Was macht einen guten Krimi aus?

Genau diese Frage stellt Joyce Summer bei ihrer Blogparade auf ihrem Blog (Ihr erinnert euch vielleicht an ihr Buch “Mord auf der Levada”, ich habe es hier rezensiert). Da konnte ich natürlich nicht nein sagen und haben mir ebenfalls ein paar Gedanken dazu gemacht, wie für mich der ideale Krimi aussieht.

Lieber Cosy oder Hard Core?

Muss ein Krimi vor Blut und Leichen nur so überquellen? Oder darf es auch gemütlich zu gehen? Wollt ihr den Tod in all seiner Deutlichkeit beschrieben haben? Soll ein Krimi Gänsehaut und schlaflose Nächte bereiten?

Blut und Leichen überlasse ich ehrlich gestanden lieber dem Thriller-Genre. Da passt es (meistens) hin. Beim Krimi mag ich es lieber etwas beschaulicher. Ein Tote(r) sollte natürlich dabei sein, ansonsten hat der oder die ErmittlerIn ja keinen Grund, aktiv zu werden. Aber deswegen muss es kein spektakulärer Mord sein, wo man vielleicht hinterher den Toten nur noch in Einzelteilen findet.

Jedes Detail brauche ich da auch nicht, ein kleines bisschen darf hier ruhig der Phantasie überlassen sein. Selbst bei meinen Thrillern muss das nicht sein, da ich nach wie vor der Meinung, dass der Thrill im Kopf entsteht – und nicht alleine durch detailverliebte mörderische Beschreibungen … Die Gänsehaut überlasse ich hier auch lieber den Thrillern, das finde ich, ist in diesem Genre besser aufgehoben.

Wie sollen die Charaktere sein?

Brauche ich Protagonisten, mit denen ich mich identifizieren kann? Oder kann der Kommissar, Ermittler oder – wer auch immer das Verbrechen aufklären will – unsympathisch, gebrochen oder sogar selber kriminell sein?

Die Charaktere spielen meiner Meinung nach eine wichtige Rolle! Egal, ob es nun um den (noch) unbekannten Antagonisten oder die ermittelnde Person geht, ich möchte mit diesen Figuren mitleben. Der oder die MörderIn muss deswegen auch per se nicht böse sein, es gibt viele Gründe, warum man tötet, da finde ich es auch in Ordnung, wenn ich am Ende Sympathien für den Antagonisten entwickle (Vielleicht weil die getötete Person wirklich ein Ekelpaket war oder so).

Die Figuren müssen deswegen auch keine Superhelden sein (Okay, ein bisschen Grips sollten sie schon haben, nur mit Glück die Lösung zu finden, ist ein wenig unglaubwürdig), dürfen Fehler machen und ihre Ecken und Kanten haben, solange sie liebenswürdig bleiben. Ich weiß, gerade seit Mankell ist der grüblerische oder grantelnde Kommissar sehr IN, aber ich habe mich mittlerweile an diesen Charakteren satt gelesen. Genauso wie ich die ewige Sozialkritik bei den Plots nicht mehr sehen oder hören mag (Die hab ich im echten Leben und in den Medien schon kiloweise).

Welche Rolle spielt der Ort des Geschehens?

Wie wichtig ist euch der Ort des Geschehens? Soll der Autor den Ort genau beschreiben? Oder spielt er eher eine untergeordnete Rolle? Mögt ihr lieber Krimis, die in warmen Ländern spielen?
Oder den Krimi, der in der Heimat, im Ort um die Ecke spielt, so dass man vielleicht etwas wiedererkennt? Oder doch lieber den klassischen Skandinavien Krimi?

Beim Ort hab ich keine durchgängige Meinung. Das hängt sehr stark davon ab, zu welcher Art Krimi ich greife. Wenn es ein Regiokrimi ist, dann erwarte ich schon, auch etwas von der Gegend zu lesen, wo der Krimi spielt. Dann möchte ich das Gefühl haben, dort zu sein, Land und Leute kennenzulernen, beim Lesen die kulinarischen und kulturellen Genüsse zu erfahren. Einfach im Geiste reisen :). Und dabei dürfen es auch durchaus Orte sein, wo vielleicht bisher noch kein Krimi gespielt hat – Verbrechen gibt es schließlich überall.

Ich mag aber auch Krimis, wo der Ort eher in den Hintergrund tritt. Katharina Peters beispielsweise schreibt solche Krimis. Die spielen zwar alle in Deutschland, aber nicht immer am selben Ort, weil die Autorin die Kommissarin reisen lässt. Und in der Regel steht auch der Fall, an dem die Ermittlerin arbeitet, im Vordergrund – und nicht der Ort.

Zu den nordischen Krimis muss ich auch sagen, dass ich von denen wieder abgekommen bin. Dieses düstere Element, dass diese Bücher wie ein roter Faden durchzieht, ist derzeit nicht meins. Was aber nicht heißen soll, dass sich das nicht wieder irgendwann ändert oder ich vielleicht eine Ausnahme mache :).

Und was ist mit der Stimmung?

Soll der Krimi eher düster sein? Oder darf es auch mal mit einem Augenzwinkern zu gehen?

Okay, bei der Antwort auf die Frage hab ich jetzt wohl schon ein wenig vorgegriffen … Düster finde ich nicht wirklich schlecht, ich habe nur das Gefühl, dass das mittlerweile schon so abgegriffen ist, dieses Stilelement, dass es mich einfach nicht mehr anspricht.

Da bin ich im Vergleich tatsächlich lieber auf der humorvollen Seite zuhause. Natürlich ist ein Krimi nicht primär eine Komödie, aber so richtig bierernst muss es auch nicht die ganze Zeit zugehen. Selbst der Kommissar darf Humor haben, finde ich, solange er im richtigen Moment wieder ernst wird :).

Wollt ihr einen realen Bezug?

Kann der Krimi völlig der Fantasie des Autors entspringen, oder mögt ihr es lieber, wenn es einen realen Bezug auf reale Ereignisse und Personen gibt?

Den realen Bezug finde ich spannend, warum auch nicht? Aber er muss dann auch wirklich exzellent recherchiert und gut in die Geschichte eingebaut sein, damit es nicht zu konstruiert und an den Haaren herbeigezogen wird. Daher ist mir das nicht so wichtig, auch wenn ich es mag. Die Geschichte selbst muss stimmen, der reale Bezug ist da eher sekundär.

Seid ihr Mitrater?

Wie steht es damit? Soll der Täter eine der Hauptfiguren sein? Die Hinweise im Text so, dass man die Chance hat mitzuraten? Oder spielt das keine Rolle und auch wenn der Mörder jemand ist, der erst am Ende des Buches eingeführt wird, nehmt ihr das dem Autor nicht übel?

Mitrater bin ich fast immer :). Das ist mir mittlerweile schon so in Fleisch und Blut übergegangen, dass das fast unbewusst passiert. Ich bin hier auch entsetzlich schlecht, das weiß ich, deswegen freut es mich nie, wenn sogar ich vor dem Ende weiß, wer der Täter ist, denn war der Plot in meinen Augen zu einfach konstruiert. Ich rätsle eben unheimlich gern mit, lasse mich aber auch mindestens genauso gern von einer unerwarteten Wendung überraschen, die der Geschichte eine ganz andere Richtung gibt!

Im echten Leben dürfte der Mörder wahrscheinlich meistens tatsächlich jemand sein, denn der ermittelnde Beamte nicht am Radar hat. Trotzdem ist das für mich als Leserin meistens unbefriedigend, weil ich da irgendwie das Gefühl habe, ein wenig an der Nase lang geführt worden zu sein. So nach dem Motto: Ziehen wir noch schnell das Kaninchen aus dem Hut, ehe die Zaubervorstellung zu Ende geht. Daher sollte der Täter schon auch in dem Buch vorgekommen, darf aber ruhig lange eine Nebenfigur bleiben, ehe der Ermittler ihn überführt.

Vielleicht fallen euch noch ganz andere Dinge ein, die für euch einen guten Krimi ausmachen. Ich bin gespannt.

Ich finde die Handlung unheimlich wichtig! Deswegen stelle ich es mir auch so schwer vor, einen richtig guten Krimi zu schreiben. Warum wird jemand dazu getrieben, so eine furchtbare Tat wie einen Mord zu begehen? Wie sieht das Umfeld der getöteten Person aus? Wer hatte ein Motiv, die Person zu töten? Wie sieht es mit der Mordmethode aus? Das muss in meinen Augen alles stimmig und herleitbar sein, damit ich der Geschichte gut folgen kann – inklusive ein paar Überraschungen, die mich bei der Stange halten und mitfiebern lassen :).

Wobei wenn ich ehrlich sein will, glaube ich nicht, dass es den perfekten Krimi wirklich gibt. Dazu sind mittlerweile einfach zu viele unterschiedliche Typen von Krimis auf dem Markt. Das ist aber auch gut so, denn damit hat jeder von uns die Chance, den Krimi zu finden, der ihm wirklich gefällt :). Was meint ihr? Wie sieht für euch ein guter Krimi aus?

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2 Gedanken zu „Was macht einen guten Krimi aus?

  1. Ja! Sehe ich auch so 🙂 Ich glaube der Begriff "Krimi" wird oft mit "Thriller" verwechselt, aber ich glaube auch, dass die Krimis irgendwie immer brutaler werden. Dabei muss ich mich fragen, ob das wirklich nötig ist und ob man sich nur durch Extreme heute noch in der Literaturwelt durchsetzen kann. Es gibt aber auch schöne Beispiele, die das Gegenteil beweisen 😉
    Liebe Grüße
    Lina

  2. Hallo Lina!

    Ich schätze, das ist ein generelles Problem, dass es immer schwieriger wird, aus der Menge hervorzustechen. Wobei anscheinend niemandem so richtig bewusst ist, dass das nur einmal funktioniert, danach haben sich die Leute schon daran gewöhnt (oder sind abgestumpft). Letztendlich liegt es aber auch am Leser zu sagen, dass man sowas nicht will bzw. nicht kaufen will :).

    Liebe Grüße
    Ascari

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