Rezension Ursula Poznanski – Elanus

Nach “Layers” legt Ursula Poznanski mit ihrem neuen Buch “Elanus” ein weiteres Buch nach, das im Technik-Umfeld spielt. Ging es bei Layers aber um Augmented Reality (Spätestens seit Pokemon Go sollte dieser Begriff nun in aller Munde sein :)), widmet sie sich dieses Mal Drohnen. Und greift damit ein Thema auf, das immer wieder Diskussionen sorgt. Daher habe ich wirklich mit zunehmender Ungeduld auf das Erscheinen dieses Buches gewartet …

Zum Inhalt:

Jona ist 17 und so etwas wie ein technisches Wunderkind. Dies ermöglicht ihm, mit einem Stipendium auf der Victor-Franz-Hess-Universität in Rothenheim Technomathematik zu studieren. Da er sich mit sozialen Kontakten eher schwer tut, wohnt er auf Wunsch seiner Eltern bei einer Gastfamilie. Mit im Gepäck: Seine Drohne Elanus, die er schon bald nutzt, um eine Kommilitonin, in die er sich verschaut, ein wenig auszuspionieren …

Meine Meinung:

Schon als ich das Cover das erste Mal gesehen und den Klappentext gelesen habe, wusste ich, dieses Buch wollte ich lesen :). Es passiert mir wirklich eher selten, dass ich auf das Erscheinen eines Buches derart hinfiebere, aber es versprach einfach alles, was ich an Büchern mag. Ich habe mir dieses Mal sogar die Leseprobe verkniffen, weil ich darauf vertraut habe, dass ich ein wirklich gutes Buch bekommen würde … Die ersten 150 Seiten habe ich dann auch mehr oder weniger gefressen, um dann etwas langsamer weiterzulesen, um die Geschichte richtig zu genießen.

Eines muss ich der Autorin wirklich zugute halten: Sie versteht es, die Spannung aufzubauen, mal hier, mal da einzelne Spannungsschnipsel einzuwerfen, die den Leser am Ball bleiben lassen. Schon bald will man einfach wissen, was da auf der Universität los ist, in welches Wespennest Jona mit seiner Drohne gestochen hat. Auf Details möchte ich jetzt gar nicht weiter eingehen, weil die meiner Meinung nach schon ein bisschen zu viel verraten. Wer sich übrigens viel technisches Know-How erwartet, sei gewarnt: Die Drohne ist mehr Mittel zum Zweck, um die Geschichte in Gang zu bringen. Theoretisch hätte Jona sicher auch andere Mittel finden können, um seine Umgebung zu beobachten und zu filmen …

Der Hauptcharakter Jona macht es mir allerdings nicht einfach. Fand ich seine Art auf den ersten Seiten noch ungewöhnlich und erfrischend, wurde seine “soziale Unverträglichkeit” mit der Zeit etwas anstrengend. Die Art und Weise, wie er über seine Gastfamilie und seine Studienkollegen immer wieder herzieht, machten ihn mit der Zeit immer weniger sympathisch. Sein unerschütterliches Vertrauen in seine überragende Intelligenz, seine mangelnde Geduld in die Unzulänglichkeiten anderer überzeugten mich nicht so ganz, dass er im Lauf der Geschichte doch zumindest zwei Personen findet, die er mag. Besonders in der zweiten Hälfte des Buches musste ich leider auch seine vielgepriesene Intelligenz in Zweifel ziehen, da verhielt er sich in meinen Augen doch einige Male relativ dumm.

Die zweite Hälfte des Buches ist es auch, mit der ich ingesamt weniger zufrieden war: Mit zunehmender Ungeduld vermisste ich erste echte Fakten, dagegen gab es weitere Fragen und Rätsel, die für noch mehr Verwirrung sorgten … Auch wenn ich mit der Zeit einen gewissen Verdacht hatte, lässt uns Ursula dieses Mal schon wirklich verdammt lang zappeln, was eigentlich los ist und warum sich alle Beteiligten so merkwürdig verhalten. Das Finale passiert eigentlich erst eher knapp vor dem Ende – und auch die Antworten auf die noch drängenden Fragen erhält der Leser erst auf den allerletzten Seiten. Das wirkte auf mich leider etwas hingeschustert, da wäre meiner Meinung nach definitiv mehr drin gewesen.

Ich will aber zum Schluss auch noch etwas Positives sagen: Einiges, was beispielsweise bei “Layers” wenig glaubwürdig rüberkam (Die Liebesgeschichte zum Beispiel), ist hier deutlich genauer und besser beschrieben. Hier kann der Leser deutlich besser nachvollziehen, wie und warum Jona das erste Mal echte Gefühle für jemanden entwickelt, weil sich die Handlung und damit das Kennenlernen der Charaktere langsamer aufbaut :). Kurz und gut: War “Layers” an manchen Stellen vielleicht zu rasant, war “Elanus” für mich das genaue Gegenteil :D.

Mein Fazit:

“Elanus” ist erfrischend anders als das, was derzeit auf dem Jugendbuch-Sektor so beliebt ist. Trotz Jonas schwierigem Charakter und der sich eher langsam aufbauenden Spannung habe ich den Roman wieder einmal verschlungen, weil ich Ursulas Schreibstil mag. Der Schluss schwächelt allerdings in meinen Augen, das hätte man besser lösen können, finde ich.

  • ★★★★
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Rezension Fredrik T. Olsson – Das Netz

Fredrik T. Olsson ist mir schon mit seinem Roman “Der Code” aufgefallen. Mittlerweile ist bereits das zweite Buch von ihm – “Das Netz” – bei Piper erschienen, welches ich jetzt dank Netgalley als Rezensionsexemplar lesen durfte … Vielen Dank dafür!

Zum Inhalt:

William Sandberg, ehemaliger Kryptologe beim schwedischen Militär, bekommt eine mysteriöse Nachricht, dass er sich am Bahnhof mit jemandem treffen soll. Wer derjenige ist und warum er um ein Treffen bittet, ist mysteriös. Als William am Bahnhof eintrifft, ist alles ganz anders: Der Unbekannte taucht nicht auf, dafür aber die Polizei, die Sandberg verhaftet. Und noch während Sandberg verhört wird, fällt in ganz Südschweden der Strom aus …

Meine Meinung:

Ich gebe zu, ich hatte am Anfang so meine Probleme, in die Geschichte einzusteigen. Olsson pflegt einen recht eigenwilligen Schreibstil, verwendet recht ungewöhnliche Metaphern, die mich mehr als einmal beim Lesen innehalten ließen und überlegen, ob ich das auch so sagen würde …

Darüber hinaus bleiben viele Dinge relativ lange im Dunkeln. Wer ist beispielsweise der Mann, der ganz am Anfang im Prolog umkommt? Und warum? Die Antwort auf diese Frage bekommt der Leser, aber erst relativ spät.

Dafür nimmt sich Olsson viel Zeit, die Charaktere einzuführen. Der Hauptcharakter William Sandberg erinnerte mich zeitweise an die depressiven und gebrochenen Kommissare der Skandinavienkrimis (Hier scheint Olsson wohl von Krimi schreibenden Kollegen geprägt worden zu sein?). Seine Ehe ist kaputt, seine Frau Christina von Zuhause ausgezogen und die gemeinsame Tochter lebt auf der Straße und hat keinen Kontakt zu den Eltern mehr.

Kommt die erste Hälfte des Romans eher ruhig und bedächtig daher, obwohl immer wieder mit Action-Sequenzen durchsetzt, wird es in meinen Augen erst ab der zweiten Hälfte so wirklich interessant, weil man nun die ersten Antworten auf die Fragen bekommt.

Das war für mich auch der Zeitpunkt, wo ich merkte, dass es mir immer schwer fiel, das Buch wegzulegen. Da die einzelnen Kapitel nicht übermäßig lang waren, ging mir immer wieder der Gedanke “Ein Kapitel geht schon noch” durch den Kopf 🙂 … Denn ab hier nimmt die Geschichte dann auf einmal eine Wendung, die ich so persönlich nicht kommen habe sehen. Zu sehr ins Detail will ich jetzt nicht gehen, weil das sonst einem Spoiler gleich kommen würde, aber ich musste mehrmals an einen sehr bekannten SF-Action-Film der 80er Jahre denken :).

Das Ende war irgendwie nicht ganz nach meinem Geschmack, gebe ich zu. Es war zwar realistisch, denn ja, so würden wir Menschen uns verhalten, aber ein Teil von mir hat sich trotzdem gewünscht, dass es anders – positiver – enden würde. Nichtsdestotrotz hat es mich nachdenklich zurückgelassen und ich habe ein wenig darüber nachgedacht, was wohl wäre, wenn so etwas wirklich passieren würde :).

Mein Fazit:

Ein ungewöhnlicher Roman, bei dem auch ein klein wenig SF in die Geschichte vermischt ist, dem man aber vor allem am Anfang viel Zeit geben muss. Es braucht eine Weile, ehe man wirklich versteht, worauf der Autor am Ende hinaus will.

  • ★★★★
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Rezension Ursula Poznanski & Arno Strobel – Fremd

Schon vor längerer Zeit landete dieses Buch auf meiner Wunschliste, denn alles, was Ursula Poznanski herausbringt, wird von mir einer genaueren Musterung unterzogen. Ein kleines bisschen Fangirl bin ich halt doch mittlerweile 😀 … Ich kenne zwar kein Buch von Arno Strobel, mit dem sie “Fremd” zusammen geschrieben hat, aber neugierig war ich trotzdem.

Während der Frankfurter Buchmesse fand das Buch dann seinen Weg zu mir, sogar signiert von den beiden :). Wer das Buch übrigens noch nicht kennt, sollte vielleicht lieber nicht meine Rezi bis zum Ende lesen, da ich zumindest am Ende ein klein wenig spoilere …

Zum Inhalt:

Joanna, gebürtige Australierin, lebt schon längere Zeit in Deutschland, weil sie den Bevormundungen ihres Vaters entkommen möchte. Eines Abends hört sie Lärm in der Diele und ein ihr unbekannter Mann steht vor ihr, der ihr sagt, dass er ihr Verlobter sei und mit ihr zusammen in ihrem Haus wohne. Allerdings sind keinerlei Gegenstände des Fremden im Haus zu finden …

Erik kommt am selben Abend nach Hause und versteht die Welt nicht mehr. Nach einem anstrengenden Tag im Büro erkennt ihn auf einmal seine Verlobte nicht mehr und fürchtet sich vor ihm. Als er ihr beweisen möchte, dass sie sich gut kennen, flüchtet Joanna in ihr Zimmer verbarrikadiert sich.

Meine Meinung:

Der Inhalt spiegelt in etwa die Ausgangssituation wieder. Einer von beiden irrt sich offensichtlich und der Leser darf sich frisch von der Leber weg an dem Geschehen beteiligen, um herauszufinden, was eigentlich los ist.

Während die ersten Seiten vor allem von der Situation leben, wer die Wahrheit sagt und was wohl der Grund für das ganze Durcheinander sein könnte, zieht die Handlung relativ rasch an und man begleitet Joanna und Erik auf der Suche nach der Auflösung.

Jedes Kapitel ist dabei relativ kurz gehalten und man bekommt die Geschichte abwechselnd aus der Sicht von Joanna (Diese Kapitel stammen von Ursula) und aus der Sicht von Erik (Arnos Kapitel) erzählt. Diese zum Teil recht rasche Erzählerwechsel führten an einigen Stellen dazu, dass ich nicht immer gleich gemerkt habe, dass der “Ich”-Erzähler nun wieder der andere Protagonist war, aber im Großen und Ganzen kam ich trotzdem gut mit.

Nach der Hälfte hatte ich relativ bald einen Verdacht, was los sein dürfte, da bekommt man als Leser immerhin die ersten Hinweise gestreut. Gleichzeitig war dies allerdings auch der Punkt, wo ich begann mich zu fragen, welches Ziel die beiden Autoren mit ihrer Geschichte eigentlich ansteuern …

Je weiter die Geschichte fortschritt, desto mehr hatte ich an einigen Stellen das Gefühl, dass die Handlung an einigen Stellen etwas konstruiert wirkte. Vor allem fragte ich mich immer mehr, was der Auftakt der Geschichte eigentlich mit dem zu tun hatte, wo die Geschichte hinging.

Der Schluss kommt dann relativ rasch und bringt noch einmal eine gehörige Portion Action ins Geschehen, auch für mich ein Punkt, der mir nach dem relativ ruhigen Start ein wenig too much war. Der Epilog schlussendlich sorgt dafür, dass das Buch ein etwas offenes Ende hat, obwohl man alles erfahren hat, was man wissen wollte.

Mein Fazit:

Ein durchaus gelungener Auftakt des Autorenduos Poznanski & Strobel, von dem ich mir aber doch ein klein wenig mehr erwartet habe. Obwohl gut und solide geschrieben, wirkte die Handlung an manchen Stellen auf mich ein wenig zu konstruiert, um mich wirklich total in das Buch zu ziehen … Daher knappe vier Sterne von mir.

  • ★★★★
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Rezension Andreas Gruber – Racheherbst

“Racheherbst” ist der zweite Teil der Reihe um Walter Pulaski und Evelyn Meyers. Damit stellt das Buch die Fortsetzung zu “Rachesommer” dar. Wer das erste Buch nicht kennt, muss sich aber keine Sorgen machen.

Es gibt zwar einige Anspielungen auf Teil 1, der erste Band hat aber keine direkten Auswirkungen auf Teil 2. Ihr könnt das Buch also auch ohne Kenntnis des ersten Buchs mit gutem Gewissen genießen :).

Mein Dank geht hier an das Bloggerportal bzw. den Goldmann-Verlag, dass ich das E-Book dieses Mal so schnell auf meinen Reader überspielen konnte.

Zum Inhalt:

In Leipzig wird die Leiche einer jungen Frau eingeklemmt in eine Schiffsschraube gefunden. Bei der Untersuchung stellt sich heraus, dass die Tote eine Ausreißerin und Drogensüchtige war. Walter Pulaski, ehemaliger Angestellter des LKA und jetzt beim Kriminaldauerdienst, wird mit dem Fall betraut. Im Gegensatz zu seinen Kollegen wird ihm bald klar, dass hier mehr dahinter stecken muss und er beginnt zusammen mit Mikaela, der Mutter der Toten, zu ermitteln. In Wien übernimmt Evelyn Meyers ein neues Mandat für einen angesehenen Arzt und ahnt nicht, was sie damit für sich und Pulaski heraufbeschwört …

Meine Meinung:

Das Buch lässt sich wie immer rasch und flüssig lesen, Andreas Gruber schreibt nicht extrem schwer. Im Gegensatz zum ersten Teil, wo Gruber seinem Schema “Zwei Ermittler an verschiedenen Orten” gefolgt ist, bricht er hier dieses Schema jedoch etwas auf, indem er die Mutter des ersten Opfers zusätzlich in den Vordergrund stellt.

Das ist ungewöhnlich, macht es aber durchaus spannend, auch wenn ich der Frau aufgrund ihrer Dickköpfigkeit und ihrer fragwürdigen Einstellung zu fremdem Eigentum ab und zu gerne mal die Meinung gesagt hätte :D. Pulaskis Reaktion fand ich hier schon sehr nachsichtig, das passt irgendwie gar nicht zu ihm. Die Erklärung, dass Mikaela ihn an seine verstorbene Frau erinnert, war mir außerdem ein wenig zu vage.

Auch habe ich mich gefragt, wie eine Leiche ein Jahr lang (wenn ich es richtig verstanden habe, denn ich kam einige Male mit den Rückblenden etwas durcheinander) auf einem Schrottplatz liegen kann, ohne dass sie jemand findet. Hätte man das nicht irgendwann einmal riechen müssen? Und wieso sie mumifiziert war, konnte ich auch nicht ganz nachvollziehen …

Die Figur des Mörders jedoch fand ich grandios. Wie man wohl gerade auf so eine Idee kommt? Zu viel ins Detail möchte ich an dieser Stelle nicht gehen, weil es sonst einen Spoiler darstellen würde – aber: Hut ab! Gruselig, krank – und doch irgendwie faszinierend, das ist, was ich mag :D.

Die Geschichte entwickelt sich wie gewohnt langsam und steigert sich dann von Kapitel zu Kapitel. An manchen Stellen darf man nicht wirklich zart besaitet sein (besonders wenn es um die Auseinandersetzungen zwischen Mikaela und ihrem Ehemann geht). Jeder Abschnitt endet mit einem Cliffhanger, bevor er die Perspektive wechselt – das führt dazu, dass man irgendwie imer weiter und weiter liest und es immer schwerer fällt, das Buch zur Seite zu legen …

Das Finale empfand ich persönlich als ein bisschen too much, passte aber irgendwie trotzdem zu der Geschichte und zu der Entwicklung, die der Mörder durchgemacht hatte (sprich: zu seiner etwas verqueren Lebensanschauung).

Mein Fazit:

“Racheherbst” ist ein tolles Buch, das mich sehr gut unterhalten hat und das ich im Nu an einem Tag ausgelesen habe, da es mich einfach nicht losließ :D. Einige kleine Schwächen verzeihe ich da gerne, da Gruber einfach weiß, wie man einen guten Thriller aufbaut und die Leser bei der Stange hält.

  • ★★★★
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Rezension Melanie Raabe – Die Falle

Dank Vorablesen habe ich vor einiger Zeit ein signiertes Exemplar von “Die Falle” gewonnen. Nochmal nachträglich vielen Dank dafür, denn es ist mir schon lange nicht mehr passiert, dass ich ein Buch tatsächlich innerhalb eines Tages ausgelesen habe :).

Zum Inhalt:

Linda Conrads, erfolgreiche Schriftstellerin, lebt seit über 10 Jahren sehr zurückgezogen in ihrem Haus am Starnberger See. Seit ihre Schwester ermordet wurde, vermeidet sie den Kontakt zu anderen Leuten, so gut es geht, und lässt sich alles, was sie zum Leben braucht, ins Haus bringen.

Eines Tages wird sie allerdings aus diesem Leben herausgerissen, als sie den Mörder ihrer Schwester im Fernsehen sieht. Da sie ihr Haus nicht mehr verlässt, fasst sie den Entschluss, dem Mörder eine Falle zu stellen und ihn zu einem Geständnis zu zwingen …

Meine Meinung:

Der Roman beginnt fast leise und sehr langsam, der Leser erfährt, wie Linda sich ihr Leben in dem Haus eingerichtet hat, das sie schon so lange nicht mehr verlassen hat. Dann die TV-Sendung und Linda bekommt einen kleinen Schock – der Mörder ihrer Schwester ist im Fernsehen!

Spätestens hier ist der Zeitpunkt, wo man beginnt, mit Linda mitzufiebern. Gelingt es ihr, den Mann aus ihren Erinnerungen zu einem Geständnis zu bewegen? Oder sieht die Wirklichkeit ganz anders aus? Linda ist traumatisiert, an vielen Stellen merkt man das als Leser ganz deutlich.

Die Darstellung der Gefühle der “Heldin” ist meiner Meinung nach auch eine der ganz großen Stärken des Buchs. Die Art und Weise, wie man Dramatik und Spannung erzeugt, beherrscht Melanie Raabe ganz vorzüglich. Lange, lange Sätze, zum Teil kurz und abgehackt, immer nur durch Beistriche getrennt – das erzeugt einen Sog, dem man sich als Leser nicht entziehen kann. Auch wenn ich persönlich nicht auf solche “Bandwurmsätze” stehe, konnte ich nicht mehr aufhören zu lesen, bin schneller und schneller durch die Seiten geflogen …

Was mir nicht so gut gefallen hat, muss ich gestehen, war der Aufbau der Handlung. Eine erste Klimax hat der Roman etwa zu Beginn des letzten Drittels. Danach war ich erst einmal ratlos … Was würde jetzt noch kommen? Zuerst verläuft die Handlung eher ruhig, bis man zusammen mit Linda herausfindet, dass Wahrheit nicht immer Wahrheit bedeutet.

Der Schluss hat mir persönlich jetzt auch nicht so zugesagt, im Gegenteil, zum Rest des Buches war diese Ende fast ein bisschen … klischeehaft. Ein bisschen 0815-Krimi eben – und an einer ganz bestimmten Stelle habe ich sogar laut “Nein” geschrien, von wegen das passiert jetzt aber nicht wirklich, wo doch der Anfang sooo genial war.

Mein Fazit:

Ein wunderbar spannendes Buch, dessen Inhalt mich wirklich richtig gefesselt hat. Der Schluss ist zwar nicht nach meinem Geschmack, aber das tut meinem insgesamt sehr positiven Eindruck keinen Abbruch. Klare Leseempfehlung!

  • ★★★★
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Rezension Paula Hawkins – The Girl on the Train

“The Girl on the Train” ist das erste Buch, um das ich mich bei “Blogg dein Buch” beworben habe. Ich hatte bereits vorher einiges darüber gelesen, unter anderem, dass es eine Mischung aus “Gone Girl” und “Das Fenster zum Hof” sein sollte. Gut, “Gone Girl” fand ich als Film nicht gut, aber “Das Fenster zum Hof” war einer der genialsten Hitchcock-Filme überhaupt – da konnte ich einfach nicht nein zu diesem Rezensionsexemplar von “Penguin Random House UK” sagen :).

Zum Inhalt:

Rachel ist Alkoholikerin, hat ihren Job verloren und pendelt trotzdem jeden Morgen mit dem Zug nach London, da sie ihrer Vermieterin nicht eingestehen möchte, dass sie arbeitslos ist. Auf dem Weg beobachtet sie dabei immer wieder ein Paar, das sie für sich Jess und Jason getauft hat. Eines Tages ist Megan (So heißt Jess in Wirklichkeit) jedoch verschwunden – und Rachel hat verworrene Erinnerungen, in den Megan immer wieder auftaucht …

Meine Meinung:

Paula Hawkins schreibt einfach und flüssig, das machte es mir nicht schwer, in die Geschichte hineinzukommen. Die Handlung wird aus der Sicht von drei Frauen erzählt: Rachel, Megan und Anna. Jede der drei hat ihre ganz persönlichen Geheimnisse, die erst nach und nach enthüllt werden – man darf also nicht erwarten, einen Thriller zu lesen, der einem den Puls in die Höhe treibt! Im Gegenteil, die Geschichte entwickelt sich sehr langsam und gemächlich, man taucht nach und nach in die Welt der drei Frauen ein und erfährt, woher sie sich kennen und warum.

Während Annas und Rachels Perspektive die Gegenwart erzählen, beginnt Megan ihre Geschichte etwa ein Jahr vor ihrem Verschwinden – dies war mir nicht gleich so deutlich bewusst, deswegen musste ich einige Male beim Lesen hin und her blättern, um ihre Entwicklung zeitlich richtig einordnen zu können.

Alle drei Frauen sind keine richtigen Sympathieträger, den jede hat etwas an sich, trotzdem oder gerade deswegen wollte ich unbedingt wissen, wer in dieser Schlangengrube denn nun die größte Schlange sein würde … Je weiter die Handlung fortschreitet, desto deutlicher wird, wie viele Emotionen (gute wie schlechte) in den handelnden Personen brodeln – Megans Verschwinden stellt sowas wie eine Explosion der Gefühle dar, aber das erfährt man erst nach und nach. In diesem Zusammenhang erinnerte mich das Buch auch ein wenig an “Desperate Houswives”, muss ich gestehen :D.

Im Gegensatz zu “Gone Girl” weist das Buch übrigens am Ende keinen großen Twist auf, dafür aber viele kleine … Sogar auf der letzten Seite gibt es noch einen!

Mein Fazit:

Ich kann gut verstehen, warum “The Girl with the Train” so gelobt wird und warum sich DreamWorks die Rechte an dem Buch gesichert hat. Warum ich keine fünf Sterne vergebe, hängt eigentlich nur damit zusammen, dass ich zwischendurch aufgrund der zeitlichen Sprünge ein Problem hatte, die Details richtig einzuordnen. Dass ich blättern musste, führte leider dazu, dass es mir zwischendurch schwerfiel, so richtig tief in die Geschichte einzutauchen …

  • ★★★★
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Rezension Jo Nesbø – Der Sohn

Mein erster Nesbø! Der Name ist ja Thriller-Lesern hinlänglich bekannt, umso mehr freute ich mich, einen Nesbø zu lesen, der ohne seinen bekannten Kommissar auskommt. Dachte mir eben, dass das einfacher ist für einen Einstieg :).

Zum Inhalt:

Sonny Lofthus sitzt seit 12 Jahren im Gefängnis. Eines Tages erfährt er durch einen Mitgefangenen, dass sein Vater gar nicht korrupt und deswegen unschuldig zu Tode gekommen ist. Das Ergebnis: Er bricht aus und startet einen beispiellosen Rachefeldzug an denen, die er für die Schuldigen am Tod seines Vaters hält …

Meine Meinung:

Die Idee eines Anti-Helden, der auf eigene Faust loszieht, Bösewichter auszuschalten und sich dabei nicht an das Gesetz hält, ist uralt. Man denke da nur an gewisse Westernfilme 😉 …. Trotzdem fand ich die Idee interessant genug, dass ich beschloss, “Der Sohn” als meinen ersten Nesbø auszuwählen.

Der Einstieg in die Geschichte ist mir allerdings etwas schwer gefallen, aber nicht wegen des Schreibstils, der eigentlich relativ einfach gehalten ist. Nein, was mir Schwierigkeiten bereitete, waren die vielen für die Handlung an sich eher unbedeutenden Charaktere, die Nesbø nutzt, um Sonnys Weg in Freiheit nachzuzeichnen.

Zeitweise erinnerte mich das Buch an diverse Tarantino-Filme, ob Nesbø und Tarantino sich kennen? Ich traue mich zwar zu wetten, dass bei Tarantino noch mehr Blut spritzt als bei Nesbø, aber zartbesaitet darf man bei diesem Buch auch nicht sein. Zeitweise geht Lofthus auf jeden Fall richtig brutal vor, um seine Opfer zu bestrafen (Und wieder lassen die Anti-Helden der Westernfilme grüßen!).

Ab der Mitte des Romans wird es dann richtig spannend. Da Sonny nicht als eiskalter Killer gezeichnet wird, entwickelt man trotzdem rasch Sympathien für ihn und man wünscht sich, dass er sein Ziel erreicht und die Mörder seines Vaters bestraft …

Ganz gut hat mir auch eine bestimmte Wendung gegen Ende gefallen, auch wenn ich sie im letzten Drittel bereits kommen sehen habe. In gewisser Weise war diese Wendung notwendig, denn wer sollte sonst die Rolle des Maulwurfs bei der Polizei innegehabt haben?

Mein Fazit:

“Der Sohn” ist ein mitreißender Roman, der aber am Anfang durch die unterschiedlichen Perspektiven etwas verwirrend ist. Erst später geht Nesbø dazu über, diese nicht mehr so oft zu wechseln, dann endlich nimmt das Buch an Fahrt auf und wird zu einem Thriller, den man nicht mehr aus der Hand legen kann.

  • ★★★★★
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