Rezension

Rezension Joyce Summer – Jenseits des Kaps

Mit “Jenseits des Kaps” geht es nach “Tod am Kap” das zweite Mal nach Südafrika, genauer gesagt nach Kapstadt bzw. in die Umgebung der Stadt. Man kann diese neue Geschichte meiner Meinung nach aber auch problemlos lesen, wenn man den ersten Band der Reihe um den sympathischen Captain Pieter Strauss nicht kennt.

“Jenseits des Kaps” enthält zwar einige Anspielungen auf den ersten Teil, aber keine, die notwendig sind, um in das Buch reinzukommen – Gott sei Dank, denn es ist auch für mich schon einige Zeit her … 😁

Der Klappentext:

BLÜHENDE TÄLER, BLUTENDE ERDE

Nichts zieht Captain Pieter Strauss nach Hause ins südafrikanische Elgin Tal. Seit einem Streit vor sechzehn Jahren sprechen er und sein Vater Zef kaum ein Wort mehr miteinander.

Da wird die Leiche einer jungen Aktivistin, die den weißen Farmern den Kampf angesagt hat, im alten Wasserspeicher der Strauss’ Farm gefunden. Die örtliche Polizei hat bereits einen Verdächtigen inhaftiert: Zef
Strauss. Pieter eilt seinem Vater aus Kapstadt zur Hilfe, auch wenn er selbst von dessen Unschuld nicht überzeugt ist. Schnell verfängt er sich in einem Netz aus alten Konflikten, verzweifelten Aufständen und blutigen Morden.

Der zweite Fall für Captain Pieter am Kap der Verlorenen Hoffnung.

Meine Meinung:

Der Klappentext beschreibt schon ziemlich gut, was einen hier erwartet. Denn Joyce versteht es ganz hervorragend, ihre Geschichte mit ganz verschiedenen Aspekten von Südafrika zu verknüpfen.

Die Geschichte spielt 2016, also fünf Jahre in der Vergangenheit. Das Land hat zwar noch nicht mit der Pandemie zu kämpfen, aber dafür mit genügend anderen Problemen: Das gemeinsame Miteinander in einer gemeinsamen Regenbogennation scheint ferner denn je, denn die junge Aktivistin Tansey war Mitglieder einer radikalen politischen Gruppe, die das Land der weißen Farmer besetzen will, damit Schwarze darauf siedeln können.

“Leider ist es nicht so einfach. Die Stimmung im Land ist aufgeheizt. Ich bin kein Politiker, aber die Debatte um die Landreform schlägt sich im Miteinander nieder. Die Hemmschwelle wird herabgesetzt und auf beiden Seiten steigt die Bereitschaft zur Gewalt.”

Pieter über die Situation im Land – ca. 17 %

In der ohnehin schon angespannten Situation im Elgin-Tal gleicht das Ganze einem Pulverfass, das jederzeit explodieren kann. Konflikte, die bisher eher unter der Oberfläche geschwelt haben, kommen unerbittlich ans Tageslicht, während Pieter mit der Hilfe seines Freundes Jan versucht, Licht in das Dunkel zu bringen.

So weit zum Krimi-Anteil dieser Geschichte. Schon Joyce’ Madeira-Krimis mag ich ja auch deswegen, weil man immer das Gefühl hat, sich wirklich mitten in der Geschichte, im Land selbst zu befinden und mit seinen Figuren dort zu leben. So ist es auch hier. Südafrika hat vor allem in jüngerer Zeit eine sehr wechselvolle Geschichte gehabt – und obwohl es nicht leicht ist, merkt man mit jeder Faser, wie sehr Pieter an seiner Heimat hängt, sich mit Freunden trifft oder mit ihnen Rugby spielt.

“Es ist genauso unsere Heimat wie die der anderen. Ob Zulu, Xhosa, Coloured, Weiß oder einer der anderen Regenbogenfarben unserer Nation. Wir alle haben unsere Wurzeln in diesem schönen Land.”

Ein Freund zu Pieter – ca. 60 %

Die geografischen Fleckchen, wohin Joyce die Leser:innen entführt, existieren bis auf einige Ausnahmen wirklich (Genaueres erklärt die Autorin dazu im Nachwort) und können damit zumindest virtuell besucht werden, sei es mit Google Maps und/oder der eigenen Phantasie. Mit einem entsprechenden Glas Wein aus der Region macht das Lesen gleich noch einmal viel mehr Spaß – das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen!

Einen Kritikpunkt muss ich aber trotzdem loswerden: Der Sinn der “Vorgeschichte” hat sich mir nicht so ganz erschlossen, die unsere Ermittler in die Weinregion am Kap, nämlich nach Stellenbosch, führt. Diese trägt nur wenig zum eigentlichen Fall bei, der im Klappentext beschrieben wird. Entsprechend beginnt dieser Teil der Handlung erst deutlich später, als ich erwartet habe. Trotzdem war es natürlich interessant, auf diese Weise etwas über diese Region zu lernen, jetzt weiß ich beispielsweise auch, was ein Pinotage ist.

Das Ende – und damit die Auflösung des Falls – kommt für meinen Geschmack ein bisschen unspektakulär daher, allerdings hat es dieses Mal nicht an Verdächtigen gemangelt. Hier hätte vielleicht noch eine Prise mehr Action sein dürfen, um die Spannung zusätzlich anzuheizen … In Summe hat’s aber trotzdem viel Spaß gemacht, sich mit diesem Krimi wieder einmal in fremde Gefilde zu träumen und zumindest geistig dieses ganz besondere Land zu bereisen – das muss auch gesagt werden. Und: Ich hätte jetzt wieder Lust auf einen Urlaub, jawohl!

Mein Fazit:

“Jenseits des Kaps” ist ein krimineller Reiseführer, wie man ihn mag: Er enthält von allem etwas – Spannung, Schönheit, Genuss, Informationen zum Land. Im Vergleich zu “Tod am Kap” kommt diese Geschichte wieder etwas lockerer und leichter daher, die Probleme des Landes werden dabei aber nicht vernachlässigt.

  • ★★★★
  • E-Book
  • 342 Seiten
  • via tolina media
  • 978-3754604397
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8 Kommentare

  • Anja von Tii&Ana

    Hallo,

    tolle Rezension zu diesem Buch.
    Mit krimineller Reiseführer triffst Du auch meine Gedanken gut. Ich habe mich auch wie auf einer Reise gefühlt.

    Ich habe mir erlaubt, die Rezension bei uns zu verlinken und hoffe das ist okay für Dich. Auch wenn meine Kurzmeinung bei weitem nicht so viel wiedergibt wie Deine Besprechung. Aber dafür ergänzen sich die Dinge.

    Herzliche Grüße
    Anja

    • Ascari

      Hallo Anja!

      Kein Problem! Hast du schon andere Bücher von Joyce gelesen oder war das jetzt dein erstes? Ich mag ihre Madeira-Geschichten ja auch sehr gern 🙂 .

      Liebe Grüße
      Ascari

      • Anja von Tii und Ana

        Tatsächlich war das mein erstes Buch von Ihr.
        Ich habe mir den ersten Teil von Pieter Strauss gekauft, denn da möchte ich jetzt auch wissen was passiert.

        Ich finde es immer klasse, wenn man noch neue Autoren/Autorinnen für sich entdeckt, die einen dann so begeistern können.

        • Ascari

          Ich finde es ja schön, dass Joyce langsam eine größere Leserschar findet. Als sie mich zu Beginn meiner Bloggerzeit das erste Mal angeschrieben hat, waren wir noch nicht so viele … Wenn ich mir meine gesamten Rezensionen so anschaue, bin ich wirklich schon lange dabei. 😂

  • Gabi

    Liebe Ascari,
    auch wenn ich erst spät dazu gekommen bin, Deine Rezension zu lesen, will ich doch noch einen Kommentar dazu hinterlassen.
    Du triffst es genau auf den Punkt, was die Krimis von Joyce Summer ausmachen. Und in diesem zweiten Band hat mir auch gefallen, dass wir die Person Pieter Strauss noch näher kennenlernen konnten. Ein Blick in sein Elternhaus und seine Jugend hat noch einen weiteren Aspekt von ihm beleuchtet. Ich hoffe, er bekommt noch viele Fälle zu lösen!
    Liebe Grüße
    Gabi

    • Ascari

      Liebe Gabi,

      da bin ich mir sicher, dass das nicht sein letzter Fall war! Wobei ich vermute, dass es nächstes Jahr jetzt erst einmal ein neues Abenteuer auf Madeira geben wird … Joyce hat da so eine Andeutung fallen lassen. 😁

      Liebe Grüße
      Ascari

  • Livia

    Liebe Ascari

    Die Reihe kenne ich noch gar nicht, es klingt spannend, was du schreibst und ich werde mir die Bücher einmal näher ansehen.

    Ganz liebe Grüsse und danke für den Tipp
    Livia

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