Der Leseratz

Lesen oder fressen - das ist hier die Frage!

REZENSION • KRIMI

Ursula Poznanski - Böses Licht

11. Juli 2023

Als langjährige Leserin von Ursula Poznanskis Büchern habe ich mich mit etwas Verzögerung nach dem Erscheinen nun auch an den zweiten Band der "Mordgruppe"-Reihe gewagt. Nachdem mich der erste Band nach dem starken Start leider nur noch mäßig fesseln konnte, war ich im Vorfeld nicht sicher, was ich von diesem zweiten Band erwarten sollte. "Vanitas" konnte ja noch die Kurve kratzen, daher war ich gewillt, es zu wagen...

Der Klappentext

Die Inszenierung von Shakespeares Richard III am Wiener Burgtheater trieft förmlich von Theaterblut, daher fällt kaum jemandem aus dem Publikum die echte Leiche auf der Bühne auf: Ulrich Schreiber, altgedienter Garderobier, wird tot auf einem Thron sitzend von der Unterbühne ins Rampenlicht gefahren. Die Tat löst Entsetzen und Ratlosigkeit gleichermaßen aus: Schreiber war allseits beliebt, ein unauffälliger Mann ohne Feinde. Anders als das nächste Opfer, das weitaus bekannter ist ...

Doch gleich darauf heißt es Aufbruch nach Salzburg, wo das Ensemble bei den Festspielen gastiert. Unnötig zu sagen, dass auch die junge Wiener Kommissarin Fina Plank die Reise nach Salzburg antreten muss. Verstörende Drohungen, hysterische KünstlerInnen und ein unliebsamer Kollege machen ihr zu schaffen - vor allem aber der Gedanke, dass der Fall mit der Festnahme des Mörders nicht gelöst sein wird ...

Meine Meinung

Tja, reden wir nicht lange um den heißen Brei herum: "Böses Licht" ist für mich wohl das uninspirierteste Buch der Autorin, was ich bis jetzt von ihr gelesen habe.

Spannung blitzte, wenn überhaupt, nur vereinzelt und kurz auf. Stattdessen durfte ich ellenlang mitverfolgen, wie Fina nicht nur von ihrem Kollegen Oliver, sondern nun auch von ihrer Schwester Callie permanent herumgeschubst wird und es einfach nicht auf die Reihe kriegt, die Leute endlich mal in die Schranken zu weisen. Eine Sache, die ich schon bei Teil 1 nicht verstanden habe, wie so jemand es schafft, bei der Polizei erfolgreich zu bestehen.

Meine Hoffungen, dass sich Fina weiterentwickeln würde und endlich beginnt, Grenzen zu setzen, wurden leider bis zum Schluss nicht erfüllt. Eine für mich nachvollziehbare Weiterentwicklung dieser Figur findet nicht statt, Fina geht in meinen Augen als Mensch aus diesem Buch genauso heraus, wie sie hineingegangen ist. Was leider auch auf die geheimnisvolle Figur des Trittbrettfahrers zutrifft, über den wir auch in diesem Teil nichts wirklich Neues erfahren.

Und auch von der Krimihandlung war hier in meinen Augen nicht viel zu spüren, denn die polizeilichen Ermittlungen finden dieses Mal eher im Hintergrund statt. Stattdessen eine viel zu lange vor sich hinplätschernde Geschichte, die zwar viele Einblicke hinter die Kulissen des Theaters und das Privatleben der Schauspieler bringt, aber für mich keine richtige Spannung aufkommen hat lassen.

Einziges echtes Highlight für mich war der Gastauftritt von Kaspary & Wenninger, dem Salzburger Ermittlerteam, dessen Abenteuer wir bereits in vier früheren Büchern verfolgen durften. Was es allerdings für mich umso schmerzhafter gemacht hat, daran erinnert zu werden, dass die Autorin es doch eigentlich draufhat, wirklich spannende Geschichten zu schreiben...

Mein Fazit

Ganz ehrlich? Ich hatte tatsächlich nicht erwartet, dass ich diesen zweiten Teil noch schwächer finden würde als den ersten. Es tut mir wirklich in der Seele weh, aber mehr als zwei Sterne sind für mich für dieses Buch nicht drin! Ob ich den dritten und letzten Teil lesen werde, ist für mich daher im Moment noch sehr fragwürdig...

  • ★★☆☆☆
  • E-Book
  • 400 Seiten
  • Knaur
  • 978-3426464335