Rezension Nadine Erdmann – CyberWorld 7.0 “Bunker 7”

Da ist er nun, der letzte und abschließende Band der “CyberWorld”-Reihe von Nadine Erdmann. Lange haben wir geduldig gewartet, bis die Autorin uns man Ende doch mit der Information überrascht hat, dass das Buch Anfang August erscheinen würde.

Nun ist mir fast ein bisschen weh ums Herz, denn diese Reihe durfte ich von Anfang begleiten, habe mit den Kids mitgefühlt, gelitten und mich mit ihnen gefreut. Unvergessen ist hier für mich Band 5, denn da hat uns die Autorin wirklich einiges zugemutet …

Gerade diese lange Geschichte machte mich natürlich ganz besonders neugierig, was sich die Autorin für “Bunker 7” ausgedacht hat.

Der Klappentext:

Sommerferien!
Was könnte da mehr Spaß machen als ein paar Tage Spannung und Action in einem neuen CyberPark? “Bunker 7” verspricht Endzeit-Nervenkitzel vom Feinsten beim Kampf ums nackte Überleben. Doch schon bald müssen Jemma, Jamie, Zack und ihre Freunde feststellen, dass sie sich diesem Kampf nicht nur im Spiel stellen müssen …

Meine Meinung:

Der Klappentext ist ja für meinen Geschmack dieses Mal recht kurz gehalten, aber ich denke, wer bisher sich durch alle Abenteuer von Jemma, Jamie, Zack und ihren Freunden erfolgreich “gearbeitet” hat, wird auch zu diesem Band greifen – ganz gleich, was die Autorin als Teaser veröffentlicht.

Ich hatte zwar anfangs ein paar kleine Probleme, alle Namen wieder richtig zuzuordnen (Ich habe einfach kein Gedächtnis für so etwas), aber dann kam ich sehr schnell wieder in die Geschichte hinein, nachdem es erst einmal Klick gemacht hatte, wer wer war.

Sehr, sehr genial fand ich in diesem Band das Setting. Dieser CyberPark kann sich ja nun wirklich sehen lassen, eine Mischung aus Dystopie, Endzeit und Steampunk. Hier hat es wirklich Spaß gemacht, unsere Helden auf ihren Missionen zu begleiten, auch wenn es dieses Mal nicht primär darumgeht, möglichst viele Gegner zu besiegen (obwohl das durchaus vorkommt), sondern eher Erkundungsmissionen durchzuführen. Besonders die erste Hälfte der Geschichte hat mir deswegen sehr viel Freude beim Lesen bereitet.

Interessanterweise kam für mich der erste Knick genau an dem Punkt, an dem es wirklich so richtig fesselnd hätte werden können. Denn diesen Thriller-Teil der Geschichte hat die Autorin in gerade mal sechs (von 34) Kapiteln abgearbeitet, was in meinen Augen einfach zu schnell vonstatten gegangen ist. Kaum ist die Spannung nämlich da, reagieren unsere Helden schon ziemlich professionell und die Bedrohung ist schon wieder vorbei, ehe für mich überhaupt ein gewisses Gefühl für die Gefahr beim Lesen entstanden ist.

Denn eines habe ich hier schmerzlich vermisst: Wo waren die Gefühle, die Ängste, erneut in eine solche Situation zu geraten? Wie gehen die Eltern damit um, dass ihre Kinder sich schon wieder in dieser Situation befinden, die der aus Band 5 doch irgendwie ähnelt? Es tut mir eigentlich leid, das sagen zu müssen, aber das entspricht nicht dem hohen Niveau, das ich mittlerweile von der Autorin gewohnt bin.

Das Ende schlussendlich ließ mich mit etwas gemischten Gefühlen zurück. Einerseits war es ein passendes Ende, andererseits habe ich die ganze Zeit noch auf einen Twist gewartet, der nicht kam. Mag auch sein, dass ich mir vom Finale einfach etwas anderes erwartet habe. Dass ich möglicherweise zu hohe Erwartungen hatte. Denn “Bunker 7” ist durchaus eine tolle Geschichte, sie führt nur alle offenen Enden meiner Meinung nach zu schnell zu einem Ende. Es ist wirklich selten, dass ich das sage, aber diese Geschichte hätte durchaus noch länger sein dürfen …

Eine Kleinigkeit möchte ich noch gesamt zu der Reihe sagen: Sie ist mit Abstand eine der besten, die mir in den letzten Jahren im Jugendbuch-Bereich begegnet ist. Eigentlich gehöre ich ja nicht mehr unbedingt in diese Zielgruppe, aber ich fand es einfach schön, mich auch mal abseits der ziemlich breit gewalzten Romantasy-Wege zu bewegen. Manche Kleinigkeit mochte in der langen Zeit vielleicht für mich nicht immer stimmig sein, aber in Summe hat es sehr viel Spaß gemacht, in den letzten drei Jahren diese Buchreihe verschlingen zu dürfen.

Mein Fazit:

CyberWorld 7.0 bringt in meinen Augen aus ganz unterschiedlichen Gründen ein etwas durchwachsenes Ende für diese wirklich großartige Reihe. Trotzdem hat es Spaß gemacht, “unsere” Kids ein letztes Mal auf ihren Cyber-Abenteuern zu begleiten.

  • ★★★★★
  • E-Book
  • 340 Seiten
  • Greenlight Press
  • 978-3958343689
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Leserunde Ursula Poznanski – Erebos 2

Ich glaube, ich kann ohne Untertreibung sagen, dass ich schon lange nicht mehr so auf das Erscheinen eines Buchs hingefiebert habe wie auf “Erebos 2”. Schließlich ist Teil 1 nach wie vor mein Lieblingsbuch der Autorin, daher bin ich wirklich sehr, sehr gespannt, was sie sich für uns nun in der Fortsetzung ausgedacht hat.

Der Loewe Verlag hat übrigens in diesem Zusammenhang eine eigene Webseite gestaltet, die vor dem heutigen Datum hinter einem Countdown versteckt wurde. Besonders die Animation gleich zu Beginn finde ich sehr gelungen, inhaltlich sieht es allerdings noch ein bisschen mau aus. Wobei ich vermute, dass sich das noch im Verlauf der nächsten Tage und Wochen ändern wird …

Erebos 2 Leserunde Banner

Wie bereits schon bei der Leserunde zu Teil 1 angekündigt, machen wir – Mel von Bookrecession, Petrissa von Hundertmorgenwald und ich – eine weitere Leserunde zu Erebos, dieses Mal natürlich aber zum neuen Buch, das heute erschienen ist. Wie immer gilt: Jeder, der das Buch hat, ist herzlich eingeladen, sich uns anzuschließen.

Start ist ab 20. August, Kommentare können  wie schon beim letzten Mal wieder bei Petrissa geschrieben werden, in den sozialen Medien teilen wir unsere Leseeindrücke unter dem Hashtag #Erebos2LR.

Meine persönlichen Eindrücke werde ich wie schon bei “Erebos 1” unterhalb im Abschnitt “Meine Updates” niederschreiben.

Ursula Poznanski – Erebos 2

Klappentext:
EREBOS IST ZURÜCK …UND HAT DAZUGELERNT
Als Nick auf seinem Smartphone ein vertrautes Icon in Gestalt eines roten E entdeckt, glaubt er zuerst an einen Zufall. Aber dann wird ihm klar: Erebos hat ihn wiedergefunden …
Der sechzehnjährige Derek hingegen ist nur kurz misstrauisch, als das rote E auf seinem Handy aufleuchtet. Zu spät begreift er, dass er selbst zu einer Spielfigur geworden ist. Und es um viel mehr geht, als er sich je hätte vorstellen können …

Wo würde Erebos in unserer allseits vernetzten Gegenwart wieder auftauchen? Auf dem Smartphone, auf Facebook, auf Twitter? Was würde es über WhatsApp, Youtube oder Instagram anrichten? Ursula Poznanski fand, die Zeit war reif für Erebos 2.

Meine Updates:

Wie immer gilt “Weiterlesen auf eigene Gefahr”, Leseeindrücke lassen sich halt nur schwer ohne Spoiler teilen 🙂 …

– Abschnitt 1: Eins bis Kapitel 4

Erebos ist wieder da und installiert sich ungefragt auf Handy und Computer, was Nick gleich mal einen gehörigen Schrecken einjagt. Obwohl er sich dagegen wehrt, erpresst ihn das Spiel mit den verschollenen Fotos von der Hochzeit ziemlich ungeniert, wieder zu spielen. Und offensichtlich hört es am Handy genau zu und weiß auch ganz genau, wo sich Nick aufhält bzw. mit wem er redet. Das kommt vor allem in der Szene mit Jamie ganz schön gruselig rüber …

Derek dagegen hat keine Vorgeschichte mit Erebos und geht dementsprechend etwas unvorsichtiger an Erebos heran (obwohl ich mir schon dachte, dass jeder normale Mensch nach dieser unverhohlenen Drohung eigentlich zurückschrecken müsste). Trotz seiner guten Noten scheint er außerdem ein Problem mit seinen Aggressionen zu haben.

– Abschnitt 2: Zwei bis Kapitel 8

Nick ist gezwungen, die von Erebos geklauten Fotos wiederzubeschaffen, so weit, so gut.Aber ich schätze, nach dem Kampf mit Aurora und der Zwergin wird das Spiel Nick trotzdem nicht in Ruhe lassen, denn sonst wäre ja schon ein Teil der Geschichte aus.

Den Handlungsstrang um Derek finde ich hier eigentlich interessanter. Da ist einmal sein Treffen mit BloodWork (Ich finde das übrigens klasse, dass auch wieder Spieler aus Teil 1 auftauchen, gerade der Barbar war echt klasse), aber auch die Begegnung mit Idmon hat mich neugierig gemacht. Wer ist das und warum hat er eine Art Gabe, in die nahe Zukunft sehen zu können?

Außerdem: Wieso weiß Erebos jetzt auch, wer die Leute beim Spielen stört? Wie macht es das? Hört es die Leute über das Mikrophon der Spieler kommen oder haben die selbst in den eigenen vier Wänden ihr Handy immer bei sich, damit Erebos sie orten kann?

– Abschnitt 3: Drei bis Kapitel 12

Nick geht zu Victor ohne Handy. Erebos bekommt es aber trotzdem mit, dass er weg war, wenn auch auf die “alte” Art von früher. Und Derek ist offensichtlich dieses Mal derjenige, der die rätselhaften Aufträge in der Realität bekommt, wie wir sie von Teil 1 noch kennen.

Spannend finde ich auch das Video, das Derek bekommt, um sich seine zwei Klassenkameraden vom Hals zu halten. Es sieht ja so aus, als ob es von den Londoner Straßenkameras aufgenommen wurde. Warum weiß Erebos dann aber nicht, wo Nick war? Oder hängen in London doch noch nicht überall Kameras? Ganz klar ist mir das beim Lesen nicht geworden …

Besonders gruselig ist allerdings auf jeden Fall die Nachricht an Nicks Freundin Claire. Offensichtlich ist Erebos in der Lage, die Stimmen der Spieler so täuschend echt nachzumachen, dass man nicht erkennen kann, dass eigentlich ein Computer gesprochen hat. Würde mich mal interessieren, wie das Spiel das geschafft hat. Dagegen waren die Absage per Mail und die Nachricht an den Studienkolleggen ja harmlos im Vergleich, alle drei Dinge zeigen aber schön, wie einfach es geworden ist, mit digitalen Werkzeugen das Leben eines Menschen zu ruinieren, weil niemand auf die Idee kommt, dass solche Dinge gefälscht werden können.

– Abschnitt 4: Vier bis Kapitel 16

Seit Nick wieder spielt, gibt es die erste Belohnung für ihn. Er bekommt Fotoaufträge für verschiedene Schulen. Das führt auch dazu, dass sich Nick und Derek im echten Leben treffen, freilich ohne zu wissen, dass sie bereits im Spiel einander getroffen haben. Im Spiel begegnet Nick außerdem einer alten Bekannten: BloodWork alias Helen. Warum nur rekrutiert Erebos nur bestimmte Spieler aus der alten Spielergruppe? Das würde ich nun wirklich gerne wissen.

Derek “darf” derweil weitere geheimnisvolle Aufträge im echten Leben ausführen. Stellt sich die Frage, wer der verlorene Prinz des Verderbens ist, für den Derek den Instagram-Account einrichten darf. Da kommt noch etwas, da bin ich mir ziemlich sicher …

Obwohl Idmon Derek sagt, nicht über seine Familie zu sprechen, erfährt immerhin der Leser, dass es eine Verbindung zwischen Derek und Nick gibt: Denn Nicks frühere Freundin Emily ist Dereks Halbschwester.

– Abschnitt 5: Fünf bis Kapitel 22

Ab hier wird es nun wirklich gruselig, welche Mittel Erebos alles auffährt, um Nick dazuzubringen, seine Aufträge auszuführen. Dass es sogar nun auch am Navi auftaucht, hat mich wirklich am meisten erschreckt. Und vor allem stellt sich die Frage, wie kam es dort eigentlich überhaupt hin? Selbs wenn Nick ein eher altes Auto fährt, steckt man sein Navi im Gegensatz zum Handy doch net so oft an den Computer an, oder?

Der Ausflug zum Friedhof hat auf jeden Fall etwas zu bedeuten, das ist wichtig. Das ist ein weiterer Hinweis, den ich allerdings im Moment noch nicht so richtig zuordnen kann.

Gut gefallen hat mir auch das Gespräch zwischen Nick und Helen, endlich erfahren wir, was aus ihr geworden ist. Und Nick entdeckt hinterher wohl den edlen Ritter in sich 🙂 …

Und noch eine Frage stellt sich mir: Wie ist Erebos an die Mathebeispiele gekommen, die es Derek zuspielt? Ist der Lehrer auch gezwungen zu spielen?

– Abschnitt 6: Sechs bis Kapitel 26

Speedy, Victors Freund, wird von Unbekannten zusammengeschlagen. Ist Erebos dafür verantwortlich, weil beide ihm zu nah gekommen sind? Es stellt sich jedenfalls heraus, dass das Spiel auch auf Victors Computern sich eingenistet hat.

Derek hat in der Zwischenzeit einen Auftrag bekommen, der mit dem verlorenen Prinzen zu tun hat. Damit wird klar, wer er ist. Nur worum geht es dem Spiel wirklich? Klar ist auf jeden Fall, dass es um irgendwelche finsteren Machenschaften geht, nur welche?

Nick versteht endlich, welche Hinweise das Spiel die ganze Zeit mit den falschen Farben gegeben hat. Hier geht es aber nicht um einen U-Bahn-Plan, sondern um afrikanische Flaggen. Hier gibt es ganz sicher einen Zusammenhang mit Maia, die vor ein paar Tagen verschwunden ist und um die sich Derek Sorgen macht.

– Abschnitt 7: Kapitel 27 bis zum Ende

Wow, jetzt passiert ja wirklich eine ganze Menge – und gleichzeitig bekommen wir auch endlich die Antworten auf alle offenen Fragen. Ich muss zugeben, dass ich jetzt wirklich erst 50 Seiten vor Ende ca. gemerkt habe, worum es dieses Mal geht. Und ich wäre auch nicht unbedingt draufgekommen, wer tatsächlich dieses Mal der Drahtzieher hinter dem Ganzen ist. Irgendwie ist es nachvollziehbar, warum er es getan hat, gleichzeitig stellt sich natürlich aber auch wieder die Frage, ob der Zweck wirklich die Mittel heiligt.

Im Verhältnis zu Teil 1 finde ich dieses Ende nun eigentlich harmonischer, es endet nicht ganz so ruckartig wie beim ersten Mal. Eher im Gegenteil: Ich habe den Eindruck, dass sich Ursula dieses Mal wirklich bemüht hat, alle offenen Handlungsstränge zu einem Ende zu führen, sogar Fragen, die im ersten Buch offen geblieben sind, werden beantwortet.

Auf jeden Fall bin ich begeistert, auch wenn “Erebos 2” zwangsläufig anders ist als “Erebos”. Der Fokus ist ein anderer, auch wenn sich die Methoden nicht geändert haben. Der Grusel, der Thrill, die Rätsel, das alles beherrscht die Autorin nach wie vor perfekt, lediglich das Motiv ist nicht so ganz mein Fall, auch wenn es jetzt rückwirkend naheliegend ist.

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Rezension Jürgen Albers – Erased

Albers ErasedGut eineinhalb Jahre nach dem Erscheinen von seinem Debüt “Crossroads” legt Jürgen Albers mit “Erased” nun den Nachfolger vor. Zeitlich zwei Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs angesiedelt, wechselt der Schauplatz nun von den Kanalinseln nach England, wo Norcott, in der Zwischenzeit zum Superintendent aufgestiegen, ein verhältnismäßig beschauliches Leben mit seiner Frau Vicky führt.

Der Klappentext:

März 1947: Nach einem der härtesten Winter in der britischen Geschichte, bahnt sich endlich ein warmer Frühling an. Sehnsüchtig erwartet von einem Land, das immer noch vom Krieg gezeichnet ist.

Superintendent Charles Norcott von New Scotland Yard hofft ebenfalls auf ein wenig Erholung vom Alltag: er wird als Dozent an die Universität Oxford ausgeliehen. Eigentlich soll Norcott dort Verwaltungsfachkräfte ausbilden, aber schon bald erreicht ihn ein zusätzlicher Auftrag. Im Physikalischen Institut der Universität reißt eine Serie von Zwischenfällen nicht ab. Will jemand die geheime Forschung sabotieren oder handelt es sich nur um eine Verkettung unglücklicher Umstände? Kaum hat der Superintendent die ersten vorsichtigen Ermittlungen angestellt, zerreißt eine Bombe die Stille der friedlichen Universitätsstadt.

Meine Meinung:

Eines möchte ich zu Beginn gleich einmal klarstellen: “Erased” spielt zwar zeitlich nach “Crossroads”, erzählt aber eine gänzlich andere Geschichte. Verständlicherweise enthält das Buch Anspielungen auf den ersten Band, die Handlung ist aber gänzlich unabhängig davon. Wer “Crossroads” also nicht kennt, kann trotzdem problemlos zu “Erased” greifen.

Wie bereits bei “Crossroads” merkt man auch diesem Buch an, dass der Autor sehr viel Zeit in die Recherche gesteckt hat. Ich bin zwar beileibe kein Experte für zeitgeschichtliche Details, aber die Namen einiger historischer Persönlichkeiten, die sehr geschickt in die Handlung eingeflochten wurden, haben selbst mir etwas gesagt. So lässt Albers Norcott in Oxford beispielsweise auf bekannte Schriftsteller wie C.S. Lewis oder Dorothy L. Sayers treffen und mit ihnen über Bücher sprechen.

Sehr gut gefallen hat mir auch die Atmosphäre in Oxford, hier spürt man beim Lesen richtig die Erhabenheit des Ortes, den die lange Geschichte der Universitätsstadt mit sich bringt. Das macht richtig Lust darauf, die Stadt zu besuchen und sich ein bisschen treiben zu lassen, den Flair dieses Ortes kennenzulernen …

Positiv hervorheben möchte ich auch das Nachwort bzw. das Glossar am Ende des Buches, in dem der Autor darauf eingeht, was Fakten und Fiktion sind, und einige der historischen Persönlicheiten kurz vorstellt. Das findet man eigentlich eher selten in historischen Romanen – und darf für meinen Geschmack auch gerne noch ein bisschen ausführlicher stattfinden, da ich gerne den historischen Eckdaten einer Geschichte nachrecherchiere.

Leider bringt “Erased” aber auch einiges mit, was mir nicht so gut gefallen hat. Vielleicht bin ich hier in den Augen mancher Leute etwas pingelig, aber ich konnte nicht erkennen, was und wie das eingangs im Buch erwähnte Korrektorat gearbeitet hat.

Die Groß/Kleinschreibung, die sehr großzügige Kommasetzung, die diversen Flüchtigkeitsfehler und vor allem die zeitweise unfreiwillig spaßige Silbentrennung (auszug-leichen statt auszu-gleichen beispielsweise) ließen mich beim Lesen gleich mehrmals innehalten und aus dem Lesefluss kommen. Ganz ehrlich: Hier sollte ziemlich bald noch einmal nachgebessert werden, denn wenn einem diese Fehler schon ab der ersten Seite begegnen, wirft das kein gutes Licht auf das Buch.

Womit ich dieses Mal ebenfalls meine Probleme hatte, war der Schreibstil. Denn ich hatte mehr als einmal den Eindruck, dass der Autor sich beim Schreiben nicht entscheiden konnte, ob er nun lieber der Zeit entsprechend mit heute veralteten Wörtern und Ausdrücken arbeiten oder eine moderne Sprache verwenden wollte. So bin ich immer wieder hängengeblieben, wenn mir zwischen den großteils sehr locker und flüssig geschriebenen Zeilen auf einmal Absätze entgegensprangen, die eher alten, poetisch angehauchten Werken entnommen worden sein könnten.

Bei einigen Szenen hätte ich mir außerdem etwas mehr Dramatik gewünscht. Vieles wurde einfach nur indirekt erzählt oder in einigen kurzen Sätzen abgehandelt, obwohl es genau diese Dinge gewesen wären, die dieser als Cosy Crime einzustufenden Geschichte noch etwas mehr Pfeffer verliehen hätten. Die beispielsweise im Klappentext als Spannungselement erwähnte Bombe verpufft nach ihrem Knall bereits leider nach wenigen Zeilen – und die Geschichte geht mit derselben Ruhe weiter wie bisher.

Aus diesen Gründen bleibt für mich am Ende ein etwas durchwachsener Eindruck dieses Buches und das schale Gefühl, dass diese Geschichte ihr durchaus vorhandenes Potenzial nicht ausreichend genutzt hat. Was ich zugegebenermaßen sehr, sehr schade finde, weil ich mich wirklich auf diese Geschichte gefreut habe.

Mein Fazit:

Es schmerzt mich wirklich, es zu sagen, aber “Erased” bleibt im Vergleich zu “Crossroads” hinter seinem Vorgänger zurück. Einiges in der Geschichte wirkte auf mich nicht ausgereift, obwohl das Buch alles hat, was es für gute Unterhaltung in dem speziellen Genre braucht.

  • ★★★★★
  • Taschenbuch
  • 388 Seiten
  • TWENTYSIX
  • 978-3740761790
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Rezension Jennifer Wellen – Drei Küsse für ein Cottage

Was läge näher, als im Sommer lockerleichte und humorvolle Romane zu lesen? Egal, ob Urlaub oder nicht: Jennifer Wellen trägt dazu bei, mich gerade in der warmen Jahreszeit einfach mal geistig fallen lassen zu können … Seit ihrem Erstling “Katerfrühstück mit Aussicht” verfolge ich mittlerweile, was die Autorin veröffentlicht. Deswegen habe ich mich auch gefreut, als ich erfahren habe, dass es dieses Jahr wieder etwas Neues aus ihrer Feder geben würde.

Der Klappentext:

Milly kann ihr Glück kaum fassen: Endlich ist ihr Traum vom eigenen Cottage zum Greifen nahe! Doch die Sache hat einen Haken – den ebenso charmanten wie dreisten Besitzer Nolan, der das Häuschen lieber gewinnbringender verkaufen will. Allerdings schlägt er sich gerade mit einem lästigen Problem herum: Seine Familie in New York will ihn schon lange unter der Haube sehen, da käme eine Scheinfreundin für die Geburtstagsfeier seines Bruders also genau recht. Milly ist bereit, ihm auszuhelfen, natürlich ohne Küsse oder sonstige Verpflichtungen! Doch beide haben ihre Rechnung ohne die Liebe gemacht – und dass Gefühle immer alles viel komplizierter machen als geplant …

Meine Meinung:

Bereits auf den ersten Seiten lernen wir Milly als resolute junge Frau kennen, die weiß, was sie will, und die aus ihrem Leben etwas machen will. Auch wenn sie aus finanziellen Gründen immer noch zuhause mit Stiefvater und Stiefschwester zusammenlebt, die beide auf ihre Art absolut nichts auf die Reihe bekommen. Die Schwester ist es deswegen auch, der Milly die nähere Bekanntschaft zum männlichen Protagonisten des Buchs – Nolan – verdankt.

So weit, so gut. Unmoralische Angebote kennen wir ja spätestens seit Robert Redford und Demi Moore, dieses Mal geht es immerhin um eine Reise nach New York, zu der Milly nicht Nein sagen kann. Spätestens hier ist klar: “Drei Küsse für ein Cottage” ist ein Sommermärchen, denn in der Realität wäre wohl Schluss, denn seien wir ehrlich, welche Frau würde wohl mit einem wildfremden Mann in ein anderes Land fliegen, den sie nicht kennt?

Aber wenn man sich darauf einlassen kann, stehen einem einige unterhaltsame Seiten bevor, wenn auch die Autorin für meinen Geschmack dieses Mal tiefer als sonst in die Klischeekiste greift. Hier hätte ich mir tatsächlich ein bisschen mehr Grau und weniger Schwarzweiß bei den Figuren gewünscht. Denn die nette und freundliche Familie von Nolan, obwohl sie reich sind, die zickige und biestige Ex-Freundin, die sowohl Milly als auch Nolan das Leben schwer macht – das sind alles Charakterisierungen, die wir in der einen oder anderen Form schon in vielen Liebesromanen hatten.

Trotzdem blinzelt an der einen oder anderen Stelle immer wieder der Humor der Autorin durch, den ich bereits bei ihrem ersten Buch lieben gelernt habe, manch einem mag es vielleicht kitschig erscheinen, aber ich fand es irgendwie niedlich, dass Milly den Grübchen ihres Angebeteten Namen gibt – Ernie und Bert werden mich jetzt wohl noch eine Weile verfolgen :).

Sehr gut gefallen hat mir auch, quasi nebenbei einiges über Orchideen zu lernen. Zwar kenne ich natürlich die “Standard”-Blumen, die man wirklich überall zu kaufen bekommt, allerdings war mir nicht klar, wie viele verschiedene Orchideen-Arten es gibt, auch wenn mir zumindest die Arten, die bei uns in den Alpen wachsen, bekannt sind. Wobei ich es dabei doch in einem Roman vorziehe, normale deutsche und nicht ihre fachwissenschaftlichen Namen zu lesen …

Den Schluss des Romans fand ich insgesamt etwas zwiespältig, es war irgendwie fast ein bisschen zu gewollt, das allerletzte Drama, das eigentlich hätte vermieden werden können, wenn sich unsere Milly ein klein wenig vernünftiger und nicht gar so kleinmädchenhaft benommen hätte. Das passte in meinen Augen irgendwie nicht so ganz zu der Frau, als die sie anfangs vorgestellt wurde …

Mein Fazit:

Im Vergleich zu den früheren Romanen fällt “Drei Küsse für ein Cottage” wegen der übermäßigen Klischees ein wenig ab, aber es hat trotzdem Spaß gemacht, Milly und Nolan auf ihrem Weg zueinander zu begleiten. Perfekte Urlaubslektüre für Fans von Liebesgeschichten!

  • ★★★★★
  • E-Book
  • 283 Seiten
  • dotbooks Verlag
  • B07PBDP9PZ
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Tops & Flops / 1HJ.2019

Nachdem ihr es so gewollt habt, serviere ich euch heute meine Tops & Flops von Anfang Jänner bis Ende Juni, also für das erste Halbjahr 2019 (damit auch die kryptische Abkürzung im Titel erklärt ist ;)). Eigentlich wollte ich diese Rubrik ja quartalsweise während des Studiums weiterführen, aber gut, da waren so gewisse Umstände am Werk …

Ich werde euch aber trotzdem den Gefallen tun, jeweils zwei Titel herauszupicken, einmal von Jänner bis März und einmal von April bis Juni. Ich schätze, das ist in eurem Sinne. Denn auch wenn ich zeitweise nicht sehr viel gelesen oder gehört habe, sind doch ein paar Bücher (und Hörspiele) in diesem halben Jahr zusammengekommen.

Tops & Flops

Fangen wir mal mit Jänner bis März an. In der Zeit habe ich dreizehn Bücher gelesen bzw. gehört, die meisten davon fallen in den Februar, weil ich da aufgrund der Semesterferien wenigstens etwas Zeit zum Durchschnaufen hatte.

Top des ersten Quartals

Den verdienten Sieger liefert hier “Ghostbox” ab, kein Buch, sondern ein Hörspiel, das ich hier auf dem Blog noch vorgestellt habe, ehe ich in die ungewollte Blogpause gegangen bin. Die Rezi dazu findet ihr hier.

Das Hörbuch hatte zwar durchaus einige Schwächen, aber die habe ich gerne verziehen, weil mich die Geschichte wirklich nach kurzer Zeit am Handy kleben hat lassen und ich nicht mehr aufhören konnte zu hören …

Die Geschichte trägt den Zusatz “Staffel 1”, was auf eine kommende Fortsetzung schließen lässt, jedoch hat die Geschichte ein für sich sehr rundes Ende. Ein klein bisschen mystisch, ein klein bisschen unheimlich, aber keines, was ein ausgemachter Cliffhanger ist. Daher Hörempfehlung für alle, die auf einen Mix aus Sci Fi, Technik, Medizin, ein bisschen Horror und IT-lastigen Themen stehen :).

Flop des ersten Quartals

Einen echten Flop würde ich es nicht nennen, aber im Verhältnis die größte Enttäuschung war für mich in der Zeit wohl “Vanitas” aus der Feder von Ursula Poznanski. Ich liebe vor allem ihre Jugendbücher, auch die meisten ihrer Erwachsenenkrimis, aber diese Geschichte war irgendwie nichts für mich. Weder fand ich sie wirklich spannend noch stimmig, sondern – wenn ich ehrlich bin – eher mühsam.

Eigentlich schade, denn einige gute Ideen hatte die Geschichte schon aufzuweisen, aber ich hatte so meine Probleme mit der Haupfigur Carolin, die für mich nicht greifbar wurde, weil sie in sich sehr, sehr widersprüchlich war. Wenn ihr mehr wissen wollt, die Rezi gibt es hier.

Und: Ich kann gar nicht sagen, wie sehr es mich geschmerzt hat, ein Buch einer Lieblingsautorin nicht gut zu bewerten, aber mehr als drei Sterne konnte ich hier beim besten Willen nicht vergeben …


Kommen wir zum April bis zum Juni. Diese drei Monate waren noch mehr gewissen Schwankungen unterworfen als der Jahresbeginn. Der April vor allem hat aufgrund der Hörspiele die Zahl auf 34 Titel in dieser Zeit anschwellen lassen (Besten Dank an die Osterferien und den Krankenstand hinterher, den es nicht gebraucht hätte). Das klingt jetzt allerdings mehr, als es eigentlich war, denn zwölf Stück davon waren recht kurze Hörspiele, die sich in ein bis zwei Stunden durchhören haben lassen …

Top des zweiten Quartals

Den Stockerlplatz hat sich hier das Hörbuch zu Karl Olsbergs “Girl in a strange Land” holen können, die Fortsetzung von “Boy in a white Room”. Ich hatte eigentlich gar nicht damit gerechnet, dass mir diese Geschichte sogar noch besser als Teil 1 gefallen würde, aber so war es 🙂 …

Dem Buch hat man sehr deutlich angemerkt, dass sich Olsberg wirklich Gedanken macht, wo sich unsere Gesellschaft mit all der Technik und der permanenten Online-Präsenz in den sozialen Medien hinentwickeln wird. Vieles erfährt man nur nebenbei, nicht alles wird aufgeklärt, aber als Vision, wie wir vielleicht in naher Zukunft leben könnten, fand ich das Buch auch für Erwachsene sehr überzeugend und habe es ziemlich zügig durchgehört.

Umso mehr freut es mich, dass wir im Herbst ein weiteres Mal mit “Boy in a dead End” in diese Welt abtauchen dürfen, die Geschichte soll eine Art Prequel zu “Boy in a white Room” werden, wenn ich es richtig verstanden habe. Der Erscheinungstermin ist jedenfalls mal in meinem Kalender vorgemerkt :).

Flop des zweiten Quartals

Wer im Frühling #bbfliest auf Twitter mitverfolgt hat, wird jetzt bestimmt schon wissen, was kommt. Denn ohne zu untertreiben, war das Erscheinen von “The Mister” wirklich eine Steilvorlage, es zusammen mit meinen tapferen Mitstreitern zu zerlegen. Ich hatte mir ja bereits im Vorfeld nicht wirklich was erwartet, aber es IST offensichtlich noch immer möglich, die Messlatte weiter nach unten zu legen, als ich vorher gedacht hatte.

“Shades of Grey” kann ja für sich in Anspruch nehmen, dass ich es im dritten und letzten Band abgebrochen habe (Und das habe ich vorher bei einer Trilogie noch nie gemacht). Aber im Vergleich zu “The Mister” konnte man da wenigstens noch lachen.

“The Mister” hat gar nichts mehr davon, nicht mal mehr den BDSM-Touch. Es versucht tatsächlich wie ein normaler Liebes- bzw. Erotikroman anzukommen, bietet aber nichts außer den zum Teil mehr als befremdlichen Vorstellungen einer Autorin, die die moderne Leserin wohl am liebsten in die Zeit der Fünfziger Jahre zurückschicken möchte.

Anders lässt sich jedenfalls das Bild der schüchternen jungen Frau Alessia nicht erklären, die selbstverständlich nicht mal dem Mann in die Augen schauen kann, während sie mit Hingabe sein Klavier putzt. Und Albanien, das Land, aus dem sie geflüchtet ist, liegt offensichtlich nicht in Europa, sondern im tiefsten Hinterland unseres Planeten, da Kreditkarten offensichtlich etwas völlig Fremdes für unsere Alessia sind …

Unter diesem Umständen fällt es schon verdammt schwer zu glauben, dass der nur auf “hirnlosen Sex” (Der erste Satz im Buch!) bedachte Maxim sich ausgerechnet in Alessia verguckt und natürlich nur wegen ihr die Wandlung vom Saulus zum Paulus durchmacht?

Ich schätze, ich verkünde nun auch nichts Neues, wenn ich sage, dass das Buch mal abgesehen von der – bereits nach 100 Seiten – sehr voraussehbaren Handlung (und immerhin durch 600 davon muss man sich bis zum Ende durcharbeiten!) eine ganz gewaltige Ansammlung an schrägen Dingen ist. Angefangen bei der Sprache, der Ausdrucksweise, über die Gedanken der Figuren bis hin zu ihren Handlungen – man kann eigentlich nur den Kopf schütteln oder das Buch ins Nirwana befördern, was beim Alleine-Lesen sicherlich die schlaueste Entscheidung ist …

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Rezension Joyce Summer – Madeirasturm

Eigentlich schrieb mich Joyce bereits im Frühling an, ob ich ihr neuestes Buch “Madeirasturm” lesen wollte. Klar wollte ich, nur machte mir die FH aus Zeitgründen ziemlich deutlich einen Strich durch die Rechnung. Weswegen ich gezwungen war, das Buch erst einmal eine Weile zurückzustellen.

Aber jetzt sollte es endlich sein. Und was läge näher, ein Buch im Sommer zu lesen, das auf Madeira spielt? Urlaubsfeeling pur! Wobei Comissario Avila das wohl anders sieht 😀 …

Der Klappentext:

Stürmische Zeiten auf Madeira …
Ein Sturm zieht auf. Im Hafen von Funchal wird die Leiche eines Touristen angespült.
Madeira rüstet sich, um eine Katastrophe und weitere Tote zu verhindern. Leticia Avila hat dagegen andere Pläne. Sie überredet ihren Mann, mit ihr das Wochenende in einem romantischen Hotel in den Bergen zu verbringen.

Aber der scheinbar so idyllische Ort wird bald gestört: Eine Leiche treibt am Morgen im Hotelpool. Abgeschnitten von der Zivilisation versucht Comissário Avila, dem Sturm und den Machenschaften des Mörders zu trotzen. Wird es ihm gelingen, seine Familie zu beschützen?

Meine Meinung:

Mit “Madeirasturm” begleiten wir bereits ein zweites Mal den sympathischen Comissario, der gern ein bisschen zu viel isst und trinkt, auf seinen Ermittlungen, begleitet von seinem treuen Subcomissario Vasconcellos. Aus diesem Grund möchte ich jedem ans Herz legen, mit dem ersten Teil “Madeiragrab” zu starten. Nicht dass man diese Geschichte nicht auch ohne Vorkenntnisse lesen kann, aber die Autorin bezieht sich einige Male auf den ersten Teil, sowohl was die Handlung als auch die handelnden Figuren angeht …

Mittlerweile Vater einer kleinen Tochter, ist Avila zunächst alles andere als begeistert, als ein toter Tourist aufgefunden wird. Da es zunächst allerdings danach aussieht, als ob der Mann seinem Drogenkonsum zum Opfer gefallen ist, lässt er sich von seiner Frau überreden, einen Kurzurlaub zu machen. Nicht ahnend, dass er bald – von der Umwelt und seinen Kollegen abgeschnitten – erneut auf Mörderjagd gehen muss.

Ich gebe zu, das Szenario hört sich auf den ersten Blick nicht wirklich neu an, aber Joyce gelingt es, dem bekannten Setting einige interessante Aspekte abzugewinnen. Denn die Geschichte wird, als der Sturm erst einmal ausgebrochen ist, aus zwei Perspektiven erzählt. Avilas Subcomissario bekommt dabei mehr Verantwortung als bisher, wir lernen ihn dabei als einen umsichtig agierenden Mann kennen, der es versteht, die neuen Mitarbeiter – den jungen Polizeiaspiranten Baroso und den Hundeführer Fonseca – in sein Ermittlungsteam zu integrieren.

Von den Nebenfiguren ist es auch Fonseca, den ich hier am meisten mochte. Anfangs eher unfreundlich und besserwisserisch dargestellt, kann er in dieser misslichen Lage bald beweisen, dass er sein Herz doch am rechten Fleck hat. Ob wir in Zukunft mehr von ihm lesen dürfen? Ich würde mich jedenfalls freuen, wenn er mit seinem belgischen Schäferhund Galina öfter auftauchen würde.

Sehr gut gefallen hat mir auch, dass sich Avilas Verhältnis sowohl zu seinem Chef Lobo als auch zu seinem Schwiegervater Oriol in dieser Geschichte verbessert, denn die gemeinsame Krise im Hotel schweißt alle zusammen. Hier gab es einige schöne Szenen, die Avila noch mehr von seiner privaten Seite als Familienmensch zeigten. Die Liebe zu seiner Frau und seiner Tochter beschreibt Joyce sehr anschaulich, sodass es mir nicht schwerfiel, mit ihm mit Angst zu haben, dass seiner Familie etwas zustoßen könnte.

Und wie schon beim letzten Mal hatte ich auch hier recht bald wieder das Gefühl, mit Avila auf Madeira zu sein, mit ihm durch die Straßen zu gehen, die einheimischen Getränke und Gerichte zu kosten… Einfach wunderbar! In diesem Sinn fand ich auch das Nachwort sehr gelungen, wo die Autorin darauf eingeht, welche (geografischen) Dinge im Buch erfunden sind und welche nicht.

Das Tüpfelchen auf dem i aber war wohl Joyce’ Anspielung auf eines ihrer früheren Bücher, indem sie den Comissario zu einem deutschen Krimi greifen lässt, dessen Cover ein Levadahäuschen ziert. Ein Schelm, wer hier nicht sofort an “Mord auf der Levada” denkt?

Mein Fazit:

“Madeirasturm” ist nach “Madeiragrab” das zweite Abenteuer, das Joyce Summer mit Comissario Avila als Hauptfigur auf der portugiesischen Insel spielen lässt. Meiner Meinung nach eine gelungene Fortsetzung, die Lust auf weitere Abenteuer auf Madeira macht!

  • ★★★★
  • E-Book
  • 332 Seiten
  • via tolino media
  • 978-3739445786
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Vom SuB befreit: Die Braut im Schnee

Jetzt im Juli lautet das Thema der Motto Challenge “SuB-Leichen”. Eigentlich eine Steilvorlage, wieder etwas mehr vom SuB zu lesen, aber wie der Teufel so will, dominieren in dem Monat Leserunden bzw. Bücher, die ich eigentlich schon im Frühling lesen und vorstellen wollte …

Trotzdem habe ich es geschafft, wenigstens ein Buch vom SuB zu lesen, das der Vorgabe (Es muss vor 2019 auf den SuB gewandert sein) entspricht. Was liegt da also näher, es hier in meiner SuB-Rubrik vorzustellen?

1. Welches Buch hast du gerade vom SuB befreit?

“Die Braut im Schnee” ist das zweite Buch einer Reihe um den Frankfurter Kommissar Marthaler aus der Feder von Jan Seghers. Mittlerweile wurden die Bücher (bis auf das letzte, soweit ich weiß) alle verfilmt, wenn auch nicht in der Reihenfolge, in der sie vom Autor verfasst wurden.

Klappentext:
Wo du hingehst, da werde ich dich finden. Wo du stirbst, da werde ich gewesen sein.
Eine junge Zahnärztin ist ermordet worden. Der Täter hat die Leiche auf widerwärtige Weise zur Schau gestellt. Der Frankfurter Kommissar Marthaler ist von dem Anblick zutiefst erschüttert. Er ahnt, dass sich der Mörder mit diesem einen Opfer nicht zufrieden geben wird.
Und er soll Recht behalten …

2. Warum ist das Buch auf deinen SuB gewandert?

“Die Braut im Schnee” erregte ehrlich gestanden wegen des Frankfurter Tatorts meine Aufmerksamkeit, als es darum ging, mir aus einem ziemlich großen Stapel Bücher mir etwas zum Lesen auszusuchen. Wie das aber so ist, landete das Buch erst einmal am SuB – und da blieb es jetzt dann auch mehr als ein Jahr drauf.

3. Weshalb hast du es jetzt gelesen?

Wie bereits erwähnt, geht es eigentlich darum, im Juli Bücher vom SuB zu befreien – und ich hatte mal wieder Lust auf einen etwas solideren Krime :).

4. Was hat dir an dem Buch gefallen / nicht gefallen?

Wirklich gelungen fand ich hier den Lokalkolorit. Ich kenne mich zwar nicht extrem gut in Frankfurt aus, aber es hatte schon etwas an sich, gleich am Anfang bei der Beschreibung des Fundorts der ersten Leiche draufzukommen, bei dem beschriebenen Haus schon einmal auf der Suche nach einem Geocache gewesen zu sein. Da bleibt dann nur die Frage, ob der Autor selbst einmal vor Ort war …

Weniger gut waren allerdings die Längen, die sich meiner Meinung nach im mittleren Drittel eingeschlichen haben. Da wirkte die Geschichte für meinen Geschmack fast etwas künstlich gestreckt. Aber das Finale – und damit die Auflösung – entschädigten dann doch wieder.

5. Wie hast du das Buch bewertet?

Würde ich halbe Sterne vergeben, wären es 3,5 Sterne geworden, so habe ich dank des “Hey, da war ich ja schon!” auf vier Sterne aufgerundet.

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