet.

Und um das jetzt noch einmal zusammenzufassen: Wenn ihr eine rasanten, in sich stimmigen Thriller lesen wollt, der außerdem mit jeder Menge Humor aufwarten kann, dann ab mit euch in die Buchhandlung eurer Wahl. Denn mit Todesmal könnt ihr meiner Meinung nach absolut nichts falsch machen!

Mein Fazit:

Mit “Todesmal” besinnt sich Gruber wieder auf das, was er am besten kann: Eine spannende Geschichte mit skurilen Hauptfiguren zu erzählen, wo aber auch der Humor nicht zu kurzkommt. Daher sage ich: Lest es, wenn ihr Thriller liebt!

  • ★★★★★
  • Klappenbroschur
  • 592 Seiten
  • Goldmann
  • 978-3442486564
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Rezension Ursula Poznanski – Erebos 2

Man kann es nicht anders sagen: Seit bekannt wurde, dass es eine Fortsetzung zu “Erebos” geben würde, habe ich angefangen, dem Erscheinungstermin des Buchs entgegen zu fiebern. Und die allerletzten Tage waren wohl meine ganz persönliche Folter …

Trotzdem habe ich versucht, meine Erwartungen an dieses Buch herunter zu schrauben, denn ich stelle es mir alles andere als leicht vor, als Autorin an ein Buch anzuknüpfen, dass so viele Fans hat wie “Erebos”.

Der Klappentext:

EREBOS IST ZURÜCK …UND HAT DAZUGELERNT
Als Nick auf seinem Smartphone ein vertrautes Icon in Gestalt eines roten E entdeckt, glaubt er zuerst an einen Zufall. Aber dann wird ihm klar: Erebos hat ihn wiedergefunden …
Der sechzehnjährige Derek hingegen ist nur kurz misstrauisch, als das rote E auf seinem Handy aufleuchtet. Zu spät begreift er, dass er selbst zu einer Spielfigur geworden ist. Und es um viel mehr geht, als er sich je hätte vorstellen können …

Meine Meinung:

Es fasziniert mich mittlerweile zunehmends, wie unterschiedlich Ursulas Bücher ausfallen. Während “Vanitas” schon ziemlich lange brauchte, ehe die Geschichte Tempo aufnahm, verliert die Autorin hier keine Zeit, denn Nick findet bereits im ersten Kapitel das rote E des Spiels auf seinem Handy wieder – und wie er bald lernen muss, ist das Löschen der App nicht unbedingt eine gute Idee.

Derek dagegen hat keine Vorgeschichte mit Erebos, ist deswegen unvoreingenommener, was das Spiel angeht. Er wundert sich zwar, warum es ihn ausgewählt hat, das ist aber auch schon alles. Mit seinem Charakter dürfen wir beim Lesen wieder in die Welt des Spiels eintauchen, so wie wir es bereits in Teil 1 durften.

Trotzdem geht die Autorin hier neue Wege, das wird schon bald klar, da es nun zwei Hauptfiguren gibt, deren Weg durch das Spiel bestimmt wird. Und während Nick versucht, mit Hilfe seiner alten Freunde Erebos loszuwerden, begleitet der Leser Derek schon bald bei seinen ersten Aufträgen im realen Leben. Denn genau wie in Teil 1 verfolgt das Spiel auch hier ein ganz bestimmtes Ziel, das sehr lange im Dunkeln bleibt. Zwar gibt es Hinweise, aber ich tappte trotz allem recht lange im Dunkeln.

Wirklich großartig fand ich in diesem zweiten Teil die Atmosphäre, die der Terror des Spiels gerade bei Nick auslöst. Es ist eine Sache zu wissen, dass wir mit unseren Smartphones unsere ganz persönliche kleine Wanze und ein Ortungsgerät herumtragen, eine ganz andere, wenn man zum Beispiel sieht, wie das Spiel damit umgeht, wenn Nick nur versucht, mit jemandem darüber zu sprechen. Ich kann gar nicht ausdrücken, wie oft ich versucht war, alle digitalen Geräte einfach zu nehmen und in den nächstbesten Mülleimer zu werfen …

Was dagegen wohl ein wenig zu kurz kam, sind die Szenen in der Spielwelt selbst. Der Fokus liegt dieses Mal ganz klar auf den Dingen, die sowohl Nick als auch Derek im realen Leben für das Spiel tun müssen. Aber gerade dieses Geheimnisvolle fesselte mich bereits nach kurzer Zeit wieder so sehr, dass es mir schwer fiel, das Buch zur Seite zu legen. So viele Geheimnisse, so viele Rätsel, so viele Fragen …

Für die Fans der ersten Stunde hat Ursula außerdem jede Menge Anspielungen und Überraschungen eingebaut, es lohnt sich also durchaus, Teil 1 vor Teil 2 zu lesen, einfach um alles richtig einordnen zu können. Ich schätze, man kann Teil 2 auch für sich lesen, aber es ist in meinen Augen nur der halbe Spaß.

Die Auflösung am Ende stellte zumindest für mich doch eine gewisse Überraschung dar, aber das Thema finde ich gut gewählt, auch wenn es in letzter Zeit relativ wenig Schlagzeilen gemacht hat. Das Motiv, Erebos wieder zu reaktivieren, überzeugte mich jedoch nicht so ganz. Zwar ist es nachvollziehbar, aber es blieb die Frage, ob man es nicht auch ohne den Terror bei den Spielern hätte erreichen können.

Schön fand ich aber, dass die Autorin uns hier ein “runderes” Ende serviert als noch mit “Erebos 1”. Es wurden sogar noch Fragen aus Teil 1 beantwortet, mit denen ich so gar nicht gerechnet hatte. Zu sehr möchte ich jetzt nicht ins Detail gehen, aber wer Teil 1 gelesen hat, wird wissen, was ich meine.

Somit kann ich sagen: “Erebos 2” hat alles, was ein guter Jugendbuch-Thriller benötigt, wenn auch mit ein paar kleinen Schönheitsfehlern. Das macht für mich 4,5 Sterne, die ich aber gerne aufrunde.

Mein Fazit:

Die Mischung aus Jugendbuch, Thriller und dem wohl intelligentesten Computerspiel, was die Buchwelt zu bieten hat, konnte mich auch in Teil 2 begeistern, auch wenn es aus verschiedenen Gründen nicht ganz an das Original heranreicht.

  • ★★★★★
  • Hardcover
  • 512 Seiten
  • Loewe
  • 978-3743200494
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Rezension Ivar Leon Menger – Ghostbox. Staffel 1

Ivar Leon Menger hat sich offensichtlich mit Hörspielen wie der “Monster 1983”-Serie bereits erfolgreich eine treue Fangemeinde geschaffen, das beweisen die vielen begeisterten Rezensionen, die ich auf verschiedenen Plattformen im Internet gefunden habe.

“Ghostbox” war allerdings jetzt das erste Hörspiel aus seiner Feder, dessen Klappentext mich so richtig neugierig machen konnte. Der Phantastik-Fan in mir konnte gar nicht anders, als da mal hineinzuhören 🙂 …

Der Klappentext:

Schon seit Wochen ist Lena Gruenwald auf der Suche nach der perfekten Story, um endlich als Redakteurin beim Berliner Tagesspiegel übernommen zu werden. Dabei wird die junge Journalismus-Praktikantin von einem Thema ganz besonders angezogen: dem Jenseits. Auch auf Lenas privatem Youtube-Kanal dreht sich alles nur um Geister, Ouija-Boards oder Tarotkarten. Doch eines Tages kommt die Dreiundzwanzigjährige dem Tod näher, als sie geahnt hätte – beginnend mit einer unerwarteten Nachricht aus Heidelberg: Ihr Bruder, zu dem sie seit Jahren keinen Kontakt mehr hat, hat sich aus unerklärlichen Gründen das Leben genommen.

Widerwillig reist Lena in die romantische Touristenstadt am Neckar, um seinen Nachlass zu regeln. Dabei stößt sie auf ein dunkles Geheimnis – eine revolutionäre, hochgeheime Forschung an der Uniklinik Heidelberg, an der auch ihr Bruder mitgearbeitet hat. Um die Hintergründe seines Selbstmords besser zu verstehen, begibt sich Lena auf eine gefährliche Recherche-Reise, bei der sie nicht nur ihren Verstand zu verlieren droht, sondern auch ihr Leben …

Meine Meinung:

“Ghostbox. Staffel 1” stellte für mich das erste Hörspiel von Ivar Leon Menger dar – aber es wird sicher nicht das letzte sein! Selten habe ich so ein hochwertiges Hörspiel wie dieses gehört. Hier stimmt eigentlich alles: Der Plot, die Besetzung mit vielen bekannten Sprechern der deutschen Hörbuchszene und die Qualität selbst.

Es dauert zwar ein wenig, bis die Handlung in Gang kommt (eine gute Stunde sollte man dem Hörspiel schon Zeit geben), aber danach ist es nicht schwierig, sich in dieser Mischung aus Science, Science Fiction, Mystery, Thriller und Horror zu verlieren, wenn man diese Genres liebt. Zu viel möchte ich eigentlich gar nicht verraten, weil es sonst massiv den Spaß verdirbt.

Es spricht aber wohl für das Hörspiel, wenn ich sage, dass ich die gut 10,5 Stunden in knapp zwei Tagen, sprich einem Wochenende mehr oder weniger “erledigt” habe. Ich kann nur sagen: Absolute Sogwirkung, wenn man erst einmal angefixt ist! Da fiel es manchmal echt schwer, zwischendurch für gewisse menschliche Bedürfnisse auf die Pausetaste zu drücken 🙂 . Perfektes Kino für die Ohren!

Auch der Humor kommt nicht zu kurz, denn – okay, kleiner Spoiler – Sebastian Fitzek hat eine Gastrolle als Radiosprecher. Zwar nicht sehr groß, aber er nimmt sich dabei gleich einmal selbst auf die Schippe, sehr genial! Habe jedenfalls sehr schmunzeln müssen, als ich diese Stelle erreicht hatte.

Einen einzigen Wermutstropfen habe ich für mich persönlich entdeckt, denn für meinen Geschmack hätte die Auflösung, wer in diesem Verwirrspiel die Fäden zieht, ruhig erst etwas später kommen dürfen. Dadurch verliert das Hörspiel in meinen Augen etwa 2,5 Stunden vor Ende etwas, aber das Finale lässt einen dafür noch einmal richtig mitzittern …

Das Ende ist für meinen Geschmack gelungen: Auch wenn das Hörspiel den Untertitel “Staffel o1” trägt, ist es rund und stimmig, auch wenn es ganz klein wenig offen ausfällt. Ergo: Es ist schon eine Fortsetzung drin, aber man beendet das Hörspiel nicht mit dem nagenden Gefühl, dass da noch was kommen muss.

Mein Fazit:

Wer gut gemachte Hörspiele liebt und sich gern mit Genres wie Phantastik, Science Fiction oder Horror beschäftigt, kann hier mit gutem Gewissen zugreifen!

  • ★★★★★
  • Hörspiel
  • 630 Minuten
  • Audible Studios
  • B07M5M2KCR
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Rezension Ursula Poznanski – Vanitas

“Vanitas. Schwarz wie die Erde” ist das jüngste Buch aus der Feder von Erfolgsautorin Ursula Poznanski. Nach den letzten vier Kaspary-Wenninger-Büchern betritt allerdings nun eine ganz neue Protagonistin die Bühne, um die Leser- bzw. Hörerherzen zu erobern.

Eine, von der wir nicht einmal wissen, wie sie wirklich heißt. Denn Carolin, wie sie sich zur Zeit der Handlung nennt, hat offensichtlich in der Vergangenheit unter einem anderen Namen gelebt …

Der Klappentext:

Auf dem Wiener Zentralfriedhof ist die Blumenhändlerin Carolin ein so gewohnter Anblick, dass sie beinahe unsichtbar ist. Ebenso wie die Botschaften, die sie mit ihren Auftraggebern austauscht, verschlüsselt in der Sprache der Blumen – denn ihre größte Angst ist es, gefunden zu werden. Noch vor einem Jahr war Carolins Name ein anderer; damals war sie als Polizeispitzel einer der brutalsten Banden des organisierten Verbrechens auf der Spur. Kaum jemand weiß, dass sie ihren letzten Einsatz überlebt hat. Doch dann erhält sie einen Blumengruß, der sie zu einem neuen Fall nach München ruft – und der sie fürchten lässt, dass sie ihren eigenen Tod bald ein zweites Mal erleben könnte…

Meine Meinung:

Ehe es losgeht, die obligatorische Warnung: Diese Rezi kann Spuren von Spoilern enthalten! 😉

Da ich aktuell fast lieber höre als lese (Es lässt sich einfach besser mit meinem aktuellen Lebens- bzw- Lernrhythmus vereinbaren), habe ich mir nach “Thalamus” auch “Vanitas” als Hörbuch geholt. Und auch wenn mich der Klappentext jetzt nicht unbedingt sofort abholen konnte, dachte ich mir, eine neue Poznanski bedeutet endlich wieder ein neues Buch einer Lieblingsautorin.

“Vanitas” ist für mich allerdings der Beweis dafür, dass es manchmal auch mit den Büchern der Lieblingsautoren nicht so recht klappen will. Dabei hätte das Buch eigentlich alles, was es braucht, um eine tolle Geschichte zu erzählen. Eine Protagonistin, die in ihrer Vergangenheit offensichtlich etwas Schreckliches erlebt hat (wie man so nach und nach durch diverse Andeutungen erfährt), einen Krimi, wo es jede Menge Verdächtige gibt und einen wunderbaren Schreibstil, der es mir ermöglicht hat, die Geschichte relativ zügig durchzuhören.

Warum habe ich dann dieses Mal nicht so richtig in die Geschichte gefunden?  Ich vermute, es ist das, was ich vor allem bei Poznanskis Jugendbüchern so schätze – ein Geheimnis, wo man recht lange im Dunkeln tappt, worum es eigentlich geht. Diese Rätselspannung, dieses Mitfiebern wollte sich dieses Mal einfach nicht ergeben. Immer wieder tauchte der eine oder andere Spannungsmoment auf, nur um im nächsten Augenblick wieder zu verpuffen und im Geplänkel bzw. in einem Dialog mit einer der verdächtigen Figuren unterzugehen.

Apropos Figuren: Es ist selten, wenn ich das sage, aber ich habe es bei diesem Buch bis zum Schluss nicht geschafft, die männlichen Protagonisten, die alle irgendwie Dreck am Stecken haben, auseinanderzuhalten. Sie waren für mich einfach zu wenig greifbar, um sie dauerhaft verlässlich in mein Gedächtnis beim Hören einzuordnen.

Carolin selbst ist durchaus interessant angelegt, allerdings sind auch mir die Unstimmigkeiten aufgefallen, die bereits von anderen Bloggern bemängelt wurden. Eine Frau, die sich anfangs vor lauter Angst privat nicht mehr aus dem Haus traut und dann später in ihrem neuen “Job” immer wieder rausgeht, um Recherchen anzustellen? Wo waren da die Panikattacken, mit denen Carolin zu Beginn zu kämpfen hatte. Darüber hinaus konnte ich viele ihrer Entscheidungen einfach nicht nachvollziehen, denn wenn ich mich verstecken wollte, entscheide ich mich doch nicht dafür, als Gast auf eine Gala zu gehen, wo es vor Presse und Reportern nur so wimmelt?

Luise Helm als Sprecherin kannte ich bisher für Ursula Poznanskis Bücher noch nicht, aber sie macht ihre Sache gut, auch wenn noch Potenzial nach oben vorhanden ist (Ein klein wenig lebendiger hätte sie meiner Meinung nach die Figuren sprechen lassen können). Der sächsische Akzent für eine der Figuren war allerdings wirklich ein nettes Goodie, das hat mich einige Male zum Lächeln gebracht.

Lange Zeit habe ich geschwankt, ob ich drei oder vier Sterne vergeben soll (Ich runde ja in der Regel auf), aber das Finale hat es dann in meinen Augen reingerissen. Es tut mir leid, das schreiben zu müssen, aber das war für mich wie “Gas geben und dann den Motor abwürgen”, die Spannung war von einem Moment auf den anderen für mich komplett gestorben. Möglich, dass das damit zusammenhängt, dass “Vanitas” als Auftakt zu einer Reihe bezeichnet wird, aber ich kann mir im Moment nicht vorstellen, dass wir die verdächtige Familie aus diesem Buch im zweiten Teil wiedersehen werden, dafür gab es einfach zu viele Anspielungen auf Carolins Vorleben …

Alles in allem ist dieses Buch für mich ein etwas durchwachsener Start in eine neue Reihe, aber Carolin halte ich grundsätzlich für eine durchaus interessante Figur, die man noch ausbauen kann. Da ich außerdem weiß, wozu die Autorin in der Lage ist, bin ich geneigt abzuwarten, was der nächste Band bringen wird.

Mein Fazit:

Eigentlich tut es mir in der Seele weh, einem Buch von Ursula Poznanski “nur” drei Sterne zu geben, aber vier erscheinen mir hier einfach zuviel. Dafür gab es für mich dieses Mal leider zu wenig Spannung, zu viele Längen und Wiederholungen beim Plot und eine Hauptfigur, die für mich nicht immer stimmig war …

  • ★★★★★
  • Hörbuch
  • 695 Minuten
  • Argon Verlag
  • B07MXB1T21
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Rezension Andreas Eschbach – NSA

Bereits das Cover zu Andreas Eschbachs neuem Roman machte mich sofort neugierig. Das prominent platzierte Auge mit dem in Fraktur gesetzten Titel darunter – da konnte ich einfach nicht anders, als mir das Buch genauer anzusehen.

Und auch der Klappentext lies in mir alle Sirenen aufheulen, endlich mal wieder ein Buch, das so ganz genau vom Thema her meine Kragenweite ist <3 <3. Leider ist das Genre “Alternate History” bei uns ja leider kaum vertreten, dabei finde ich es so unheimlich spannend zu sehen, wie Geschichte sich hätte entwickeln können, wenn nur eine Sache anders passiert wäre …

Für diejenigen unter euch, die das Buch noch lesen wollen: Es ist eine Rezension mit gewissen Spoilern, also aufpassen!

Der Klappentext:

Weimar 1942: Die Programmiererin Helene arbeitet im Nationalen Sicherheits-Amt und entwickelt dort Programme, mit deren Hilfe alle Bürger des Reichs überwacht werdenErst als die Liebe ihres Lebens Fahnenflucht begeht und untertauchen muss, regen sich Zweifel in ihr. Mit ihren Versuchen, ihm zu helfen, gerät sie nicht nur in Konflikt mit dem Regime, sondern wird auch in die Machtspiele ihres Vorgesetzten Lettke verwickelt, der die perfekte Überwachungstechnik des Staates für ganz eigene Zwecke benutzt und dabei zunehmend jede Grenze überschreitet …
Was wäre, wenn es im Dritten Reich schon Computer gegeben hätte, das Internet, E-Mails, Mobiltelefone und soziale Medien – und deren totale Überwachung?

Meine Meinung:

Da ich mich dieses Jahr aufgrund der #widerdasVergessen Challenge vermehrt dem Thema “Drittes Reich” widme, ist es nicht ausgeblieben, dass ich mir genau diese Frage, die hier im Klappentext angerissen wird, bereits mehrmals gestellt habe … Was wäre, wenn die Technologie von heute sich mit der Geschichte von damals vermischen würde? Andreas Eschbach widmet sich der Frage auf diese Antwort ziemlich ausführlich, aber das Buch braucht die Seitenzahl tatsächlich, um sich in seiner ganzen Bandbreite zu entfalten.

Dabei geht Eschbach einen sehr interessanten Weg, denn er steigt in seine Geschichte im Jahr 1942 ein, in das Jahr, in dem der Zweite Weltkrieg, so wir wie ihn kennen, an einem Wendepunkt gestanden hat. Stalingrad ist bekannt dafür, dass die deutsche Armee nicht so unbesiegbar, wie es zunächst den Anschein hatte.

Aber was wäre, wenn die Komputer-Technologie (Ich schreibe das Wort übrigens jetzt absichtlich mit K, denn der ganze Roman kennt so gut wie keine Anglizismen, dafür aber jede Menge deutsche Ausdrücke, die anstelle von Handy, E-Mail, Cloud-Speicher etc. verwendet werden) bereits schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts angefangen hätte sich zu entwickeln? Was wäre, wenn es ein Weltnetz bereits schon vor 1939 gegeben hätte?

Ich kann hier gar nicht anders, als meinen Hut zu ziehen, denn Eschbach verwebt die tatsächliche Geschichte mit seiner eigenen Version so geschickt, dass einem als unbedarftem Leser wahrscheinlich gar nicht alles auffällt. Hier und da tauchen Personen auf, die es wirklich gegeben hat (sowohl auf Seiten der Nazis als auch auf Seiten der Opfer), gerade die bekannten Namen sagen einem selbstverständlich etwas. Aber wo die Grenze zwischen erfundenen und echten Figuren zu ziehen ist, muss ich wohl noch einmal in Ruhe nachrecherchieren.

Auch den Aufbau des Buchs halte ich für sehr gelungen, denn Eschbach steigt mehr oder weniger mit einem Knalleffekt in sein Buch ein, einem Ereignis, das einem bereits nach den ersten Seiten ein Schaudern über den Rücken jagt. Danach gibt es einen großen Schwenk in die 30er Jahre, wo Eschbach den Leser Hitlers Aufstieg an die Macht durch die Augen seiner zwei Protagonisten Helene Bodenkamp und Eugen Lettke sehen lässt.

Helene und Eugen sind dabei sehr konträr: Helene selbst ist eher der Typ graue Maus, aber sehr intelligent, die nach und nach anfängt, ihr Leben selbst zu bestimmen (soweit das Regime es zulässt), während Eugen einen ziemlich miesen Charakter hat, der nur auf seinen Vorteil und auf sich selbst bedacht ist.

Trotzdem braucht es in meinen Augen diese beiden Figuren gleichermaßen, um mitzuerleben, wie das Regime nach und nach seine unheilvolle Macht entfesselt. In einem Land, wo es kein Bargeld mehr gibt, jede finanzielle Transaktion, jeder Anruf, jede Position eines “tragbaren Telephons”, jede Gesundheitsakte in den Datensilos des Staates bzw. der NSA gespeichert ist, gibt es keine Privatsphäre mehr. Bereits der Buchauftakt zeigt anschaulich, wie Big Data – das Verknüpfen von Informationen – dazu missbraucht wird, um Personen aufzustöbern, die von den Nazis nicht gefunden werden wollen.

Und dabei bleibt es nicht, der Autor gönnt dem Leser eigentlich nur kurze Verschnaufpausen, bis er weitere technische Entwicklungen – und damit weiteres Grauen – aus dem Ärmel zieht. Entwicklungen, die auch in der heutigen Zeit kontroversiell diskutiert werden und die häufig Gegenstand von dystopischen Romanen sind (Mehr verrate ich jetzt absichtlich nicht, sonst wäre es doch ein zu starker Spoiler).

Alles Dinge, die mich auch zu dem Schluss kommen haben lassen, dass Eschbach bewusst eine Parallele zur Gegenwart zieht. Ganz bewusst darauf hinweist, was heute passieren kann (und wird), wenn rechte Gesinnungen an die Macht kommen und über diese Mengen an Daten, die bereits existieren, nach Belieben verfügen können. Jeder, aber auch wirklich jeder hat irgendein Geheimnis, mit dem er sehr einfach erpressbar wird …

Je weiter das Buch fortschreitet, desto intensiver wird in meinen Augen diese Erfahrung. Es fühlt sich an wie ein Auto, das langsam anrollt und immer schneller wird, und wo man mitfahren muss, ob man will oder nicht, obwohl man sich fragt, ob man es überleben wird …

Es reißt einen beim Lesen in einen sehr heftigen Strudel aus Gefühlen, das Buch ist grausam, verstörend, gewaltig – und gerade deswegen so verdammt gut! Denn Eschbach schont den Leser nicht, führt ihn kompromisslos bis ans Ende der Geschichte. Ein Ende, das mich mit so vielen widersprüchlichen Gefühlen zurückgelassen hat, dass ich erst mal gar nicht anders konnte, als eine Pause bis zum nächsten Buch einzulegen, um dieses Szenario zu verdauen.

Wer mich kennt, weiß, dass ich fünf Sterne Empfehlungen nicht sehr häufig ausspreche und noch viel seltener das Prädikat “Highlight” vergebe, aber dieses Buch verdient es. Gewiss, es ist Unterhaltung, aber die Botschaft ist eindeutig: “NSA” ist eine eindringliche Warnung davor, was passieren kann, wenn Daten, die wir bewusst oder unbewusst zur Verfügung gestellt haben, gegen uns verwendet werden …

Mein Fazit:

“NSA” ist vordergründig ein Gedankenspiel, aber gleichzeitig auch eines, was unter den gegebenen politischen Umständen erschreckend realistisch ist. Dieses Buch weckt jede Menge Emotionen beim Lesen, es wühlt auf, es verstört – aber gerade deswegen ist es wertvoll! Daher absolute und uneingeschränkte Leseempfehlung!!

  • ★★★★★
  • Gebunden
  • 796 Seiten
  • Bastei Lübbe
  • 978-3785726259
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Rezension Sebastian Fitzek – Das Joshua-Profil

Der Sebastian Fitzek und ich – wer mich kennt, weiß, dass ich zu Deutschlands bekanntestem Thrillerautor ein recht ambivalentes Verhältnis habe. Manche seiner Bücher mochte ich, seine allerersten fand ich vor zehn Jahren noch sehr genial und manche habe ich bis heute nicht fertig gelesen …

Nachdem ich allerdings die Verfilmung von “Das Joshua-Profil” gesehen hatte (und nur mäßig gelungen fand), wollte ich dann doch wissen, wie gut das Buch im Vergleich zum Film abschneidet.

Der Klappentext:

Der erfolglose Schriftsteller Max ist ein gesetzestreuer Bürger. Anders als sein Bruder Cosmo, der in der Sicherheitsverwahrung einer psychiatrischen Anstalt sitzt, hat Max sich noch niemals im Leben etwas zuschulden kommen lassen.

Doch in wenigen Tagen wird er eines der entsetzlichsten Verbrechen begehen, zu denen ein Mensch überhaupt fähig ist. Nur, dass er heute noch nichts davon weiß … im Gegensatz zu denen, die ihn töten wollen, bevor es zu spät ist.

Meine Meinung:

Bedingt durch den Film wusste ich natürlich bereits, worauf der Klappentext anspielt, aber ich schätze, das wird nicht jedem so gegangen sein, als das Buch seinerzeit erschien. Es scheint sich allerdings ein gewisses Schema durch die Veröffentlichungen zu ziehen, denn die action-lastigeren Geschichten finden sich eher bei Bastei Lübbe als die Psychothriller.

Denn wie bei “Noah” zieht Fitzek auch hier das Tempo bereits nach kurzer Zeit an und man rast nur so durch den Roman. Max Rhode wird als mäßig erfolgreicher Schriftsteller eingeführt, der mit Ehefrau Kim ein zehnjähriges Pflegekind namens Jola hat. Die Geschichte beginnt mit einem Anruf, als Max gerade mit seiner Tochter unterwegs ist. Dieser lotst ihn zu einem sterbenden Mann, der ihm eine rätselhafte Botschaft zukommen lässt: “Joshua hat dich auserwählt”.

Von nun an überschlagen sich die Ereignisse. Denn wer ist Joshua? Und was will er von Max und seiner Familie? Während Max herauszufinden versucht, was eigentlich los und wer Joshua ist, verschwindet Jola aus Max’ Auto spurlos. Dem nicht genug, versucht auf einmal jemand sehr hartnäckig, Max dazu zu bringen, den Kopf zu verlieren …

Man sieht, der Roman hat eigentlich alles, um zu einem wirklich spannenden Thriller zu werden. Trotzdem konnte mich das Buch nicht so sehr einfangen, wie ich es eigentlich erwartet hatte. Ich weiß nicht genau, ob das damit zusammenhing, dass ich schon wusste, welche Themen Sebastian Fitzek in dieser Geschichte verarbeiten würde oder mit den Figuren selbst, mit denen ich nicht so recht warm wurde.

Gerade Max als Hauptfigur war für mich oft überhaupt nicht greifbar, Tochter Jola dagegen handelte für meinen Geschmack an vielen Stellen viel zu erwachsen, auch wenn sie anfangs als sehr intelligent geschildert wurde. Selbst Erwachsene würden da wohl bei vielen der Ereignisse, die sie durchleben musste, in Panik geraten, denke ich.

Gut gefallen dagegen haben mir die Nebenfiguren. Max’ Bruder Cosmo ist zwar pädophil, man merkt ihm aber an, dass er selbst damit nicht glücklich ist … Und auch Max’ Freund, den Anwalt Christoph Marx (genannt Toffi),  fand ich in seiner direkten und manchmal etwas schnoddrigen Art sehr sympathisch.

Die Themen, die Fitzek in seinem Buch anschneidet, sind auch drei Jahre nach Erscheinen des Buchs aktueller denn je, denn den Begriff “Predictive Policing” kenne ich auch erst seit kurzer Zeit. Was sich im ersten Moment wie an die SF-Geschichte (und den Film) “Minority Report” angelehnt anhört, ist alles andere als erfunden. Fakt ist: Der Schritt ist nur noch sehr klein, bis das Szenario aus Fitzeks Roman wohl wahr werden dürfte.

Das Ende stellt vermutlich gerade für IT-Fremde noch einmal eine gewisse Überraschung dar. Ich dagegen hatte aber schon die ganze Zeit das Gefühl, dass da noch etwas Bestimmtes kommen würde (was, werde ich jetzt nicht verraten, sorry, aber sonst Spoilergefahr) – und so war es dann auch. So gesehen war für mich das Finale etwas durchwachsen, aber ich darf in dem Fall mit meinem technischen Vorwissen nicht auf andere Leser schließen, auf die die Auflösung wohl anders gewirkt haben dürfte.

Mein Fazit:

Wer temporeicher Action-Thriller mag, kann mit “Das Joshua-Profil” sicher nicht viel falsch machen. Die Themen, die Fitzek verarbeitet hat, sind aktuell und lassen den durchschnittlichen Leser bestimmt nachdenklich zurück. Ich für mich hatte allerdings Probleme, mit den Figuren warm zu werden, fand sie an vielen Stellen nicht greifbar. Daher 3,5 Sterne, die ich der Einfachheit halber auf vier aufrunde.

  • ★★★★
  • E-Book
  • 428 Seiten
  • Bastei Lübbe
  • 978-3-7325-1271-3
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Rezension Ursula Poznanski & Arno Strobel – Invisible

Als 2016 “Anonym”, das zweite Buch aus der Feder von Ursula Poznanski und Arno Strobel, erschien, war ich Feuer und Flamme. Das Buch hatte ich am Stück innerhalb von sechs Stunden ausgelesen., so sehr fesselte es mich.

Dementsprechend war ich natürlich sehr gespannt auf die neue Geschichte, die eine Fortsetzung mit dem sehr genialen Ermittlerduo Nina Salomon und Daniel Buchholz versprach.

Zum Inhalt:

Innerhalb kurzer Zeit passieren in Hamburg eine ganze Menge an unterschiedlichen Morden. Einen gemeinsamen Nenner gibt es trotzdem, denn die Mörder stehen jedes Mal innerhalb kurzer Zeit fest.

Trotzdem ist nicht alles, wie es scheint, denn bald zeichnet sich ein Muster ab: Die Mörder fühlten sich von ihren Opfern in irgendeiner Form bedroht. Salomon und Buchholz beschließen, an der Sache dranzubleiben und nach den Hintergründen zu suchen – und bald zeigt sich, dass dies eine kluge Entscheidung war …

Meine Meinung:

Ich weiß, es ist eigentlich ein Fehler, an ein Buch hohe Erwartungen zu haben. Besonders wenn eine Lieblingsautorin mit im Spiel ist. Trotzdem freute ich mich darauf, dass es endlich wieder etwas Neues von den beiden Autoren geben würde und ließ mir das Buch zurücklegen. Kaum hatte ich es auch in Händen, begann ich auch schon …

Die Geschichte startet zügig und – wie man es schon von “Anonym” gewohnt ist – nicht zimperlich. Als ob die Mordserie aber nicht erschütternd genug wäre, kämpfen Salomon und Buchholz auch bald mit anderen Problemen, die Stimmung im Team ist schlecht, beim kleinsten Zwischenfall gibt es Streit.

Buchholz hat darüber hinaus auch noch privaten Stress, der ihn – den Pedanten – ein wenig aus dem Gleichgewicht bringt. Zumindest zwischen Nina und Daniel läuft es allerdings wie gewohnt: Als Leserin entlockten mir die kleinen Reibereien zwischen den beiden auch dieses Mal ein Lächeln, ich finde die beiden dadurch so richtig menschlich.

Im Vergleich zu “Anonym” brauchte ich dieses Mal etwas länger, um in die Geschichte hineinzufinden, sei es wegen der angespannten Stimmung im Ermittlerteam, sei es, weil ich nach etwa 100 Seiten den Eindruck hatte, dass die Geschichte ein wenig auf der Stelle trat, so ganz genau kann ich es gar nicht sagen.

Irgendwie begleitete mich einfach ein mulmiges Gefühl … Aus diesem Grund fiel es mir wohl dieses Mal auch nicht so schwer, nach 50, 60 Seiten das Buch wieder hinzulegen und mich anderen Dingen zu widmen.

Trotzdem habe ich natürlich weitergelesen, denn neugierig war ich schon. Und dies war eine gute Entscheidung, denn zu Beginn des letzten Drittels nimmt die Handlung an Fahrt auf und ich konnte endlich so in der Geschichte versinken, wie ich es von Anfang an wollte. Kurve erfolgreich gekratzt – das trifft es in diesem Fall für mich wohl am besten.

Besonders gut gefallen hat mir in diesem Buch auch die Idee, die dahinter steht. Ins Detail kann ich selbst verständlich jetzt nicht gehen (Das wäre ein böser Spoiler), aber wenn man sich damit auseinandersetzt, ergibt sich ein interessantes Gedankenspiel. Aufgrund der Thematik vermute ich, dass sie von Arno Strobel stammt.

Der Schreibstil ist flott und man kommt gut durch das Buch, auch wenn ich mich einige Male durch die Überlegung, wer von den beiden Ermittlern das neue Kapitel in der Ich-Form erzählt, kurz ausgebremst fühlte. Ob in diesem Fall das Hörbuch besser wäre, kann ich nur vermuten, aber zwei verschiedene Sprecher machen die Umstellung sicher einfacher.

Ein bisschen Kritik muss ich auch in Richtung des Antagonisten loswerden, dieser überzeugte mich dieses Mal nicht so ganz, obwohl ich hier ein kleine Überraschung erlebte, als ich herausfand, wer es war. Wie bereits bei “Anonym” gibt es auch hier einzelne Kapitel, die aus seiner Sicht geschrieben sind, die aber nicht unbedingt Aufschluss darüber geben, wer der Gegner sein könnte.

Das Finale lässt für mich keine Wünsche offen, ich konnte das Buch zufrieden zuklappen, obwohl einige kleine Handlungsfäden aus dem Privatleben der Ermittler offenbleiben. Es ist also zu vermuten, dass wir nicht das letzte Mal einen Fall zusammen mit den beiden Ermittlern lösen werden.

Mein Fazit:

Der neue Fall ist in meinen Augen nicht ganz so gut wie “Anonym” (Dieses Buch hat aber auch die Messlatte für mich sehr hoch gelegt), trotzdem hat es mir sehr viel Freude bereitet, Nina Salomon und Daniel Buchholz bei ihren neuen Ermittlungen zu begleiten. Sollte die Serie weitergehen, werde ich sicherlich wieder dabei sein.

  • ★★★★
  • Broschiert
  • 368 Seiten
  • Wunderlich
  • 978-3805200158
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