Blogpause bis Ende Oktober

Eigentlich hatte ich nicht gedacht, dass es so schnell so turbulent auf der FH werden würde … Die erste Woche war noch relativ harmlos. Die zweite Woche hatte es aber schon in sich und die nächste Woche sieht im ersten Fach bereits die erste schriftliche Mitarbeitskontrolle vor …

Ihr könnt euch also vorstellen, dass das private Lesen im Moment ziemlich auf ein Minimum abgesunken ist. Ich hoffe, dass Ende Oktober zwischen unserem Nationalfeiertag (26.) und Allerheiligen mal wieder etwas Luft ist, um zumindest die angefangenen Bücher zu beenden. Was danach ist, will ich im Moment noch gar nicht so genau wissen, glaube ich.

Aus dem Grund werde ich in nächster Zeit auch keine Rezi-Exemplare annehmen, ich kann schlicht und einfach nicht sagen, wie lange ich für ein Buch brauche … Es fehlt einfach noch die Routine, denn unser Stundenplan ist a) jede Woche anders und sieht b) außerdem eine Anwesenheitspflicht vor, dementsprechend sind manche Tagen relativ lang …

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Rezension Andreas Eschbach – NSA

Bereits das Cover zu Andreas Eschbachs neuem Roman machte mich sofort neugierig. Das prominent platzierte Auge mit dem in Fraktur gesetzten Titel darunter – da konnte ich einfach nicht anders, als mir das Buch genauer anzusehen.

Und auch der Klappentext lies in mir alle Sirenen aufheulen, endlich mal wieder ein Buch, das so ganz genau vom Thema her meine Kragenweite ist <3 <3. Leider ist das Genre “Alternate History” bei uns ja leider kaum vertreten, dabei finde ich es so unheimlich spannend zu sehen, wie Geschichte sich hätte entwickeln können, wenn nur eine Sache anders passiert wäre …

Für diejenigen unter euch, die das Buch noch lesen wollen: Es ist eine Rezension mit gewissen Spoilern, also aufpassen!

Der Klappentext:

Weimar 1942: Die Programmiererin Helene arbeitet im Nationalen Sicherheits-Amt und entwickelt dort Programme, mit deren Hilfe alle Bürger des Reichs überwacht werdenErst als die Liebe ihres Lebens Fahnenflucht begeht und untertauchen muss, regen sich Zweifel in ihr. Mit ihren Versuchen, ihm zu helfen, gerät sie nicht nur in Konflikt mit dem Regime, sondern wird auch in die Machtspiele ihres Vorgesetzten Lettke verwickelt, der die perfekte Überwachungstechnik des Staates für ganz eigene Zwecke benutzt und dabei zunehmend jede Grenze überschreitet …
Was wäre, wenn es im Dritten Reich schon Computer gegeben hätte, das Internet, E-Mails, Mobiltelefone und soziale Medien – und deren totale Überwachung?

Meine Meinung:

Da ich mich dieses Jahr aufgrund der #widerdasVergessen Challenge vermehrt dem Thema “Drittes Reich” widme, ist es nicht ausgeblieben, dass ich mir genau diese Frage, die hier im Klappentext angerissen wird, bereits mehrmals gestellt habe … Was wäre, wenn die Technologie von heute sich mit der Geschichte von damals vermischen würde? Andreas Eschbach widmet sich der Frage auf diese Antwort ziemlich ausführlich, aber das Buch braucht die Seitenzahl tatsächlich, um sich in seiner ganzen Bandbreite zu entfalten.

Dabei geht Eschbach einen sehr interessanten Weg, denn er steigt in seine Geschichte im Jahr 1942 ein, in das Jahr, in dem der Zweite Weltkrieg, so wir wie ihn kennen, an einem Wendepunkt gestanden hat. Stalingrad ist bekannt dafür, dass die deutsche Armee nicht so unbesiegbar, wie es zunächst den Anschein hatte.

Aber was wäre, wenn die Komputer-Technologie (Ich schreibe das Wort übrigens jetzt absichtlich mit K, denn der ganze Roman kennt so gut wie keine Anglizismen, dafür aber jede Menge deutsche Ausdrücke, die anstelle von Handy, E-Mail, Cloud-Speicher etc. verwendet werden) bereits schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts angefangen hätte sich zu entwickeln? Was wäre, wenn es ein Weltnetz bereits schon vor 1939 gegeben hätte?

Ich kann hier gar nicht anders, als meinen Hut zu ziehen, denn Eschbach verwebt die tatsächliche Geschichte mit seiner eigenen Version so geschickt, dass einem als unbedarftem Leser wahrscheinlich gar nicht alles auffällt. Hier und da tauchen Personen auf, die es wirklich gegeben hat (sowohl auf Seiten der Nazis als auch auf Seiten der Opfer), gerade die bekannten Namen sagen einem selbstverständlich etwas. Aber wo die Grenze zwischen erfundenen und echten Figuren zu ziehen ist, muss ich wohl noch einmal in Ruhe nachrecherchieren.

Auch den Aufbau des Buchs halte ich für sehr gelungen, denn Eschbach steigt mehr oder weniger mit einem Knalleffekt in sein Buch ein, einem Ereignis, das einem bereits nach den ersten Seiten ein Schaudern über den Rücken jagt. Danach gibt es einen großen Schwenk in die 30er Jahre, wo Eschbach den Leser Hitlers Aufstieg an die Macht durch die Augen seiner zwei Protagonisten Helene Bodenkamp und Eugen Lettke sehen lässt.

Helene und Eugen sind dabei sehr konträr: Helene selbst ist eher der Typ graue Maus, aber sehr intelligent, die nach und nach anfängt, ihr Leben selbst zu bestimmen (soweit das Regime es zulässt), während Eugen einen ziemlich miesen Charakter hat, der nur auf seinen Vorteil und auf sich selbst bedacht ist.

Trotzdem braucht es in meinen Augen diese beiden Figuren gleichermaßen, um mitzuerleben, wie das Regime nach und nach seine unheilvolle Macht entfesselt. In einem Land, wo es kein Bargeld mehr gibt, jede finanzielle Transaktion, jeder Anruf, jede Position eines “tragbaren Telephons”, jede Gesundheitsakte in den Datensilos des Staates bzw. der NSA gespeichert ist, gibt es keine Privatsphäre mehr. Bereits der Buchauftakt zeigt anschaulich, wie Big Data – das Verknüpfen von Informationen – dazu missbraucht wird, um Personen aufzustöbern, die von den Nazis nicht gefunden werden wollen.

Und dabei bleibt es nicht, der Autor gönnt dem Leser eigentlich nur kurze Verschnaufpausen, bis er weitere technische Entwicklungen – und damit weiteres Grauen – aus dem Ärmel zieht. Entwicklungen, die auch in der heutigen Zeit kontroversiell diskutiert werden und die häufig Gegenstand von dystopischen Romanen sind (Mehr verrate ich jetzt absichtlich nicht, sonst wäre es doch ein zu starker Spoiler).

Alles Dinge, die mich auch zu dem Schluss kommen haben lassen, dass Eschbach bewusst eine Parallele zur Gegenwart zieht. Ganz bewusst darauf hinweist, was heute passieren kann (und wird), wenn rechte Gesinnungen an die Macht kommen und über diese Mengen an Daten, die bereits existieren, nach Belieben verfügen können. Jeder, aber auch wirklich jeder hat irgendein Geheimnis, mit dem er sehr einfach erpressbar wird …

Je weiter das Buch fortschreitet, desto intensiver wird in meinen Augen diese Erfahrung. Es fühlt sich an wie ein Auto, das langsam anrollt und immer schneller wird, und wo man mitfahren muss, ob man will oder nicht, obwohl man sich fragt, ob man es überleben wird …

Es reißt einen beim Lesen in einen sehr heftigen Strudel aus Gefühlen, das Buch ist grausam, verstörend, gewaltig – und gerade deswegen so verdammt gut! Denn Eschbach schont den Leser nicht, führt ihn kompromisslos bis ans Ende der Geschichte. Ein Ende, das mich mit so vielen widersprüchlichen Gefühlen zurückgelassen hat, dass ich erst mal gar nicht anders konnte, als eine Pause bis zum nächsten Buch einzulegen, um dieses Szenario zu verdauen.

Wer mich kennt, weiß, dass ich fünf Sterne Empfehlungen nicht sehr häufig ausspreche und noch viel seltener das Prädikat “Highlight” vergebe, aber dieses Buch verdient es. Gewiss, es ist Unterhaltung, aber die Botschaft ist eindeutig: “NSA” ist eine eindringliche Warnung davor, was passieren kann, wenn Daten, die wir bewusst oder unbewusst zur Verfügung gestellt haben, gegen uns verwendet werden …

Mein Fazit:

“NSA” ist vordergründig ein Gedankenspiel, aber gleichzeitig auch eines, was unter den gegebenen politischen Umständen erschreckend realistisch ist. Dieses Buch weckt jede Menge Emotionen beim Lesen, es wühlt auf, es verstört – aber gerade deswegen ist es wertvoll! Daher absolute und uneingeschränkte Leseempfehlung!!

  • ★★★★★
  • Gebunden
  • 796 Seiten
  • Bastei Lübbe
  • 978-3785726259
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Tops & Flops / 09.2018

Bevor es wie gewohnt an den monatlichen kurzen Rückblick geht, möchte ich die Gelegenheit nutzen, euch zu sagen, dass dies in diesem Jahr die letzten Tops & Flops sein werden. In Zukunft werden sie nämlich nur noch zu Beginn eines neuen Quartals erscheinen … Den Grund könnt ihr euch wahrscheinlich schon denken: Es ist das Studium. Denn morgen geht es los, ab morgen werde ich mich tatsächlich wieder für die nächsten drei Jahre Studentin nennen dürfen.

Das bedeutet aber auch, dass ich erst einmal davon ausgehe, dass ich in einem Monat einfach nicht mehr genügend (private) Bücher lesen werde, um monatlich eine Auswahl für den besten und schlechtesten Buchtitel treffen zu können. Daher wird es die Tops & Flops nur noch alle drei Monate geben. Nur damit ihr Bescheid wisst :).

Aber blicken wir jetzt erst einmal auf den September zurück. Wie bereits erwartet, fällt er im Vergleich zum August wieder etwas schwächer aus, aber ich bin trotzdem sehr zufrieden, denn ich durfte endlich wieder einmal ein Buch in die Finger bekommen, das sich bei mir das Prädikat “Highlight” verdient hat.

Tops & Flops

Wer mich kennt, weiß, dass ich schon bei fünf Sternen sehr heikel bin, aber das Prädikat “Highlight” habe ich, seit ich blogge, erst ein einziges Mal ganz bewusst vergeben … Für diejenigen, die jetzt wissen wollen, welches Buch das war: Kristin Hannah hat mit “Die Nachtigall” ein sehr eindringliches Buch geschrieben, das mich auch lange nach dem Lesen nicht losgelassen hat, so plastisch war es geschrieben …

Genauso eindringlich und lebendig habe ich auch meinen absoluten Toptitel in diesem Monat empfunden. Ich wage sogar, folgendes zu sagen: Lest dieses Buch! Selbst wenn ihr nicht mehr als ein Buch im Jahr lest – dieses eine sollte es sein.

Top des Monats

So, um euch nun nicht länger auf die Folter zu spannen, von welchem Buch ich rede: Es ist “NSA” von Andreas Eschbach. Mit 800 Seiten kein Buch, was man mal eben so nebenher liest, aber irgendwann merkt man die Seitenzahl einfach nicht mehr, man liest und liest und liest … Und denkt sich irgendwann, warum ist das Ende jetzt schon da?

Denn Eschbach versteht es mit diesem Buch wirklich, den Leser in seine (fiktive) Vergangenheit zu ziehen. Es ist wie ein Ritt in die Hölle und zurück, trotzdem kann man die Finger nicht von dem Buch lassen, trotzdem will man wissen, was als nächstes kommt, welche perfide Idee als nächstes umgesetzt wird.

Seid auf jeden Fall gewarnt: Das Buch ist alles andere als leichte Lektüre! Im Vergleich zu “Vox”, das in gewisser Weise ein ähnliches Thema hat, rudert Eschbach nicht zurück. Er geht konsequent den eingeschlagenen Weg weiter, schont den Leser nicht … “NSA” ist damit im Vergleich das, was “Vox” hätte sein können, hätte sich die Autorin nur etwas mehr mit ihrer Geschichte getraut.

Die Rezi zu NSA erscheint dann in den nächsten Tagen, aber eines sage ich jetzt schon bzw. wiederhole ich: Lasst euch dieses Buch nicht entgehen, es ist absolut genial!

Flop des Monats

Unter den deutschen Bullet Journal-Fans genießt Jasmin Arensmeier alias jasminar ja einen gewissen Kultstatus. Grund genug, dass ich mir dachte, mir das Buch zum Vergleichen zu holen. In der Zwischenzeit habe ich ja bereits zwei weitere Bücher zu dem Thema gelesen 🙂 …

Da Ratgeber bei mir etwas sind, was ich meistens tatsächlich nur einmal lese (manchmal noch zum Nachschlagen nutze), sind das Bücher, die ich mittlerweile fast ausschließlich digital kaufe (sie nehmen auf die Art und Weise ja auch weniger Platz in meiner kleinen Regalwand ein).

In der Regel lese ich solche Bücher gewöhnlich am Tablet, damit ich mir die Bilder in Farbe ansehen (und bei Bedarf zoomen) und mir auch die Schriftgröße so einstellen kann, dass ich ein angenehmes Leseerlebnis habe.

Es sind aber sowohl Gestaltung als auch Ausführung dieses Buchs für mich sehr, sehr gewöhnungsbedürftig. Das E-Book weist einige Schnitzer beim Layout auf, die die Printausgabe in dieser Form nicht hat (Ich habe mich davon in der Buchhandlung meines Vertrauens davon selbst überzeugen können). Hier sollte der Verlag unbedingt nachbessern, denn zerschnittene (und schlecht zusammengefügte) Fotos sehen nicht schön aus! Genauso wenig wie Listenzeichen, die eine ganze Zeile oberhalb des Listeneintrags stehen oder ein Index am Ende, dessen Einträge nicht verlinkt sind …

Was mir auch nicht gefallen hat, ist der Schreibstil der Autorin. Sorry, wenn das vielleicht pingelig wirken mag, aber Wörter wie zum Beispiel “Aufschriebe” mag ich einfach nicht in einem Ratgeber lesen (und die Autorin verwendet es ziemlich oft in ihrem Buch, es ist also kein Zufall). Es gibt außerdem noch einiges mehr, was ich nicht gut fand, weswegen ich darüber nachdenke, dem Buch doch noch wenigstens eine Kurzrezension zu “widmen” – daher meine Frage an euch: Würde euch das interessieren?

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Das Serien ABC

Eigentlich wollte ich diesen TAG schon viel früher machen, ich gebe es zu. Ich wurde zwar nicht nominiert, aber seit ich “Das Serien ABC” im Juli bei Christin von life4books.de entdeckt habe, kroch die Idee durch mein Gehirn, mit diesem TAG ein klein bisschen widerzuspiegeln, welche Serien ich im Lauf der Zeit kennen- und lieben gelernt habe.

Also lehnt euch zurück, entspannt euch, holt euch was zum Trinken oder zum Knabbern (oder beides) und lest, was ich so zu sagen habe. Es könnte etwas länger werden ;).

A – Amazon Prime or Netflix?

Uff, bereits die erste Frage lässt sich für mich nicht so eindeutig beantworten. Angefangen habe ich letztes Frühjahr mit Netflix mehr oder weniger wegen “13 Reasons why”, im Herbst dann Prime dazu genommen, aber nicht unbedingt wegen der Filme und Serien (obwohl es mittlerweile einige geniale Serien nur dort gibt). Ergo: Das Zünglein an der Waage schwankt, ist im Zweifelsfall aber Netflix zugewandt.

B – Binge Watching or “One Episode a Week”?

Die nächste knifflige Frage :D. Eigentlich versuche ich immer mich zurückzunehmen, eine Serie nicht zu schnell durchzugucken, um sie eben so richtig zu genießen. Die Realität sieht aber oft so aus, dass ich auf einmal drei, vier oder fünf Folgen am Stück schaue (vorausgesetzt ich habe die Zeit dazu), wenn mich eine Serie so richtig fesseln kann. Und ich kann mich auch an Wochenenden erinnern, wo ich mittags angefangen habe und irgendwann in der Nacht aufgehört habe, weil mir einfach die Augen zugefallen sind …

C – Cast Love

Back to the 90ies: “Star Trek: Deep Space Nine” hat dieses Jahr sein 25jähriges Jubiläum gefeiert (1993 wurde die erste Folge im amerikanischen TV ausgestrahlt), deswegen gab es einige Conventions, wo die Stars zusammen von ihrer Zeit damals erzählt habe. Da habe ich richtig gemerkt, wie sehr den Leuten das damals Spaß gemacht hat und wie gern sie Anekdoten davon erzählen.

D – Drink of Choice while watching a TV-Series

Gibt’s eigentlich keinen Bestimmten. Einfach aus dem Grund, weil mir im Sommer meistens der Sinn nach anderen Getränken steht als im Winter. Aber was mittlerweile eigentlich fast immer geht, ist ein gut gekühltes Fläschchen Stibitzer (eine österreichische Cider-Marke) :).

E – English (O-Ton) vs. German (Synchro)?

Irgendwann habe ich es schon mal geschrieben, aber ich stehe dazu: Ich bin faul. Wenn ich eine Serie also noch nicht kenne und die Wahl zwischen Deutsch und Englisch habe, wähle ich häufig Deutsch. Trotzdem gibt es einige Serien, die ich ausschließlich auf Englisch gucke oder geguckt habe. Woran das liegt, ist relativ einfach: Englisch schaue ich eben, wenn es die Serie nicht auf Deutsch gibt – und dann bleibe ich auch beim Englischen, weil ich keine Lust habe, mich auf neue Stimmen bei den Figuren einzulassen … Weiterlesen »

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Rezension Robert C. Marley – Inspector Swanson und die Frau mit dem zweiten Gesicht

“Inspector Swanson und die Frau mit dem zweiten Gesicht” ist mittlerweile schon der fünfte Band aus der Reihe um den sympathischen Chief Inspector aus London, den es tatsächlich gegeben hat. In diesem Band widmet sich Robert C. Marley einem Thema, das gegen Ende des 19. Jahrhunderts bzw. zu Beginn des 20. Jahrhunderts sehr beliebt war: dem Spiritismus.

Der Klappentext:

London 1894 – Während in den Salons der feinen Gesellschaft rauschende Feste gefeiert werden und spiritistische Sitzungen, Hellseher und Geisterbeschwörer der letzte Schrei sind, kommt auf dem Markt von Covent Garden ein Straßenjunge unter mysteriösen Umständen zu Tode.

Was zunächst nach einem Routinefall aussieht, entpuppt sich schließlich als unheimliches Verbrechen, das Chief Inspector Swanson nicht nur an seinem gesunden Menschenverstand zweifeln lässt, sondern ihn und sein Team auch an die Grenzen ihrer Kräfte bringt …

Meine Meinung:

Bereits mit dem Prolog sind wir mitten in der Geschichte drin, denn dieser wird aus der Sicht der jungen Louisa Balshaw erzählt, die offensichtlich Kontakt zu Geistern aufnehmen kann und die seit einiger Zeit sehr erfolgreich als Medium in London arbeitet.

Der Schwerpunkt dieser Geschichte liegt aber auf dem Straßenjungen Billy, der von allen nur Badger genannt wird. Als sein Freund Meg unter mysteriösen Umständen zu Tode kommt, wird Swanson zusammen mit Sergeant Phelps aktiv, denn er glaubt nicht an eine Krankheit, der der Junge erlegen ist.

Wie bereits in den früheren Geschichten mischen auch hier zwei weitere Bekannte mit, die Frederick Greenland unbedingt mit zu einer Séance nehmen wollen: Oscar Wilde und Sir Arthur Conan Doyle. Durch die Verbindungen der Figuren untereinander nimmt die Geschichte dann Fahrt auf, denn irgendwie stehen offensichtlich der tote Junge und das Balshaw-Haus in einer Verbindung miteinander …

Der Klappentext verspricht hier übrigens nicht zu viel, denn gerade der Auftakt hat wirklich etwas Unheimliches an sich … Und es bleibt in dem Zusammenhang natürlich nicht aus, dass sich auch der eher nüchterne Donald Swanson mit der Frage nach der Existenz von Geistern beschäftigen muss.

Im Vergleich zu den früheren Bänden nimmt unser ermittelnder Chief Inspector hier aber  eigentlich eine Nebenrolle ein, denn die wirkliche Hauptfigur ist meines Erachtens nach Badger. Badger, der zwar noch recht jung ist, durch seinen Freund Meg aber schon einiges gelernt hat. Und obwohl er als Taschendieb arbeiten und Informationen für seinen Quartiergeber Mister Specs besorgen muss, nicht auf den Kopf gefallen ist. Von ihm möchte ich gerne mehr in zukünftigen Bänden lesen!

Der Krimi ist dieses Mal recht solide ausgefallen, wo das Motiv zu suchen ist, lag in meinen Augen eigentlich schon sehr früh auf der Hand, lediglich wer genau der Täter war, war für mich eine gewisse Überraschung. Ein klassischer Fall von Fifty-Fifty, wo ich die falschen 50% erwischt habe.

Was ich allerdings ein klein wenig schade fand, war, dass das Finale – und damit die Auflösung –  verhältnismäßig rasch erzählt wurde. Da wäre schon noch etwas mehr drin gewesen. Ins Detail kann ich jetzt leider nicht gehen (Spoilergefahr), aber einige Fragen blieben für meinen Geschmack unbeantwortet, deren Antwort bzw. Bestätigung mich sehr wohl interessiert hätte …

Mein Fazit:

“Inspector Swanson und die Frau mit dem zweiten Gesicht” ist ein solider historischer Krimi, der mit der Figur des Straßenjungen Badger auch sozialkritische Töne anschlägt. Der Straßenjunge selbst hat sich einen Platz in meinem Herzen erobert, daher hoffe ich darauf, dass er auch in zukünftigen Bänden vorkommen wird.

  • ★★★★
  • E-Book
  • 280 Seiten
  • Dryas
  • 978-3940855817
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Handlettering der Buchblogger / 09.2018

So wie es im Moment aussieht, ist das heute wohl auf absehbare Zeit das letzte Handlettering, das ich für die Aktion verlässlich beisteuern kann. Im Oktober beginnt schließlich mein FH-Studium und ich tue mich derzeit noch etwas schwer einzuschätzen, wie viel Zeit mir daneben zum Lettern bleiben wird …

Trotzdem möchte ich es mir nicht nehmen lassen, euch heute zum September-Thema etwas zu zeigen, was mir sehr viel Spaß gemacht hat beim Erstellen :). Tanja und Leni haben sich dieses Mal in die Welt der Fantasy begeben, es Gott sei Dank aber offengelassen, was man genau machen möchte.

Das Thema lautete:
Lettere ein Fantasywesen

In gewisser Weise wieder eine kleine Challenge, denn meine Freihand-Zeichenkünste sind einfach nicht so das Wahre … Zwerge, Orks, Einhörner oder sonstige Wesen sehen mir bei mir nur ordentlich aus, wenn ich sie irgendwo abzeichnen oder abpausen kann. Dementsprechend habe ich mir überlegt, was ich denn mit meinen Fähigkeiten anstellen kann, um trotzdem etwas Hübsches zu zaubern.

Am Ende habe ich beschlossen, mich wieder ein wenig der Mythen- und Sagenwelt zu bedienen. Dieses Mal aber der germanischen Sagenwelt, die neben den Göttern ja ebenfalls reich an Tieren ist, die bestimmte Fähigkeiten mitbringen. Nebenher auch ein wunderbarer Grund, mich ein klein bisschen mehr mit den geheimnisvollen Runen zu beschäftigen, die die Germanen als Schriftzeichen verwendet haben.

Entschieden habe ich am Ende für den Fenriswolf, der durch seine Größe und Stärke sogar den Göttern ein Dorn im Auge war. Am Ende war ihm allerdings ein eher trauriges Los beschieden. Nichts Neues, wenn sich irgendwo irgendwer von irgendwem bedroht fühlt … Falls ihr mehr über den Wolf wissen wollt: Die Wikipedia ist – wie meistens – unser bester Freund.

Das Lettering besteht dieses Mal aus drei Teilen, den Wörtern “Fenris” bzw. “Wolf” und einem kleinen Icon in Form eines Wolfskopfs, das ich verwenden wollte, um die Runen voneinander abzugrenzen. Da ich wie bereits erwähnt, kein wirkliches Zeichengenie bin, habe ich im Internet nach einer frei nutzbaren Vorlage gesucht und bin schließlich bei Icons8 fündig geworden.

Gearbeitet habe ich wieder einmal mit meinen Stabilo-Stiften und meinem Tonpapier. Für das Lettering der Buchstaben habe ich ein dunkles Grau verwendet, was allerdings jetzt auf dem Foto wohl eher wie ein Schwarz wirkt, aber ihr seht es ja an den Stiften :).

Zu den Runen möchte ich auch noch gerne etwas loswerden: Dass es verschiedene Formen des sogenannten Futhark (So nennt man die Gesamtheit der Runen nach den ersten Buchstaben des Alphabets) gegeben hat, war mir am Rande gerade noch bewusst. Was ich allerdings nicht gewusst habe, ist, dass dieses Alphabet in seiner jüngsten Form in den nordischen Ländern noch bis ins 15. Jahrhundert hinein existiert hat.

Für mein Lettering habe ich mich allerdings der Runen des älteren Futhark bedient, wie sie im sechsten Jahrhundert geschrieben wurden. Dieses Alphabet bestand aus 24 Zeichen und jeder Buchstabe hatte neben dem Laut auch noch einen Namen. In diesem Zusammenhang erlangten viele Runen eine recht traurige Berühmtheit, da sie für die verdrehten Ariervorstellungen der Nazis herhalten mussten.

Interessant finde ich auch, dass das Runenalphabet Teil der Unicode-Zeichen geworden ist. Kennt man die entsprechenden Kodierungen, kann man Runen also auch ohne das Installieren einer entsprechenden Schrift auf seinem Computer schreiben :).

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Rezension Nadine Erdmann – CyberWorld 6.0 “Anonymous”

Kaum zu glauben, aber wahr: Die phantastische Reihe rund um unsere jugendlichen Helden Jemma, Jamie, Zack, Will, Ned, Charlie steuert langsam, aber unerbittlich auf ihr Finale zu. Denn laut Autorin wird mit dem siebten Band das Ende erreicht sein.

Wie jedes Mal versteht es schon das Cover neugierig zu machen, denn zwangsläufig fragt man sich gleich einmal, was es mit diesem Haus und dem in Großbuchstaben geschriebenen “Help us” an der Wand auf sich hat.

Der Klappentext:

Eigentlich läuft gerade alles sehr gut im Leben von Zack, Ned und dem Rest der Clique. Nach den schrecklichen Erlebnissen in CyberLondon ist der Alltag wieder eingekehrt und die Freunde testen ihr eigenes CyberGame, um es für die Veröffentlichung fertigzustellen.

Doch dann tauchen Zacks Eltern überraschend in London auf und in der CyberWorld sucht ein Unbekannter die Aufmerksamkeit der Freunde – mit äußerst drastischen Mitteln. Wer verbirgt sich hinter Anonymous und was will er von Ned, Will und ihren Freunden?

Meine Meinung:

Nach dem letzten Band, der mir trotz der längeren Pause noch sehr gut in Erinnerung ist, geht die Autorin es dieses Mal wieder etwas ruhiger an. Sehr gut so, denn ich bin mir nicht sicher, ob ich nach dieser Achterbahnfahrt im fünften Teil (Rezi dazu hier) weitere Aufregungen vertragen hätte. Wobei das aber nun nicht heißen soll, dass absolut gar nichts passiert, ganz im Gegenteil.

Nadine Erdmann konzentriert sich in diesem Band erstmals auf eine Figur, die bisher eher als ruhiger Gegenpol zu Jamie in Erscheinung getreten ist: Zack. Zack, der von Anfang damit zu kämpfen hatte, dass er seinen Eltern so gar nichts bedeutet. Als diese nach London kommen und Zack nach New York mitnehmen wollen, zwingen sie ihn damit nun endgültig dazu, sich mit seinem Verhältnis zu ihnen auseinanderzusetzen. Auf diese Weise lernen wir Leser auch eine Seite von Zack kennen, eine, die bisher eher im Hintergrund geblieben ist.

Dies mag auf den ersten Blick erschrecken, hat mir aber sehr gut gefallen, denn jeder Mensch hat mit seinen Dämonen zu kämpfen, man sieht es ihnen in der Regel nur nicht an. Diese Entwicklung verleiht der Figur nun deutlich mehr Tiefe als bisher, wo der Schwerpunkt eher auf Jamie gelegen hat, der mit den Folgen seines Unfalls leben muss.

Der zweite Teil widmet sich dem Rätsel in der Geschichte, denn wer ist Anonymous und was will er? Offensichtlich ist er ein echtes As am Computer, weil es ihm mühelos gelingt, die Sicherheitsmaßnahmen von Will und Ned für ihr neues Cybergame zu umgehen. Nachdem lange Zeit nicht klar ist, ob er in Verbindung zu den Terroristen R.A.T.s (die wir in Teil 5 kennenlernen durften) steht, müssen unsere Helden sehr vorsichtig zu Werke gehen.

Im Vergleich zu Zacks Geschichte fand ich diesen Teil jedoch den schwächeren, weil die Idee zur Auflösung (die für mich eigentlich früh auf der Hand lag) für unsere Helden erst recht spät auftaucht – und im Verhältnis dann ziemlich zügig erzählt wird. Das ging mir persönlich einfach ein klein bisschen zu schnell, auch wenn hier einige sehr, sehr herzige Szenen auftauchen, die vor allem das jüngere Lesepublikum sicher mögen wird.

Trotzdem bin ich selbstverständlich gespannt auf den letzten Teil, der hoffentlich die verbliebenen, noch offenen Handlungsstränge zu einem zufrieden stellenden Ende führen wird. Die Autorin gibt netterweise im Nachwort einen kleinen Hinweis, was uns erwarten wird (weshalb ich jetzt erst recht neugierig bin, logisch).

Mein Fazit:

“CyberWorld 6.0” habe ich im Vergleich zu den beiden vorigen Bänden als etwas schwächer empfunden, was aber nicht heißt, dass der Autorin nicht trotzdem eine sehr lesenswerte Geschichte gelungen ist. Vor allem Fans von Zack werden dieses Mal auf ihre Kosten kommen, diese sehr persönlichen Szenen waren für mich in diesem Band das absolute Highlight!

  • ★★★★
  • E-Book
  • 284 Seiten
  • Greenlight Press
  • 978-3958343108
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