Rezension

Der Leseratz nagt an: 365 Tage

Ich habe tatsächlich nachschauen müssen, wann ich das letzte Mal ein Buch rezensiert habe, das ich so schlecht fand, dass ich aus meinem gewohnten Rezensionsschema ausgebrochen bin. Es war 2017 – und in beiden Fällen war es ein Buch von Audrey Carlan. Und damit wisst ihr auch schon, was euch heute erwartet, vorausgesetzt ihr habt “the very Best of” nicht sowieso schon auf Twitter verfolgt (Wer es nicht getan hat, die Suche nach #365Tage #YayOrNay hilft euch weiter 😁).

Im Gegensatz zu den Carlan-Büchern war mir hier allerdings schon in etwa klar, worauf ich mich einlasse, weil mich schon im Vorfeld Infos wie “noch schlechter als 50 Shades of Grey” oder “die Fanfiction von der Fanfiction von Twilight” erreichten.

Ein- bis zweimal im Jahr zwickt mich aber die Neugier, wie tief das Niveau nach “Shades of Grey” noch werden kann. Ich will damit nicht sagen, dass mich nichts mehr überrascht, das stimmt nicht, aber es geht tatsächlich immer noch tiefer, selbst dann, wenn man denkt, der Bodensatz ist erreicht …


Das Buch

Autorin: Blanka Lipińska
Titel: 365 Tage

Klappentext:
Hotelmanagerin Laura fährt mit Freunden nach Sizilien. Sie will dort ihren Geburtstag feiern und hofft, dass auch ihr Freund Martin im Urlaub endlich mehr Zeit für sie haben wird. Doch es kommt ganz anders: Nach einem heftigen Streit verlässt Laura wutentbrannt das Hotel – und begegnet Don Massimo Torricelli. Der attraktive junge Don ist das Oberhaupt einer der mächtigsten Mafiafamilien Siziliens und gewohnt zu bekommen, was er will. Und Massimo will Laura. Er entführt sie in seine luxuriöse Villa und macht ihr ein Angebot: 365 Tage soll sie bei ihm bleiben, wenn sie sich bis dahin nicht in ihn verliebt hat, wird er sie gehen lassen. Massimo ist siegessicher, doch er hat nicht mit der selbstbewussten Laura gerechnet …

Die Verfilmung dieser Geschichte war letztes Jahr sowas wie ein Überraschungshit auf Netflix, weswegen im Nachhinein nun alle drei Teile der als Trilogie konzipierten Geschichte auf den Markt geworfen werden (Ich warte eh nur darauf, dass die dann irgendwann auch wieder bei uns in der Bücherschwemme auftauchen werden, wenn der Hype erst mal vorbei ist 😆).


An dieser Stelle folgt meine übliche Spoiler-Warnung (Lesen auf eigene Gefahr!), wer das Buch selbst noch lesen möchte, sollte vielleicht an dieser Stelle lieber aufhören.

Darüber hinaus interpretiert die Autorin den Begriff “Dark Romance” auf recht eigentümliche Weise, von bewusstem Consent keine Spur, ich spreche hier also auch eine Trigger-Warnung für das Buch (und in Folge für die Rezension) aus, wenn es der Verlag schon nicht tut …


Eines noch vorab

Ich habe dieses Buch zusammen mit Gabi vom Laberladen gelesen, ihre Rezension findet ihr hier. Danke dafür, liebe Gabi, dass du das mit mir durchgezogen hast! Ich bin mir nämlich nicht sicher, ob ich alleine nicht doch irgendwann das Handtuch geworfen hätte, mit der Zeit wird das Buch nämlich wirklich anstrengend. Außerdem habe ich mich zwischendurch mit Tanni von “Tii & Ana’s kleine Bücherwelt” zu dem Buch ausgestauscht, ihre etwas freundlichere Rezension gibt es hier.

Rekorde über Rekorde

Wenn man’s genau nimmt, fängt der unfreiwillige Humor schon auf dem rückseitigen Klappentext an, denn so viele Superlative habe ich in der Beschreibung zu einer Autorin auch noch nie gefunden: Eine “der beliebtesten Autorinnen und einflussreichsten Frauen in Polen” ist Schriftstellerin “aus Leidenschaft, nicht aus Notwendigkeit” – und das, weil sie mehr “Offenheit in Bezug auf Sex” erreichen möchte (Was grundsätzlich nicht verkehrt ist, aber dazu später mehr).

Der Erfolg ihrer Trilogie bescherte ihr außerdem die Aufnahme “in die Liste der einflussreichsten Frauen Polens” (nächster Superlativ!), die Verfilmung von “365 Tage” sorgte für einen der “weltweit erfolgreichsten Filme auf Netflix”. Na bitte, wenn das nicht der Mega-Seller ist, der alles bisher Dagewesene in den Schatten stellt!! 😆

Ich vermute, auf meinen ganz persönlichen Rekord mit diesem Buch könnte Madame Blanka aber ganz bestimmt verzichten: Ich glaube, ich habe noch nie so viele Post-its in ein Buch geklebt wie in dieses hier … 🙈

Ab geht die Party …

Kapitel eins beschert Leser:innen gleich auf der ersten Seite einen Vorgeschmack auf das, was folgen wird. Es ist nämlich aus der Perspektive des Protagonisten Massimo geschrieben …

“Die meisten [Nachrichten] betrafen Geschäftliches, aber es war auch eine Nachricht von Anna dabei: ‘Ich bin ganz feucht, du musst mich bestrafen.’ Mein Schwanz erwachte in meiner Hose, mit einem Seufzer rückte ich ihn zurecht.”

Seite 5

Und um sich abzureagieren, schnappt er sich mal eben die Stewardess im Flieger, die ihn dann oral befriedigen darf … Ob sie das will, steht nicht nur Debatte, aber halloooo, es ist ja unser Held, der hier mit seiner Potenz glänzen darf, da gefällt das doch?

Etwas später beglückt er dann seine Noch-Freundin Anna, während er gleichzeitig an seine noch unbekannte “Herrin” denkt, die er seit dem Mord an seinem Vater in seinen Visionen gesehen hat (Er wurde da ebenfalls verletzt und lag dann eine Zeit lang im Koma, wenn ich es richtig verstanden habe, aber die Handlung darf man hier sowieso nicht hinterfragen).

Szenenwechsel

Besagte Herrin hört auf den Namen Laura und ist mit Noch-Freund Martin und zwei seiner Freunde nach Sizilien geflogen, um auf der Insel Urlaub zu machen und Geburtstag zu feiern. Die Beziehung hängt allerdings in der Schieflage, denn Laura hat das Gefühl, nicht genügend Sex zu bekommen.

“Meine sexuelle Energie war […] ein Vulkan, der immer kurz vor dem Ausbruch stand, was in nahezu tägliche Masturbation mündete.”

Seite 21

Bei dem, was folgt, verwundert es allerdings nicht, dass Martin sich in ihren Augen zu viel auf die Arbeit konzentriert, ein normaler Mensch kann ja bei ihrer triebgesteuerten Art einfach nicht mithalten 😆 … Wie auch immer: Das Ganze mündet in einen Streit und Auftritt Massimo, der in der Zwischenzeit beschlossen hat, sie zu entführen, denn – O-Ton – er bekommt immer, was er will.

Und dann geht alles ruckzuck, sie wacht bei ihm auf, er erzählt ihr, dass der Freund bzw. die Freunde weg sind und sie die titelgebenden 365 Tage Zeit hat, um sich in ihn zu verlieben und dass natürlich nichts geschieht, was sie nicht will. Tja, und wer sich jetzt schon gedacht hat, wo in dieser Story ein Sinn zu finden ist – seid gewarnt, es wird noch gruseliger …

… und die Party geht ab

Denn den bereits erwähnten Consent kennt der Choleriker Massimo nicht. Er stalkt sie, verfolgt sie, rennt ihr nackt in die Dusche hinterher und hat auch noch die Chuzpe, sie zu fragen, ob sie mal eben sein bestes Stück anfassen will … Und was tut sie? Hat natürlich nichts anderes zu tun, als seine Übergriffigkeit geil zu finden, obwohl sie es zunächst nicht offen zeigt. Wie ich schon sagte: Den Sinn der Handlung braucht man hier nicht zu suchen – es gibt keinen.

“Sein Atem ging rascher, in seinen Augen loderte wildes, animalisches Begehren. Ich war starr vor Angst, und das machte Massimo ganz offensichtlich wahnsinnig an.”

Seite 59

Was nun folgt, ist eine dauernde Wiederholung desselben Motivs: Sie provoziert ihn, er sagt, sie soll das nicht tun, er bedrängt sie – und dann geht das Spiel wieder von vorne los. Einzelne Details erspare ich euch hier an dieser Stelle. Das Motiv des dominanten Mannes, der sich nimmt, was er will, gab es mittlerweile schon zuhauf in Romanen dieses Genres, Massimo bildet hier keine Ausnahme.

Laura

Ja, es muss sein, der lieben Laura muss ich nen eigenen Absatz widmen, weil so eine dumme, egoistische und oberflächliche Pute ist mir schon ne ganze Weile nicht mehr in nem Buch begegnet. Nicht nur, dass sie offensichtlich außer Klamotten, Schmuck und Sex sonst nichts im Kopf hat, sie säuft auch noch wie ein Schluckspecht zu jeder sich bietenden Gelegenheit – und das, obwohl wir gleich zu Beginn erfahren, dass sie Herzprobleme hat und regelmäßig Tabletten nehmen muss.

“Ich war durstig, also leerte ich das Glas [Champagner Rosé] in einem Zug und griff nach dem nächsten […]. So beschäftigte ich mich eine Stunde, vielleicht länger.”

Seite 142

Ein weiteres Element, das sich mit schöner Regelmäßigkeit wiederholt, sind die Ohnmachtsanfälle, die Laura immer wieder hat. Laura hat Stress, gerät in Bedrängnis, weil sie sich mit Massimo streitet – und was passiert? Ja, genau, sie fällt in Ohnmacht. Ist doch praktisch, oder? Stress vorbei, alle springen, damit Laura ihre Tabletten rechtzeitig bekommt, nächste Szene 😆.

Überhaupt: Probleme lösen und ansprechen, Massimos permanente Bereitschaft zur Gewalt zum Beispiel, ist nicht notwendig. Wozu auch, wenn es doch mit Sex geht. Denn dann wird das Raubtier mit dem “eisigen Blick” (Auch hier habe ich aufgehört zu zählen, wie oft das vorkam) zum zarten Schäfchen, das zumindest eine Zeit lang brav und befriedigt auf der Weide grasen geht.

Aufgrund der Biografie der Autorin ist außerdem zu vermuten, dass sich die Autorin die Rolle quasi auf den Leib geschrieben hat. Nicht nur dass sie denselben Job wie Laura gemacht hat, dieselbe Frisur – einen blonden Bob – hat – sie hat sich auch auf das Cover des zweiten Bandes dieser Trilogie abbilden lassen! Wenn einem da nicht komplett anders wird, weiß ich auch nicht.

Massimo

Was ist das eigentlich für ein Trend, dass die männlichen Protagonisten “der Größte” heißen müssen? Das ist mir schon bei “The Mister” von E.L. James aufgefallen, Maxim ist ja auch nur eine andere Variante desselben Vornamens. Charakterlich sind sie es jedenfalls beide nicht, bleibt eigentlich nur zu vermuten, dass es eine Anspielung auf ihre “Ausstattung” und/oder “Leistung” im Bett ist …

Darüber hinaus zeigt unser “Held” aber einige Züge, die man in der Psychologie tatsächlich einem Psychopathen zuschreibt. Ich habe da nach einer kurzen Recherche eine Checkliste eines amerikanischen Kriminalpsychologen gefunden mit zwanzig Punkten, woran man einen Psychopathen erkennen kann – und für meinen Geschmack konnte ich da viel zu oft ein Kreuzchen machen. Blender mit oberflächlichem Charme, übersteigerter Selbstwert, exzessiver Selbsthunger, pathologisches Lügen und manipulatives Verhalten sind nur die ersten fünf davon – und alle treffen sie meiner Meinung auf diesen miesen Kerl zu …

Aber Hauptsache, er ist ja sooooo wahnsinnig attraktiv, da macht das ja nichts, wenn er mal eben Laura in der Früh zu Sex “überredet”. 🙈

Der Sex

Im Vergleich zu Frau Carlan pflegt Madame Blanka einen etwas weniger blumigen Stil, aber was genau an diesen Szenen erotisch sein soll, wenn er sich einfach nimmt, was er will, ihr ständig seinen Schwanz überall hinsteckt, bevorzugt in den Mund bzw. in die Kehle – das hat sich mir einfach nicht erschlossen. Ich will ja nicht abstreiten, dass Frauen Spaß daran haben, ihre Männer so zu verwöhnen, aber das, was die werte Autorin uns da alleine durch die ewigen Wiederholungen weismachen will, kann ich nicht so recht glauben …

Was ich in dem Kontext übrigens überhaupt nicht ausstehen konnte, war das permanente Verteilen von Ohrfeigen. Anfangs macht sie es, weil sie sich über ihn ärgert, später auch beim Sex, weil sie davon einen Orgasmus bekommt. Ja, richtig gelesen! Und auch in diesem (umgekehrten) Fall keine Spur von Consent, Hauptsache, ihr gefällt es …

Die Nebenfiguren

Was mir etwa gegen Mitte des Buchs das erste Mal aufgefallen ist, ist der eigenwillige Umgang der Autorin mit ihren Figuren. Denn: Sie werden eingeführt, wenn sie sie braucht, nicht vorher zu einem Zeitpunkt, wo es Sinn ergibt.

Da ist einmal die beste Freundin aus Kindheitstagen, Olga, die erst eingeführt wird, als Laura das erste Mal seit ihrer Entführung wieder nach Polen zurückreist (Tja, wo war sie vorher, als Laura das erste Mal ihre Familie wieder kontaktieren darf und ihr eine Lügengeschichte aufgetischt hat, warum sie länger in Italien bleibt?). Madame Blanka beschreibt sie folgendermaßen:

“[…] sie war der lebende Beweis, dass eine Frau mit vielen Partnern keine Hure sein muss. Olgas Beziehung zu Männern beruhte auf einer simplen Regel: Sie gab den Männern, was sie wollten, und die Männer gaben ihr Geld.”

Seite 217

Bleibt die Frage, was sie denn nun ist: Hure oder nicht Hure …

Die Autorin geht aber auch mit den übrigen Figuren nicht gerade sanft um. Da wird bei der Hochzeit der Familie, wo man erstmals den Casanova-Bruder und die Mode-süchtige Mutter (Ja, jetzt wissen wir, woher Laura das hat 😆) kennenlernt, nach Martin ein weiterer ein Ex-Freund einführt, der nichts besseres zu tun hat, als Laura zunächst unter Alkohol und dann unter Drogen zu setzen. Unser Choleriker und Psychopath Massimo sieht verständlicherweise rot und rennt ein paar Seiten weiter los, um den Kerl zu töten.

Ja, ihr Lieben, ihr lest richtig, Massimo hat kein Problem damit, mal eben auszuzucken, wenn sich irgendwer erdreistet, seiner Laura zu nahe zu kommen (Wie war das mit der Psychopathen-Checkliste?). Da hilft auch das Sex-Ablenkungsmanöver nichts, was Laura bereits hinter sich hat, um wenigstens Martin das Leben zu retten … Fragt man sich, wofür es diese Figur überhaupt gibt, außer um zu zeigen, wie irre Massimo eigentlich ist?

Die Handlung

Vielleicht fragt ihr euch, warum ich darüber jetzt erst schreibe. Ich schätze, ihr könnt euch vorstellen, warum. Man könnte sie nämlich locker auf 100 Seiten zusammenstreichen – geschätzt. Die Seiten dazwischen werden mit Einkaufen, Saufen, Sex, ein wenig Drogen-Konsum und ab und zu noch den Fragen, wie die Zukunft für die zwei aussehen soll, gefüllt.

Solltet ihr “Shades of Grey” kennen, könnt ihr euch außerdem eh vorstellen, wo und wie dieses erste Buch endet. Nämlich mit dem grooooßen Cliffhanger. Mehr muss ich dazu wohl nicht sagen? Ein paar Elemente sind noch aus dem dritten Teil von “Shades of Grey” geklaut – und fertig ist das Ende mittten in der Szene.

Die Übersetzung

Das letzte Buch aus diesem Genre habe ich vor zwei Jahren ca. gelesen, “The Mister” von E. L. James. Damals standen, wenn mich meine Erinnerung nicht im Stich lässt, sechs Übersetzer:innen für die Arbeit zur Verfügung. Madame Blankas Werk haben sich nur zwei Leute vorgeknöpft – aber das Ergebnis ist an manchen Stellen genauso schräg.

“[…] dann beugte er sich vor, atmete tief meinen Geruch ein und sagte rau: ‘Du siehst wundervoll aus.'”

Seite 81

Leider kann ich kein Polnisch, es fehlt an dieser Stelle also leider der Vergleich zum Original, daber bleibt die Antwort auf die Frage, ob es nun ums Sehen oder ums Riechen geht, wohl offen …

Es tauchen aber auch andere interessante Formulierungen auf, so wird ein Ferrari aufgrund seiner Knöpfe und Regulatoren mit einem Raumschiff verglichen – beste Grüße vom “(T)Raumschiff Surprise”. Darüber hinaus trägt Laura in einem Satz Stilettos, im nächsten normale Pumps, eine Figur heißt mal Paulo, mal Paolo …

Das Wort zum Schluss

Was soll man zu einem Buch sagen, wo alles, aber auch wirklich alles ein Griff ins Klo ist? Wie bereits zu Beginn erwähnt, möchte die Autorin ja offensichtlich erreichen, dass offener über das Thema Sex gesprochen wird. Die Art und Weise, wie sie das in ihrer Geschichte umgesetzt hat, ist in meinen Augen allerdings mehr als fragwürdig.

Hier wird ein Frauen- und Männerbild gezeichnet, wie es mieser nicht sein kann. Frauen als hohlköpfige Tussis, die nichts Besseres zu tun haben, als auf die Psychopathen ihrer Träume zu warten? Okay, ich weiß, es geht hier um Phantasien (Angeblich haben 62 Prozent aller Frauen Vergewaltigungsfantasien), aber dieses Buch bedient sich darüber hinaus eines derart grausamen Schreibstils, dass man fast zwangsläufig irgendwann Muskelkater vom Augen-Rollen bekommen muss.

Die Handlung ist so extrem absurd, dass ich irgendwann aufgehört habe, sie in diesem Buch zu suchen, denn es bringt einfach nichts. Gewöhnlich stumpfe ich ja im Verlauf einer solchen Geschichte irgendwann ab, aber die Autorin schafft es mit bewundernswerter Hartnäckigkeit, sich immer weiter zu unterbieten, je weiter das Buch fortschreitet. Ich habe nicht gezählt, wie viele Post-its ich am Ende in das Buch geklebt habe, um gewisse Stellen zu markieren, aber hätte ich für jedes einzelne einen Euro bekommen, könnte ich mir davon sicher eine Schmuckausgabe eines Klassikers leisten … 😆

Ergo: Wenn ihr euch trotz meines Abschimpfens dieses Machwerk wirklich antun wollt, holt es euch aus der Bibliothek, denn dafür nur einen Cent auszugeben, ist definitiv ein Cent zu viel. Vom Verbrauch des Papiers für die Print-Ausgabe ganz zu schweigen … Das Geld könnt ihr definitiv sinnvoller in ein wirklich gutes Buch investieren!

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15 Kommentare

  • Tina

    Großartig, wie du diesen Roman sezierst! Ich gebe es ehrlich zu, manchmal lese ich Verrisse total gerne. Vor allem, wenn sie immer noch mit einer Prise Humor garniert sind. 🙂
    Und ja, ich muss auch zugeben, dass es mich gerade bei solchen schwachen Büchern total reizt, selbst mal einen Blick reinzuwerfen (allerdings isses genau umgekehrt bei Büchern, deren Lobeshymnen schon unnormal sind). Aber wenn, dann wirklich nur als Leihe oder gebraucht für ein paar Cent, sonst ärgere ich mich am Ende noch mehr. 🙂

    • Ascari

      Hallo Tina,

      ich weiß genau, was du meinst, mir geht’s nämlich ganz auch so, dass mich Verrisse neugierig machen. Ist ja auch der Grund, warum ich mir gedacht hab, ich muss schauen, ob es wirklich soooooo schlecht ist :D. Ich habe mir das Buch ja auch bei uns aus der Bücherei geholt, weil ich schon geahnt habe, was da kommen wird …

      Liebe Grüße
      Ascari

  • Verena

    wow, Respekt, dass du dieses Buch gelesen hast! Ich lese zwar ganz gerne Romance und auch da ärgere ich mich desöfteren über so manche Darstellungen von Frauen/Männern etc. Aber “356 Tage” ist schon auf einem ganz anderen Level. Mir hat “The Mister” schon gereicht.

    • Ascari

      Hi!

      Ich hab bei “365 Tage” auch oft an “The Mister” zurückdenken müssen, nicht nur wegen Massimo. Trotzdem war das im Vergleich noch besser erzählt – auch wenn ich mir nie hätte träumen lassen, dass ich das jemals sagen würde …

      Liebe Grüße
      Ascari

  • Gabi

    Liebe Ascari,
    ich weiß nicht, ob ich ohne Dich dieses Buch überhaupt angefasst hätte. Aber durch den regelmäßigen Austausch schon während des Lesens – normalerweise, um meinen Frust loszuwerden – hat es ziemlich viel Spaß gemacht. Ich musste beim Lesen Deiner Rezension wieder ständig grinsen. So einen Blödsinn wie dieses Buch zu verzapfen, das braucht schon ein paar spezielle Gehirnwindungen.
    Leider ist das Buch nicht als Persiflage oder Spaß gedacht und deshalb bleibt einem das Lachen im Hals stecken und der Ärger kommt durch. Es gibt wahrlich wichtigere Aspekte zwischenmenschlicher Beziehungen als einen Psychopathen einer hohlen Alkoholikerin anzupreisen und Frau Blanka hätte der Frauenwelt einen größeren Gefallen getan, wenn sie auf das Buch verzichtet hätte.
    Aber selbst ein schlechtes Buch kann noch einem Zweck dienen: Als Beispiel dafür, wie man es nicht machen sollte. Und Deine Warnung, sein Büchergeld lieber für ein anderes Buch auszugeben, kann ich nur unterschreiben.
    Liebe Grüße
    Gabi

    • Moni2506

      Hey Gabi,

      Ich verstehe dich so gut. Ich war bei der The Mister Leserunde dabei. Ohne die anderen hätte ich das auch nicht durchgehalten.
      Von anderen wird gerne mal kritisiert, dass man dann ein Buch liest, von dem man weiß, dass es einem nicht gefallen wird. Die Kritik daran finde ich durchaus gerechtfertigt, andererseits ist es glaube ich auch wichtig, dass das angesprochen wird, was bei solchen Büchern falsch läuft und was für ein falsches Bild da vermittelt wird.
      Ich hatte mich bei The Mister dazu entschieden auf dem Blog halt nur von meinem Leseerlebnis zu berichten, ohne dem Buch eine Wertung zu geben.

      LG, Moni

      • Gabi

        Hallo Moni,

        ich frage mich schon immer, wo diese Kritik herkommt, dass man nur Bücher lesen soll, von denen man annimmt, dass sie einem gefallen. Genauso wenig verstehe ich übrigens das Argument, nur positive Rezensionen zu schreiben und negative Kritik höchstens dem / der AutorIn persönlich zukommen zu lassen. Ich greife aus verschiedenen Gründen zu einem Buch und selbst wenn ich ein Buch lese, weil ich mich darüber ärgern will, ist das doch ein legitimer Grund. Falls meine Kritikpunkte aus der Luft gegriffen und unberechtigt sind, höre ich mir gerne an, wo ich falsch liege. Bei berechtigter Kritik sollte es keine Rolle spielen, wieso ich das Buch gelesen habe.

        Grundsätzlich fände ich es viel spannender und informativer, wenn mehr Leute sich kritisch zu einem Buch äußern würden und nicht nur der Fanclub seine Lobeshymnen los lässt (was ich aber auch immer wieder tue).

        Ich finde es gut, dass Du beim Mister Dein Leseerlebnis geschildert hast, aber ich wäre auch vor einer Bewertung nicht zurückgeschreckt, die Dein Leseerlebnis zusammenfasst.

        Liebe Grüße
        Gabi

        • Moni2506

          Hey Gabi,

          Kritisch äußern halte ich auch definitiv für wichtig. Wie so oft im Leben kommt es glaube ich auf die Balance an. Wenn man ein Buch liest, um sich drüber zu ärgern, dann ist man halt meist auch besonders kritisch, wo man an anderer Stelle vielleicht drüber hinweg gesehen hätte. Ich wusste bei The Mister, dass ich das Buch nicht unvoreingenommen bewerten konnte, daher habe ich das in diesem Fall lieber gelassen und ich weiß auch von mir selber, wie unkritisch ich früher gelesen habe. Shades of Grey hat mich wunderbar unterhalten, die Thesaurus Witze konnte ich dennoch verstehen, aber die problematischen Dinge im Buch habe ich nicht so extrem gesehen, wie ich das wahrscheinlich heute tun würde. Ich hab mich berieseln lassen und das Buch aber natürlich auch nicht für bare Münze genommen.

          LG, Moni

          • Ascari

            Hi!

            Ich greife eigentlich nicht besonders oft zu Büchern, wo ich mir denke, dass sie mir nicht gefallen werden. Mehr als ein, zwei solcher Bücher werden es bei mir pro Jahr nicht, letztes Jahr gab’s sogar gar keines, denn der “Mister” liegt jetzt auch schon zwei Jahre zurück …

            Trotzdem denke ich mir, dass es gute Gründe gibt, bewusst schlechte Bücher zu lesen – und sei es nur, um am Ende darauf aufmerksam zu machen, wo die Schwächen liegen und beispielsweise für andere Leser:innen Trigger-Warnungen auszusprechen. Verlage geben hier die Verantwortung ja nach wie vor ab – also bleibt es auch an den Konsument:innen hängen, hier sich entsprechend zu äußern.

            Berieseln finde ich in diesem Zusammenhang grundsätzlich in Ordnung, jede:r braucht schließlich was zum Abschalten, aber ich finde es nicht gut, wie häufig Leser:innen dabei ignorieren, wie unreflektiert problematische Themen dargestellt werden.

            Liebe Grüße
            Ascari

            • Gabi

              Ich denke, ein paar über-kritische Meinungen können nicht schaden angesichts der vielen unkritischen Begeisterungsstürme, die manche Bücher bekommen. Das schafft ein ausgleichendes Gegengewicht und öffnet vielleicht bei manchen LeserInnen den Blick für Aspekte, die sie gar nicht wahrgenommen haben 🙂

              Natürlich kenne ich das auch, dass man ein Buch einfach lesen und sich darin vertiefen möchte, ohne sich ernsthafte Gedanken über wichtige Themen zu machen. Bei mir sind es eher Thriller, die eine übertriebene und manchmal sogar absurde Handlung haben dürfen, wenn die Spannung stimmt. Da bin ich dann mega tolerant, während andere schon die Augen verdrehen. Und obwohl es mich selbst nicht stört, verstehe ich auch die “Augen-Verdreher”, die zu Recht monieren, dass bei manchen Verfolgungsjagden die Gesetze der Physik arg strapaziert werden etc. 🙂

              Liebe Grüße
              Gabi

  • Moni2506

    Hey Ascari,

    Ich habe das Drama jaschon bei twitter verfolgt und mich herrlich amüsiert, aber bei deiner Rezension muss ich auch schon wieder lachen. Eine der einflussreichsten Frauen Polens? Ernsthaft? Alsodas überrascht mich ein wenig und spricht irgendwie nicht für Polen.
    Ok, an einer Entführung und jemanden dazu zwingen sich in ihn zu verlieben, soll für mehr Offenheit bei Sex und Beziehung sorgen. Eine wirklich sehr interessante Interpretation. Da werden aber wirklich sehr viele falsche Bilder vermittelt…
    In deiner Rezension tun sich tatsächlich noch mehr Abgründe auf, die dieses Buch betreffen. Die meisten, die ich kenne, haben tatsächlich nur den Film gesehen glaube ich. Ich hatte mal die ersten 10 Minuten geschaut und hatte dann schon keine Lust mehr. Danke, dass Gabi und du euch dieser Perle des erotischen Trash-Romanes gewidmet habt, so muss ich das in diesem Fall nicht mehr tun. Ich habe da noch genug von dank The Mister.

    LG, Moni

    • Ascari

      Hi!

      Ich kannte die Dame vor ihrem Buch bzw. dem Film jedenfalls nicht – und ein Teil von mir wünscht sich jetzt auch, ihren Namen wieder vergessen zu können. Was vermutlich aber nicht funktionieren wird, wenn uns im Herbst der dritte Teil dieser Grusel-Trilogie ins Haus stehen wird (Der auf GR eine Wertung von 2,8 hat – ich hab dort noch nie ein Buch unter 3 Sternen gefunden, aber es gibt wohl für alles ein erstes Mal!) …

      Was den Film angeht: Ich habe einige Meinungen gefunden, die sich recht einig waren, dass der Film besser ist als das Buch – und auch das will schon was heißen. Und: Mir gruselt’s schon vor den Fortsetzungen. 🙈

      Liebe Grüße
      Ascari

  • Livia

    Liebe Ascari

    Was für ein herrlich pointierter Verriss, ich konnte mit dem Lesen gar nicht mehr aufhören 🙂

    Über das Buch bin ich schon einige Male gestolpert und ich persönlich finde – ohne es gelesen zu haben – dass das Drama schon viel früher beginnt: so ein Buch hätte gar nie gedruckt werden dürfen. Ich wage aber, dem Verlag zu unterstellen, dass wohl jede Werbung besser war, als keine Werbung… Also passt das dann ja wieder zum Zeitgeist.

    Immerhin ist so deine unterhaltsame Rezension entstanden, so hatte das Buch doch noch etwas Gutes 😉

    Alles Liebe
    Livia

    • Ascari

      Hi!

      Wenn ich es richtig verstanden habe, ist die deutsche Version ja eigentlich nur deswegen herausgekommen, weil der Film letztes Jahr auf Netflix so ein Hit war … Der Film wiederum ist aber wegen des angeblichen Erfolgs in Polen (So richtig will ich das immer noch nicht glauben, dass dieses Machwerk so erfolgreich war) entstanden.

      Bei solchen Dingen frage ich mich dann immer, mit welchem Recht Verlage eigentlich auf die Buchpreisbindung pochen. Von wegen “Kulturgut Buch” – dieses Argument stimmt einfach nicht mehr. Gedruckt wird, was sich verkauft, und wäre das Telefonbuch ein Millionenseller, würde es vermutlich auch jedes Jahr mehrere Neuauflagen geben …

      Aber schön, dass ich dich wenigstens gut unterhalten konnte! 😂😂

      Liebe Grüße
      Ascari

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