Vom SuB befreit

Vom SuB befreit: Menschenfischer

Ich hab mich mal wieder eines Buchs erbarmt, dass jetzt schon über ein Jahr sein Dasein auf meinem kleinen SuB gefristet hat. Seit ich vor ein paar Jahren auf die Marthaler-Krimis von Jan Seghers aufmerksam wurde, habe ich die Reihe verfolgt bzw. mir auch die Verfilmungen mit Matthias Koeberlin als Marthaler gern angesehen. Aber mit dem Lesen der Bücher hinke ich irgendwie immer hinterher (und das, obwohl im Jänner nun ein neues Buch – “Der Solist” – mit einer neuen Hauptfigur erscheinen wird).

“Die Braut im Schnee”, das zweite Buch der Reihe”, war sozusagen mein Einstieg – und dieses Buch wird mir schon deswegen immer in Erinnerung bleiben, weil ich bei einem der beschriebenen Fundorte der Toten tatsächlich schon einmal war …

1. Welches Buch hast du gerade vom SuB befreit?

Leider dürfte “Menschenfischer”, der sechste Band aus der Reihe, aber wohl auch der letzte gewesen sein, denn wie ich gesehen habe, nimmt sich Seghers nun anderer Themen an. Aber bekanntlich stirbt die Hoffnung ja zuletzt 😀 .

In diesem Band geht es um ein sehr brisantes Thema, nämlich Menschenhandel. Den Anfang macht die Geschichte allerdings mit einem “Cold Case” aus den späten 1990er Jahren.

1998: Man hatte dem Jungen die Kehle durchgeschnitten, ein Stück Fleisch aus dem Oberschenkel entnommen, die Hoden abgetrennt. Spielende Kinder entdecken die Leiche. Der Mord an Tobias Brüning löst eine der größten Polizeiaktionen der Nachkriegsgeschichte aus. Obwohl es ein Phantombild gibt, wird der Täter nie gefasst.

2013: Kommissar Marthaler erreicht aus der französischen Kleinstadt Marseillan der Hilferuf seines alten Kollegen Rudi Ferres. Angeblich sind neue Spuren im Fall Brüning aufgetaucht. Marthaler fährt ans Mittelmeer, um Akten und Fall zu übernehmen. Schon bald gibt es einen neuen Hinweis. Und endlich auch einen Namen.

Die Spur führt in ein finsteres Tal am Rhein, nicht weit von der Loreley. Dort sind gerade zwei Roma-Jungen spurlos verschwunden. Kommissarin Kizzy Winterstein, selbst eine Romni, befürchtet das Schlimmste. Und tatsächlich findet man die beiden Kinder tot.
Erst wenig glücklich über die Ermittlungen des Frankfurter Kollegen auf ihrem Gebiet, begreifen Marthaler und Winterstein bald, dass sie am selben Fall arbeiten. Und es mit einer Bande brutaler Menschenhändler zu tun haben.

2. Warum ist das Buch auf deinen SuB gewandert?

Verfilmt wurden insgesamt die ersten fünf Bücher, “Menschenfischer” allerdings nicht mehr. Daher besorgte ich es mir in der festen Absicht, es nach dem Schauen des letzten Films dann zu lesen – aber dazu ist es dann einfach aus den unterschiedlichsten Gründen nicht mehr gekommen.

3. Weshalb hast du es jetzt gelesen?

Eigentlich ist der Grund recht banal. Ich wollte einfach mein älteste SuB-Leiche vom Stapel nehmen, ehe weitere neue Bücher dazukommen 😀 . Ich habe zwar noch ein weiteres Buch von 2019 bei mir liegen, aber das ist erst Ende des Jahres eingezogen.

4. Was hat dir an dem Buch gefallen / nicht gefallen?

Marthaler ist zeitweise das, was man auf gut Österreichisch einen “Ungustl” nennen würde. Trotzdem mag ich ihn und seine Geradlinigkeit irgendwie, auch wenn er als Arbeitskollege sicher nicht einfach sein dürfte. Deswegen fand ich es auch sehr schön, dass er in diesem Buch quasi eine Partnerin an die Seite bekommt, die ihm durchaus gewachsen ist. Das wäre wirklich spannend, hier weitere Geschichten mit dem ungleichen Duo zu lesen …

Gut gefallen hat mir auch, dass der Autor einen realen Mord als Vorbild für Tobias Brüning in sein Buch eingebracht hat. In Wirklichkeit hieß der Junge Tristan Brübach – und auch für den Kommissar, den Seghers über die Jahre an dem Fall ermitteln hat lassen, gibt es ein Vorbild in der Wirklichkeit (Die Ähnlichkeit der Namen im Buch und im echten Leben ist nämlich bestimmt kein Zufall!). Im Gegensatz zum Buch ist allerdings der echte Mord nach über 20 Jahren nach wie vor ungelöst.

Weniger gefallen hat mir ehrlich gestanden der Klappentext, er verrät für meinen Geschmack schon wieder fast zu viel von dem Buch. Haben die Verlage Angst, dass ihre Bücher sonst nicht gekauft werden, oder wie?

Wenn man es genau nimmt, ist auch der Bogen, den der Autor über die gesamte Geschichte spannt, ein wenig unrealistisch. Das war mir am Ende fast ein bisschen zu dick aufgetragen, da hätte ich es glaube ich sogar in Kauf genommen, wenn es ein paar lose Enden gegeben hätte … Aber trotzdem hat es mir Spaß gemacht, Marthaler auf seinem bislang letzten Abenteuer zu begleiten, da will ich mal nicht so sein.

5. Wie hast du das Buch bewertet?

Würde ich halbe Sterne vergeben, wären es 3,5 Sterne geworden, so habe ich auf vier Sterne aufgerundet, weil mir drei aber doch zu wenig gewesen sind.

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5 Kommentare

  • christin

    Oh, ich dachte im ersten Moment, es ist ein andres Buch. Helene Henke hat auch ein Buch mit den Titel geschrieben.
    Das hier klingt eigentlich interessant, vor allem der Bezug zu einem echten Fall.
    Nur, die Unrealistik schmeckt bitte 🙁

    Von dem stammt eigtl die Aktion? Deine eigne?
    Überlege so was auch ma wieder zu machen und mag die Aufteilung.

    • Ascari

      Hi!

      Ich geb zu, ich hab so ein bissl eine Schwäche für diese Reihe, das sind wenigstens mal Krimis, die über das Schema F der Regio-Krimis hinausgehen (“Menschenfischer” ist nicht das erste, wo der Autor sich einen TrueCrime-Hintergrund gesucht hat) – und trotzdem an manchen Stellen so detailgenau beschrieben sind, dass man die Orte in Frankfurt aufsuchen kann.

      Und ja, ist meine eigene Aktion 🙂 . Hab mir die mal ausgedacht, weil ich ab und zu auch mal ältere Bücher vorstellen wollte, aber ohne gleich ne “klassische” Rezension zu schreiben, die ja manchmal bei mir ein bisschen länger werden können 😀 …

      Liebe Grüße
      Ascari

  • Livia

    Hallo liebe Ascari

    Aus der Reihe habe ich vor Jahren einmal “Die Braut im Schnee” gelesen und habe erst jetzt – beim Lesen deiner Rezension – realisiert, dass das überhaupt eine Reihe ist. Ich erinnere mich vage, dass mir “Die Braut im Schnee” sehr gut gefallen hat. Vielleicht sollte ich mir die Reihe noch einmal näher ansehen und nach und nach ergänzen.

    Alles Liebe
    Livia

    • Ascari

      Hey, da haben wir ja etwas gemeinsam! Ich wusste anfangs auch nicht, dass es eine Reihe ist, aber offensichtlich war sie erfolgreich genug, um nach und nach verfilmt zu werden. Allerdings ist die Reihenfolge der Fernsehkrimis nicht identisch mit der der Bücher, das ist anfangs ein bisschen irreführend für mich gewesen … Die Bücher bauen ein wenig aufeinander auf, aber es ist meiner Meinung nach nicht so tragisch, wenn man einen Band daraus nicht gelesen hat, weil zumindest die Kriminalfälle immer abgeschlossen sind.

      Liebe Grüße
      Ascari

  • Tanja von Der Duft von Büchern und Kaffee

    Hallo liebe Ascari,
    als ich die Inhaltsbeschreibung gelesen habe, wusste ich sofort wieder, warum ich eigentlich keine Krimis/Thriller lese. Das ist mir doch ein wenig zu gruselig. ;o) Nichts destotrotz klingt der Klappentext auch spannend und wenn du die Filme gesehen hast, dann verstehe ich sehr gut, dass du das Buch sehr gerne lesen wolltest. Schade finde ich, dass dir durch den Klappentext einiges genommen wurde. Ich hatte es auch schon gelegentlich, dass ich mich durch den Klappentext gespoilert gefühlt habe. Das kann einem im schlimmsten Fall ein gutes Stück Lesefreude nehmen.

    Ich wünsche dir einen schönen Abend.

    Liebe Grüße
    Tanja

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