Rezension Robert C. Marley – Inspector Swanson und die Frau mit dem zweiten Gesicht

“Inspector Swanson und die Frau mit dem zweiten Gesicht” ist mittlerweile schon der fünfte Band aus der Reihe um den sympathischen Chief Inspector aus London, den es tatsächlich gegeben hat. In diesem Band widmet sich Robert C. Marley einem Thema, das gegen Ende des 19. Jahrhunderts bzw. zu Beginn des 20. Jahrhunderts sehr beliebt war: dem Spiritismus.

Der Klappentext:

London 1894 – Während in den Salons der feinen Gesellschaft rauschende Feste gefeiert werden und spiritistische Sitzungen, Hellseher und Geisterbeschwörer der letzte Schrei sind, kommt auf dem Markt von Covent Garden ein Straßenjunge unter mysteriösen Umständen zu Tode.

Was zunächst nach einem Routinefall aussieht, entpuppt sich schließlich als unheimliches Verbrechen, das Chief Inspector Swanson nicht nur an seinem gesunden Menschenverstand zweifeln lässt, sondern ihn und sein Team auch an die Grenzen ihrer Kräfte bringt …

Meine Meinung:

Bereits mit dem Prolog sind wir mitten in der Geschichte drin, denn dieser wird aus der Sicht der jungen Louisa Balshaw erzählt, die offensichtlich Kontakt zu Geistern aufnehmen kann und die seit einiger Zeit sehr erfolgreich als Medium in London arbeitet.

Der Schwerpunkt dieser Geschichte liegt aber auf dem Straßenjungen Billy, der von allen nur Badger genannt wird. Als sein Freund Meg unter mysteriösen Umständen zu Tode kommt, wird Swanson zusammen mit Sergeant Phelps aktiv, denn er glaubt nicht an eine Krankheit, der der Junge erlegen ist.

Wie bereits in den früheren Geschichten mischen auch hier zwei weitere Bekannte mit, die Frederick Greenland unbedingt mit zu einer Séance nehmen wollen: Oscar Wilde und Sir Arthur Conan Doyle. Durch die Verbindungen der Figuren untereinander nimmt die Geschichte dann Fahrt auf, denn irgendwie stehen offensichtlich der tote Junge und das Balshaw-Haus in einer Verbindung miteinander …

Der Klappentext verspricht hier übrigens nicht zu viel, denn gerade der Auftakt hat wirklich etwas Unheimliches an sich … Und es bleibt in dem Zusammenhang natürlich nicht aus, dass sich auch der eher nüchterne Donald Swanson mit der Frage nach der Existenz von Geistern beschäftigen muss.

Im Vergleich zu den früheren Bänden nimmt unser ermittelnder Chief Inspector hier aber  eigentlich eine Nebenrolle ein, denn die wirkliche Hauptfigur ist meines Erachtens nach Badger. Badger, der zwar noch recht jung ist, durch seinen Freund Meg aber schon einiges gelernt hat. Und obwohl er als Taschendieb arbeiten und Informationen für seinen Quartiergeber Mister Specs besorgen muss, nicht auf den Kopf gefallen ist. Von ihm möchte ich gerne mehr in zukünftigen Bänden lesen!

Der Krimi ist dieses Mal recht solide ausgefallen, wo das Motiv zu suchen ist, lag in meinen Augen eigentlich schon sehr früh auf der Hand, lediglich wer genau der Täter war, war für mich eine gewisse Überraschung. Ein klassischer Fall von Fifty-Fifty, wo ich die falschen 50% erwischt habe.

Was ich allerdings ein klein wenig schade fand, war, dass das Finale – und damit die Auflösung –  verhältnismäßig rasch erzählt wurde. Da wäre schon noch etwas mehr drin gewesen. Ins Detail kann ich jetzt leider nicht gehen (Spoilergefahr), aber einige Fragen blieben für meinen Geschmack unbeantwortet, deren Antwort bzw. Bestätigung mich sehr wohl interessiert hätte …

Mein Fazit:

“Inspector Swanson und die Frau mit dem zweiten Gesicht” ist ein solider historischer Krimi, der mit der Figur des Straßenjungen Badger auch sozialkritische Töne anschlägt. Der Straßenjunge selbst hat sich einen Platz in meinem Herzen erobert, daher hoffe ich darauf, dass er auch in zukünftigen Bänden vorkommen wird.

  • ★★★★
  • E-Book
  • 280 Seiten
  • Dryas
  • 978-3940855817
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Handlettering der Buchblogger / 09.2018

So wie es im Moment aussieht, ist das heute wohl auf absehbare Zeit das letzte Handlettering, das ich für die Aktion verlässlich beisteuern kann. Im Oktober beginnt schließlich mein FH-Studium und ich tue mich derzeit noch etwas schwer einzuschätzen, wie viel Zeit mir daneben zum Lettern bleiben wird …

Trotzdem möchte ich es mir nicht nehmen lassen, euch heute zum September-Thema etwas zu zeigen, was mir sehr viel Spaß gemacht hat beim Erstellen :). Tanja und Leni haben sich dieses Mal in die Welt der Fantasy begeben, es Gott sei Dank aber offengelassen, was man genau machen möchte.

Das Thema lautete:
Lettere ein Fantasywesen

In gewisser Weise wieder eine kleine Challenge, denn meine Freihand-Zeichenkünste sind einfach nicht so das Wahre … Zwerge, Orks, Einhörner oder sonstige Wesen sehen mir bei mir nur ordentlich aus, wenn ich sie irgendwo abzeichnen oder abpausen kann. Dementsprechend habe ich mir überlegt, was ich denn mit meinen Fähigkeiten anstellen kann, um trotzdem etwas Hübsches zu zaubern.

Am Ende habe ich beschlossen, mich wieder ein wenig der Mythen- und Sagenwelt zu bedienen. Dieses Mal aber der germanischen Sagenwelt, die neben den Göttern ja ebenfalls reich an Tieren ist, die bestimmte Fähigkeiten mitbringen. Nebenher auch ein wunderbarer Grund, mich ein klein bisschen mehr mit den geheimnisvollen Runen zu beschäftigen, die die Germanen als Schriftzeichen verwendet haben.

Entschieden habe ich am Ende für den Fenriswolf, der durch seine Größe und Stärke sogar den Göttern ein Dorn im Auge war. Am Ende war ihm allerdings ein eher trauriges Los beschieden. Nichts Neues, wenn sich irgendwo irgendwer von irgendwem bedroht fühlt … Falls ihr mehr über den Wolf wissen wollt: Die Wikipedia ist – wie meistens – unser bester Freund.

Das Lettering besteht dieses Mal aus drei Teilen, den Wörtern “Fenris” bzw. “Wolf” und einem kleinen Icon in Form eines Wolfskopfs, das ich verwenden wollte, um die Runen voneinander abzugrenzen. Da ich wie bereits erwähnt, kein wirkliches Zeichengenie bin, habe ich im Internet nach einer frei nutzbaren Vorlage gesucht und bin schließlich bei Icons8 fündig geworden.

Gearbeitet habe ich wieder einmal mit meinen Stabilo-Stiften und meinem Tonpapier. Für das Lettering der Buchstaben habe ich ein dunkles Grau verwendet, was allerdings jetzt auf dem Foto wohl eher wie ein Schwarz wirkt, aber ihr seht es ja an den Stiften :).

Zu den Runen möchte ich auch noch gerne etwas loswerden: Dass es verschiedene Formen des sogenannten Futhark (So nennt man die Gesamtheit der Runen nach den ersten Buchstaben des Alphabets) gegeben hat, war mir am Rande gerade noch bewusst. Was ich allerdings nicht gewusst habe, ist, dass dieses Alphabet in seiner jüngsten Form in den nordischen Ländern noch bis ins 15. Jahrhundert hinein existiert hat.

Für mein Lettering habe ich mich allerdings der Runen des älteren Futhark bedient, wie sie im sechsten Jahrhundert geschrieben wurden. Dieses Alphabet bestand aus 24 Zeichen und jeder Buchstabe hatte neben dem Laut auch noch einen Namen. In diesem Zusammenhang erlangten viele Runen eine recht traurige Berühmtheit, da sie für die verdrehten Ariervorstellungen der Nazis herhalten mussten.

Interessant finde ich auch, dass das Runenalphabet Teil der Unicode-Zeichen geworden ist. Kennt man die entsprechenden Kodierungen, kann man Runen also auch ohne das Installieren einer entsprechenden Schrift auf seinem Computer schreiben :).

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Rezension Nadine Erdmann – CyberWorld 6.0 “Anonymous”

Kaum zu glauben, aber wahr: Die phantastische Reihe rund um unsere jugendlichen Helden Jemma, Jamie, Zack, Will, Ned, Charlie steuert langsam, aber unerbittlich auf ihr Finale zu. Denn laut Autorin wird mit dem siebten Band das Ende erreicht sein.

Wie jedes Mal versteht es schon das Cover neugierig zu machen, denn zwangsläufig fragt man sich gleich einmal, was es mit diesem Haus und dem in Großbuchstaben geschriebenen “Help us” an der Wand auf sich hat.

Der Klappentext:

Eigentlich läuft gerade alles sehr gut im Leben von Zack, Ned und dem Rest der Clique. Nach den schrecklichen Erlebnissen in CyberLondon ist der Alltag wieder eingekehrt und die Freunde testen ihr eigenes CyberGame, um es für die Veröffentlichung fertigzustellen.

Doch dann tauchen Zacks Eltern überraschend in London auf und in der CyberWorld sucht ein Unbekannter die Aufmerksamkeit der Freunde – mit äußerst drastischen Mitteln. Wer verbirgt sich hinter Anonymous und was will er von Ned, Will und ihren Freunden?

Meine Meinung:

Nach dem letzten Band, der mir trotz der längeren Pause noch sehr gut in Erinnerung ist, geht die Autorin es dieses Mal wieder etwas ruhiger an. Sehr gut so, denn ich bin mir nicht sicher, ob ich nach dieser Achterbahnfahrt im fünften Teil (Rezi dazu hier) weitere Aufregungen vertragen hätte. Wobei das aber nun nicht heißen soll, dass absolut gar nichts passiert, ganz im Gegenteil.

Nadine Erdmann konzentriert sich in diesem Band erstmals auf eine Figur, die bisher eher als ruhiger Gegenpol zu Jamie in Erscheinung getreten ist: Zack. Zack, der von Anfang damit zu kämpfen hatte, dass er seinen Eltern so gar nichts bedeutet. Als diese nach London kommen und Zack nach New York mitnehmen wollen, zwingen sie ihn damit nun endgültig dazu, sich mit seinem Verhältnis zu ihnen auseinanderzusetzen. Auf diese Weise lernen wir Leser auch eine Seite von Zack kennen, eine, die bisher eher im Hintergrund geblieben ist.

Dies mag auf den ersten Blick erschrecken, hat mir aber sehr gut gefallen, denn jeder Mensch hat mit seinen Dämonen zu kämpfen, man sieht es ihnen in der Regel nur nicht an. Diese Entwicklung verleiht der Figur nun deutlich mehr Tiefe als bisher, wo der Schwerpunkt eher auf Jamie gelegen hat, der mit den Folgen seines Unfalls leben muss.

Der zweite Teil widmet sich dem Rätsel in der Geschichte, denn wer ist Anonymous und was will er? Offensichtlich ist er ein echtes As am Computer, weil es ihm mühelos gelingt, die Sicherheitsmaßnahmen von Will und Ned für ihr neues Cybergame zu umgehen. Nachdem lange Zeit nicht klar ist, ob er in Verbindung zu den Terroristen R.A.T.s (die wir in Teil 5 kennenlernen durften) steht, müssen unsere Helden sehr vorsichtig zu Werke gehen.

Im Vergleich zu Zacks Geschichte fand ich diesen Teil jedoch den schwächeren, weil die Idee zur Auflösung (die für mich eigentlich früh auf der Hand lag) für unsere Helden erst recht spät auftaucht – und im Verhältnis dann ziemlich zügig erzählt wird. Das ging mir persönlich einfach ein klein bisschen zu schnell, auch wenn hier einige sehr, sehr herzige Szenen auftauchen, die vor allem das jüngere Lesepublikum sicher mögen wird.

Trotzdem bin ich selbstverständlich gespannt auf den letzten Teil, der hoffentlich die verbliebenen, noch offenen Handlungsstränge zu einem zufrieden stellenden Ende führen wird. Die Autorin gibt netterweise im Nachwort einen kleinen Hinweis, was uns erwarten wird (weshalb ich jetzt erst recht neugierig bin, logisch).

Mein Fazit:

“CyberWorld 6.0” habe ich im Vergleich zu den beiden vorigen Bänden als etwas schwächer empfunden, was aber nicht heißt, dass der Autorin nicht trotzdem eine sehr lesenswerte Geschichte gelungen ist. Vor allem Fans von Zack werden dieses Mal auf ihre Kosten kommen, diese sehr persönlichen Szenen waren für mich in diesem Band das absolute Highlight!

  • ★★★★
  • E-Book
  • 284 Seiten
  • Greenlight Press
  • 978-3958343108
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Rezension Heather Morris – Der Tätowierer von Auschwitz

Ich erinnere mich, dass ich schon zu Beginn dieses Jahres das erste Mal auf dieses Buch aufmerksam wurde, als es auf Englisch auf einem Blog (glaube ich) vorgestellt wurde. Das Thema fesselte mich sofort, denn Auschwitz ist nun mal nicht unbedingt ein Ort, den man mit dem Kennen und Lieben Lernen zweier Menschen verbindet.

Aus diesem Grund wanderte es einmal auf meine Merkliste, mit dem Hintergedanken es zu lesen, wenn es als Taschenbuch erscheinen würde … Umso überraschter war ich ehrlich gestanden, als ich es im August bereits auf Deutsch – und auch als Hörbuch –  entdeckte.

Der Klappentext:

1942 wurde Lale Sokolov nach Auschwitz deportiert. Seine Aufgabe war es, Häftlingsnummern auf die Unterarme seiner Mitgefangenen zu tätowieren, jene Nummern, die später zu den eindringlichsten Mahnungen gegen das Vergessen gehören würden. Er nutzte seine besondere Rolle und kämpfte gegen die Unmenschlichkeit des Lagers, vielen rettete er das Leben. Dann eines Tages tätowierte er den Arm eines jungen Mädchens – und verliebte sich auf den ersten Blick in Gita. Eine Liebesgeschichte begann, an deren Ende das Unglaubliche wahr werden sollte: Sie überlebten beide.

Eindringlich erzählt Heather Morris die bewegende, wahre Geschichte von Lale und Gita, die den Glauben an Mut, Liebe und Menschlichkeit nie verloren.

Meine Meinung:

Die Geschichte von Lale und Gita ist bemerkenswert, gar keine Frage – und ich sehe das Buch auch als einen wichtigen Beitrag gegen das Vergessen. Es gibt wohl nur ganz wenige Bücher, die von jemandem inspiriert sind, der das Grauen an diesem Ort erlebt und – vor allem – überlebt hat.

Trotzdem hatte ich beim Hören so meine Probleme: Das Eindringliche, das im Klappentext erwähnt wird, habe ich sehr oft einfach nicht spüren können. Der Erzählstil des Buches ist in meinen Augen fast zu sachlich gehalten, trotz der vielen Dialoge, die die Autorin eingefügt hat.

Aus diesem Grund habe ich mich immer wieder gefragt, was ich hier vor mir habe, ein Sachbuch, das Sequenzen eines Romans enthält, oder einen belletristischen Roman, der sich sehr strikt an die Erinnerungen Lales hält. Für mich ist hier irgendwie eine Mischung aus beidem herausgekommen …

Diese Sachlichkeit ist es auch, die mir den Zugang zeitweise sehr schwierig gemacht hat. Irgendwie hatte ich erwartet, mehr Gefühle zu durchleben, stattdessen gingen viele Szenen einfach an mir vorbei, obwohl sie eigentlich etwas in mir hätten auslösen müssen. Nicht einmal die aufkeimende Liebe zu Gita wurde auf diese Weise für mich transparent, irgendwie lernt Lale Gita kennen (soweit man in Auschwitz überhaupt von “Kennenlernen” sprechen kann) und ist dann ruckzuck in sie verliebt, obwohl er recht lange nur sehr wenig von ihr weiß.

Ich möchte aber nicht nur kritisieren, denn wenn Lales Erinnerungen korrekt sind, gab es auch kleine Funken von Menschlichkeit in Auschwitz. Menschen, die im Geheimen versucht haben, den Lagerinsassen zu helfen, und sie vielleicht nicht retten, aber ihnen zumindest das Leben in Form von geschmuggelten Lebensmitteln und Medikamenten leichter machen konnten.

Gerade diese kleinen Momente ließen mich dran bleiben, die Neugier, wer von den Nebenfiguren es denn schaffen würde. Ein Gefühl, das mich leider weniger mit den Hauptfiguren verbunden hat, da ich ja schon vor dem Lesen wusste, dass sie Auschwitz, seine Krankheiten und Foltern überleben würden …

Gut gefallen hat mir auch das Nachwort der Autorin, wo sie das Kennenlernen von Lale als altem Mann schildert. Hier merkt man ihr an, dass ihr Lales Leben wohl doch sehr nah gegangen sein muss, denn sie spricht von einer Lektion in Menschlichkeit … Wenige Worte nur, aber sie konnten mich mehr berühren als das Buch selbst (Obwohl die Geschichte natürlich notwendig ist, um zu verstehen, was die Autorin mit dem Nachwort sagen möchte).

Abgerundet wird das Hörbuch von einigen Anmerkungen, die das weitere Schicksal der beiden Liebenden schildern. Ein sehr passender Abschluss, den es hat mich durchaus interessiert, wie es Gita und Lale nach der Nazi-Zeit ergangen ist. Und damit einher geht auch ein Kompliment an den HörbucHHamburg Verlag, denn oft werden solche Dinge dem Hörbuch-Fan ja leider unterschlagen.

Mein Fazit:

Ich vergebe 4 Sterne aufgerundet, denn summa summarum hat “Der Tätowierer von Auschwitz” bei mir sehr gemischte Gefühle erzeugt. Ich maße mir nicht an zu urteilen, ob die Autorin diesen sachlichen Schreibstil absichtlich gewählt hat (woraus zumindest aus dem Nachwort zu schließen ist), aber so richtig nah ging mir das Buch tatsächlich erst durch das Nachwort …

  • ★★★★
  • Hörbuch
  • 439 Minuten
  • HörbucHHamburg
  • 978-3869524092
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Tops & Flops / 08.2018

Der August war im Vergleich zum Juli wieder ein etwas stärkerer Lesemonat. Es wird allerdings wahrscheinlich auch der letzte Monat in diesem Jahr gewesen sein, vermute ich, bei dem ich sagen kann, dass ich mehr als zehn Bücher in vier Wochen gelesen habe. Denn: Ich habe da so meine Vermutung, wie es in naher Zukunft mit meiner privaten Lesezeit aussehen wird – und die ist nicht so rosig …

Aber gut, lassen wir die Schwarzmalerei und schauen wir mal, was der August mir so gebracht hat. Ein Stichwort, was ich mit diesem Monat auf jeden Fall verbinde, ist “Neuerscheinungen”. Der SuB ist zwar ein klein bisschen geschrumpft, aber noch nicht nennenswert. Aber gut, wenn von den Lieblingsautoren etwas Neues erscheint, dann muss der SuB eben warten, stimmt’s?

Tops & Flops

Und etwas weiteres Gutes hat das auch: Ich habe mich aus meiner beginnenden Leseunlust befreien können. Nachdem der Juli eher mau war, habe ich mich zu Beginn des Monats nämlich bei einigen Büchern doch etwas treten müssen, sie zu lesen …

Deswegen hat es mich umso mehr gefreut, dass neben “Vox”, worauf ich schon länger neugierig war, auch endlich “Thalamus”, der neue Jugendthriller von Ursula Poznanski, zur Monatsmitte erschienen ist.

Top des Monats

Das Hörbuch zu “Thalamus” hat sich bei mir auch den in meinen Augen sehr verdienten Stockerlplatz im August geholt. Eine spannende Geschichte und eine tolle Lesung ließen mich tatsächlich seit langem wieder einmal an einem Hörbuch mehr oder weniger festkleben.

Das passiert mir mittlerweile nicht mehr oft, aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass Ursula es einfach draufhat, Geheimnisse und Rätsel so sehr mit einer unheimlichen Atmosphäre zu verweben, dass ich einfach nicht anders kann, als – in diesem Fall – zu hören, zu hören und nochmal zu hören …

Nach dem etwas untypischen “Aquila” ist die Autorin außerdem wieder zu dem zurückgekehrt, was sie am besten kann: Ein technisches Thema aufzugreifen und das mit viel Phantasie in ihren Roman einzubringen. Welches das ist, verrate ich natürlich nicht (Spoilergefahr), aber als altem Phantastik-Fan war es mir nicht fremd ;).

Flop des Monats

Einen echten Flop hat es im August Gott sei Dank nicht gegeben. Ich musste sogar eine Weile nachdenken, welchen Buchtitel ich wählen sollte. Am Ende habe ich mich wegen des eher enttäuschenden Endes doch für “Vox” entschieden.

Ich gebe zu, dass ich mir von diesem Buch alleine aufgrund seines Themas einiges erwartet habe, es wäre aber sicher besser gewesen, das nicht zu tun. Der Anfang war für mich ja auch sehr viel versprechend, da bin ich nur so durch die Seiten geflogen … Deswegen hat mich dieses Ende wohl umso mehr enttäuscht, schätze ich.

Den Fall “Starker Anfang, schwaches Ende” hatte ich jedenfalls schon länger nicht mehr bei einem Buch, das hat es mir auch nicht leicht gemacht, die richtigen Worte für meine Rezension zu finden …

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Rezension Christina Dalcher – Vox

Ich weiß gar nicht mehr, wann genau ich das erste Mal auf das Buch aufmerksam wurde, aber es liegt schon eine Weile zurück … Was ich aber noch genau weiß, ist, dass ich nach dem Lesen des Klappentexts auf der Stelle Feuer und Flamme für diese Geschichte war. Was für eine großartige Idee!

Deswegen beschloss ich auch, eine Leserunde zu “Vox” auf meinem Blog zu veranstalten, um es gemeinsam zu lesen und unsere Eindrücke zu diskutieren.

Der Klappentext:

In einer Welt, in der Frauen nur hundert Wörter am Tag sprechen dürfen, bricht eine das Gesetz. Das provozierende Überraschungsdebüt aus den USA, über das niemand schweigen wird!
Als die neue Regierung anordnet, dass Frauen ab sofort nicht mehr als hundert Wörter am Tag sprechen dürfen, will Jean McClellan diese wahnwitzige Nachricht nicht wahrhaben – das kann nicht passieren. Nicht im 21. Jahrhundert. Nicht in Amerika. Nicht ihr.
Das ist der Anfang.
Schon bald kann Jean ihren Beruf als Wissenschaftlerin nicht länger ausüben. Schon bald wird ihrer Tochter Sonia in der Schule nicht länger Lesen und Schreiben beigebracht. Sie und alle Mädchen und Frauen werden ihres Stimmrechts, ihres Lebensmuts, ihrer Träume beraubt.
Aber das ist nicht das Ende.
Für Sonia und alle entmündigten Frauen will Jean sich ihre Stimme zurückerkämpfen.

Meine Meinung:

“Der Roman, den jede Frau lesen muss” – das sagt zumindest der S.Fischer-Verlag, der das Buch bei uns auf dem Markt gebracht hat. Nun, ich sage: Nein! Warum, erkläre ich noch. Schauen wir erst einmal auf die Zutaten zu diesem dystopischen Roman, bei dem leider in der Endversion der Brief an die Leser und das Interview mit der Autorin weggefallen sind …

Beides fand ich durchaus interessant, denn die Autorin verrät darin auch, dass sie den Roman nicht unbedingt als feministischen Roman sieht, sondern eher als Gedankenspiel, was mit einer Gesellschaft passiert, wo auf einmal die Hälfte der Menschen nicht mehr sprechen darf. Als Linguistin ist die Autorin schließlich vom Fach, weiß, wovon sie schreibt.

Die Geschichte beginnt für meinen Geschmack durchaus spannend, wir lernen die Protagonistin Jean, 43, verheiratet, Mutter von vier Kindern, ehemals renommierte Neurolinguistin, kennen. Das Verhältnis zu ihrem Mann Patrick ist aber nach siebzehn Jahren Ehe nicht mehr das, was es mal war. Besonderes Sorgenkind ist die jüngste Tochter Sonia, die genau wie ihre Mutter dank des Wortzählers an ihrem Handgelenk kaum sprechen darf.

In Rückblenden wird erzählt, wie es zur Entstehung dieses Systems kam, Jean macht sich dabei mehr als einmal Vorwürfe, dass sie selbst im Gegensatz zu ihrer Freundin und Aktivistin Jackie nicht aktiv geworden ist. Der Alltag ist zu einem großen Schweigen geworden, der Frauen zurück an den Herd zwingt und der den Ehemännern, Vätern und Brüdern die Entscheidungsgewalt über ihre Frauen gibt.

Dies zeigt sich vor allem in den vielen kleinen Szenen, die die erste Hälfte des Romans dominieren, denn Jean darf im Grunde nichts mehr tun außer den Haushalt führen und (schweigend!) für ihre Familie da sein … Eine Begebenheit nach der anderen reiht sich aneinander, wo man sich als Leserin am liebsten übergeben würde, so viel Ungerechtigkeit ist entstanden – und niemand ist (zunächst) da, an den Jean sich wenden kann. Selbst ihr ältester Sohn Steven wendet sich von ihr ab, beeinflusst von der umfassenden Gehirnwäsche des Systems.

Wie in jeder guten Geschichte passiert allerdings etwas, was dafür sorgt, dass Jean sich einige Freiheiten zurück erkämpfen kann: Der Bruder des Präsidenten ist auf Jeans Fähigkeiten als Wissenschaftlerin angewiesen. Jean nutzt die Chance, um wieder in Kontakt mit ihrem alten Forscher-Team zu kommen, begegnet dabei auch ihrem italienischen Kollegen Lorenzo wieder, mit dem sie etwas mehr als nur die Arbeit verbindet.

Ab hier etwa setzte allerdings auch das Gefühl ein, mich immer mehr in der Handlung zu verlieren, nicht mehr mitzukommen … Viel zu viel blieb an der Oberfläche, ließ die Gefühle und das Grauen des Anfangs vermissen. Das Verständnis für die Motivation der Figuren, bestimmte Dinge zu tun, entglitt mir zunehmend. Stattdessen immer mehr Geheimnisse, immer mehr Fragen – und immer mehr Ungereimtheiten.

Wüsste man es nicht besser, könnte man meinen, zwei verschiedene Autoren haben an dieser Geschichte geschrieben. Einer, der sich Zeit genommen hat, einen wirklich beklemmenden, angsteinflößenden Anfang zu schaffen, aber auch einer, der anscheinend unter Zeitdruck gestanden hat, den Roman möglichst rasch zu einem Ende zu bringen.

Apropos Ende: Das Ende wurde von meinen Mitlesern in der Leserunde recht unterschiedlich wahrgenommen. Mir gefiel es grundsätzlich schon, wenn da allerdings nicht das große Aber wäre: Es wird viiiiel zu rasch erzählt! Dadurch wirkt es wie fast die gesamte zweite Hälfte des Romans eher lieblos und nur runtergeschrieben.

Dies ließ mich nach dem Beenden des Buches tatsächlich erst einmal ratlos zurück. Denn wie bewertet man ein Buch, dass man zu Beginn absolut fesselnd, spannend, grausam und traurig fand, das also jede Menge Gefühle ausgelöst hat, dann aber so absolut abstürzt, dass man am liebsten das Ende einfach vergessen und verdrängen möchte? Der Anfang verdient meiner Meinung nach problemlos vier Sterne, das Ende allerdings eher zwei …

Mein Fazit:

“Starker Anfang, schwaches Ende” – so könnte man “Vox” wohl am besten beschreiben, wenn man sich auf die vielbeschworenen 100 Wörter pro Tag für Frauen beschränken muss. Die Idee finde ich auch jetzt immer noch großartig, das letzte Drittel des Buchs möchte ich jedoch am liebsten aus meinem Gedächtnis streichen …

  • ★★★★★
  • E-Book
  • 400 Seiten
  • S. Fischer
  • 978-3103974072
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Book Title TAG – Mein Leben in Buchtiteln

Ich weiß, es ist schon ein bisschen her, seit der TAG an mich weitergereicht wurde, aber bis jetzt hat er noch nicht so richtig in meinen “Stundenplan” reingepasst 😀 … Nachdem aber sowohl Monerl als auch Petrissa neugierig auf meine Antworten waren, möchte ich euch heute nicht mehr länger auf die Folter spannen.

Anfangs dachte ich ja noch, puh, zehn Fragen, das wird sicher nicht einfach, aber lustigerweise habe ich die ersten vier doch recht schnell gefunden, nur bei einem habe ich ein bisschen länger gebraucht, um etwas Passendes zu finden. Ihr dürft raten, welche Frage das war, wenn ihr Lust habt!

Frage 1: Ein Titel, der die Geschichte deines Lebens beschreibt

Paula Hawkins – The Girl on the Train

Naja, ob es die Geschichte meines gesamten Lebens wirklich beschreibt, weiß ich nicht, aber auf jeden Fall wird er auf die baldige Zukunft passen, wenn ich ab Herbst regelmäßig zur FH pendeln werde.

 

Frage 2: Ein Titel, der dein perfektes Wochenende beschreibt

Michelle Birkby – The House at Baker Street

Logisch, Sherlock Holmes’ Adresse hat es natürlich in der Form nicht geben, aber so ein Wochenende in London auf den Spuren des Detektivs würde mich schon mal reizen :).

 

Frage 3: Der Titel eines Abenteuers, dass du gerne mal erleben möchtest

Hape Kerkeling – Ich bin dann mal weg

Ich schätze, ich werde es wohl aus Faulheit nie durchziehen, aber ich bewundere wirklich, dass Hape damals einfach alles hinter sich gelassen hat und auf den Jakobsweg gegangen ist …

 

Frage 4: Nach diesem Titel würdest du dein Kind benennen

Christine Nöstlinger – Die feuerrote Friederike

Leider ist die Autorin ja mittlerweile nicht mehr unter uns, aber sie hat für Kinder einige wirklich zauberhafte Geschichten geschaffen … Und wenn man genau hinschaut, sind sie zeitlos.

 

Frage 5: Dieser Titel wäre der ideale Job für dich

Bernhard Schlink – Der Vorleser

Ich glaub, das brauch ich wohl nicht weiter erklären, schätze ich. Wenn man einfach nur machen könnte, was einem Spaß macht, wäre das eine total schöne Sache :).

 

Frage 6: Dieser Titel wäre ein Ort, den du gerne mal besuchen möchtest

Henry Miller – Wendekreis des Steinbocks

Dieses Ziel lässt einiges offen, denn der Wendekreis zieht sich durch Australien, Madagaskar, Südafrika. und Südamerika … Und bis jetzt hab ich erst einen Kontinent kennengelernt.

 

Frage 7: Ein Titel, der dein Liebesleben beschreibt

Agatha Christie – Und dann gab’s keines mehr

Tja … Die Dinge sind, wie sie sind. Und irgendwann wird sich das auch wieder ändern, schätze ich. Einfach ein klein bisschen auf das Universum vertrauen, heißt es doch :).

 

Frage 8: Ein Titel, der eine Frage enthält, die du dich auch selber fragst

Cecilia Ahern – Flawed. Wie perfekt willst du sein?

Okay, der Titel ist ein klein bisschen ne Mogelpackung, weil die Frage eigentlich der Untertitel ist, aber ich finde sie überaus passend für eine Perfektionistin wie mich …

 

Frage 9: Ein Titel, der das Königreich enthält, dass du gerne beherrschen würdest oder dein Königreich danach benennen

George R.R. Martin – Die Herren von Winterfell

Ich gebe zu, ich habe hier auch kurz daran gedacht, Westeros zu nehmen, aber irgendwie hat dieses karge Reich im Norden von Westeros seinen ganz eigenen Reiz.

 

Frage 10: Ein Titel, nach dem du deine Band benennen würdest

Ursula Poznanski – Erebos

Bei dem Namen würde wahrscheinlich jeder vermuten, dass wir Metal spielen, aber unser Programm würde dann etwas anders aussehen, einfach um unsere Zuhörer ein bisschen zu überraschen :D.

 

Soooo, und jetzt die ganz große Preisfrage, wer den TAG eigentlich noch nicht gehabt hat … Mir kommt vor, der hat ja schon ne ziemlich große Runde hinter sich. Deswegen werde ich heute drauf verzichten, jemand Bestimmten zu nominieren und lasse ihn einfach zur freien Entnahme hier liegen.

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