Der Leseratz

Lesen oder fressen - das ist hier die Frage!

Club LiterAUTur | I am from Austria

20. Februar 2022

Griaß eich, servus und herzlich willkommen zum allerersten Treffen des Clubs LiterAUTur! Meine Wenigkeit übernimmt heute beim Auftakt die Rolle der Gastgeberin, wir sind aber ingesamt zu viert, Gabi, Lisa und Nicole haben heute mit mir im Stüberl auf unserer Lesecouch Platz genommen, um gemeinsam – nona – Bücher vorzustellen. Der Schwerpunkt liegt dabei ganz gezielt auf rot-weiß-roter Literatur.

Und ich sag’s ganz offen: Ich bin schon ein bisschen aufgeregt! Denn es liegt mittlerweile schon mehr als ein halbes Jahr zurück, dass wir uns das erste Mal über diese Idee ausgetauscht haben, gemeinsam alle drei Monate über Bücher in und aus Österreich zu reden. Mittlerweile haben wir eine ganze Menge Vorschläge für Themen gesammelt, die Lisa als Urheberin der Idee im Club Stüberl regelmäßig protokollieren wird.

Für den Auftakt haben wir uns für folgendes Thema entschieden:

I am from Austria

Gemeint ist damit ein Buch, welches komplett aus Österreich stammt (Autor:in, Handlung, vtl. auch Verlag). Ich weiß ja nicht, wie es euch – Lisa, Gabi und Nicole – damit ergangen ist, aber ich habe beim Suchen nach einem geeigneten Buch gemerkt, dass es deutlich einfacher ist, sich auf Autor:in und Handlung zu konzentrieren. Wo sind die österreichischen Verlage, die Bücher in den Genres auf den Markt bringen, die ich bevorzugt lese? Tja, gute Frage …

Okay, aber zurück zum Thema! Ich bin so frei und übergebe das Wort gleich einmal an Lisa. Sie hat uns heute “Dunkelkammer” von Bernhard Aichner mitgebracht.


Passend zum Schnee, der noch bei uns auf den Wiesen liegt, entführt Bernhard Aichner uns in „Dunkelkammer“ nach Innsbruck. Im Winter findet nämlich ein Obdachloser in einem freistehenden Wohnung eine Leiche. Das Besondere ist, dass die Frau seit 20 Jahren als vermisst gilt. Für Pressefotograf David Bronski ein gefundenes Fressen. Er soll gemeinsam mit seiner Kollegin Svenja über diesen Fund berichten. Dabei findet er so einiges, doch der Teufel steckt meistens im Detail, denn David verschweigt etwas.

"Dunkelkammer" ist der 1. Band der Bronski- Reihe und besticht durch seine unerwarteten Wendungen. Ein rasantes Katz und Mausspiel, was auf jeden Fall Lust auf mehr macht. Außergewöhnlich, zumindest für mich, ist dabei die Erzählweise. Bis auf wenige Kapitel wird die Handlung durch Gespräche erzählt. Dabei erfährt der Leser aber immer wieder kleine Informationsfetzen. Damit erhöht sich der Spannungspegel natürlich und immer um ein kleines bisschen, sodass man das Buch eigentlich nicht aus der Hand geben möchte. Klare Leseempfehlung meinerseits und ist mein 1. Highlight für 2022.

Wer jetzt schon angefixt ist, der kann sich auf den März freuen, denn mit „Brennweite“ erscheint dann der 3. Band der Reihe.


Ich muss gestehen, ich habe bis jetzt erst ein einziges Buch von Bernhard Aichner gehört – und das war ausgerechnet einer seiner Romane, nämlich “Kaschmir-Gefühl”. Ich fürchte, sein Schreibstil bei der Toten-Reihe hat mich erst mal Abstand von seinen Krimis nehmen lassen …

Als nächste ist Gabi dran. Sie hat sich für unser erstes Clubtreffen den historischen Krimi “Donaumelodien – Praterblut” von Bastian Zach vorgenommen. Der Autor sagt mir ja leider bis jetzt gar nichts, aber hallo, dabei ist er sogar gebürtiger Steirer!


Liebe Ascari, auch vor mir als begeisterte Krimileserin hatte sich der Autor bisher versteckt. Erst durch unseren Club hier ist er mir aufgefallen, weil ich gezielt nach der Kombination „Autor:in und Schauplatz in Österreich“ mit meinen bevorzugten Genres gesucht habe. Und dabei habe ich gleich so eine tolle Entdeckung gemacht!

Mit seinem Krimidebüt schickt uns Bastian Zach ins Wien des Jahres 1876. Hieronymus Holstein hat als Geisterfotograf sein Auskommen und erfreut sich des Lebens, bis er nach einer durchzechten Nacht neben einer zerstückelten Frauenleiche aufwacht. Obwohl er schnell die Flucht ergreift, gibt es eine Beschreibung von ihm und die Polizei sucht ihn in der ganzen Stadt. Zudem hält der Vater der Ermordeten ihn auch für den Mörder und will ihn tot sehen. Hieronymus muss schnellstens seine Unschuld beweisen.

Ich war sofort begeistert von den Protagonisten Hieronymus Holstein und seinem Freund, dem „buckligen Franz“, die trotz eines nicht immer leichten Lebens einen augenzwinkernden Humor an den Tag legen. Die spannende Suche nach dem wahren Mörder führt uns von den Schaustellern im Prater bis in die bessere Gesellschaft. Und das historische Wien bietet jede Menge Atmosphäre, die Bastian Zach wunderbar eingefangen hat.

Der zweite Teil „Donaumelodien – Totentaufe“ ist sofort auf meine Liste gewandert und wird auf jeden Fall gelesen, bevor im April der dritte Band „Donaumelodien – Leichenschmaus“ erscheint.


Wow, was für ein Name für eine Hauptfigur! Und was für ein Beruf erst! Das klingt echt ungewöhnlich. Ganz sicher ein kleines Highlight für dein persönliches Rezi-Archiv im Laberladen, stimmt's, Gabi? Ein kleines bisschen erinnert mich das an die neue Totengräber-Serie von Oliver Pötzsch, wo wir ja beide den ersten Teil schon gelesen bzw. gehört haben und nun auf den zweiten Teil warten.

Ich denke, es braucht sich aber auch Nicoles Empfehlung nicht verstecken, sie stellt uns einen Thriller vor, der sich den Abgründen des menschlichen Verstandes widmet. Nicht wahr, liebe Nicole? 🙂


Meine erste Begegnung mit Roman Klementovic hatte ich bei einer Lesung vor einigen Jahren. Damals hatte ich mich mit einer Bücherfreundin verabredet und wir haben seinen Worten gelauscht. Aber noch nicht einmal da wurde mir bewusst, welches Spannungsniveau sich hinter dem Autorennamen versteckt. Erst als mir "Wenn das Licht gefriert" in die Finger kam, war ich hin und weg. Passenderweise mit rot-weiß-rotem Cover habe ich es als ersten Buchtipp für den Club #LiterAUTur ausgewählt.

Zum Buch: Elisabeth und Friedrich sind seit 40 Jahren verheiratet. Trotz einiger Schicksalsschläge sind sie glücklich, auch wenn Friedrichs Alzheimererkrankung dunkle Schatten auf den Alltag wirft. Bei einer Fernsehsendung über unaufgeklärte Mordfälle gibt der verwirrte Mann plötzlich Details über ein Mordopfer von sich, die er nicht kennen kann. Elisabeth beschleicht ein schauriger Verdacht.

Neugierig geworden? Mich hat es gepackt! Roman Klementovic siedelt seinen Psychothriller in einem kleinen Städtchen irgendwo in Österreich an. Das Wetter ist trist und grau und hebt die Handlung auf ein noch höheres Spannungslevel. Elisabeth lässt dieser Verdacht nicht los und ihr innerer Konflikt ist derart gut beschrieben, dass der:die Leser:in gemeinsam mit der Protagonistin seitenweise am Gedankenkarussell dreht und keinen offensichtlichen Ausweg aus der Misere sieht. Außerdem wird das Leben mit einem Alzheimerkranken vortrefflich beschrieben, was dem Thriller ordentlich an Tiefe verleiht.

"Wenn das Licht gefriert" ist ein Psychothriller made in Austria, der durchaus am internationalen Parkett mithält. Ich bin noch immer beeindruckt, wie fesselnd Klementovic schreibt und hoffe sehr, dass es viele weitere Psychothriller mit österreichischem Hintergrund von ihm geben wird.


Hui, hui, das klingt nach einem Buch nicht nur für kalte Wintertage! Wollt ihr mehr wissen? Denn Nicole wedelt hier gerade mit dem Link auf ihr Blog vor mir herum und meint, ich möge den unbedingt hier einfügen, wenn ihr noch mehr über das Buch wissen wollt 😁.


Eines muss ich jetzt aber sofort loswerden: Mit der Wahl des Covers hast du den Vogel abgeschossen - gar keine Frage! Eigentlich kannte ich den Gmeiner-Verlag bisher gar nicht für solche Bücher, ich habe die eher so wie Emons in die Sparte - gemütliche Krimis mit österreichischem Schmäh - eingeordnet. Wobei wir damit dann auch schon bei dem Buch wären, das ich heute für euch aus dem Regal gezogen habe, wenn ihr was vielleicht eher Kurzes für zwischendurch sucht.


Beate Maly ist mir das erste Mal schon vor ein paar Jahren aufgefallen, denn das Jugendstil-Cover von "Tod am Semmering" ist schon ein gewisser Hingucker. Ich habe es damals verschenkt und durfte es mir einige Zeit später zum Lesen ausleihen. Jetzt habe ich es im Rahmen unseres Clubs ein weiteres Mal "konsumiert", dieses Mal aber als Hörbuch. Gelesen wird es von Hans Jürgen Stockerl, den ich schon von anderen Audible-Produktionen kenne.

Aber nun zur Geschichte: "Tod am Semmering" ist der Auftakt zu einer Cozy Crime-Reihe, deren roter Faden die beiden Hauptfiguren Ernestine Kirsch und Anton Böck sind. In ihrem ersten Fall verschlägt es die beiden im Winter 1922 für ein Tango-Tanz-Wochenende in das Hotel Panhans, einem Luxushotel zur damaligen Zeit. Der Schneesturm, der kurz darauf loslegt, schließt alle Insassen für unbestimmte Zeit in dem Hotel ein... Als am darauffolgenden Tag eine Leiche gefunden wird, ist vor allem der Spürsinn von Ernestine geweckt.

Zum Krimi möchte ich jetzt bewusst nicht viel mehr verraten, denn das Setting eines Locked Room ist ja fast schon klassisch zu nennen. Wer so etwas mag, wird mit diesem Buch bestimmt viel Freude haben, egal zu welcher Jahreszeit.

Wer sich bei dem Inhalt außerdem an Agatha Christies Miss Marple erinnert fühlt: Ich denke, diese Ähnlichkeit ist bewusst gewählt. Denn auch Ernestines Verehrer Anton Böck, der sie in das Hotel begleitet, erinnerte mich streckenweise sehr deutlich an die Figur des Mr. Stringer aus den Margaret Rutherford-Verfilmungen. Was dem Spaß an der Geschichte aber keinen Abbruch tut, gerade seine Vorliebe für gutes Essen machte ihn mir sehr sympathisch.

Das Konzept ist beim Lesepublikum offensichtlich aufgegangen: Bis jetzt sind sechs Bände erschienen, der letzte vergangenes Jahr im Oktober.


So, ihr Lieben! Das war es auch schon, traurig, aber wahr, aber alles muss ein Ende finden, auch unser erstes Clubtreffen! Ich hoffe, es hat euch gefallen und ihr bleibt uns gewogen, wenn wir vier das nächste Mal im Mai zusammenkommen und dann wieder neue Empfehlungen in Rot-Weiß-Rot im Gepäck haben.

Was meint ihr? Ist etwas für euch dabei? Dieses Mal war es ja ungeplant sehr Krimi- und Thriller-lastig, aber lasst euch überraschen, wir wollten uns ganz gewusst auf kein Genre festlegen. Beim nächsten Treffen wird dann Gabi eure Gastgeberin sein, freut euch also für den Frühling auf einen Besuch im Laberladen. 🤗